Yamaha R3 Cup Fabian Dresler Red Bull Ring Dino Eisele
Fabian Dresler Yamaha R3-Cup
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PS im Yamaha R3 Cup: Nachwuchs-Cup im Selbstversuch

PS im Yamaha R3 Cup Nachwuchs-Cup im Selbstversuch

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Im Yamaha R3-Cup duelliert sich der Racing-Nachwuchs. Ein PS-Redakteur mischt sich in diesem Jahr unters Feld und rauft mit.

Erstes Kapitel

Ob zwölf oder Ü30, männlich oder weiblich – das Starterfeld für 2021 ist zwar gänzlich in blau gekleidet, aber trotzdem bunt gemischt. Der Yamaha Blu Cru Cup zieht nicht nur die ganz Jungen unter den Rennfahrern an, wenn auch zugegeben viele davon. Yamaha schnürt nämlich mit dem R3-Cup ein attraktives und verhältnismäßig günstiges Paket (Kosten für eine Saison inkl. Motorrad, Ausrüstung und Startgebühren unter 15.000 Euro). Das nutzen neben jungen Racern auch Ältere gerne, um in den Rennsport hineinzuschnuppern.

Das Prinzip ist eben so einfach wie verlockend: Man nehme eine Standard-R3, ersetze die originale durch eine Racing-Verkleidung und verfeinere das ganze mit ein paar schicken Racing-Parts wie Öhlins-Fahrwerk, Akrapovic-Auspuff, Quickshifter und Gilles-Anbauteilen. Und dann Attacke! Das Reglement schreibt die Modifikationen genau vor, sodass alle Starter mit gleichen Waffen kämpfen.

Fabian Dresler Yamaha R3-Cup
Magali Hauser

Einer davon ist in diesem Jahr PS-Redakteur Fabian, mit 28 Jahren eindeutig einer der Älteren. Im Selbstversuch wird er sich mit dem Racing-Nachwuchs auf der Strecke duellieren und Einblicke in die Boxengasse, das Feld und die Szene geben.

Teil 1: Auftakttraining

Auf dem Hockenheimring steht der erste Rollout auf der Cup-R3 an. Neben mir sehen auch ein paar weitere Starter das Bike hier zum ersten Mal. Andere haben schon etliche Tausend Trainingskilometer auf der Uhr. Das ist heute aber egal, jetzt werden alle das erste Mal zusammen auf die Strecke fahren. Also rauf aufs Bike und Los.

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Magali Hauser

Erster Turn: Vergiss alles, was du über Linien gelernt hast. Wer den Hockenheimring kennt, weiß um ein paar Schlüsselstellen, zum Beispiel die Einfahrt in die Parabolika. In der Rechts lange innen bleiben, um linksherum voll durchbeschleunigen zu können. Das ist auf 600er und 1.000er sinnvoll, auf der 300er aber nicht. Hier geht es darum, keinen Schwung zu verlieren und die Strecke voll auszunutzen. In der Beispielsektion bedeutet das, viel Schwung aus der Rechtskurve mitzunehmen, denn danach hast du nicht genug Power, dass dir die Strecke beim Durchbeschleunigen ausgehen könnte. Fehlender Speed eingangs der Parabolika tut deshalb auch doppelt weh. Dieses Szenario lässt sich auf mehrere Streckenteile anwenden.

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Dino Eisele

Erkenntnis nach dem ersten Turn: Wahnsinn, wie die Jungs und Mädels laufen lassen. Vor allem reinlaufen lassen! Die Bremspunkte liegen unglaublich spät und beim Kurvenspeed kann kein Superbike mithalten. Wer hier zum ersten Mal dabei ist, steigt danach beeindruckt ab. So auch ich. Das hier ist keine Vorschule, das ist harter Rennsport.

Eine echte Herausforderung

Zweiter bis fünfter Turn: Rankämpfen. Oder besser: Überholt werden und versuchen, dranzubleiben. Auf der Cup-R3 geht es zu Beginn vor allem darum, zu lernen, dem Bike zu vertrauen. Das braucht Fahrzeit, aber bald erkennst du, dass die Cup-Racer nicht total übermütig sind, sondern einfach genau wissen, was R3 und Pirelli-Reifen zu leisten imstande sind. Apropos: Die bis zum letzten Jahr im Cup gefahrenen Supercorsa SP kleben so dermaßen, dass die moderate Power sie selbst in tiefsten Schräglagen nicht aus der Ruhe bringt. Beim ersten Rennen werden dann Diablo Superbike Slicks montiert – absolutes Top-Racing-Material. Bis das am Limit ist, habe ich definitiv noch viel Luft. Bestätigt übrigens auch Cup-Riding-Coach Dario Giuseppetti, der sich in jedem Turn unters Feld mischt und anschließend Linien- und Haltungstipps gibt. Schön, so macht Lernen Spaß.

