Moorräder aus China Motorradmarkt China MRD

Motorradland China: Markt, Marken, Modelle, Land

Motorradland China Motorradmarkt, Marken, Modelle, Land

China gibt Vollgas: Zuerst exportierte das Land des Lächelns einfache Komponenten, dann billigst gebaute Maschinchen. Ihnen folgten kostengünstige Singles, nun lassen wassergekühlte Mehrzylinder"made in China" aufhorchen. Da kommt, so viel ist sicher, noch viel auf uns zu.

Bereits in den Ausgaben 9/2002 und 17/2011 fragte MOTORRAD, ob der Riese aus dem Reich der Mitte erst den südostasiatischen und dann den Weltmarkt aufmischen würde: "China: Gefahr oder Chance?" Heute lautet die Antwort vermutlich: beides! "Wer in Europa ein chinesisches Motorrad belächelt, dem könnte in wenigen Jahren sein Lachen vergehen", orakelten wir 2011. Nun ist es so weit, der Quantität folgt ernst zu nehmende Qualität bis weit in die Mittelklasse. Komplett angelieferte Motoren "made in China" setzen selbst namhafte Hersteller wie BMW, Fantic oder SWM in europäischen Fertigungsstätten in diverse Fahrgestelle.

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Elektromobilität mischt Karten neu

Dabei genießen chinesische Maschinen in Deutschland nicht gerade den besten Ruf. Zu sehr ruinierten Geschichten von miesen Baumarktrollern das Image. Sie wurden ohne Ansprechpartner verkauft, trieben zurate gezogene Mechaniker etablierter Motorradhändler scharenweise in den Wahnsinn. Billig allein bringt es eben nicht, schon gar nicht auf Dauer. Doch davon sind aktuelle chinesische Fabrikate dank besserer Qualitätssicherung zum Teil meilenweit entfernt. Es gibt nun das ganze Spektrum, vom absoluten Billigheimer bis hin zu ambitionierten Modellen. Höhere Fertigungsqualität, gehobene Materialgüte und renommierte (internationale) Zulieferer bieten mittlerweile auch chinesische Firmen. Ein reines Billiglohnland ist China schon längst nicht mehr.

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Jörg Künstle
Gestern: Die 125er-Shineray stand im Jahr 2007 für Pfusch aus der Kiste, liederlich verarbeitet, mit vielen technischen Mängeln.

Denn niedrige Toleranzen, teure Materialien und qualifiziertes Personal haben auch in China ihren Preis: Eine Voge 500 R kostet "nur" rund 1.000 Euro weniger als die in Thailand gebaute Honda CB 500 F. Dabei kopiert sie dreist deren Motor – inklusive Hub-Bohrungs-Verhältnis, Gehäusedeckeln und Motoraufnahmen. Bloß ein Plagiat also? Nun, die allererste Yamaha, die YA-1 "Rote Libelle" von 1955 galt als detailgetreue Kopie der DKW RT 125. Und das heutige Gütesiegel "made in Germany" galt in England einst als Warnhinweis, um vor vermeintlich minderwertiger Qualität aus Deutschland zu warnen. Speziell bei der Elektromobilität sind die Karten neu gemischt, hält China viele Trümpfe im Ärmel: Entwicklungsvorsprünge bei Verbrennungsmotoren zählen hier nicht mehr.

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Hersteller
Morgen: Die CFMoto MT 800 als„Africa Twin aus China“ entwarf Kiska. Der Ex-KTM-Twin mit 95 PS und 790 cm3 entsteht in Lizenz.

Motorradmarkt in China

China hat Indien als zweites Milliardenvolk im Rennen um die weltweit größte Stückzahl an pro Jahr gebauten motorisierten Zweirädern überholt, ist zudem größter Bike-Exporteur des Planeten. Basis für Chinas Fortentwicklung waren zunächst kleine Zweitakter und luftgekühlte, zweiventilige Viertakt-Singles einfacher Bauart und kleiner Hubräume. Ganz einerlei, ob dies nun eher Nachbauten von Honda-CB- oder Suzuki- GN-Motoren waren. Einen "Kopierschutz", also Patente auf komplette Motoren, gibt es in aller Regel nicht. Zumal Kopien in China als Zeichen der Wertschätzung für ein nachahmenswertes Vorbild gelten.

