Sahara-Abenteuer mit Jordi Arcarons Billy Goat Garage, Johannes Müller, Rossen Gargolov
Sahara-Abenteuer mit Jordi Arcarons
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Sahara-Abenteuer mit Jordi Arcarons 18 Bilder

Sahara-Abenteuer mit Dakar-Pilot Jordi Arcarons

Sportenduro fahren unter Anleitung

Schon ohne Motorrad ein Traumziel: die Megadüne Erg Chebbi im Südosten Marokkos. Dort auf einer Sportenduro unter Anleitung eines Dakar-Asses auch noch Wüstensand unter die Räder zu nehmen, ist ganz sicher ein Erlebnis für die Ewigkeit.

Motorradtour mit Jordi Arcarons findet zwei Mal im Jahr statt

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Sahara-Abenteuer mit Dakar-Pilot Jordi Arcarons Herrn Arcarons’ Gespür für Sand
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Die dreitägige Sahara-Tour mit Jordi Arcarons ist Teil einer insgesamt siebentägigen Rundreise, die im spanischen Málaga startet – was von zahlreichen Flughäfen in Deutschland günstig zu erreichen ist. Per Triumph Tiger 1200 und Nachtfähre geht es von dort aus nach Melilla, der spanischen Exklave in Nordafrika. Der folgende Fahrtag Richtung Süden durch Marokko hindurch bis nach Erfoud ist landschaftlich überaus reizvoll, erfordert für rund 600 Kilometer gut ausgebauter Landstraße aber ein wenig Sitzfleisch. Quartier vor Ort ist ein komfortables Hotel in Erfoud. Von dort aus geht es an drei Fahrtagen auf aktuellen Yamaha WR 450 F zusammen mit Jordi Arcarons in die Dünen des Umlands, schließlich auf gleicher Route zurück nach Spanien.

Dieser Reisebericht entstand in Zusammenarbeit mit Motourismo. Die Hamburger Internetplattform ist Kooperationspartner des MOTORRAD action teams und versammelt auf ihrer Internetpräsenz Motorradreisen und -trainings von über 70 Anbietern – darunter auch deutschlandexklusiv die Marokko-Tour mit Jordi Arcarons. Diese findet zweimal jährlich statt.

Die nächsten Termine sind: 25.11.– 01.12.2019 sowie 13.04.–19.04.2020. Preise und alle weiteren Infos auf motourismo.com

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Billy Goat Garage, Johannes Müller, Rossen Gargolov
MOTORRAD-Redakteur Johannes Müller berichtet von seinen ersten Dünen-Erfahrungen und der Motourismo-Tour mit Jordi Arcarons.

„Haha. Mann, du hast echt keinen Plan, wie man im Sand fährt, oder?“ Xema, der spanische Fotograf, ist offensichtlich amüsiert über meine zwischen hemdsärmelig und krude stattfindenden ersten Versuche. „Mutig, was du hier fabrizierst“ – er sagt Cojones –, „aber pass bloß auf deine Knochen auf.“ Stimmt. Natürlich habe ich keinen Schimmer, wie man im Sand fährt. Woher auch? Unsere Gruppe ist gerade am Vorabend auf Asphalt in Erfoud eingetrudelt, und wo ich sonst fahr, gibt es keinen Sand. Geschweige denn epische Dünen bis zum Horizont. Die haben sich auch eine echt fiese Grube als Location ausgesucht. Schließlich bin ich doch hier, es erst zu lernen.

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Das steht aber noch aus. Stattdessen ist jetzt Xema da, um für den Veranstalter hübsche Fotos zu produzieren. Also denk ich: „Ich hänge mich einfach dran und mach dasselbe. Dann ist das gleich im Kasten.“ Klang wie ein Plan. Nur: Wenn vor dir ein erfahrener Dakar-Pilot wie Gerard Farrés, Freund des Hauses, locker-fluffig fürs Picture die Fotodüne durchsägt, kannst du danach als Feld-Wald-und-Wiesen-Hobbyfahrer, der Sand bloß als Bindemittel kennt, echt nur verlieren. Wie immer: Diese vermaledeiten Cracks lassen so leicht aussehen, was elend schwer ist. Folgerichtig mache ich einen Intensivkurs in Demut, liege fünf lange Minuten vor laufender Kamera mehr am Boden, als für geile Foto-­Action in den Rasten meiner Yamaha zu stehen.

„Immer Gas, bremsen brauchst’ nicht.“

Weit jenseits von versöhnlich, was dann folgt. „Hello, I’m Jordi Arcarons. Welcome to the desert!“ Der Mann höchstselbst: sechsfacher Dakar-Podiumsfinisher – aus der glorreichen Zeit, als die Dakar noch nach Dakar ging und nicht zum meistbietenden Scheich – nun für drei Tage in der Erg Chebbi um Erfoud und Merzouga unser Guide. Unser Sensei des Sandes. Unser – Wüstenfuchs?

Die Basics sind fix abgehakt: „Gewicht nach hinten verlagern. Lenker locker lassen. Immer Gas, bremsen brauchst’ nicht. Langsam wirst du durch Gaswegnehmen. Geschmeidig rollen, keine harten Eingaben.“ Für mich nicht weniger als das exakte Gegenteil von dem, was ich beim Supermoto-Training mühsam verinnerlicht habe. „Und folgt ja meiner Spur. Hinter den hohen Dünen geht es steil runter. Dass mir bloß alle heil ankommen!“ Spricht’s und stiebt los. Freund großer Reden ist der Katalane nicht, er schwingt es lieber vor. Gut so. Wir tun es ihm nach, verinnerlichen peu à peu die Mechanik des Fahrens auf schwimmendem Untergrund. Genau: Gas, immer Gas! Geschwindigkeit ist der Schlüssel, sie stabilisiert, Schwung ist bei Nahe-null-Traktion kostbarstes Gut.

