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Lieferengpässe bei neuen Motorrädern?

Lieferengpässe bei neuen Motorrädern? Selten längere Lieferzeiten durch Pandemie

Muss ich wegen Corona länger auf mein Motorrad warten? Nein, höchstwahrscheinlich nicht. Und wenn doch, wird es wenig mit der Pandemie zu tun haben.

Wer befürchtet, auf sein neues Wunschmotorrad länger warten zu müssen als geplant, kann in den meisten Fällen aufatmen. Bei einzelnen Modellen könnte es zu Verzögerungen von ein paar Wochen oder wenigen Monaten kommen, wie beispielsweise bei der Yamaha MT-09. Die hätte planungsmäßig schon im März bei den Händlern stehen sollen und kommt jetzt erst im April/Mai. Alle anderen Euro 5-Motorräder von Yamaha sind da, kommen pünktlich oder wurden letztes Jahr schon verkauft.

Bei Triumph beispielsweise kann es aufgrund der noch nicht ganz geschmeidigen Zollabfertigung von Großbritannien in die EU aktuell noch zu leichten Verzögerungen bei der Zustellung kommen. Von einem Lieferengpass kann man aber auch hier nicht sprechen.

Euro 5-Umstellung und neue Modelle

Wenn es vereinzelt doch mal zu ein paar Wochen verzögerter Lieferzeit kommt, hat das meist nicht direkt etwas mit der Pandemie zu tun. "Wir haben es hier mit einem Euro 5-Modellwechsel und teilweise ganz neuen Modellen zu tun, da sind ein paar Wochen Verzögerungen nichts Außergewöhnliches. Das gab es auch in den letzten Jahren mit der Einführung neuer Modelle schon – nicht nur bei Yamaha.", so die Rückmeldung eines Yamaha-Händlers.

Vor Ort ausverkaufte Modelle

Klar, wer beim Händler seines Vertrauens ein Modell kaufen möchte, das vor Ort bereits ausverkauft ist, kann sich auf ein paar Monate Wartezeit einstellen, möglicherweise bis Mitte des Jahres 2021. Oder er oder sie wendet sich an einen Händler, der das Modell noch vorrätig hat. Aber auch das ist nichts, was wir erst seit Pandemie-Zeiten kennen, sondern im Einzelfall recht gewöhnlich.

Lieferketten und Logistik

Man könnte vermuten, dass sich die im Jahr 2020 unterbrochene Lieferketten jetzt noch auf die Produktion auswirken. Laut der von uns angefragten Hersteller und Händler ist das bisher aber nicht der Fall und zeichnet sich auch für die nächsten Monate nicht ab.

Was tatsächlich ein Thema sein könnte, ist die Logistik zwischen Asien und Europa. Da die Containerschiffe derzeit gut gebucht beziehungsweise ausgebucht sind, sind Frachtplätze rar und teuer. Deshalb haben beispielsweise einige Honda-Händler nicht ganz so viele Modelle vorrätig, wie sie es gerne hätten. Die Nachfrage sei nämlich groß, doch die Verschiffung der Motorräder liefe gerade nicht planmäßig, so die Rückmeldung eines Händlers. Wie die meisten Motorradhersteller produziert aber auch Honda einige Modelle in Europa (Italien und Spanien), so dass die Händler hierzulande nicht nur auf Modelle aus Asien angewiesen sind.

Anders Suzuki. Der Hersteller schifft seine Motorräder aus Japan nach Europa. Die Händler verfügen nach Aussage von Suzuki aber bereits über ausreichend Modelle. Und wenn mal eine gewünschte Farbe vor Ort nicht verfügbar sein sollte, vermittelt Suzuki die gewünschte Maschine kurzfristig aus dem Händlernetz. "Auch unsere neue Hayabusa wird wie geplant Anfang April in ausreichenden Mengen bei unseren Vertragshändlern eintreffen."

Das sagen die Motorrad-Hersteller

"Was die Verfügbarkeit von Ersatzteilen und Zubehör betrifft, gibt es aktuell keine längeren Lieferzeiten oder Bestands-Engpässe.", so die Rückmeldung von Suzuki zur Frage nach der Ersatzteillage.

Und auch Triumph vermeldet: "Lieferengpässe gibt es weder bei unseren Motorrädern noch bei Ersatzteilen."

Die BMW-Händler seien ebenfalls bestens gerüstet für den Saisonstart und das zentrale Ersatzteillager in Dingolfing sei prall gefüllt und jederzeit lieferfähig, so die Rückmeldung von BMW Motorrad.

Entschärfung gibt auch Harley-Davidson: "Die Corona-Pandemie hat vielschichtige Auswirkungen auf den globalen Handel. Bei Harley-Davidson jedoch sind alle Vorzeichen gut: Unser Modelljahreswechsel fand planmäßig im Januar und Februar 2021 statt, die 2021er-Motorräder sind bereits auf dem Seeweg unterwegs zu uns und bei ihrer Auslieferung an Händler und Kunden ist derzeit mit keinen oder maximal geringen Verzögerungen zu rechnen. Auch bei Ersatzteilen sehen wir derzeit keine akute Verschlechterung der Situation. Die relevanten Teile für aktuelle und gängige ältere Fahrzeuge sind in der Regel kurzfristig lieferbar und spezielle Teile können zumeist problemlos bestellt werden."

Auch die Marke Kawasaki ist, laut eigenen Aussagen, betroffen von der instabilen Logistiklage in der Weltwirtschaft, Stichwort Containerverfügbarkeit. "Allerdings ist die Lage in unserer Lieferkette noch so weit stabil. Im Bereich der Ersatzteile erwarten wir keine Verfügbarkeitsprobleme.", so Jürgen Höpker-Seibert, der stellvertretende Kawasaki-Niederlassungsleiter. Er informierte uns auch darüber, dass aufgrund der sehr guten Nachfrage bereits das Gesamtkontingent des Modelljahrs 2021 von den Kawasaki-Händlern vorbestellt wurde. Kurzfristige Produktionserhöhungen seien allerdings leider nicht möglich.

Fazit

Wer also befürchtete, dass er auf sein neues Wunschmotorrad länger warten muss als geplant, den können wir beruhigen: Bis auf wenige Ausnahmen trudeln die Modelle planmäßig ein oder sind sogar schon vor Ort. Und der Ersatzteilnachschub scheint auch kein Thema zu sein.