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BMW R nineT und BMW R 1200 R im Test

Puristisch gegen perfektionistisch

Luftgekühlter Boxer, zwei Räder, Tank, Bremsen, Fahrwerk – viel mehr als das Nötigste ist nicht dran am Jubiläumsmodell BMW R nineT. Ihre Schwester BMW R 1200 R verfolgt statt des puristischen den perfektionistischen Ansatz. Und die MOTORRAD-Tester waren hin- und hergerissen.

Wenn der Motor der BMW R nineT anspringt, reißt er die Blicke der Umherstehenden an sich – der Löwe tut seine Anwesenheit kund und grummelt sich warm. Keine zehn Sekunden früher wurde neben ihm der gleiche Motor gestartet. Er sitzt in einer R 1200 R, besitzt eine andere Auspuffanlage und klingt unauffällig. Kaum jemand interessiert sich für sie. Fährt die BMW R 1200 R los, bleiben die Blicke auf der R nineT, rollt diese an, folgen ihr alle Augen. So läuft es immer, wenn diese beiden Motorräder zusammen auffahren, die so unterschiedlich sind und doch so viel gemeinsam haben.

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BMW R nineT und BMW R 1200 R im Test Puristisch gegen perfektionistisch
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Kein Zweifel, ausgerechnet mit dem Jubiläumsmodell zum 90. Geburtstag der BMW-Motorradproduktion nehmen die Designer eine ganz aktuelle Entwicklung auf: eine Ästhetik der Schlichtheit und funktionalen Eindeutigkeit. Es ging bei der BMW R nineT nicht darum, etwas nachzubauen, was es in den 1920er-, 30er- oder 50er-Jahren schon einmal gegeben hat, sondern darum, mit moderner Technik ein ebenso puristisches Gebilde zu schaffen wie die BMW früherer Zeiten. Mit Ausnahme der bemüht wortverspielten Modellbezeichnung ist das gelungen. Die einzelnen Elemente sind in ihrer Funktion eindeutig erkennbar und in ihren Maßen so knapp gehalten wie möglich. Klassische Materialien herrschen vor. Der Tank ist dafür ein prominentes Beispiel. Er ist ein aufwendig aus Alublech geformtes Gebilde, seine erhabenen Seitenflächen sind gleichmäßig gebürstet und mit Klarlack überzogen. Ungeachtet ihrer weißen Lackierung hat die BMW R 1200 R eher den Charakter einer Blackbox, in der alles hervorragend funktioniert, der man aber von außen nicht so leicht ansehen kann, wie.

Einen Schuss mehr Temperament bei der R nineT

Mag sein, dass der „Wasserboxer“ der aktuellen R 1200 GS und RT in neue Dimensionen der Dynamik und Laufkultur vorstößt, doch der luft-/ölgekühlte dohc-Boxer der vorigen Generation passt besser zum Konzept der BMW R nineT. Er ist in puncto Temperament auch immer noch auf der Höhe der Zeit. Mit Macht treibt er die beiden BMW voran, geht im Kurvenscheitelpunkt bei großer Schräglage aber ganz geschmeidig ans Gas und erlaubt feines Dosieren seiner Kraft. Bei Nässe oder zweifelhaften Straßenverhältnissen sind beide BMW deshalb äußerst angenehm und sicher zu fahren. Wohl wegen der unterschiedlichen Steifigkeit der Rahmen läuft der Boxer in der R 1200 R noch etwas ruhiger und vibrationsärmer als in der BMW R nineT, in der er wiederum einen Schuss mehr Temperament entfaltet.

Dafür gibt es einen guten Grund; die BMW R nineT ist mit dem Hinterachsantrieb der letzten GS-Version kürzer übersetzt als die R 1200 R. Sie zieht deshalb nicht nur im letzten Gang, sondern auch in den unteren Gängen besser durch. Bergauf im dritten Gang bringt das der R nineT von 50 bis 100 km/h immerhin eine halbe Sekunde (3,0 zu 3,5 Sekunden).

Andererseits verbrauchte die BMW R nineT wegen der kürzeren Übersetzung auch stets mehr Benzin; der Spritspar-Wettbewerb endet mit 4,8 zu 5,3 Litern auf 100 Kilometer zugunsten der R 1200 R. Bei einheitlichen 18 Liter Tankvolumen bedeutet dies einen leichten Reichweitenvorteil von 39 Kilometern.

