Fabian Dresler Yamaha Cup Schleiz Fabian Dresler
Fabian Dresler Yamaha R3-Cup
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PS im Yamaha R3 Cup: Nachwuchs-Cup im Selbstversuch

PS im Yamaha R3 Cup Nachwuchs-Cup im Selbstversuch

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Im Yamaha R3-Cup duelliert sich der Racing-Nachwuchs. Ein PS-Redakteur mischt sich in diesem Jahr unters Feld und rauft mit.

Erstes Kapitel

Ob zwölf oder Ü30, männlich oder weiblich – das Starterfeld für 2021 ist zwar gänzlich in blau gekleidet, aber trotzdem bunt gemischt. Der Yamaha Blu Cru Cup zieht nicht nur die ganz Jungen unter den Rennfahrern an, wenn auch zugegeben viele davon. Yamaha schnürt nämlich mit dem R3-Cup ein attraktives und verhältnismäßig günstiges Paket (Kosten für eine Saison inkl. Motorrad, Ausrüstung und Startgebühren unter 15.000 Euro). Das nutzen neben jungen Racern auch Ältere gerne, um in den Rennsport hineinzuschnuppern.

Das Prinzip ist eben so einfach wie verlockend: Man nehme eine Standard-R3, ersetze die originale durch eine Racing-Verkleidung und verfeinere das ganze mit ein paar schicken Racing-Parts wie Öhlins-Fahrwerk, Akrapovic-Auspuff, Quickshifter und Gilles-Anbauteilen. Und dann Attacke! Das Reglement schreibt die Modifikationen genau vor, sodass alle Starter mit gleichen Waffen kämpfen.

Fabian Dresler Yamaha R3-Cup
Magali Hauser

Einer davon ist in diesem Jahr PS-Redakteur Fabian, mit 28 Jahren eindeutig einer der Älteren. Im Selbstversuch wird er sich mit dem Racing-Nachwuchs auf der Strecke duellieren und Einblicke in die Boxengasse, das Feld und die Szene geben.

Teil 1: Auftakttraining

Auf dem Hockenheimring steht der erste Rollout auf der Cup-R3 an. Neben mir sehen auch ein paar weitere Starter das Bike hier zum ersten Mal. Andere haben schon etliche Tausend Trainingskilometer auf der Uhr. Das ist heute aber egal, jetzt werden alle das erste Mal zusammen auf die Strecke fahren. Also rauf aufs Bike und Los.

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Magali Hauser

Erster Turn: Vergiss alles, was du über Linien gelernt hast. Wer den Hockenheimring kennt, weiß um ein paar Schlüsselstellen, zum Beispiel die Einfahrt in die Parabolika. In der Rechts lange innen bleiben, um linksherum voll durchbeschleunigen zu können. Das ist auf 600er und 1.000er sinnvoll, auf der 300er aber nicht. Hier geht es darum, keinen Schwung zu verlieren und die Strecke voll auszunutzen. In der Beispielsektion bedeutet das, viel Schwung aus der Rechtskurve mitzunehmen, denn danach hast du nicht genug Power, dass dir die Strecke beim Durchbeschleunigen ausgehen könnte. Fehlender Speed eingangs der Parabolika tut deshalb auch doppelt weh. Dieses Szenario lässt sich auf mehrere Streckenteile anwenden.

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Dino Eisele

Erkenntnis nach dem ersten Turn: Wahnsinn, wie die Jungs und Mädels laufen lassen. Vor allem reinlaufen lassen! Die Bremspunkte liegen unglaublich spät und beim Kurvenspeed kann kein Superbike mithalten. Wer hier zum ersten Mal dabei ist, steigt danach beeindruckt ab. So auch ich. Das hier ist keine Vorschule, das ist harter Rennsport.

Eine echte Herausforderung

Zweiter bis fünfter Turn: Rankämpfen. Oder besser: Überholt werden und versuchen, dranzubleiben. Auf der Cup-R3 geht es zu Beginn vor allem darum, zu lernen, dem Bike zu vertrauen. Das braucht Fahrzeit, aber bald erkennst du, dass die Cup-Racer nicht total übermütig sind, sondern einfach genau wissen, was R3 und Pirelli-Reifen zu leisten imstande sind. Apropos: Die bis zum letzten Jahr im Cup gefahrenen Supercorsa SP kleben so dermaßen, dass die moderate Power sie selbst in tiefsten Schräglagen nicht aus der Ruhe bringt. Beim ersten Rennen werden dann Diablo Superbike Slicks montiert – absolutes Top-Racing-Material. Bis das am Limit ist, habe ich definitiv noch viel Luft. Bestätigt übrigens auch Cup-Riding-Coach Dario Giuseppetti, der sich in jedem Turn unters Feld mischt und anschließend Linien- und Haltungstipps gibt. Schön, so macht Lernen Spaß.

Fazit des ersten Trainings: Respekt vor jedem und jeder, der/die die kleine R3 im Cup um den Rundkurs scheucht. Wer hier schnell sein will, muss die Grundlagen des Racings beherrschen und vor allem kompromisslos abwinkeln. Für mich wird es eine Herausforderung, dem Feld zu folgen. Aber: Challenge accepted!