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Stefan Wolf
Die wunderbare Welt der Plagiate? Gern sollen die Marken japanisch klingen.

Billige Plagiate sind nur ein Teil des Erfolgs. Eher erscheinen nun Fleiß, Intelligenz und strategisch-politische Weitsicht als Chinas Ressource Nummer eins. Beispiele gefällig? Ende 1984 wurden Zündapps Produktionsanlagen für 16 Millionen DM (8,2 Millionen Euro) an die Tianjin Motorcycle Co. verkauft. Das Werk in München wurde komplett demontiert und in Tianjin neu aufgebaut. 1987 rollte die erste Zündapp K 80 unter dem Namen Xunda ("Glücklicher Weg") aus dem neu errichteten Werk.

2017 lieferte China 49 Prozent des weltweit produzierten Stahls, selbst für Autobleche deutscher Fabrikate. Zur chinesischen Stahlindustrie zählen auch "überflüssige" Hochöfen, welche Thyssen, Krupp und Hoesch in den 80er-Jahren in Duisburg und Dortmund abbauen ließen.

Boom der Wirtschaft stabilisiert Regime

Niemand von uns hat Bedenken, einen Laptop oder Monitor, ein Smartphone oder Batterieladegerät, einen Akku oder eine Digitalkamera aus China zu kaufen. Selbst Harley-Davidsons teuer lizenzierte Markenklamotten kommen von dort. Und woher stammen wohl Kabelbäume, Cockpit-Displays, Batterien und Armaturen all unserer Motorräder? Dabei tritt China aggressiv auf, mit massiven Menschenrechtsverletzungen, enormen Demokratiedefiziten samt Entdemokratisierung Hongkongs und Repression von Minderheiten bis zur Annexion Tibets. Hinzu kommt die weltweit höchste Zahl an Hinrichtungen staatlicherseits sowie inhaftierter Journalisten und anders Denkender. Der Boom der Wirtschaft stabilisiert ein Regime, das offiziell in vielen Schlüsseltechnologien Weltführung anstrebt.

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Thorsten Dentges
Kooperation oder Kontrolle? Ausländische Investoren, hier Pirelli/Metzeler, zwingt China offiziell zur Partnerschaft.

Im Gegenzug wird das Riesenreich trotz horrender Einfuhrsteuern allmählich als Absatzmarkt für Luxusmotorräder aus Europa und den USA interessant (siehe Seite 56). Ein Grund, weshalb selbst Pre- miummarken dort fertigen lassen. Diesen Technologietransfer wissen chinesische Unternehmen clever für sich zu nutzen.

Anders als bei Pkw ist ein starkes Motorrad für solvente Angehörige der chinesischen Mittelschicht derzeit noch ein seltener Luxus (siehe Seite 56). Beispiel: BMW setzte von 175 162 im Jahr 2019 gebauten Zweirädern fünf Prozent in China ab, in Summe 8818 Motorräder und Roller.

Wichtigste Freihandelszonen der Welt

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Ausgewählte Freihandelszonen und ihr Anteil am weltweiten Bruttoinlandsprodukt 2019.

Durch das 2020 auf Initiative Pekings aufgelegte Freihandelsabkommen RCEP können chinesische Waren zollfrei in 14 weitere Mitgliedsländer exportiert werden. Die Abkürzung steht für Regional Comprehensive Economic Partnership, "regionale, umfassende Wirtschaftspartnerschaft". Diese Wirtschaftszone bildet den weltweit größten Wirtschaftsraum, mit fast 30 Prozent aller Wirtschaftsleistung. RCEP basiert auf den zehn ASEAN-Mitgliedsstaaten Brunei, Indonesien, Kambodscha, Laos, Malaysia, Myanmar, Philippinen, Singapur, Thailand und Vietnam. Hinzu kommen die Volksrepublik China, Japan, Südkorea, Australien und Neuseeland. Das Wachstum im RCEP-Raum geht weiter: 2024 soll er 32,5 Prozent der weltweiten Wirtschaftskraft vereinen. Indien trat dem Abkommen nicht bei, um eine Flut von Industrieprodukten zu Dumpingpreisen aus China und von Agrarprodukten aus Australien und Neuseeland zu vermeiden.

