Harley-Davidson Low Rider S im Fahrbericht

Tiefdruckgebiet

Foto: markus-jahn.com 9 Bilder

Während sich der Rest der Welt für Euro 4 wappnet, feiert Harley mit einem uramerikanischen Viech von Motorrad den Beat der vier Takte. Harley-Davidson Low Rider S, das bedeutet sehr, sehr viel Motor im schnörkellosen Dyna-Chassis. Ein Fahrbericht unter Einfluss des Tiefdrucks.

Früher war Milwaukees Größter, der 110-Cubic-Inch-Motor, den ultra-exklusiven CVO-Edel-Harleys vorbehalten. Im letzten Jahr veredelte der 1801er Stoßstangen-Twin dann Fat Boy und Softail Slim zu mächtigen S-Modellen, dort in ausgleichsbewellter „Balancer“-Variante. Der nun vorgestellte Harley-Davidson Low Rider S stellt ab sofort die dynamischste Möglichkeit dar, den, Achtung, „Screamin‘ Eagle Twin Cam 110“ zu fahren. In der hier verbauten Version ohne Ausgleichswelle drückt das Kraftwerk stramme 97 PS und oberfeiste 156 Newtonmeter. Das sind 21 Extra-Gäule und 30 Newtonmeter mehr, als das schon nicht gerade schwachbrüstige Standardmodell mit 103 Kubikzoll hat.

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Im Dyna-Chassis der Low Rider wuchtet der 110er zudem rund 30 Kilo weniger Motorrad (305 Kilo fahrfertig, Werksangabe) als im Fat Boy, dafür aber ein deutlich strafferes Fahrwerk und, ziemlich erheblich, mehr Bremse. Wie die anderen „Dark Custom“-Modelle setzt auch der Low Rider S optisch erfolgreich auf finsteren Minimalismus. So unterstreichen eine neue Lampenmaske, Drag-Bar-Lenker, Einzelsitz, gechoppter Fender, Doppelrohrauspuffanlage, goldene Räder sowie das beinahe vollständige Fehlen von Glitzer den bösen, bösen Auftritt des Tieffliegers. Und natürlich ist der Harley-Davidson Low Rider S erhältlich in jeder Farbe, so lange sie schwarz ist.

Gang? Egal. Drehzahl? Hauptsache vierstellig

Wie fühlt sich das auf der Straße an? Unvergleichlich. Mit Druck auf den Anlasser startet der Schreiadler seine Sternenbanner-beflaggte Verbrenner-Show. Die Hauptdarsteller: Zwei 102er-Kolben und ihr rumpelndes Auf und Ab durch epische 111 Millimeter Hub. Ohne Ausgleichswelle zappelt der Twin des Harley-Davidson Low Rider S der im Stand wie eine Schulklasse voller ADHS-Kids, die ihr Ritalin nicht bekommen haben. Die Füße finden Platz nicht zu weit vorne („mid mounted“-Fußrasten), etwas strecken muss man sich in Richtung der Lenkstange, die auf Risern weit vorne oben sitzt. Der Allerwerteste rastet ein in einer schmalen, straffen, aber durchaus ergonomischen Mulde auf namensgebend-niedrigen 685 Millimetern Tiefe.

Klassisches C-Hörnchen, nicht unbequem, aber auch nicht zu bequem. In der Zwischenzeit hat sich das wohlige Rumpeln und Poltern schon seinen Weg durch sämtliche Berührungspunkte der Maschine ins Stammhirn des Fahrers gebahnt. Kupplung ziehen (Workout), der erste Gang rastet ein wie eine Mike Tyson-Gerade. Und dann? Schnalzt das Blubberviech unter heftigem Geröchel aus dem rechtsseitigen „Heavy Breather“-Luftfilterschnorchel (man stelle sich einmal vor, BMW würde ihren Luftfilter „Schwer-Atmer“ nennen) so vehement nach vorne, als hätte es in irgendeinem Dritte-Welt-Land neue Erdölvorkommen entdeckt. Der 110er-Vau-Twin ist etwas ganz Besonderes. Er schöpft das Drehmoment maßkrugweise aus der tiefsten Tiefe seines Kurbelgehäuses. Gang? Egal. Drehzahl? Hauptsache vierstellig. Das ist das Tiefdruck-Gebiet, und das kann ziemlich süchtig machen.

Schräglagenfreiheit überschaubar, aber in Ordnung

Das geht auch deshalb so schnell, weil die Nebendarsteller ihre Rolle sehr ordentlich erfüllen. Das letztjährige Fahrwerksupdate vieler Harley-Modelle bekommt dem Low Rider-Chassis gut. Vorne arbeitet jetzt eine Cartridge-Gabel sehr straff, aber hinreichend stabil. Gleiches gilt für die hinteren „Premium Ride Emulsion-Shocks“, die Unebenheiten eher aus der Straße prügeln, als sie zu glätten. Aber: Der Harley-Davidson Low Rider S behält mit dieser Härte schön lange die Fasson, ermöglicht, den Schub auszukosten, ohne gleich durch die Hecke zu verschwinden. Straff, trocken, ehrlich – das passt stimmig ins gemeine Konzept.

Die Schräglagenfreiheit ist natürlich überschaubar, aber sind die Fußrasten erst einmal ein wenig abgelängt, passt das. Und die Doppelscheibenbremse vorne lässt die völlig unterdimensionierte Fat Boy S-Einzelscheibe vergessen. Sie hat tatsächlich so etwas wie einen Druckpunkt, ist gut dosierbar und zeigt bei Bedarf Zähne. Leider darf man getrost davon ausgehen, dass dieser Motor Euro 4 nicht schaffen wird. Aber an einer Alternative wird, so munkelt man, bereits gearbeitet. Gegen den Harley-Davidson Low Rider S sprechen an sich höchstens die 20 guten Gründe, die dafür über den Tisch wandern müssen. Für den Tiefdruck-Macher aus Milwaukee sprechen andererseits 110 sehr gute Gründe.

Technische Daten Harley-Davidson Low Rider S

Foto: Harley-Davidson
Lang, niedrig, schwarz: Wie alle „Dark Custom“-Modelle verzichtet der Harley-Davidson Low Rider S auf Chrom, Fransen, Firlefanz.
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