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Motorradführerschein mit 24 und 54

Erfahrungen von zwei Absolventen

Egal, in welchem Lebensalter man den Motorrad-Führerschein angeht: Er markiert einen neuen Lebensabschnitt! Unsere beiden Protagonisten trennen 30 Jahre, sie haben unterschiedliche Motive, Erfahrungen und Ängste. Doch sie wollen den Schein.

Am Anfang ist eine unbestimmte Sehnsucht. Und die immer wieder auftauchende Frage, wie es wohl wäre, eine neue Art von Freiheit kennenzulernen. Auf zwei Rädern eine ganz spezielle Mobilität und sich selbst neu erleben. Die 24-jährige Event-Managerin Julia Könnel spürt dieses Ziehen in der Seele schon früh, will bereits mit 18 den Führerschein machen, doch ihr Schülerbudget lässt ein solches Vorhaben nicht zu. Der heute 54 Jahre alte Matthias Ackermann überlegt auch, als er 1981 den Autoführerschein macht. Doch es gibt Sicherheitsbedenken und keine innere Notwendigkeit. Er arbeitet den größten Teil seines Berufslebens als Chef vom Dienst bei MOTORRAD, hat täglich mit dem Thema zu tun, doch er ist der typische „Schläfer“. Erst als Lars, Matthias Sohn, mit 16 den A1-Führerschein macht, ändert sich alles. Der Junior schwärmt seinem Vater vor von Fahrtwind, Kurvendynamik und Freiheitsgefühl, stößt ihn immer wieder an, stellt die Möglichkeit gemeinsamer Touren in den Raum, und schließlich ist Matthias weichgekocht: Warum nicht einfach alle Bedenken über Bord werfen und zur Fahrschule gehen?

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Traum nie aufgegeben

Julia hingegen hat ihren Traum nie aufgegeben, wartet nur auf den passenden Moment. Durch ihren Job beim MOTORRAD action team kommt sie dem Thema so nahe, dass sie nach einem Training auch ihren autoverrückten Freund für das Projekt Motorrad-Führerschein begeistern kann. Das Paar meldet sich gemeinsam bei der Fahrschule an, auch hier ist die Möglichkeit gemeinsamer Motorradtouren ein gewaltiger Motivator.

Markus Biebricher
Julia mit ihrem Fahrschullehrer Diego.

Matthias Ausbildung läuft da bereits. Es gibt einen Fahrschüler in seiner Schule, der sich selbst mit 60 noch nicht zu alt für den Einstieg fühlt. Das beruhigt Matthias, hinzu kommt, dass er sich überraschend gut entspannen kann auf der Fahrschul-F-800-R. Eindrucksvoll findet der routinierte Autofahrer, dass er sofort losfahren kann, sich nicht erst anschnallen muss. Ein wenig ist es so, als sei er, der 1,86-Meter-Mann, schon immer Motorrad gefahren. Lediglich das Rückstellen der Blinker und der langsame Slalom entpuppen sich als Herausforderung. Hier ist er doch ernüchtert. Trotzdem meint Matthias’ Fahrlehrer direkt bei der ersten Fahrstunde: „Komm, wir fahren gleich mal raus.“

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Vertrauen in das Fahrschulmotorrad wächst

Bei Julia läuft es etwas anders: Die 158 Zentimeter große, schlanke Frau hat von Anfang an großen Respekt vor der Fahrschul-Suzuki Gladius. Diego, ihr Fahrlehrer, hatte noch geflachst, dass „junge, zierliche Frauen die Maschinen gerne mal umschmeißen“. Während der zweiten Fahrstunde hat Julia das Gefühl „ich schaffe das nicht“. Beim Lenker-Einschlagen beschleicht sie stets die Furcht, umzukippen. Doch die Vorstellung, bald selber Raum und Zeit mit eigener Maschine zu durchmessen, hält sie oben. Irgendwann vertraut sie sich der Gladius einfach an und spürt, dass sie zum Dirigieren des Motorrads gar nicht so viel Körpereinsatz benötigt. Dass sie mit mentaler Kraft viel weiter kommt. Jetzt fasst sie Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten. Langsamer und schneller Slalom funktionieren gut, Anfahren, Abbremsen, alles wird leicht.

Jacek Bilski
Gute Wahl: die MT-07 eignet sich prima als erstes eigenes Motorrad.

Bei Matthias ist der langsame Slalom bis zur letzten Stunde vor der Prüfung eine Herausforderung. Immer wieder reißt er ein Hütchen um oder kommt mit dem Fuß auf den Boden. Noch in der letzten Nacht spielt er die Bewegungsabläufe durch, und dann gilt es: Matthias denkt sich den Prüfer einfach weg. Schrittslalom, schneller Slalom, Ausweichen nach Bremsen, Stop-and-go, Vollbremsung aus 50 km/h. Die meisten Ampeln im Stadtverkehr sind auf Grün. Gut so. Plötzlich schießen Glückshormone durch seinen Körper, als er sieht, dass der Prüfer nach gefühlt ein paar Minuten Fahrt den Daumen hebt. Noch am gleichen Tag fährt Matthias zur Zulassungsstelle, 24 Stunden später holt er seine eigene, nagelneue Yamaha MT-07 vom Händler ab: „Das ist genau mein Ding, die liegt mir noch viel besser als die BMW.“ Stolz und Freude sprechen aus seiner Stimme, der 54-Jährige hat alles richtig gemacht.

Motorradführerschein lohnt sich in jedem Alter

Julia hat ihre Prüfung ein paar Tage später. Fast unbewusst spult sie alle Übungen ab. Die junge Frau fährt fehlerfrei, Diego ist sichtlich gerührt, der Prüfer nickt anerkennend. Nur wenige Wochen später nimmt Julia mit ihrer ebenfalls nagelneuen BMW G 310 zum ersten Mal als Teilnehmerin an einem action team-Training teil.

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Im Fahrtraining des MOTORRAD action teams wird weiter dazugelernt.

Auch Alex, ihr Freund, der den Führerschein in Rekordzeit bestehen konnte, ist mit seiner Triumph Street Triple vor Ort. Julia lernt extrem viel und schnell. Nach ein paar Runden auf dem Rennkurs streift sie mit der Fußraste am Boden, ihr Fahrstil wird flüssig. Siegesgefühle machen sich breit, spätestens jetzt wird sie von Ehrgeiz und Leidenschaft gepackt. Julia freut sich riesig auf den ersten Motorrad-Urlaub mit Alex. Es soll nach Italien gehen.

Matthias genießt die ersten Ausfahrten „auf seinem eigenen Bock“. Lars, sein Sohn, der alte Routinier, gibt immer wieder wertvolle Tipps zu Blickführung und Kurvenlinie. Matthias lässt sich mitreißen und entdeckt Potenzial in der Motorradwelt: mit netten Menschen zusammenfahren, Wind, Straße, Gemeinschaft spüren. Die Dynamik von Beschleunigung und Kurvenlage wirkt wie ein Jungbrunnen. Deswegen gehen Vater und Sohn bereits drei Wochen nach Matthias’ Fahrprüfung auf Tour in die französische Provence. Knapp 1.000 Kilometer bei Wind und Wetter, ein toller Trip. Bleibt als Erkenntnis: Matthias und Julia sind der Beweis dafür, dass sich der Motorrad-Führerschein immer lohnt. Egal, in welchem Alter man ihn angeht.

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