Motorradproduktion weltweit

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China ist eine Großmacht in sachen Motorradproduktion weltweit.

Jeder vierte mit Zweirädern, Zubehör, Ersatzteilen und Bekleidung im Export erlöste Dollar wird in China erwirtschaftet. Dazu zählen Motorräder oder Roller, Motoren und ihre Teile, Kabelbäume, Armaturen, Cockpits und Spiegel, Batterien und Ladegeräte, Abdeckhauben und Werkzeug, Textilkleidung, Helme usw. Noch vor Japan folgt Deutschland: Neben BMW stehen dafür Spezialisten wie Wunderlich und Held, Touratech und SW Motech, Daytona, Schuberth, Mahle etc. Die Mehrzahl "japanischer" Maschinen entsteht mittlerweile in Thailand, Indonesien und Vietnam. 15 Motorradmarken, inklusive aller japanischen, fertigen in Thailand: Von dort sind aktuell zollfreie Exporte in alle ASEAN-/RCEP-Staaten und dank Sonderabkommens zusätzlich nach Indien möglich.

Chinesische Motorradindustrie

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Die chinesische Motorradindustrie verteilt sich auf 3 Hauptregionen: die Provinzen Guangdong und Zhejiang sowie die Megametropole Chongqing.
  • Die chinesische Motorradindustrie ist die größte der Welt, sie verteilt sich auf drei Hauptregionen: die Provinzen Guangdong und Zhejiang sowie als Zentrum der Motorradproduktion die Megametropole Chongqing, mit 34 Millionen Einwohnern größter Ballungsraum der Welt.
  • In China existieren bis zu 200 verschiedene Hersteller motorisierter Zweiräder (Motorräder, Roller und 50er/125er).
  • Allein im Jahr 2013 fertigte man fast 22,9 Millionen Einheiten, Tendenz stark steigend.
  • Rund 40 Prozent der Produktion gehen in den Export.
  • Hinzu kommen exportierte Motoren, auch nach Europa. Allein 2013 waren dies rund 26,2 Millionen Aggregate.
  • China produziert ferner Autorikschas und offene Geländefahrzeuge mit drei und vier Rädern (Quads und ATVs) in großer Zahl.
  • China ist zudem ein führender Hersteller von Motorradteilen und -zubehör, von A wie Auspuff bis Z wie Zylinderkopfdichtung.
  • Ferner findet in China ein großer Teil der weltweiten Produktion an Motorradbekleidung statt, beispielsweise Textilanzüge von Rukka.
  • Auch als Herkunftsland von Helmen holt China rasant auf. Hierzulande bekannte Marken sind etwa LS2 und Scorpion.

Chinesische Motorradhersteller

An die 200 verschiedene Hersteller von motorisierten Zweirädern in China bringen es zusammen auf rund 240 Marken und weit über 20 Millionen Einheiten pro Jahr, vom Mofa bis zum großen Motorrad. Mehrere Firmen fertigen über eine Million Fahrzeuge pro Jahr. Tendenz: Qualität, Zylinderzahl, Hubräume und Leistung steigen. Wichtig auch für den Export nach Europa und Amerika. Zu Chinas führenden Motorradherstellern gehören Grand River mit der Marke Haojue, Lifan, Loncin, Zongshen, Jialing, Jianshe, Qianjiang, Haojin, Shineray, Bashan, Jonway, Wuxi Futong und Cyclone. Zunehmend an Bedeutung gewinnen E-Scooter und andere rein elektrische Zweiräder.

Viele ausländische Motorradhersteller kooperieren mit chinesischen Motorradfirmen: BMW mit Loncin, Fantic und Piaggio mit Zongshen, Suzuki mit Haojue, Peugeot mit Qingqi, Yamaha mit Jianshe, Honda mit Jialing und MV Agusta mit Qianjiang, dem Eigentümer von Benelli. Diverse Joint Ventures reichen von Auftragsfertigung über abgestimmte Forschung und Entwicklung und gemeinsame Produktionsunternehmen bis hin zu Kooperationen bei Vertrieb, Verkauf und Marketing. An bilateralen Betrieben hält der chinesische Partner per Dekret mindestens 51 Prozent der Anteile.