Zweites Kapitel

R3 Cup in Oschersleben – Das erste Rennwochenende

Yamaha R3 Cup Fabian Dresler Teil 2
Fabian Dresler

Mit mir stehen 21 Fahrerinnen und Fahrer zum ersten Saisonrennen in Oschersleben am Start. Genau genommen zu den ersten beiden, die am Rennsonntag ausgetragen werden. Spannend wurde es aber schon in den Qualifikationstrainings am Samstag.

Qualifying erst nass, dann trocken

Kurz vor dem ersten Quali kam nämlich der Regen. Wegen der hohen Temperaturen trocknete die Strecke aber schnell ab und ein MotoGP-würdiger Reifenpoker begann. Wer rausfuhr, hatte zunächst Regenreifen drauf, einige Teilnehmer riskierten es erst gar nicht, denn, so viel sei schon verraten, Quali Nummer zwei sollte trocken werden und die Zeiten im Nassen würden sowieso unterboten. Trotzdem kommt Nervosität auf, wenn man wie ich mit aufgezogenen Slicks in der Box steht und den anderen zuschaut. Weil ich nicht ohne gezeitete Runde dastehen möchte, wage ich kurz vor Schluss noch zwei fliegende Runden auf den Pirelli Diablo Superbikes, die überraschend rutschfrei funktionieren. Auf den nassen Flecken, die in der letzten Runde auf vielen Streckenabschnitten schon verschwunden sind, geht’s selbst bei diesen Bedingungen richtig flott um die Motorsport Arena Oschersleben.

Das trockene zweite Qualifying offenbart dann, wer im Rennen weit vorne landen könnte. Um Zehntel kämpfen die Jungs und Mädels ganz vorne und brennen unfassbare Rundenzeiten mit den kleinen 42-PS-Yamahas in den Asphalt. Die Cup-R3 ist auch ohne viel Leistung in den richtigen Händen ein echtes Renngerät. Ich komme auf Startplatz 11 und starte exakt aus der Mitte des Feldes.

Cup-Racing macht dich schnell

Yamaha R3 Cup Fabian Dresler Teil 2
Fabian Dresler

Dass es für ganz vorne noch nicht reicht, ist klar. Aber beim ersten Rennen zeigt sich, warum Cup-Racing so wertvoll ist, um sich selbst zu steigern. Nachdem sich beim Start alles schnell sortiert hat, bin ich zu Beginn noch knapp an der Führungsgruppe dran. Alle haben die gleiche Power und die gleichen Reifen – also kann man schlechtere Rundenzeiten nur auf sich selbst schieben. Und was die Schnellen machen, können die Anderen theoretisch auch. Also gibt es kein besseres Training als jemandem nachzufahren, der oder die mit gleichem Material schneller ist als du! Beweis gefällig? Im ersten Rennen verbessere ich meine Rundenzeit im Vergleich zum Qualifying um ganze zwei Sekunden – im Racing eine Welt!

Auch klar: Nach ein paar Runden ist die Spitzengruppe außer Reichweite. Aber im Feld haben sich Grüppchen gebildet, die um ihre Positionen kämpfen. Egal ob ganz vorne oder ganz hinten, Kämpfe gibt es im Yamaha R3-Cup überall zu sehen und wer sich für spannendes Racing interessiert, sollte mal in den Streams oder direkt an der Strecke vorbeischauen. Meine direkten Gegner in Oschersleben heißen Matthias Wunderlich und Albert Prasse, mit denen ich tolle Zweikämpfe habe. Ein unglaubliches Gefühl, im Rennen zu überholen und selbst überholt zu werden. Du beißt in den Lenker, gibst alles, willst nicht nachgeben – und klatschst danach mit deinem Gegner ab. Hart aber fair, so ging es im Mittelfeld um mich herum zu.

Rennen 2 – Anfängerfehler

Auch im zweiten Rennen geht’s wieder richtig rund. Kurz vor Schluss bin ich wieder im Kampf mit den beiden bekannten Konkurrenten. Die Rundenzeit habe ich um noch ein Zehntelchen verbessert. Doch bevor der finale Kampf beginnt, streikt meine R3. Und zwar aus ganz berechtigtem Grund: Ich habe zu wenig Benzin eingefüllt. Fluchend rolle ich aus und schaue die letzten beiden Runden von der falschen Seite der Leitplanke zu.

Team Schnuffi – Racing braucht Freunde

Yamaha R3 Cup Fabian Dresler Teil 2
Fabian Dresler

Zurück im Fahrerlager finde ich Trost beim Team. "Team Schnuffi" haben sie auf ihre Shirts gedruckt und das ganze Wochenende unterstützt. Denn, auch das ist wieder klar: Racing ist Teamwork und wenn du dich aufs Fahren konzentrieren kannst, ist alles leichter. Wenn du dann noch seelischen Beistand vor dem Rennen und auch in solchen Momenten wie diesem bekommst, hast du das perfekte Team. Witze über die eigenen Rechenkünste muss ich aber natürlich ertragen – und werde es auch wohl noch eine Weile müssen.

