IDM Most 2019 Dino Eisele

IDM-Lauf in Most

Rekord und Führungswechsel

Nach zwölf Jahren ist die Internationale Deutsche Motorradmeisterschaft (IDM) am Wochenende unter der Regie der Motor Presse Stuttgart nach Most zurückgekehrt. Das Comeback von Deutschlands höchster Motorrad-Serie im Straßenrennsport wurde von 3.000 Zuschauern gefeiert. Spektakuläre Überholmanöver, Wechsel in der Gesamtwertung, ein neuer Streckenrekord und die ersten Ankündigungen für 2020 boten den Fans erstklassige Unterhaltung.

In der IDM Superbike 1000 gab es einen Wechsel an der Tabellenspitze. Ilya Mikhalchik (alpha Racing-Van Zon-BMW) gewann beide Rennen. Schon nach dem ersten Lauf nahm er seinem Teamkollegen Julian Puffe die Führung im Championat ab. Gleichzeitig stellte der 22-jährige Ukrainer auf dem Autodrom Most mit 1:35,430 Minuten einen neuen Streckenrekord auf. Die Zeit entspricht einem Durchschnittstempo von 157,139 km/h.

Puffe ohne Punkte

Da Puffe in beiden Rennen stürzte, ließ er wichtige Meisterschaftspunkte auf der Strecke in Nordböhmen liegen. Titelverteidiger Mikhalchik ist dem 23-Jährigen aus der Rennstadt Schleiz nach neun Läufen um 41 Punkte enteilt.

Dem neuen Spitzenreiter in der IDM-Königsklasse folgten im ersten Lauf Marc Moser (MGM Performance Racing, Yamaha) und Alessandro Polita (Holzhauer Racing Promotion, Honda) aus Italien. Damit standen drei Fahrer aus drei verschiedenen Ländern auf drei Motorradmarken auf dem Siegerpodest. In dieser Kombination war es eine IDM-Premiere. Polita hat die einzige Honda im Feld erstmals so weit nach vorn bringen können.

Im zweiten Rennen, das in dieser Saison nach dem Reverse-Grid-System gestartet wird, siegte Mikhalchik, der als Gewinner von Lauf eins vom neunten Platz losfahren musste, vor Pepijn Bijsterbosch (Dutch Comfort Houses, BMW). Der Niederländer hatte die Gunst der Stunde genutzt und seine Pole Position in den zweiten Platz umgesetzt. Polita war bis zur letzten Kurve Dritter, doch dann setzte Moser dahinter zum entscheidenden Angriff an und schnappte dem Italiener den Podiumsplatz haarscharf weg. Die Beiden trennten ihm Ziel 0,013 Sekunden. Kawasaki-Pilot Erwan Nigon (Kawasaki Weber-Motos Racing Team) musste in Most Federn lassen. Der frischgebackene Langstrecken-Weltmeister stürzte im ersten Rennen. Im zweiten wurde er Sechster. Für Suzuki holte Toni Finsterbusch (Suzuki Mayer) die Kohlen mit zwei siebten Plätzen aus dem Feuer.

Doppelsieg für Enderlein bein den 600ern

In der IDM Supersport 600 gelang Max Enderlein ein lupenreiner Doppelsieg. Das Podium war nach beiden Läufen gleich besetzt und fest in Yamaha-Hand. Enderlein (Freudenberg WorldSSP Team) stand jeweils zwischen dem Zweitplatzierten Marc Buchner (Buchner Motorsport) und dem Dritten Martin Vugrinec (UNIOR Racing Team).

Enderlein ist damit seinem Ziel Titelverteidigung wieder ein Stück näher gekommen. Theoretisch könnte er bereits beim nächsten Rennen in Assen am zweiten September-Wochenende als neuer Meister feststehen. Für die eigentliche Sensation in der 600 ccm-Klasse hat aber „Spider“ Martin Vugrinec im ersten Lauf gesorgt. Schon in der ersten Runde war er vom 18. Startplatz auf den vierten Rang vorgeprescht. Der Kroate legte ein Tempo vor, dass seinen Gegnern Hören und Sehen verging. In der allerletzten Runde krallte er sich auch noch Tom Toparis und schaffte somit den Sprung aufs Podium, auf das er wie eine Spinne krabbelte. Der Kroate verdrängte den Australier zusätzlich vom zweiten Platz im Championat.