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BMW R nineT klingt angenehm dunkel

Marginale Unterschiede, dennoch kommt der Motor der BMW R nineT in der subjektiven Beurteilung aller Tester besser weg als sein baugleicher Kollege in der R 1200 R. Das liegt auch am dominanten Auspuffton, der einen starken Eindruck macht, ja regelrecht euphorisiert. Schön, dass die kräftige Stimme der R nineT auch noch angenehm dunkel klingt und sich kein Außenstehender darüber aufregen muss.

Nach der HP2 Enduro und HP2 Megamoto ist die BMW R nineT die erste „moderne „ Boxer-BMW mit Telegabel statt Telelever. Fahrdynamik-Puristen, die sich auf Telelever-Motorrädern mit ihrem Bremsnickausgleich und den Gummielementen zwischen Gabelbeinen und Gabelbrücke vom Vorderrad entkoppelt fühlen, erhoffen sich von der konventionellen Vorderradführung ein direktes Lenkgefühl mit präziser Rückmeldung. Sie werden nicht enttäuscht.

Perfekt gelungen ist das Fahrwerk der BMW R nineT allerdings nicht. Offensichtlich mussten die Entwickler einige Charakterzüge vereinigen, die einander widersprechen. Als Erstes die Seitenansicht der Maschine, die sogenannte flyline, die maßgeblich bestimmt ist vom niedrigen Fahrersitz und dem tiefen Heck. Diese Eigenschaften durften aber nicht dazu führen, dass die R nineT wegen ausgeprägter Hecklastigkeit allzu leicht Wheelies macht und zu Kickback neigt, wenn ihr kräftiger Motor anreißt oder bei höherem Tempo wegen eines zu stark entlasteten Vorderrads ins Pendeln gerät. Die Lösung bestand in einer relativ weich abgestimmten Gabel mit zarter Progression und einer harten Hinterhand, die auch bei geringster Vorspannung kaum Negativfederweg zulässt.

BMW R 1200 R in Sachen Komfort überlegen

Diese Abstimmung beschert der BMW R nineT eine bestechende Agilität, klare Rückmeldung von vorn und ein untrügliches Gefühl für die Haftung des Hinterreifens. Herzhaftes, anhaltendes Beschleunigen in Schräglage ist ein Hochgenuss – die betörende Klangkulisse des Boxers sollte sich der Leser jetzt unbedingt dazudenken. Liegt aber auch nur eine Bodenwelle auf der Linie, ist der Hochgenuss mit einem kernigen Schlag von hinten beendet oder zumindest schwer beeinträchtigt. Federungskomfort, vor allem hinten, ist nicht die Stärke der R nineT.

Hartes Anbremsen von Kurven auch nur bedingt. Ist die Anbremszone eben und der Fahrer reizt die Bremsleistung nicht aus, bleibt alles im grünen Bereich. Nicht selten jedoch sind die Anbremszonen durch waschbrettartig verlaufende Bodenwellen gezeichnet, welche die voll eingefederte Gabel der BMW R nineT nicht mehr abarbeiten kann. Dann beginnt das Vorderrad, quiekend von Welle zu Welle zu springen. Gut möglich, dass man dann einen Meter später einlenkt als geplant. Wenn’s bei einem Meter bleibt.

Im Unterschied zur BMW R nineT lenkt sich die R 1200 R weniger direkt, wirkt ein wenig knautschig. Sie schafft es aber besser, die Räder dort zu halten, wo sie hingehören – auf der Fahrbahn. Zum Teil verdankt sie das ihrer Grundkonstruktion – die Telelever-Vorderradführung behält selbst bei einer Vollbremsung etwa 80 Prozent des Federwegs –, zum Teil dem gegen Aufpreis erhältlichen ESA-Fahrwerk. Es lässt sich rasch auf unterschiedliche Beladungszustände, noch rascher auf wechselnde Straßenverhältnisse anpassen und bietet in der Sportabstimmung sogar genügend Reserven für eine sehr zügige Gangart. Weil sie die durch das Einfedern der Gabel entstehende Verkürzung des Nachlaufs nicht in dem Maß kennt wie die BMW R nineT, lenkt die R 1200 R nicht ganz so leicht ein, doch ansonsten kann sie locker mit der leichteren Markenschwester mithalten. In Sachen Komfort ist sie ihr sogar haushoch überlegen.

