Eine Klasse für sich – so überschrieb Stefan Kaschel den Top-Test der Kawasaki Z 750, Jahrgang 2007. Doch der MOTORRAD-Mann spielte damit weniger auf die Qualitäten des Fours als vielmehr auf die Wiederbelebung der Motorradgattung schlechthin an: Waren 750er wie die Honda CB 750 oder BMW R 75/5 nicht einst das Maß aller Dinge?
Tradition hin, Glorifizierung her, ist die Kawasaki Z 750 auch auf der Straße eine Klasse für sich? Natürlich musste sich die Kleine auch an ihrer großen Schwester Z 1000 messen lassen. Die hat die Latte gleich zu Anfang sehr hoch gelegt und gilt eindeutig als das ambitioniertere Motorrad. Die Ersparnis von knapp 3000 Euro gegenüber der 1000er ließ sich an Bord der Z 750 auch in puncto Fahrwerk und Fahrleistung spüren. Auf der Habenseite überzeugte die „Dreiviertel-Zett“ allerdings schon in ihrer ersten Ausführung (2004 bis 2006) als prima Allrounder für alle Tage. Mit dem Modell-Update von 2007 gewann die Kawasaki Z 750 nochmals an Druck (bessere Unten-/Mitte-Abstimmung) und Komfort (spürbar weniger Vibrationen). Beim Fahrwerk sticht nun eine in Federbasis und Zugstufendämpfung einstellbare Upside-down-Gabel ins Auge, doch in Verbindung mit dem (zu harten) Federbein hinten gilt: nicht perfekt, aber für die Landstraße durchaus ausreichend.

Zeigefreudig: Das Cockpit der Kawasaki Z 750 ab 2007 punktet durch eine gefällige Form, vor allem aber durch die sehr gute Erfassung aller relevanten Informationen.

Modische Wave-Bremsscheibe ab Modelljahr 2007. Aber noch viel wichtiger: ABS als Serienausstattung. Die Leistung leidet jedoch unter langen Regelintervallen.

Viel digital, wenig Freude? Das Cockpit der ersten Kawasaki Z 750 konnte mit umlaufender LCD-Segment-Anzeige der Drehzahl nicht wirklich gefallen.

Tipp für Schnäppchenjäger: Die tourensportliche Ausgabe Kawasaki Z 750 S mit Halbschale (Bauzeit 2004 bis 2006) kostete neu 300 Euro mehr. Gebraucht jetzt günstiger als die Standard-Z.

2004: erster Jahrgang mit einem Endtopf, wie er heutzutage kaum noch zu sehen sein dürfte.
Besichtigung

Typische Kawasaki Z 750-Macken? Händler und Werkstätten schütteln bei dieser Anfrage meist mit dem Kopf. Die „Dreiviertel-Four“ gilt als robust und wenig anfällig für Defekte aller Art. Also gilt es beim Vorort-Termin eher, Pflegesünden oder Gebrauchsspuren aller Art aufzuspüren: Kratzer oder Schrammen an Gehäusedeckeln, die von Umfallern künden, verschlissener Kettensatz, niedriger Ölstand. Jüngere Fahrzeuge aus erster Hand werden meist noch mit lückenlos abgestempeltem Scheckheft weitergereicht, ab der zweiten oder dritten Hand sinkt die Wartungsbereitschaft dagegen enorm. Dafür steigt die Lust am Umbauen, wobei aber nicht immer ein geschmackvolles Händchen gezeigt wird. Beliebteste Tuningmaßnahmen: Auspuff (vor allem bei der ersten Generation der Kawasaki Z 750), Mini-Blinker, Spiegel, Heckumbau. Spannende Frage: Haben alle Anbauteile ein E-Prüfzeichen für den legalen Betrieb im öffentlichen Verkehr? Finger weg von zweifelhaften Radikalumbauten.
Marktsituation