Aquaplaning als einzig brauchbarer Fahrzustand

Stets muss das Vorderrad so leicht sein wie nur möglich, findet dann erst seine Spur, statt zu schieben und zu graben. Aquaplaning als einzig brauchbarer Fahrzustand. Blickführung: weit. Beruhigt auch ungemein die Nerven, ist Futter für die Seele. Hach, was für eine Kulisse! Die Erfahrung, den Sand zu lesen, wie Jordi es tut, fehlt uns natürlich. Aber das Selbstvertrauen wächst. Bald erschließt sich der kristalline Spielplatz in größeren Höhen, weil mit mehr Mumm, also Speed, auch verwegenere Schwünge machbar werden. Es ist wie Surfen oder Wasserski. Nur mit eigenen 50 PS, also die riesigen Wellen auch hinauf. Eins steht fest: Das ist fraglos eines der ganz, ganz großen Erlebnisse auf zwei Rädern!

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Das Fahren in der Sanddüne ist eines der ganz großen Erlebnisse auf zwei Rädern!

Was nicht passieren darf: Stillstand vor dem Scheitel. Wenn dein 200-Meter-Anstieg auch nur 50 Zentimeter vor dem Kamm endet? Schieben? Vergiss es, du wirst dich nur tiefer eingraben. Also drehen und auf dem Weg zurück nach unten irgendwie allen Schwung mitnehmen. Einen Radius zum flüssigen Wenden zeichnen. Und den auch packen, sonst kommst du drunten im Tal zum Stillstand – dann wird es bitter. Denn sich irgendwie wieder rausgraben frisst Körner, und selbst im Jersey staut sich die Hitze wie im Dampfkochtopf. „Nanu, da waren doch drei Liter in meiner Trinkblase. Wo sind die hin?“ – denkst du dann, und es ist nicht mal elf. „Immerhin, stramme 45 Kilometer geschafft!“ Nein, vier Komma fünf. „Du wirst dich wie ein Rallye-Profi fühlen“, meint die Ausschreibung und hat in diesen Momenten recht: Dass die Sandwüste verdammt unerbittlich sein kann, blitzt durch. Respekt vor den Fahrern und doppelt vor denjenigen, die hier leben. Wovon, fragt man sich, und wie? Aber dies ist keine Rallye, und wir sind nicht allein. Und so kommt es, dass am Abend alle gemeinsam am Hotelpool das Knirschen zwischen den Zähnen mit einem Bier herunterspülen. Lernziel erreicht!

Weicher Sand, festerer Sand, Geröll mit Sand ...

An Tag zwei serviert Jordi Sand in allen Facetten. Mehr weicher Sand, festerer Sand, Geröll mit Sand, der feste, ebene Sand von ausgetrockneten Flussbetten. Auch Steine und Fels, der ja noch wartet, zu Sand zu werden. Das Endurofahren wird auch mal klassisch, gewohnter. Man besucht Oase, Festung, Nomaden, Film­kulisse. Fliegende Verbindungsetappen! Im fünften Gang flattern die 450er WR über 120 – dann keinesfalls Zucken, sonst Handstand: „Señor Arcarons, das war aber schon schnell jetzt!“ – „Ach was, mit den Rallye-LC4 hatten wir bei der Dakar 180 drauf!“ – „Hm?“ – „Angenehme Reisegeschwindigkeit!“ Wenn der Mann gerade keine Touristen wie uns führt, unterstützt er von hier aus das Yamaha-Werksteam und bringt den Rallye-Assen von morgen das Navigieren bei.

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Sandsturm im Frühstadium.

Sandsturm – es bläst dich schier vom Motorrad

Später am Nachmittag rieselt es dann von allen Seiten: Sandsturm. Ein elektrisierendes Naturschauspiel, wenn man drin ist. Die Sicht sinkt auf wenige Meter, es bläst dich schier vom Motorrad. Wie Schmirgelpapier reibt es. Man erwartet Blitz, Donner und Sintflut, stattdessen nur wenige Tropfen, die Elektrizität leitet sich im Motorrad durch Kupplungs- und Bremshebel ab. Komplett irr! Der Mini-Niederschlag hat Seltenheitswert, eröffnet uns in Form von minimal festerem Sand die Möglichkeit, zum Schlusstag in die höchsten Dünen überhaupt zu fahren: bis zu 150 Meter! „We are lucky!“, sagt Jordi und macht vor, wie man den gewaltigen Kessel umrundet. Im ewigen Bogen, minutenlang Vollgas unter dem Kamm entlang. Wir pressen für den Versuch jedes Watt aus der 450er. Vor uns wird die Düne zum geometrischen Konstrukt aus möglichen und unmöglichen Linien. Das Terrain zwingt uns, schnell richtige Entscheidungen zu treffen. Bloß nicht abklemmen, bloß keinen Schwung verlieren! Der Sand konfrontiert einen sehr unmittelbar mit der eigenen Fahrernatur, der eigenen – hier falschen! – Intuition. Der Zirkel gelingt, und der Dünen-Flow wird zum besten, den ich erleben durfte.
Jordi, der bis hierhin eher nach dem schwäbischen Motto „Net g’meckert is g’nug g’lobt“ verfuhr, nickt uns aufmunternd zu und adelt uns schließlich sogar mit so etwas wie Anerkennung: „Ritmo perfecto, pista ideal!“ Ha – das muss ich später Xema sagen!

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