Welches Motorrad ist wem zu empfehlen?

Dank der guten Arbeit der Vorderradführung bringt die BMW R 1200 R die Leistung der hervorragenden Bremsanlage besser auf den Boden als die BMW R nineT. Ein nicht zum Standard-Testprozedere gehörender Vergleich mit einer Bergab-Bremsung aus 100 km/h ergab einen um 0,9 Meter kürzeren Bremsweg. Klingt nach einer Kleinigkeit, ist aber im Fall eines Aufpralls keine. In Sachen Bremsdosierung ließen beide BMW noch Wünsche offen. Einfach ausgedrückt: Die Bremshebel wirken etwas schwergängig. Sie sind es selbstverständlich nicht, doch durch irgendeine Eigenart des ABS-Hydrauliksystems entsteht schon vor dem Erreichen des Druckpunkts ein Widerstand am Hebel, den der Fahrer mit stärkerem Zug kompensiert. Damit baut er den Bremsdruck aber ziemlich abrupt auf, springt geradezu in das Bremsmanöver hinein. Gefühlvolles leichtes Anlegen der Bremsbeläge, wie es oft erwünscht und nötig ist, erfordert viel Aufmerksamkeit. Ein feines Gefühl dafür stellt sich nicht ein. Das ist nicht schlimm, fällt aber auf, weil sich die beiden BMW sonst außergewöhnlich feinfühlig bedienen und auch sehr gut schalten lassen. Die Gänge rasten weich, schnell und sicher, das Lastwechselspiel im Antriebsstrang beider Motorräder war gering.

Damit ist dieser Test an einem kritischen Punkt angelangt. Kritisch für die beiden beteiligten Motorräder und für den Autor. Die übliche Frage, die über jedem Test schwebt, wem er welches Motorrad empfehlen soll, ist dieses Mal besonders schwierig zu beantworten. Für kurze, zwei- bis dreistündige Touren die BMW R nineT, ganz klar. Ohnehin fahren viele Motorradfahrer mangels Zeit immer weniger Kilometer. Während dieser wenigen Kilometer verschafft ihnen die R nineT intensive Erlebnisse. Dafür müssen sie aber einige Lästigkeiten in Kauf nehmen. Zum Beispiel die Tatsache, dass ihnen schon nach einer kurzen Fahrt von 30 Kilometern im manchmal unvermeidlichen Regen das vom Hinterrad über das ganze Motorrad und den Fahrer versprühte Wasser den Rücken hinunterläuft. Langbeinige Piloten müssen einen relativ engen Kniewinkel in Kauf nehmen, sparsame den hohen Grundpreis und den erhöhten Verbrauch, Komfort suchende die harte Hinterradfederung. Was potenzielle Mitfahrer entbehren müssen, konnte MOTORRAD nach dem Umbau vom Höcker auf den Soziussitz testen. Kurz, die Alltagstauglichkeit der immerhin rund 15.000 Euro teuren Maschine ist eingeschränkt.

R 1200 R in Classic-Version erhältlich

Umfragen haben ergeben, dass MOTORRAD-Leser viel mehr Kilometer zweirädrig zurücklegen als der Durchschnitt. Es ist also hier wohl der richtige Platz für eine kuriose Konstellation: Der Autor verteidigt die überlegene Testsiegerin gegen die unterlegene Markenschwester, die allerdings mit ihrer expressiven Sinnlichkeit jeden betört. In gewisser Weise ist das verständlich, aber die R 1200 R sollte nicht einfach abgetan werden, weil sie nicht so gut klingt und aussieht wie die BMW R nineT. Schon gar nicht, weil sie die meisten Dinge besser kann als diese. „Zu perfekt“ als Kommentar zur R 1200 R ist ziemlich daneben. So sprechen nur Verwöhnte, die jederzeit auf ein „zu perfektes“ Motorrad umsteigen können, wenn ihnen mal der Rücken wehtut. Einen Blick, reifliche Überlegung und besser noch eine Probefahrt ist die BMW R 1200 R allemal wert. Zumal sie nach wie vor in der Classic-Version erhältlich ist, schwarz lackiert mit weißem Längsstreifen und Drahtspeichenrädern. Man könnte sogar daran denken, sie mit einer klangstarken Auspuffanlage aufzurüsten, um beim Starten des Motors die Blicke auf sie zu ziehen.