Fazit des ersten Trainings: Respekt vor jedem und jeder, der/die die kleine R3 im Cup um den Rundkurs scheucht. Wer hier schnell sein will, muss die Grundlagen des Racings beherrschen und vor allem kompromisslos abwinkeln. Für mich wird es eine Herausforderung, dem Feld zu folgen. Aber: Challenge accepted!

Zweites Kapitel

R3 Cup in Oschersleben – Das erste Rennwochenende

Yamaha R3 Cup Fabian Dresler Teil 2
Dino Eisele

Mit mir stehen 21 Fahrerinnen und Fahrer zum ersten Saisonrennen in Oschersleben am Start. Genau genommen zu den ersten beiden, die am Rennsonntag ausgetragen werden. Spannend wurde es aber schon in den Qualifikationstrainings am Samstag.

Qualifying erst nass, dann trocken

Kurz vor dem ersten Quali kam nämlich der Regen. Wegen der hohen Temperaturen trocknete die Strecke aber schnell ab und ein MotoGP-würdiger Reifenpoker begann. Wer rausfuhr, hatte zunächst Regenreifen drauf, einige Teilnehmer riskierten es erst gar nicht, denn, so viel sei schon verraten, Quali Nummer zwei sollte trocken werden und die Zeiten im Nassen würden sowieso unterboten. Trotzdem kommt Nervosität auf, wenn man wie ich mit aufgezogenen Slicks in der Box steht und den anderen zuschaut. Weil ich nicht ohne gezeitete Runde dastehen möchte, wage ich kurz vor Schluss noch zwei fliegende Runden auf den Pirelli Diablo Superbikes, die überraschend rutschfrei funktionieren. Auf den nassen Flecken, die in der letzten Runde auf vielen Streckenabschnitten schon verschwunden sind, geht’s selbst bei diesen Bedingungen richtig flott um die Motorsport Arena Oschersleben.

Das trockene zweite Qualifying offenbart dann, wer im Rennen weit vorne landen könnte. Um Zehntel kämpfen die Jungs und Mädels ganz vorne und brennen unfassbare Rundenzeiten mit den kleinen 42-PS-Yamahas in den Asphalt. Die Cup-R3 ist auch ohne viel Leistung in den richtigen Händen ein echtes Renngerät. Ich komme auf Startplatz 11 und starte exakt aus der Mitte des Feldes.

Cup-Racing macht dich schnell

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Dino Eisele

Dass es für ganz vorne noch nicht reicht, ist klar. Aber beim ersten Rennen zeigt sich, warum Cup-Racing so wertvoll ist, um sich selbst zu steigern. Nachdem sich beim Start alles schnell sortiert hat, bin ich zu Beginn noch knapp an der Führungsgruppe dran. Alle haben die gleiche Power und die gleichen Reifen – also kann man schlechtere Rundenzeiten nur auf sich selbst schieben. Und was die Schnellen machen, können die Anderen theoretisch auch. Also gibt es kein besseres Training als jemandem nachzufahren, der oder die mit gleichem Material schneller ist als du! Beweis gefällig? Im ersten Rennen verbessere ich meine Rundenzeit im Vergleich zum Qualifying um ganze zwei Sekunden – im Racing eine Welt!

Auch klar: Nach ein paar Runden ist die Spitzengruppe außer Reichweite. Aber im Feld haben sich Grüppchen gebildet, die um ihre Positionen kämpfen. Egal ob ganz vorne oder ganz hinten, Kämpfe gibt es im Yamaha R3-Cup überall zu sehen und wer sich für spannendes Racing interessiert, sollte mal in den Streams oder direkt an der Strecke vorbeischauen. Meine direkten Gegner in Oschersleben heißen Matthias Wunderlich und Albert Prasse, mit denen ich tolle Zweikämpfe habe. Ein unglaubliches Gefühl, im Rennen zu überholen und selbst überholt zu werden. Du beißt in den Lenker, gibst alles, willst nicht nachgeben – und klatschst danach mit deinem Gegner ab. Hart aber fair, so ging es im Mittelfeld um mich herum zu.