Zongshen mit Fantic und Piaggio

Selfmademan Zuo Zongshen gründete 1982 in Chongqing in einer Hütte mit Lehmboden eine Reparaturwerkstatt für Motorräder. 1992 folgte die erste eigene Fabrik, 1996 das erste eigene Motorrad. Heute hat der Zongshen-Konzern etwa 18.000 Mitarbeiter in rund 30 Tochtergesellschaften und Joint Ventures, baut rund vier Millionen motorisierte Zweiräder pro Jahr. Das ist mehr als Kawasaki. Die wichtigsten Geschäftsbereiche sind Motoren, Motorräder und Immobilien. Die beiden börsennotierten Tochtergesellschaften Zongshen Power und Zongshen PEM gründeten vereint im Jahr 2010 die eigene MotorradwerkstattketteMaster Zuo, quasi das ATU für chinesische Motorradfahrer.

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Seit 2004 produziert Zongshen im Auftrag einige Aprilia- und Piaggio-Modelle und übernimmt den Vertrieb aller Marken von Piaggio in China, ebenso von Harley-Davidson. Zongshen baut sämtliche Bikes von Malaguti und die Motoren für Fantic

Seit 2004 produziert Zongshen im Auftrag einige Aprilia- und Piaggio-Modelle und übernimmt den Vertrieb aller Marken von Piaggio in China, ebenso von Harley-Davidson. Zongshen baut sämtliche Bikes von Malaguti und die Motoren für Fantic, der Konzern unterhält ein Motorradwerk im aufstrebenden Motorradland Vietnam.

Markennamen des Zongshen-Imperiums sind insgesamt in mehr als 160 Ländern registriert. Dazu zählen Lexmoto (Großbritannien), Motorhispania (Spanien), Minsk (Russland und Belarus), Zanella (Argentinien), AKT (Kolumbien), Ryuka (Thailand) sowie Kasinski (Brasilien) und auch Zündapp. Das Werksteam von Zongsheng nahm als erstes chinesisches Team ab 2002 an der Motorradweltmeisterschaft teil.

Shineray mit Mash und SWM

Shineray wurde erst 1997 gegründet und stieg rasch zum Großkonzern auf. Noch 2007 war die Qualität einer damals nur übers Internet in Deutschland erhältlichen 125er bei Tests in MOTORRAD sehr mau. Doch das ist für chinesische Verhältnisse verdammt lange her. Neben Autos und Maschinen baut Shineray vor allem Zweiräder: Pendler-Fahrzeuge im Stil der Honda Super Cub, aber auch Roller, kleine Enduros und Sportler, zumeist bis 250 Kubik für lokale Märkte.

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2014 ermöglichte erst eine Finanzspritze von Shineray die Wiederbelebung der Marke SWM. Zudem fertigt Shineray als Produktionspartner sämtliche Mash-Modelle mit 400 und 650 cm³.

Shineray fertigt ebenfalls im Boomland Vietnam – und in Italien: 2014 ermöglichte erst eine Finanzspritze von Shineray die Wiederbelebung der Marke SWM. So ist SWM mit seiner Produktion in der EU für Shineray ein Sprungbrett nach Europa, Motoren liefert das chinesische Mutterhaus. Zudem fertigt Shineray als Produktionspartner sämtliche Mash-Modelle mit 400 und 650 cm³. Topmodell ist die neue Mash X-Ride 650 Classic. Mash entwickelt und designt in Beaune/Frankreich, vertreibt die Maschinen in 26 Ländern. Kleinere Maschinen (50er, 125er und 250er) baut Jinan Qingqi (4.300 Mitarbeiter) für Mash.

Qianjiang Group (QJ) mit Benelli, Geely, Keeway, Harley-Davidson

Die Qianjiang Group Co. Ltd. (QJ) wurde vor 50 Jahren, 1971, gegründet. Aktuell produziert der Konzern mit rund 13.500 Mitarbeitern jährlich etwa 1,2 Millionen motorisierte Zweiräder und Quads. 2005 übernahm QJ Benelli, beließ die Entwicklung in Pesaro/Italien. Gebaut werden alle Benellis als Technologietransfer komplett in China. In Deutschland übernehmen 93 Benelli-Händler Verkauf und Service. Seit 1999 vertreibt QJ seine in China "Qianjiang" betitelten Fahrzeuge im Export unter der Marke Keeway. Ferner baut QJ die Roller von "Explorer" und "Generic".