Daten und Messwerte BMW R nineT

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Gedrungene Frontpartie, schlankes, niedriges, luftiges Heck: Die BMW R nineT verzichtet auf alles Überflüssige. Und betört gerade dadurch.

Motor

Bauart
Zweizylinder-Viertakt-
Boxermoto
Einspritzung Ø 50 mm
Kupplung
Einscheiben-
Trockenkupplung
Bohrung x Hub  101,0 x 73,0 mm
Hubraum 1170 cm³
Verdichtung 12,0:1
Leistung
81,0 kW (110 PS)
bei 7750/min
Drehmoment 119 Nm bei 6000/min

Fahrwerk

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Die Vorspannung ist bequem per Handrad zu justieren. Im Solobetrieb empfiehlt sich bei der BMW R nineT die ganz entspannte Einstellung.

Rahmen
Tragender Motor-
Getriebe-Verbund aus Stahl
Gabel
Upside-down-Gabel,
Ø 46 mm
Lenkungsdämpfer  hydraulisch
Bremsen vorn/hinten  Ø 320/265 mm
Assistenz-Systeme ABS
Räder 3.50 x 17; 5.50 x 17
Reifen 120/70 ZR 17; 180/55 ZR 17
Bereifung
Continental
Road Attack 2C

Maße und Gewichte

Radstand 1476 mm
Lenkkopfwinkel 64,5 Grad
Nachlauf 103 mm
Federweg vorn/hinten  120/120 mm
Sitzhöhe* 800 mm
Gewicht vollgetankt* 222 kg
Zuladung* 208 kg
Tankinhalt/Reserve 18,0/3,0 Liter
Service-Intervalle 10.000 km
Preis 14.500 Euro
Preis Testmotorrad 15.597 Euro²
Nebenkosten 390 Euro
*MOTORRAD-Messungen; ²Aluminium-Höckerabdeckung
(395,00 Euro), Custom-Fahrersitz mit Schriftzug
(280,00 Euro), Heizgriffe (281,60 Euro), LED-Blinker
(140,00 Euro)

MOTORRAD-Messwerte

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Die Instrumente der BMW R nineT stammen aus der R 1200 R. Neue Skalen und ein neuer Rahmen der Digitalanzeige machen den optischen Unterschied.

Höchstgeschwindigkeit** 217 km/h
Beschleunigung
0–100 km/h
0–140 km/h
0–200 km/h

3,3 sek
5,5 sek
13,3 sek
Durchzug
60–100 km/h
100–140 km/h
140–180 km/h

3,3 sek
3,4 sek
4,4 sek
Verbrauch Landstraße/100 km  5,3 Liter
Reichweite Landstraße 339 km
**Herstellerangabe

Daten und Messwerte BMW R 1200 R

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Der Heckpartie der BMW R 1200 R sieht man ihre sozius- und tourentaugliche Auslegung an. Der Windschild gehört zum optionalen Touring-Paket.

Motor

Bauart

Zweizylinder-Viertakt-
Boxermotor
Einspritzung
Ø 50 mm
Kupplung

Einscheiben-
Trockenkupplung
Bohrung x Hub 
101,0 x 73,0 mm
Hubraum
1170 cm³
Verdichtung
12,0:1
Leistung

81,0 kW (110 PS)
bei 7500/min
Drehmoment
119 Nm bei 6000/min

Naked Bike

Fahrwerk

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Die Dämpfungseinstellung des Federbeins kann dank ESA während der Fahrt verändert werden.