Rennen 2 – Anfängerfehler

Auch im zweiten Rennen geht’s wieder richtig rund. Kurz vor Schluss bin ich wieder im Kampf mit den beiden bekannten Konkurrenten. Die Rundenzeit habe ich um noch ein Zehntelchen verbessert. Doch bevor der finale Kampf beginnt, streikt meine R3. Und zwar aus ganz berechtigtem Grund: Ich habe zu wenig Benzin eingefüllt. Fluchend rolle ich aus und schaue die letzten beiden Runden von der falschen Seite der Leitplanke zu.

Team Schnuffi – Racing braucht Freunde

Yamaha R3 Cup Fabian Dresler Teil 2
Fabian Dresler

Zurück im Fahrerlager finde ich Trost beim Team. "Team Schnuffi" haben sie auf ihre Shirts gedruckt und das ganze Wochenende unterstützt. Denn, auch das ist wieder klar: Racing ist Teamwork und wenn du dich aufs Fahren konzentrieren kannst, ist alles leichter. Wenn du dann noch seelischen Beistand vor dem Rennen und auch in solchen Momenten wie diesem bekommst, hast du das perfekte Team. Witze über die eigenen Rechenkünste muss ich aber natürlich ertragen – und werde es auch wohl noch eine Weile müssen.

Beim nächsten Lauf in Schleiz im Juli wird mehr Benzin eingefüllt, ganz sicher! Damit so etwas nicht passiert, wenn der IDM-Live-Stream es einfangen könnte. Die Ergebnisse gibt’s ab dem nächsten Rennen übrigens hier.

Drittes Kapitel

Yamaha R3 Cup in Schleiz

Das legendäre Schleizer Dreieck ist in diesem Jahr auch Austragungsort von zwei R3-Cup-Rennen, die besonders spektakulär werden sollten. Rennen eins gibt’s hier.

In Schleiz ging es im R3-Cup drunter und drüber. Schon im ersten freien Training musste das eine oder andere Bike aus dem Kornfeld geborgen werden. Die Naturrennstrecke hat ihre Tücken und ist obendrein noch Neuland für die Meisten im Feld. Für alle, die noch nie in Schleiz waren. Hier zu fahren bewegt sich irgendwo zwischen Road- und Rennstreckenracing. Es gibt schnelle, langsame, flüssige, kantige und natürlich auch blinde Ecken. Zwei von ihnen beeindrucken schon zu Fuß. Zum einen der Buchhübel, die zweite Kurve der Strecken, die über eine Kuppe verläuft und deshalb siehst du beim Einlenken nichts als die gefüllte Zuschauertribüne vor dir. Und dann noch die Seng im letzten Sektor, ebenfalls eine Links, aber dem Namen nach durch eine Senke und brutal schnell – das Data Recording meiner R3 zeigt hier später 50 Grad Schräglage bei knapp 180 km/h.

Fabian Dresler Yamaha Cup Schleiz
Dino Eisele

Am Limit, schon im Training

Und damit rein in die Trainings und Qualifyings. Ich schaffe es zwar, meiner R3 eine Kaltverformung zu ersparen, sitze aber zweimal in der ersten Reihe, als ein Kontrahent sich vor mir ungewollt von seinem Arbeitsgerät trennt. Beim ersten Mal wird Michel Wieth von seiner R3 eingangs Start-Ziel abgebuckelt – der Curb war dreckig und rutschig. Alles wieder gefixt verliert er dann im Qualifying das Vorderrad kurz nach der Seng und macht seinen Mechanikern noch mehr Arbeit.

Aber im Training geht’s ja nicht um Punkte, deshalb alles halb so wild. Auch Sarah Göpfert wirft ihre R3 beim ersten Rollout ins Feld. Wie Michel Wieth, wird sie später in den Rennen aber ganz vorne mitkämpfen. Wer am Limit fährt, liegt eben ab und an auf der Nase!

