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Moto3-Pilotin Maria Herrera im Portrait

Allein unter Männern

Maria Herrera ist die einzige Frau in der Motorrad-WM. Doch in der 2016er-Saison läuft’s nicht rund für die Spanierin. Erst musste ihr Papa Antonio das LaGlisse-Team aufkaufen, um die Saison zu retten. Am Sachsenring hat sich Maria auch noch verletzt.

Da steht sie, im Fahrerlager des Sachsenrings, den linken Unterarm in Gips, mit der rechten Hand hält sie den Regenschirm. Sturz im Qualifying, Speiche gebrochen. Das Moto3-Rennen, das in wenigen Minuten startet, wird Maria Herrera nur als Zuschauerin erleben. Aber beim Österreich-Grand Prix, Mitte August, wolle sie wieder dabei sein, sagt sie und lächelt etwas gequält. Es läuft in diesem Jahr wahrlich wenig zusammen für Maria Herrera. Man könnte auch sagen: Arg viel schlimmer hätte es kaum kommen können.

Wir gehen zum Auflieger des Team-Transporters. Papa Antonio Herrera ist schon da. Er holt sein Smartphone aus der Hosentasche und wischt über das Display. „Da, schau!“ Man sieht Maria ganz oben auf einem Siegerpodest, rechts neben ihr Fabio Quartararo, 2014 Moto3-Junioren-Weltmeister, geschlagener Zweiter. Papa Herrera wischt weiter. „Und da!“ Wieder Maria als Siegerin, diesmal schaut Jorge Navarro neben ihr bedröppelt drein. Es sind Bilder aus der spanischen Moto3-Meisterschaft 2013 und der Junioren-WM 2014, als Maria zu mehreren Siegen fuhr und regelmäßig die Jungs düpierte. Dumm nur, dass sich die Zeiten geändert haben. Jorge Navarro gewann in dieser Saison den Barcelona-GP. Maria Herrera dagegen schaffte bislang kümmerliche vier WM-Punkte. Jetzt hat sie auch noch den Arm in Gips.

"Maria ist ein extremes Fahrtalent"

Turbulente Monate liegen hinter Vater und Tochter Herrera. Und vor allem dem Papa ist anzumerken, wie sehr diese Zeit an der Substanz gezehrt hat. Um ein langes Drama kurz zu fassen: Just zum unpassendsten Zeitpunkt, nach dem vierten Saisonrennen in Jerez, kam es zum Bruch zwischen den Herreras und dem bereits finanziell angeschlagenen LaGlisse-Team. Also kaufte Papa Herrera, ein erfolgreicher Unternehmer, kurzerhand das Team auf, firmierte es Marias Initialen und Startnummer entsprechend in „MH6“ um und sicherte damit Marias zweite Moto3-WM-Saison.

„Maria ist ein extremes Fahrtalent“, sagt KTM-MotoGP-Testfahrer Alex Hofmann, der das schnelle Mädchen aus der zentralspanischen Provinz Toledo oft vom Streckenrand aus beobachtet. Mit ihrem extremen Hanging-off-Fahrstil, glaubt Hofmann, habe Maria alles, um in der Moto3-WM ganz vorne mitzufahren. Tut sie derzeit aber nicht. Wie auch? Das völlig neu formierte Familienteam muss sich erst einspielen. Zudem verpasste Maria einige der wertvollen Testtage vor Saisonbeginn. Das wiederum erschwert es Crewchief Sergio, die richtige Abstimmung für die KTM auszutüfteln. Und natürlich sind Papas finanzielle Ressourcen nicht unendlich, es muss gespart werden. Nichts bräuchten die Herreras dringender als Sponsoren, doch die hatten im Frühjahr, als Antonio anklopfte, ihre Budgets für 2016 längst vergeben. „Sehr, sehr schwierig“ sei es, gesteht der Papa, jetzt Gelder aufzutreiben.

Auch die Dorna bemüht sich um Maria Herrera

Dabei dürfen Vater und Tochter auf prominente Unterstützer zählen. Zur Teampräsentation Anfang Mai schaute der zweifache MotoGP-Weltmeister Marc Márquez vorbei. Und Aprilia-Werkspilot Álvaro Bautista, der einst als junger Kerl über die Dirt-Track-Piste auf Papa Herreras Anwesen getobt war, steht Maria ohnehin mit Tipps zur Seite. Auch beim MotoGP-Vermarkter Dorna bemüht man sich um Maria Herrera. Zwar betont Dorna-Communications Director Ignacio Sagnier, man mache keinen Unterschied zwischen Männern und Frauen, alle würden gleich behandelt. Doch Sagnier weiß, dass kaum etwas der Dorna und ihrem Produkt Moto3 mehr Aufmerksamkeit brächte als eine siegfähige Dame im Feld.

So kämpft sich Maria Herrera durch die Saison. Ihr bestes Quali-Ergebnis war Platz 22, ihre besten Rennergebnisse zwei 14. Plätze in Argentinien und Assen. In ihrem Premieren-Jahr 2015 lief es deutlich besser. Platz vier im Regen von Silverstone – bis zum Sturz. Platz acht in Assen – ehe sie von Niccolò Antonelli abgeschossen wurde. Der achte Platz im Qualifying auf Phillip Island – gefolgt von Platz elf im Rennen. An solchen Leistungen wird sie gemessen, doch wie soll sie den Ansprüchen genügen, wenn die Rahmenbedingungen derart schwierig sind wie in diesem Jahr?

"Den Typen davonfahren, dann bin ich sie los"

Frauen und Motorradrennsport, das ist seit jeher ein delikates Thema. Können die das überhaupt? Für so manchen vom Chauvinismus beseelten Herrn der motorsportlichen Schöpfung lautet die Frage sogar: Dürfen die das überhaupt? Valentino Rossi, als neunfacher Weltmeister die Ikone des Sports, wurde einst mit den Worten zitiert, dass Frauen in der Motorrad-WM nichts verloren hätten. Später ruderte er zurück. Er habe nur sagen wollen, dass Motorradfahren für Frauen schwierig sei – wegen des hohen Kraftaufwands. In einem Interview mit der „Welt am Sonntag“ im Jahr 2001 gestand Rossi, dass er seinen Sport sofort aufgeben würde, wenn die damalige deutsche Viertelliter-WM-Pilotin Katja Poensgen schneller fahre als er. Der Spott der Leute wäre für ihn unerträglich.

Maria Herrera kennt solche Sprüche, die Zweifel, die Vorbehalte. Sie weiß aus eigener Erfahrung, wie demütigend es für so manchen ihrer Fahrerkollegen ist, von einer Frau überholt zu werden. „Es gibt tatsächlich Piloten, die extra aggressiv fahren, wenn sie mich sehen“, sagt sie. Namen nennt sie keine, verrät aber ihre Methode, mit ihnen umzugehen: „Noch mehr Gas geben und diesen Typen davonfahren, dann bin ich sie los.“ Wenn‘s denn nur so einfach wäre.

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