Rahmen

Tragender Motor-
Getriebe-Verbund aus Stahl
Gabel

längslenkergeführte
Telegabel, Ø 41 mm
Lenkungsdämpfer 
-
Bremsen vorn/hinten 
Ø 320/265 mm
Assistenz-Systeme
ABS
Räder
3.50 x 17; 5.50 x 17
Reifen
120/70 ZR 17; 180/55 ZR 17
Bereifung

Metzeler
Interact Z 8, hinten „C“

Maße und Gewichte

Radstand
1495 mm
Lenkkopfwinkel
62,9 Grad
Nachlauf
119 mm
Federweg vorn/hinten 
120/140 mm
Sitzhöhe*
820 mm
Gewicht vollgetankt*
234 kg
Zuladung*
216 kg
Tankinhalt/Reserve
18,0/3,0 Liter
Service-Intervalle
10.000 km
Preis
12.600 Euro
Preis Testmotorrad
14.785 Euro³
Nebenkosten
390 Euro
*MOTORRAD-Messungen; ³Touring-Paket (1155,00 Euro),
Auspuff verchromt (85,00 Euro), Gepäckbrücke mit
Kofferhalter (135,00 Euro), ASC (310,00 Euro),
Darkwhite (500,00 Euro

MOTORRAD-Messwerte

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Technisch-sachlich mutet diese Variante der Cockpitanzeigen an. Damit passen sie zum Charakter der BMW R 1200 R.

Höchstgeschwindigkeit**
220 km/h
Beschleunigung
0–100 km/h
0–140 km/h
0–200 km/h

3,4 sek
5,7 sek
13,8 sek
Durchzug
60–100 km/h
100–140 km/h
140–180 km/h

4,0 sek
4,1 sek
4,9 sek
Verbrauch Landstraße/100 km 
4,8 Liter
Reichweite Landstraße
375 km
**Herstellerangabe

Leistungs-Messung

MRD
Die Leistungs-Messung von BMW R nineT und BMW R 1200 R.

Die beiden Boxer sind prinzipiell gleich, aber auf dem Prüfstand ­erweist sich einer von ihnen als gleicher. Das kann durch die nicht immer aufs Hundertstel gleiche Lage der Gusskerne für die Kanäle schon einmal passieren. Hier ist der Motor der R nineT der Stärkere, und sein kleiner Drehmomentvorteil, das um zwölf Kilogramm geringere Motorradgewicht und die kürzere Gesamtübersetzung summieren sich zu besseren Beschleunigungs- und Durchzugswerten. Die Höhen und Tiefen in den Drehmomentkurven sind bei beiden Motorrädern im Fahrbetrieb nicht zu spüren. Im Gegenteil, sie wirken beide stets druckvoll und souverän.

MOTORRAD-Punktewertung

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Einen Blick, reifliche Überlegung und besser noch eine Probefahrt ist die R 1200 R allemal wert. Zumal sie nach wie vor in der Classic-Version erhältlich ist, schwarz lackiert mit weißem Längsstreifen und Drahtspeichenrädern.

Motor

  Maximale
Punktzahl 
BMW
R nineT 
BMW
R 1200 R 
Durchzug 40 35 30
Beschleunigung 40 29 28
Topspeed 30 16 17
Motorcharakteristik 30 23 23
Ansprechverhalten 20 14 14
Lastwechsel 20 13 12
Laufruhe 20 12 12
Kupplung 10 8 8
Schaltung 20 14 14
Getriebeabstufung 10 8 8
Starten 10 9 9
Summe 250 181 175

Motorisch sind beide Modelle eigentlich identisch, aber die kürzere Endübersetzung aus der GS beschert der R nineT bessere Fahrleistungen. Allerdings begrenzt das höhere Drehzahlniveau im letzten Gang die Höchstgeschwindigkeit. Im Lastwechselverhalten war die getestete R nineT einen Tick geschmeidiger.
Sieger Motor: BMW R nineT

Fahrwerk


Maximale
Punktzahl 
BMW
R nineT 
BMW
R 1200 R 
Handlichkeit
40 29 30
Stabilität in Kurven
40 26 30
Lenkverhalten
40 30 28
Rückmeldung
10 8 6
Schräglage
20 14 14
Geradeauslaufstabilität 
20 14 16
Fahrwerksabstimmung vorn 
20 13 15
Fahrwerksabstimmung hinten 
20 9 14
Einstellmöglichkeiten Fahrwerk 
10 4 8
Federungskomfort
10 5 8
Fahrverhalten mit Sozius
20 11 15
Summe
250 163 184