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Seit 2016 hält der Autohersteller Geely, dem bereits Volvo, Lotus und London-Taxi gehören, knapp 30 Prozent von QJ.

Seit 2016 hält der Autohersteller Geely, dem bereits Volvo, Lotus und London-Taxi gehören, knapp 30 Prozent von QJ. Konzernbesitzer ist der 57-jährigen Milliardär Li Shufu, der die Firma 1986 gründete. Sie baute 1992 erste Motorräder. 2018 erwarb Li Shufu über eine Investmentgesellschaft für fast 7,5 Milliarden Euro rund zehn Prozent der Aktien der Daimler AG, wurde so größter Einzelaktionär der Stuttgarter. Für Harley-Davidson soll QJ ab 2021 eine 350er für den asiatischen Markt fertigen.

Loncin mit BMW und Voge

Die 1993 in Chongqing gegründete Loncin Industrial Group Co. Ltd. baut seit 1996 Verbrennungsmotoren für verschiedenste Anwendungen, etwa Kettensägen und Rasenmäher. 1999 kam Loncins erstes Motorrad auf den Markt. Seither wuchs das Unternehmen stark: Bereits 2006 war Loncin größter chinesischer Motorrad-exporteur. Von rund 5.000 Beschäftigten arbeiten etwa 200 im Forschungs- und Entwicklungszentrum. Die Produktpalette umfasst über hundert Modelle: Mofas, Mopeds, Motorroller, Motorräder und Quads.

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Seit 2018 liefert Loncin die Reihen-Zweizylinder der F-Serie mit 850 und 900 cm³. Zudem fertigt Loncin komplett die 400er-Roller BMWs.

Als Antrieb dienen luft- und wassergekühlte Zwei- und Viertaktmotoren mit Hubräumen zumeist bis 300 cm³. Daher fungieren die 500er-Typen von Loncins neuer Edelmarke Voge als Topmodell. In Deutschland gibt es bereits 70 Voge-Händler. BMW Motorrad nutzt Loncin als Motorenproduzent, zunächst für die späten 650er-Singles. Seit 2018 liefert Loncin die Reihen-Zweizylinder der F-Serie mit 850 und 900 cm³, die Vorgänger mit 800 cm³ kamen von Rotax in Österreich. Zudem fertigt Loncin komplett die 400er-Roller BMWs.

Lifan

Mit Hauptsitz in Chongqing produziert Lifan Industry (zu Deutsch: "kraftvolles Segel") Pkw, Lkw, Nutzfahrzeuge und Motorräder. 1992 startete das Unternehmen mit nur neun Mitarbeitern als Zweiradhersteller, erstes Modell war die Lifan TMS 200. Bereits wenige Monate nach der Gründung folgten weitere Straßenmotorräder und Dirtbikes. Durch rasche Erfolge stieg Lifan zu einem der größten chinesischen Motorradhersteller auf, beschäftigt heute rund 15.000 Mitarbeiter, baut mehrere Millionen Bikes jährlich.

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Durch rasche Erfolge stieg Lifan zu einem der größten chinesischen Motorradhersteller auf, beschäftigt heute rund 15.000 Mitarbeiter, baut mehrere Millionen Bikes jährlich.

Ferner etablierte Lifan unter anderem in Thailand und Vietnam eigene Produktionsstätten. Autos produziert Lifan seit 2002, Lastwagen seit 2003. Lkw der Marke laufen in vielen Ländern Südostasiens und Lateinamerikas, in Afrika und dem Nahen Osten. Bislang hat Lifan noch nicht in die Europäische Union exportiert. Innerhalb der EU bieten vereinzelte Händler die Modelle Lifan LF 125 und Lifan LF 150 aus bulgarischer Produktion an.

