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Lieferengpässe bei neuen Motorrädern

Lieferengpässe bei neuen Motorrädern Leser-Erfahrungen gefragt: Müsst ihr auch warten?

Gründe für Lieferverzögerungen bei Motorrädern und Ersatzteilen gibt es zur Zeit viele: Nachwirkungen der Corona-Lockdowns, Havarie im Suezkanal, schleppende Zollabfertigung zwischen Großbritannien und EU sowie Produktions-Engpässe wegen Halbleitermangels. Welche Erfahrungen habt ihr gemacht?

Ob es nun um einen Modellwechsel im Zuge der Euro 5-Norm geht, um fehlende Halbleiter, zu teure und zu rare Schiffscontainer oder um den tagelang gesperrten Suezkanal – die Gründe für mögliche Lieferengpässen sind aktuell so zahlreich wie nachvollziehbar. Uns interessiert:

  • Welche Erfahrungen habt ihr gemacht?
  • Wer von euch wartet auf ein bestelltes Motorrad (Marke/Modell) oder Ersatzteile und wie lange?
  • Was sagen eure Motorradhändler dazu?

Schreibt uns gerne an brigitte@motorradonline.de

Im Folgenden erläutern wir euch die einzelnen Ursachen:

Verzögerung wegen Euro 5

Wegen des Euro 5-Modellwechsels kann es bei einzelnen Modellen zu Verzögerungen von ein paar Wochen oder wenigen Monaten kommen, wie beispielsweise bei der Yamaha MT-09. Die hätte schon im März bei den Händlern stehen sollen und kommt jetzt erst im April/Mai. Die meisten anderen Euro 5-Motorräder von Yamaha sind bereits bei den Händlern oder wurden letztes Jahr schon verkauft.

Wenn es vereinzelt doch zu ein paar Wochen verzögerter Lieferzeit kommt, hat das nicht immer direkt etwas mit der Pandemie zu tun. "Wir haben es hier mit einem Euro 5-Modellwechsel und teilweise ganz neuen Modellen zu tun, da sind ein paar Wochen Verzögerungen nichts Außergewöhnliches. Das gab es auch in den letzten Jahren mit der Einführung neuer Modelle schon – nicht nur bei Yamaha.", so die Rückmeldung eines Yamaha-Händlers.

Zollabfertigung Großbritannien – EU

Bei Triumph beispielsweise kann es aufgrund der noch nicht ganz geschmeidigen Zollabfertigung von Großbritannien in die EU aktuell zu leichten Verzögerungen bei der Zustellung kommen. "Lieferengpässe gibt es weder bei unseren Motorrädern noch bei Ersatzteilen.", versichert uns der britische Hersteller.

Engpass durch Halbleitermangel

Eric de Seynes, Präsident und CEO von Yamaha Motor Europe erklärt in einem Video, dass die Auswirkungen der Corona-Pandemie auf die Lieferketten doch nachhaltiger seien als zuvor angenommen. Nicht alle Produkte könnten deshalb zum Beginn der Motorradsaison 2021 in ausreichender Menge zur Verfügung gestellt werden. Eine Ursache hat mit der Verfügbarkeit von Rohmaterialien für Halbleiter (Chips) und der Halbleiter-Herstellung zu tun. Diese Halbleiter sind beispielsweise unverzichtbar für Smart-Keys, ABS-Bremssysteme, Steuergeräte uws. Die aktuelle Nachfrage nach Halbleitern ist so hoch, dass viele Hersteller und Zulieferer in sämtlichen Branchen immer wieder Produktionspausen einlegen müssen, weil die Chips fehlen.

Hintergrund 1: Durch die Auswirkungen der Pandemie wurden und werden sehr viel mehr Produkte verkauft, die auf Halbleiter angewiesen sind (bspw. Laptops und Spielekonsolen).

Hintergrund 2: Durch die angespannte und unbestimmte Lage im Jahr 2020 und der daraus resultierenden Angst vor zu hohen Lagerbeständen, kürzten Hersteller und Zulieferer die Bestellungen merklich und können deshalb heute nicht auf Lagerbestände zurückgreifen.