Rennen mit Fotofinish

Es wird eng. Sowohl ganz vorne als auch in meiner kleinen Kampfgruppe um Platz acht. Meinen persönlichen Fight und eine umfangreiche Schleiz-Reportage gibt’s im PS-Printheft 09/21, was ganz vorne passiert hier in Kürze:

Bryan Cohan führt das Rennen an, nimmt dann aber eine Ausfahrt ins Kornfeld. Er beendet das Rennen auf P11. Rocco Sessler übernimmt die Spitzenposition, versenkt seine R3 dann aber wenig später auch in der Botanik. Daraufhin entbrennt ein harter Kampf um die Spitze. Ständige Überholmanöver, Rad-an-Rad-Fights – der R3-Cup steht in Sachen Spannung den IDM-Rennen in nichts nach. Kurz vor Schluss ist Sarah Göpfert vorn, biegt als erste in die letzte Schikane ein und kommt auch als erste wieder heraus. Aus dem Windschatten greift die Konkurrenz an. Aber es reicht bis zum Zielstrich! Mit vier Tausendstel Sekunden Vorsprung holt die Deutsche sich den ersten Sieg.

Im zweiten Rennen, dem letzten des Wochenendes, sieht es gewissermaßen ähnlich aus. Bryan Cohen macht wieder unangenehme Bekanntschaft mit den Auslaufzonen und damit seine Siegchancen zunichte. Rocco Sessler hat dagegen aus seinem Fehler in Race 1 gelernt und fährt den Sieg nach Hause. Und der Unglücksrabe des Trainings, Michel Wieth, steht auf dem Podium neben ihm – P3. Wieder war es ganz eng. Geschichten, die jede für sich fesseln und für beste Unterhaltung bei den Zuschauern sorgen.

Fazit aus Schleiz

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Fabian Dresler

Nach solchen Rennen freue ich mich schon auf den nächsten Lauf in Assen. Das Schleizer Dreieck war aber natürlich ein ganz besonderes Erlebnis, denn so viele Zuschauer wie hier werden wir in der Saison vermutlich nicht mehr erleben! Positiv verrückt für den Rennsport sind sie in Schleiz und das ist einfach nur schön! Und dass der Cup solche Action bieten kann, macht stolz, Teil der Show zu sein. Wer sich selbst davon überzeugen will, kommt entweder gleich persönlich nach Assen, oder schaltet am 14.08. und 15.08.2021 den IDM Livestream ein.

Viertes Kapitel

Fliegende Holländer in Assen

Der TT-Circuit ist die erste Grand Prix Rennstrecke im R3-Cup-Kalender. Ein mächtige Anlage mit der längsten Tribüne Europas und insgesamt Platz für rund 100.000 Zuschauer. Wenige Wochen nachdem der Ehrenbürger Assens, Valentino Rossi, zum letzten Mal hier an den Start ging, stehe ich das erste Mal in der Startaufstellung – zusammen mit 20 weiteren R3-Cuppies.

In Assen zählt der Fluss

Um auf dem TT-Circuit mit einer kleinen 300er schnell zu sein, muss man den Fluss der Strecke verstehen. Es gibt hier nur zwei harte Bremspunkte, sonst gilt es über die gesamte Runde hinweg, bloß keinen Schwung zu verlieren. Überhöhte Kurven und mega griffiger Asphalt machen das leichter, treiben den Kurvenspeed aber auch gleichzeitig nach oben.

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Speed mitzunehmen und früh am Gas sein, das lernt man auf dem TT-Circuit zwangsweise.

In den Trainings muss man sich an diesen Kurvenspeed erst einmal gewöhnen. Dabei wird schnell eine ganz wichtige Regel klar: Es kommt auf die Beschleunigungs- und nicht auf die Bremspunkte an. Wer zu früh bremst verliert ein wenig Zeit, keine Frage. Wer aber zu spät am Gas ist, verliert auf der folgenden Passage Schwung und das kostet nicht nur Zehntelchen, sondern ganze Sekunden. Mit der R3 also lieber gefühlvoll bremsen, dafür noch vor dem Scheitelpunkt wieder auf Vollgas stellen.

Unglaublich, was die Pirelli Diablo Superbike Reifen dann noch für Reserven offenbaren. In brutaler Schräglage – bei der PS-Cup-R3 schleift in Assen der Auspuff über den Boden – können die Drosselklappen problemlos voll geöffnet werden, ohne das Haftungsverlust droht. Brutal.