Telegabel gegen Telelever, dieses Duell geht klar zugunsten des Telelevers aus. Die R 1200 R bietet einen überragenden Fahrkomfort und deckt dank ESA einen breiten Abstimmungsbereich ab. Dafür punktet die Telegabel der R nineT beim Lenkverhalten mit besserer Präzision und Rückmeldung. Die Grundabstimmung der Federung erscheint allerdings nicht ausgewogen.
Sieger Fahrwerk: BMW R 1200 R

Alltag


Maximale
Punktzahl 
BMW
R nineT 
BMW
R 1200 R 
Ergonomie Fahrer 40 24 29
Ergonomie Sozius 20 3 10
Windschutz 20 0 4
Sicht 20 15 15
Licht 20 11 13
Ausstattung 30 13 22
Handhabung/Wartung  30 21 23
Gepäckunterbringung 10 1 5
Zuladung 10 8 9
Reichweite 30 20 23
Verarbeitung 20 15 14
Summe
250 131 167

Hier wird es herbe für das spartanische Retrobike. Während ihre Boxer-Schwester mit hervorragender Ausstattung und guter Ergonomie im Alltag überzeugt, muss die Besatzung der R nineT mit eingeschränktem Komfort und puristischer Minimalausstattung leben. Der Verzicht auf Hauptständer, Gepäckbrücke, ESA und ASC hat seinen Preis.
Sieger Alltag: BMW R 1200 R

Sicherheit


Maximale
Punktzahl 
BMW
R nineT 
BMW
R 1200 R 
Bremswirkung 40 30 32
Bremsdosierung 30 19 19
Bremsen mit Sozius/Fading 20 10* 15
Aufstellmoment beim Bremsen 10 7 8
ABS-Funktion 20 13 15
Lenkerschlagen 20 16 17
Bodenfreiheit 10 8 9
Summe
150 103 115
*getestet mit Soziussitz statt Solo-Höcker

Immerhin, ABS hat auch die R nineT, damit verliert sie in diesem Kapitel nur wenig an Boden. Beide Bremsen bieten gute Maximalverzögerungen, dürften aber besser dosierbar sein.
Sieger Sicherheit: BMW R 1200 R

Kosten


Maximale
Punktzahl 
BMW
R nineT 
BMW
R 1200 R 
Garantie 30 17 17
Verbrauch (Landstraße)  30 18 20
Inspektionskosten 20 18 18
Unterhaltskosten 20 9 9
Summe
100 62 64

Gleiche Technische Basis, trotzdem knapper Punktvorteil für die R 1200 R durch geringeren Verbrauch.
Sieger Kosten: BMW R 1200 R

MOTORRAD-Testergebnisse


Maximale
Punktzahl 
BMW
R nineT 
BMW
R 1200 R 
Gesamtwertung
1000 640 705
Platzierung
2. 1.
Preis-Leistungs-Note
1,0 3,0 1,9

Klare Sache für die deutlich bessere und gleichzeitig günstigere R 1200 R.
Sieger Preis-Leistung: BMW R 1200 R

1. Platz: BMW R 1200 R
Die 1000-Punkte-Wertung ist kein Sex-Appeal-Contest. Deshalb gewinnt hier das bessere Motorrad. Dass sich viele ihrer Qualitäten erst auf den zweiten Blick, nach 200 oder gar 2000 Kilometern erschließen, entspricht dem zurückhaltenden Charakter der BMW R 1200 R.

2. Platz: BMR R nineT
Viel Flair, viel Klang, viel Fahrdynamik – die BMW R nineT ist ein höchst spektakuläres Motorrad. Sie ist auf Dauer aber nur etwas für Leute, die sich um Alltags- oder Tourentauglichkeit keine Gedanken machen müssen. Und damit leben können, dass ihr Motorrad der Star ist.

Preisvergleich gebrauchter BMW R 1200 R und R nineT

1000PS Marktplatz-App
Die Auswahl am Gebrauchtmarkt ist sehr umfangreich.

Zwar verfolgen die beiden BMWs einen unterschiedlichen Ansatz, doch eines haben sie definitiv gemein: ihre gute Verfügbarkeit am Gebrauchtmarkt. Die R 1200 R und R nineT bewegen sich trotzdem im höheren Preissegment und sind dank ihrer hohen Qualität recht preisstabil. Hier ein aktueller Überblick über den Gebrauchtmarkt: gebrauchte BMW R1200R und BMW R nineT in Deutschland.

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