Logistik und Suezkanal

Die Logistik zwischen Asien und Europa ist aktuell ein weiteres Nadelöhr in den Lieferketten. Da die Containerschiffe derzeit gut gebucht beziehungsweise ausgebucht sind, sind Frachtplätze rar und teuer. Deshalb haben beispielsweise einige Honda-Händler nicht ganz so viele Modelle vorrätig, wie sie es gerne hätten. Die Nachfrage sei nämlich groß, doch die Verschiffung der Motorräder liefe gerade nicht planmäßig, so die Rückmeldung eines Händlers. Wie die meisten Motorradhersteller produziert aber auch Honda einige Modelle in Europa (Italien und Spanien), so dass die Händler hierzulande nicht nur auf Modelle aus Asien angewiesen sind.

Zur sowieso schon angespannten Container-Situation kam Ende März 2021 noch die havarierte Ever Given. Das Containerschiff blockierte tagelang den Suezkanal. Das verschärfte die Situation um die sowieso schon raren und aktuell sehr teuren Container-Plätze weiter. Das Schiff hatte auch mehrere tausend Teile von Yamaha an Bord, wie Eric de Seynes, Präsident und CEO von Yamaha Motor Europe in seinem Video-Statement erklärte.

Wegen der Suezkanal-Blockade und deren Folgen soll sich wohl unter anderem auch die Auslieferung der neuen Suzuki Hayabusa um einige Wochen verzögern. Geplant war, dass das Modell Anfang April in ausreichenden Mengen bei den Händlern eintreffen würden. "Was die Verfügbarkeit von Ersatzteilen und Zubehör betrifft, gibt es aktuell keine längeren Lieferzeiten oder Bestands-Engpässe.", so die Rückmeldung von Suzuki zur Frage nach der Ersatzteillage.

Auch Kawasaki ist, laut eigenen Aussagen, betroffen von der instabilen Logistiklage in der Weltwirtschaft, Stichwort Containerverfügbarkeit. "Allerdings ist die Lage in unserer Lieferkette noch soweit stabil. Im Bereich der Ersatzteile erwarten wir keine Verfügbarkeitsprobleme.", so Jürgen Höpker-Seibert, der stellvertretende Kawasaki-Niederlassungsleiter. Er informierte uns auch darüber, dass aufgrund der sehr guten Nachfrage bereits das Gesamtkontingent des Modelljahrs 2021 von den Kawasaki-Händlern vorbestellt wurde. Kurzfristige Produktionserhöhungen seien allerdings leider nicht möglich.

Ausverkaufte oder neue Modelle

Klar, wer beim Händler seines Vertrauens ein Modell kaufen möchte, das vor Ort bereits ausverkauft ist, kann sich auf ein paar Monate Wartezeit einstellen, möglicherweise bis Mitte des Jahres 2021. Oder er oder sie wendet sich an einen Händler, der das Modell noch vorrätig hat. Das ist aber nichts, was wir erst seit Pandemie-Zeiten kennen, sondern im Einzelfall recht gewöhnlich.

Die Suzuki-Händler verfügen beispielsweise nach Aussage von Suzuki bereits über ausreichend Modelle. Und wenn mal eine gewünschte Farbe vor Ort nicht verfügbar sein sollte, vermittelt Suzuki die gewünschte Maschine kurzfristig aus dem Händlernetz. "Auch unsere neue Hayabusa wird wie geplant Anfang April in ausreichenden Mengen bei unseren Vertragshändlern eintreffen."

Fazit

Manchmal kommt eben alles zusammen. Als ob eine Pandemie und der durch die Auswirkungen rar gewordene Platz auf den Containerschiffen nicht schon logistische Herausforderung genug wären, blockiert dann auch noch ein Containerschiff tagelang den Suezkanal. Und für die Motorradhersteller kommt der Wechsel auf Euro 5 noch hinzu. Neue Modelle und Modellwechsel gingen schon in der Vergangenheit oft mit zeitlichen Verzögerungen einher. Zu 100 Prozent keine Wartezeit haben aktuell nur die, die sich ein Modell rauspicken, das der Händler schon in den Hallen stehen hat.