300er-Regel: Zusammenarbeit macht schnell

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Und dann ist da noch der Windschatten. In langen Vollgas-Abschnitten saugt man sich dadurch im Rennen an den Gegnern vorbei und im Qualifying auf eine Top-Rundenzeit. Bedeutet auch, dass es sinnvoll ist, nicht nur gegeneinander, sondern auch miteinander zu fahren. Sich in einer Gruppe gegenseitig zu bekriegen heißt, sich im Weg zu stehen. Sich gegenseitig zu ziehen ist dagegen sinnvoll, um einerseits im Quali die Rundenzeiten zu drücken und sich andererseits im Rennen vielleicht gemeinsam abzusetzen oder an eine Gruppe weiter vorne heranzufahren. So hat beim Kampf in der letzten Runde jeder die Chance, noch weiter vorne zu landen. Spätestens hier ist die Zusammenarbeit natürlich vorbei und jeder kämpft nur noch für sich.

Niederländer drehen auf, Deutsche fliegen raus

Heimvorteil haben hier die niederländischen Starter. Sie nutzen ihn, die erste Startreihe ist fest in niederländischer Hand. Die Deutschen, allen voran Rocco Sessler, Michel Wieth und Sarah Göpfert werden aber im ersten Rennen mit allem dagegenhalten.

Nicht für alle geht die Jagd auf die fliegenden Holländer gut aus. Rocco Sessler ist zwar in der Spitzengruppe dabei, rutscht aber in den Kies. Genau wie Sarah Göpfert, die Laufsiegerin von Schleiz. Michel-Caspar Wieth ist auf Platz 4 der beste Deutsche im ersten Rennen. Vorne machen drei Niederländer den Sieg unter sich aus: Sven Wind gewinnt nur hauchdünn vor Polesetter Bryan Cohen.

Showdown in der letzten Schikane

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Dino Eisele
Ich fahre natürlich Kampflinie, aber Thijs drückt sich irgendwie doch noch innen daneben und ich muss ihn durchlassen.

Auch dahinter finden wie im Cup inzwischen üblich, spannende Kämpfe statt. Ich habe es im ersten Rennen mit Thijs Westenbrink und Benjamin Baumgartner zu tun. Und bei uns gipfelt der Kampf, wie es in Assen üblich ist, in der letzten Schikane. Wer erinnert sich nicht an Rossis Rodeoritt durch den Kies zum Sieg gegen Marc Marquez im Jahr 2015. Bei uns bleiben zwar alle auf der Strecke, aber es wird ganz eng. An vorderer Position, auf Platz 6, rausche ich auf die Schikane zu – fahre natürlich Kampflinie. Aber Thijs drückt sich irgendwie doch noch innen daneben und ich muss ihn durchlassen. Der verlorene Schwung rächt sich dann fast noch, weil Benjamin natürlich knapp hinter mir ist und ich Glück habe, dass der Zielstrich früh kommt. 50 Meter später, wäre er vorbei gewesen.

Rennen zwei – Crashes und Beinah-Crashes

Im zweiten Lauf sieht es zunächst danach aus, dass Bryan Cohen vorne wegziehen kann – bis er seine R3 im heimischen Kies versenkt. Aus niederländischer Sicht kein Drama, denn Sven Wind holt wieder den Sieg. Rocco Sessler verpasst diesmal das Podium nur knapp: Platz 4 für den 12-Jährigen.

Nachdem ich es in der ersten Runde dann doch irgendwie geschafft habe, den Hinterreifen zu überfordern und um ein Haar abgeflogen wäre (die Story gibt’s detailliert in PS Heft 10/21), kämpfe ich mich wieder ran und drücke mich in der letzten Schikane auf Platz 9. Den spektakulärsten Crash des Wochenendes legt derweil Matthias Wunderlich hin, der sich am Curb verhakt und bei hohem Speed abgebuckelt wird. Ihm passiert zum Glück nichts, die R3 überschlägt sich aber mehrfach.

Fazit der Rennen in Assen

Das Niveau des R3-Cup steigt mit jedem Rennen, das Feld rückt enger zusammen und das Limit für viele näher. Speed mitzunehmen und früh am Gas sein, das lernt man auf dem TT-Circuit zwangsweise. Und auch, dass Racing manchmal Teamwork mit den Gegnern bedeutet.

Fünftes Kapitel

Höhenflug und (Ab)Sturz am Red Bull Ring

Manche Rennen sollte man besser mit etwas zeitlichem Abstand betrachten. Dazu zählen vor allem solche, bei denen man gestürzt ist. Am besten noch mit vorherigem Körperkontakt. So wie das Rennen am Red Bull Ring – genau genommen das zweite.