Gastfahrer Steeman geinnt beide Läufe

In der Nachwuchsklasse IDM Supersport 300 herrschte das übliche Gerangel. Nur Victor Steeman (KTM), Gastfahrer aus der Weltmeisterschaft, hielt sich aus Allem heraus und gewann beide Rennen. Als Gastfahrer bekam er jedoch keine Punkte. Hinter ihm verstrickte sich im ersten Lauf ein Sechserpack mit Angelo Licciardi (Kawasaki), Rick Dunnik (Yamaha), Walid Khan (Kawasaki), David Kuban (KTM), Toni Erhard (KTM), Melvin van der Voort (Yamaha) und Ruben Bijman (Yamaha) untereinander in diverse Zweikämpfe mit ständigen Positionswechseln. Die letzte Runde hatte es wieder in sich. Lokalmatador Kuban strauchelte und stürzte. Walid Khan, vom achten Platz gestartet, wurde plötzlich als Zweiter abgewinkt. Der Niederländer erhielt in seinem ersten IDM-Rennen die vollen 25 Meisterschaftspunkte. Als Dritter sah Angelo Licciardi die schwarz-weiß-karierte Flagge. Toni Erhard (KTM) musste sich mit Rang sechs zufrieden geben. Er war der beste Deutsche im Feld. Vier Punkte gab es für eine Lady: Nina Schubrikoff auf Yamaha.

Erhard bekam dafür die volle Punktzahl im zweiten Lauf. Die Titelverteidigung muss sich der 18-Jährige jedoch abschminken. Er wird in den verbleibenden sechs Rennen nicht mehr die Spitze erreichen. „Für mich zählen jetzt nur noch Einzelergebnisse, aber der Sieg tut mir richtig gut“, sagt der Schwarzenberger, dessen erste Saisonhälfte sehr durchwachsen war. Der Meisterschaftsführende Angelo Licciardi erhielt als Nächster weitere 20 Punkte auf sein Konto. Damit baute der belgische Kawasaki-Pilot seinen Vorsprung vor Dunnik, Colin Velthuizen (Kawasaki) und Kuban aus. Der Kampf um die Plätze hinter Licciardi ist völlig offen. Ruben Bijman (Yamaha) und Troy Beinlich sind ebenfalls mit von der Partie.

Spannende Seitenwagenklassen

In der IDM Sidecar führt in der 600 ccm-Wertung kein Weg am siebenfachen Weltmeister Tim Reeves und seinem Beifahrer Mark Wilkes (Adolf RS F1 Yamaha) vorbei. In beiden Rennen folgten den britischen Superstars die Deutschen Josef Sattler/Uwe Neubert (Adolf RS F1 Kawasaki) sowie dem Schweizer Jakob Rutz mit dem Deutschen Björn Bosch (LCR F1 Yamaha) im Boot ins Ziel. Es gibt schon interessante Pläne für 2020. Das Reiseunternehmen Bonovo Express wird im nächsten Jahr nicht nur der Sponsor von Reeves/Wilkes, sondern auch von Sattler/Neubert sein. „Wir wollen eine Kooperation mit beiden Teams in der IDM und in der Weltmeisterschaft bilden. Zusätzlich werden wir ein Rookie-Team ins Boot holen oder Teams per Wildcard unterstützen“, erläutert Chef Jürgen Röder.

In der IDM Sidecar-Wertung bis 1.000 ccm Hubraum gibt es mit Mike Roscher/Anna Burkard (LCR F1 BMW) eine neue Führung in der Gesamtwertung. Sechs Siege hat die deutsch-schweizerische Kombination schon erreicht, fünf davon in Folge. Scott Lawrie/Emanuelle Clement (LCR F1 Suzuki) kamen ebenfalls zwei Mal aufs Podium. Andres Nussbaum/Manuel Hirschi (LCR F1 Suzuki) nur ein Mal. Die Schweizer hatten bis Most die Gesamtwertung angeführt.

Das Sidecar-Qualifying und auch das erste Rennen wurden von schweren Unfällen überschattet. Am Freitag verunglückte das französische Duo Michael Ouger/Sebastien Seret. Es befindet sich im Krankenhaus. Der Gesundheitszustand ist stabil. Helmut Lingen/Carolin Zimmermann, die am Samstag einen Unfall hatten, wurden nach Hause entlassen.

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