Beim nächsten Lauf in Schleiz im Juli wird mehr Benzin eingefüllt, ganz sicher! Damit so etwas nicht passiert, wenn der IDM-Live-Stream es einfangen könnte. Die Ergebnisse gibt’s ab dem nächsten Rennen übrigens hier.

Drittes Kapitel

Yamaha R3 Cup in Schleiz

Das legendäre Schleizer Dreieck ist in diesem Jahr auch Austragungsort von zwei R3-Cup-Rennen, die besonders spektakulär werden sollten. Rennen eins gibt’s hier.

In Schleiz ging es im R3-Cup drunter und drüber. Schon im ersten freien Training musste das eine oder andere Bike aus dem Kornfeld geborgen werden. Die Naturrennstrecke hat ihre Tücken und ist obendrein noch Neuland für die Meisten im Feld. Für alle, die noch nie in Schleiz waren. Hier zu fahren bewegt sich irgendwo zwischen Road- und Rennstreckenracing. Es gibt schnelle, langsame, flüssige, kantige und natürlich auch blinde Ecken. Zwei von ihnen beeindrucken schon zu Fuß. Zum einen der Buchhübel, die zweite Kurve der Strecken, die über eine Kuppe verläuft und deshalb siehst du beim Einlenken nichts als die gefüllte Zuschauertribüne vor dir. Und dann noch die Seng im letzten Sektor, ebenfalls eine Links, aber dem Namen nach durch eine Senke und brutal schnell – das Data Recording meiner R3 zeigt hier später 50 Grad Schräglage bei knapp 180 km/h.

Fabian Dresler Yamaha Cup Schleiz
Fabian Dresler

Am Limit, schon im Training

Und damit rein in die Trainings und Qualifyings. Ich schaffe es zwar, meiner R3 eine Kaltverformung zu ersparen, sitze aber zweimal in der ersten Reihe, als ein Kontrahent sich vor mir ungewollt von seinem Arbeitsgerät trennt. Beim ersten Mal wird Michel Wieth von seiner R3 eingangs Start-Ziel abgebuckelt – der Curb war dreckig und rutschig. Alles wieder gefixt verliert er dann im Qualifying das Vorderrad kurz nach der Seng und macht seinen Mechanikern noch mehr Arbeit.

Aber im Training geht’s ja nicht um Punkte, deshalb alles halb so wild. Auch Sarah Göpfert wirft ihre R3 beim ersten Rollout ins Feld. Wie Michel Wieth, wird sie später in den Rennen aber ganz vorne mitkämpfen. Wer am Limit fährt, liegt eben ab und an auf der Nase!

Rennen mit Fotofinish

Es wird eng. Sowohl ganz vorne als auch in meiner kleinen Kampfgruppe um Platz acht. Meinen persönlichen Fight und eine umfangreiche Schleiz-Reportage gibt’s im PS-Printheft 09/21, was ganz vorne passiert hier in Kürze:

Bryan Cohan führt das Rennen an, nimmt dann aber eine Ausfahrt ins Kornfeld. Er beendet das Rennen auf P11. Rocco Sessler übernimmt die Spitzenposition, versenkt seine R3 dann aber wenig später auch in der Botanik. Daraufhin entbrennt ein harter Kampf um die Spitze. Ständige Überholmanöver, Rad-an-Rad-Fights – der R3-Cup steht in Sachen Spannung den IDM-Rennen in nichts nach. Kurz vor Schluss ist Sarah Göpfert vorn, biegt als erste in die letzte Schikane ein und kommt auch als erste wieder heraus. Aus dem Windschatten greift die Konkurrenz an. Aber es reicht bis zum Zielstrich! Mit vier Tausendstel Sekunden Vorsprung holt die Deutsche sich den ersten Sieg.

Im zweiten Rennen, dem letzten des Wochenendes, sieht es gewissermaßen ähnlich aus. Bryan Cohen macht wieder unangenehme Bekanntschaft mit den Auslaufzonen und damit seine Siegchancen zunichte. Rocco Sessler hat dagegen aus seinem Fehler in Race 1 gelernt und fährt den Sieg nach Hause. Und der Unglücksrabe des Trainings, Michel Wieth, steht auf dem Podium neben ihm – P3. Wieder war es ganz eng. Geschichten, die jede für sich fesseln und für beste Unterhaltung bei den Zuschauern sorgen.

Fazit aus Schleiz

Fabian Dresler Yamaha Cup Schleiz
Fabian Dresler

Nach solchen Rennen freue ich mich schon auf den nächsten Lauf in Assen. Das Schleizer Dreieck war aber natürlich ein ganz besonderes Erlebnis, denn so viele Zuschauer wie hier werden wir in der Saison vermutlich nicht mehr erleben! Positiv verrückt für den Rennsport sind sie in Schleiz und das ist einfach nur schön! Und dass der Cup solche Action bieten kann, macht stolz, Teil der Show zu sein. Wer sich selbst davon überzeugen will, kommt entweder gleich persönlich nach Assen, oder schaltet am 14.08. und 15.08.2021 den IDM Livestream ein.

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