Der R3-Cup gastiert in Österreich wieder an einer GP-Strecke. Nur zwei Wochen, bevor die 21 Cup-Bikes hier in die Startaufstellung rollen, holte Brad Binder am Red Bull Ring spektakulär mit Slicks auf nasser Strecke den Sieg für KTM. Ein großer Moment der Motorsport-Geschichte. Jetzt ist der Cup dran und auch der zeigt mal wieder spannende Action.

Yamaha R3 Cup Fabian Dresler Red Bull Ring
Dino Eisele
Extrem lange Geraden und spitze Kurven lassen in der ersten Rundenhälfte keinen wirklichen Flow zu, dafür umso spannendere Windschatten-Duelle. Allein Davonfahren? Praktisch unmöglich.

Die Grand-Prix-Strecke am Spielberg ist für das R3-Cup-Feld Fluch und Segen zugleich. Extrem lange Geraden und spitze Kurven lassen in der ersten Rundenhälfte keinen wirklichen Flow zu, dafür umso spannendere Windschatten-Duelle. Allein Davonfahren? Praktisch unmöglich. Dann wird’s flüssiger, aber das Geschwindigkeitsniveau bleibt hoch und auch auf der letzten langen Gegengeraden kommt’s wieder auf den Windschatten an, bevor die letzten beiden Rechtskurven zurück auf Start-Ziel führen.

Mal wieder Fotofinish

Dass es besonders in den letzten beiden Kurven immer ganz eng zugeht, wissen wir spätestens seit den unfassbaren Duellen zwischen Marc Marquez und Andrea Dovizioso in der Königsklasse des Motorradsports. Im R3-Cup ist es im ersten Rennen Bryan Cohen, der einen Wimpernschlag vor Michel-Caspar Wieth über die Linie fährt und das erste Rennen für sich entscheidet. Schon vorher hatte sich mit Sven Wind ein Favorit übers Vorderrad aus dem Kampf verabschiedet. Ihm ist eine der beiden Linkskurven (offiziell sind es drei, doch die erste geht auf einer 300er noch als Gerade durch) zum Verhängnis geworden, in denen er dem gesamten Feld in jeder Runde gut 50 Meter aufgebrummt hat – und nur einmal doch einen Tick zu optimistisch war.

Ich bin wieder in der zweiten Gruppe unterwegs, in der es nicht weniger eng zugeht. Dieses Mal endlich mit dem guten Ende für mich. Kurz zusammengefasst: In der letzten Runde lag ich vor der Gegengeraden hinten, habe mich angesaugt und auf die vorletzte Kurve zu vollstreckt. Bis zum Zielstrich hat’s dann gereicht und Platz 8 gehörte mir.

Spekatuläre Crashs in Rennen zwei

Der zweite Lauf beginnt mit einem Paukenschlag. In der ersten Kurve kommen sich diverse Starterinnen und Starter in die Quere. Eine geht dabei spektakulär zu Boden: Sarah Göpfert. Direkt vor mir verhakt sie sich und hat keine Chance, sitzenzubleiben. Zum Glück komme ich wie alle anderen um sie herum und sie kann die Unfallstelle auf eigenen Beinen verlassen.

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Dino Eisele
Das Feld ist durch den Zwischenfall weit auseinandergezogen und ich muss mich im Mittelfeld behaupten.

Das Feld ist durch den Zwischenfall weit auseinandergezogen und ich muss mich im Mittelfeld behaupten. Beim Versuch wieder vorzukommen, ergeht es mir wie Sarah. Ich verhake mich beim Anbremsen mit einem Gegner, mir verreißt es den Lenker – und ab da rutsche ich auf dem Hintern weiter. Das Rennen ist gelaufen und ich bin stinksauer. Natürlich ist im ersten Moment immer der andere Schuld. Aber das nützt jetzt auch nichts, ich kann froh sein, dass es mir gut geht und auch die R3 reparabel ist.

Den Showdown, den der Championship-Leader Loris-Nick Roelfsema für sich entscheidet, verpasse ich. Es war aber wieder ganz eng, diesmal kommt Bryan Cohen als Zweiter über die Linie.

Fazit vom Red Bull Ring

Am Ende kann ich natürlich nicht zufrieden sein, denn ein Crash ist nie gut. Doch mit etwas Abstand fällt der Blick auf die Rundenzeit und die war gut. Weniger als eine Sekunde verliere ich noch auf den Rennsieger – ein Lichtblick und gute Voraussetzungen für das große Saisonfinale in Hockenheim. Wer da den Livestream nicht einschaltet, verpasst mit Sicherheit spannende Racing-Action.

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