CF Moto mit KTM

1989 gründeten die Gebrüder Lai Zhejiang CF Moto Power Co. Ltd. als Teilezulieferer. Ab 1996 fertigte die Firma eigene Motoren, 2000 lief das erste eigene Motorrad, 2004 das erste ATV vom Band. In der top-modernen Fabrik auf einem 200.000 m² großen Areal entstanden bereits weit über 100 verschiedene Modelle, mit Dutzenden eigenkonstruierten Motoren. Mehr als 100 Patente hält CF Moto, exportiert in über 70 Länder. Zudem kooperiert der Konzern seit 2009 mit KTM und dem österreichischen Design-Team Kiska bei der Entwicklung neuer Motorräder. Die chinesische Firma übernimmt seither auch Import und Vertrieb sämtlicher KTMs in China.

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CF Moto kooperiert seit 2009 mit KTM und dem österreichischen Design-Team Kiska. Die chinesische Firma übernimmt seither auch Import und Vertrieb sämtlicher KTMs in China.

Ab 2021 baut CF Moto zudem alle 790er-Modelle von (also für) KTM in einer eigens dafür errichteten KTM-Fabrik gegenüber dem CF Moto-Stammsitz in Hangzhou. In diesem Produktions-Joint-Venture wird in Österreich entwickelt, in China gefertigt. Erstes Projekt wird ein Naked Bike mit dem bei CF Moto produzierten Motor der 790er-Duke sein. KTM-Boss Pierer nennt es "einen Einstiegs-Zweizylinder als Weltmodell". CF Moto selbst produziert die schicke Reiseenduro MT 800 mit KTMs 95-PS-Twin. Den Vertrieb von CF Moto in Europa übernehmen dabei die Importprofis KSR.

Kategorien der Motorrad-Modelle aus China

Im Prinzip gibt es fünf Kategorien von Fahrzeugen aus China oder mit großem chinesischen Anteil.

  1. Ein chinesischer Produzent entwickelt eigene Maschinen und verkauft sie unter fantasievollen Eigennamen. Solche Modelle exportieren etwa die Marken ­Explorer, FKM (Hersteller: Fekon Motor­cycles), Keeway, Luxxon, Skyteam, Voge (Hersteller: Loncin) und Zontes.
  2. Ein chinesischer Produzent bedient sich eines coolen, klangvollen Marken-namens aus der Motorradgeschichte. Traditionelle europäische Motorradmarken genießen in China einen extrem guten Ruf. Doch bei solchen "Badge Brands" sind enge technische oder unternehmerische Verbindungen zum Original meist Fehlanzeige. Mit geschichtsträchtigen Namen ködern vor allem Leichtkrafträder bis 125 Kubik, wie etwa AJS, Kreidler (derzeit nicht mehr in Deutschland), Lambretta, Malaguti oder auch Zündapp.
  3. Ein chinesischer Hersteller kooperiert mit einem europäischen/japanischen Hersteller, nutzt also auch Know-how oder in Lizenz gebaute Motoren einer renommierten Marke. Bestes Beispiel dafür ist CFMoto mit dem Kooperationspartner KTM und QJ mit seinen bei der Tochter in Italien entwickelten Benellis.
  4. Ein europäischer, japanischer oder US-Hersteller entwickelt selbst, lässt aber (bestimmte) Zweiräder durch einen Produktionspartner in China fertigen. Ganz so, wie es Apple mit iPhone und Co. oder Fuji mit Kameras praktiziert. Relevante Maschinen sind die 125er von Aprilia, die 400er-Roller von BMW (gebaut bei Loncin), die Brixton-Modelle als Initiative des österreichischen Import-Imperiums KSR und sämtliche Maschinen von Mash, die in Frankreich erdacht wurden.
  5. Ein europäischer, japanischer oder amerikanischer Hersteller baut in eigene Fahrzeuge aus China importierte Motoren ein. Wichtige Vertreter dieser Art sind etwa BMWs Reihenzweizylinder F 750 und 850 GS sowie F 900 R und F 900 XR. Ferner sämtliche Fahrzeuge vom reinen Montagebetrieb Fantic und der italienischen Motorradmanufaktur SWM.

Kam zu glauben, aber im PDF zum MOTORRAD-China-Dossier haben wir euch auf 12 Seiten noch mehr zu diesem Thema zu bieten. Das PDF zum Download findet ihr ganz oben auf dieser Seite. Die komplette Ausgabe in digitaler Form gibt es hier.

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