Die Schwacke-Liste führt den ersten Jahrgang der Kawasaki Z 750 mittlerweile deutlich unter 2000 Euro. Allerdings dürfte er dann nach dem bekannten Fahrzeug-Bewertungstool auch schon über 100.000 Kilometer auf dem Tacho haben. Im Falle des Naked Bikes für alle Tage natürlich ein rein hypothetischer Wert. Die gängigen Fahrzeugbörsen im Internet zeigen die Realität: Die günstigen Einstiegsangebote liegen knapp über 2000 Euro für die ersten zwei Jahrgänge der Z 750, die Kilometerleistung dafür deutlich unter der 50.000er-Marke. Kein Wunder, die Standard-Z ist ja auch nicht als tourentauglicher Kilometerfresser konzipiert, sondern wird meist von (Wieder-)Einsteigern mit relativ moderaten Jahresfahrleistungen bewegt. Anders dagegen die halb verkleidete S-Version, die meist mit Extras wie tourentauglicher Sitzbank oder Koffern angeboten wird. Dafür aber spricht diese nur einen sehr speziellen Käuferkreis an, weshalb die Tarife trotz des Mehrwerts in Form von Laufleistung oder Ausstattung im Verhältnis deutlich unter den üblichen Z 750-Preisen liegen. Die erste Modellgeneration (bis 2006) wird häufig von privat angeboten, für Händler ist sie meist ob der Gewährleistungspflicht zu heikel. Bei der zweiten Generation ist das Verhältnis dann eher umgekehrt.
Technische Daten

Modellpflege

2004 Markteinführung der Kawasaki Z 750 mit 110 PS. Farben: Schwarz, Rot, Blau. 7195 Euro.
2005 Neue Farbe: Silber, Rot entfällt. Preis unverändert. Zweites Modell Kawasaki Z 750 S kommt mit Halbverkleidung, anderer Instrumentierung, tourentauglicher Sitzbank mit mehr Soziuskomfort und Haltegriffen. Farben: Rot, Blau. 7495 Euro.
2006 Zündschloss wegen Vibrationen gummigelagert; Wegfahrsperre serienmäßig; neuer Lenker. Farben: Schwarz, Orange, Silber. Preis unverändert. Letztes Verkaufsjahr für die Kawasaki Z 750 S.
2007 Umfangreiche Überarbeitung mit neuer Form (u. a. Lampenmaske, Auspuff) und neuer Motorabstimmung inklusive G-Kat. Leistung sinkt auf 106 PS. Fahrwerk mit Upside-down-Gabel. ABS serienmäßig. Farben: Schwarz, Grün, Silber. 7895 Euro.
2009 Klare Blinkergläser mit orangefarbenen Lampen. Neue Farbe: Blau, Silber entfällt. 7995 Euro.
2011 Neue Bremsleitungen; nur noch zwei schwarze Schlüssel, Master-Key entfällt. Neue Farbe: Weiß, Blau entfällt. Preis 8295 Euro. Markteinführung der besser ausgestatteten Kawasaki Z 750 R (8995 Euro) mit modifiziertem Fahrwerk (u.a. Aluschwinge) und Zweifarblackierung. 8995 Euro.
2012 Letztes Verkaufsjahr der Z 750/R, Nachfolgemodell Z 800 erscheint 2013. 8395/9235 Euro (Z 750/Z 750 R).
Triumph Street Triple

Dreizylinder-Reihenmotor, 675 cm³, 106 PS; seit 2007 im Programm; Neupreis 2007: 7350 Euro, gebraucht ab 3500 Euro
Suzuki GSR 600

Vierzylinder-Reihenmotor, 599 cm³, 98 PS; von 2005 bis 2012 im Programm; Neupreis 2005: 6990 Euro, gebraucht ab 2500 Euro
Yamaha FZ6/Fazer

Vierzylinder-Reihenmotor, 600 cm³, 98 PS; von 2004 bis 2010 im Programm; Neupreis 2004: 6750 Euro, gebraucht ab 2300 Euro
BMW F 800 R

Zweizylinder-Reihenmotor, 798 cm³, 87 PS; seit 2009 im Programm; Neupreis 2009: 7940 Euro, gebraucht ab 4800 Euro