Yamaha Niken GT im Fahrbericht. Jacek Bilski.
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Yamaha Niken GT im Fahrbericht. 10 Bilder

Yamaha Niken GT im Fahrbericht

Langstreckenversion des Dreirads

Vierlings-Gabel trifft Dreizylinder und Tourentauglichkeit für zwei: In Gestalt der Niken GT bietet Yamaha eine Langstrecken-Version des Dreirads an, die im ersten Test beweisen soll, was sie kann.

Der Passant ist perplex: "Darf ich das mit Autoführerschein fahren?" Leider nein, dies ist kein Dreirad-Roller à la Piaggio MP3 oder Yamaha Tricity 125, sondern ein ausgewachsenes Motorrad mit 847-Kubik-Dreizylinder. Erste Lektion: Bei jedem Tanken, jeder Pause strömen Schaulustige herbei. Das eingebaute Sicherheitsplus dieses dreirädrigen Exoten offenbart sich intuitiv: Vorderrad-Rutscher? Nicht doch. Selbst auf nassen Straßenbahnschienen, Laub oder Gullideckeln sorgt eines der beiden Vorderräder stets für genügend Grip. Die Radführung übernimmt eine exklusive Doppelgabel mit vier goldenen Holmen.

Dreirad fährt frech, verwegen und stabil

Meistens trifft das Dreispur-Fahrzeug zwar irgendeinen Flicken im Asphalt. Aber macht ja nichts. Kennzeichen der 1.000 Euro teureren GT-Version der Niken sind Gepäckträger, höhere Verkleidungsscheibe, Komfortsitzbank, zwei je 25 Liter fassende Semi-Soft-Seitenkoffer, Heizgriffe und Hauptständer. Fern, schnell, gut? Nun, der tolle, zigtausendfach bewährte Triple-Treibsatz aus MT-09 und Tracer schiebt auch die 276 Kilogramm (!) schwere Niken GT kraftvoll an. Auf Stufe zwei der drei Fahrmodi hängt der drehmomentstarke wie drehfreudige Dreizylinder direkt am Gas, ohne sprunghaft aggressiv zu sein. Beim Ausdrehen bis 10.000/min klingt der Triple richtig rattig, fauchig-röhrend.

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Straßenbahnschienen sind für die Niken GT kein großes Problem.

Beschwingt und behände tanzt die Yamaha übers Asphalt-Parkett. Hier kommt ein Kurvenkünstler, die Königin der Kreisverkehre! Das Dreirad fährt frech, verwegen und stabil. Von der komplizierten Kinematik merkst du nichts. Wenn die langen Angstnippel unter den Fußrasten Asphaltproben nehmen, ist man schon ziemlich schräg unterwegs. Souverän und komfortabel arbeitet die Front das Fahrbahnrelief ab. Motto: "fliegender Teppich". Etwas trockener reicht das straffer abgestimmte Federbein Stöße weiter. Per gut zugänglichem Handrad lässt sich seine Federbasis fernverstellen. Wenden fällt leicht. Gegenüber der Standard-Niken ist die Schwungmasse leicht erhöht, damit niemand den Dreizack mit eingeschlagenen Vorderrädern abwürgen muss.

Vorne hui, hinten pfui?

Hoppla, unvermittelt steht das Heck im strömenden Regen quer, noch ehe die Traktionskontrolle eingreift: Auf überfluteten Fahrbahnen haftet der Hinterreifen Bridgestone A 41 R "M" mäßig. Vorne hui, hinten pfui? Ungewöhnliche 15-Zoll-Vorderreifen verhindern andere Reifenfabrikate. Nicht kürzer als beim konventionellen Motorrad sind die Bremswege. Im Gegenteil. Zudem keilt bei Notbremsungen bis auf null herunter auch mal das Hinterrad aus.

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Angeboten wird das Dreirad derzeit in drei Farbvarianten.

Prima liegt der 88 Zentimeter breite, konifizierte Lenker zur Hand. Nur seine Enden dürften etwas weniger stark nach unten gekröpft sein. Leider ist die große, je nach Fahrerstatur etwas laute Tourenscheibe nicht verstellbar. Recht weit hinten sitzt du als Fahrer, aber auch kommod untergebracht. Der Sitz ist dick und komfortabel gepolstert, sein Bezug vorn wie hinten rutschfest. Für einen Passagier geriet das hintere Sitzpolster knapp-kompakt, der Kniewinkel passt für Passagiere bis 1,75 Meter. Dürftig fällt jedoch die Zuladung des "Blauwals" aus, magere 182 Kilogramm.

Heizgriffe wenig überzeugend

Praktisch ist der Tempomat. Bei Autobahnhatz verbraucht der Drilling locker sieben bis über acht Liter! Das hohe Gewicht und vor allem die breite, große und zerklüftete Stirnfläche fordern als immenser Luftwiderstand auf Tour Tribut. Da drückt der kleine 18-Liter-Tank sehr auf den Aktionsradius: Nach 175 Kilometern Autobahn steht schon Reserve an. Sehr hell leuchten die LED-Scheinwerfer die Fahrbahn aus, das Fernlicht strahlt sensationell. Trotz der langen Ausleger bieten die ungewohnt weit unten und vorn liegenden Spiegel keine ideale Rücksicht. Haptiker mögen den edlen, aber bei der Pflege eher empfindlichen Mattlack. Praktisch sind zwei Bordsteckdosen: im Cockpit fürs Navi, im Rahmendreieck fürs Smartphone des Sozius. Moderne Zeiten.

Yamaha Niken GT im Fahrbericht.
Jacek Bilski.
15.999 Euro zzgl. Nebenkosten möchte Yamaha für die Niken GT haben.

Unverständlich ist der nicht einstellbare Kupplungshebel. Dafür ist der dicke Brocken zur Kettenpflege leicht auf den Hauptständer aufzubocken. Bereits bei neun Grad Celsius (plus!) kommen die Heizgriffe ihrer Aufwärmfunktion kaum nach. Reparaturfreundlich geschraubt ist das Rahmeneck. Wasserdichte Innentaschen haben die mitschwingenden, mittelgroßen Softcases. Dazu Reißverschlüsse, die umständlich von Vorhänge-Zahlenschlösschen à la Tedi-Markt gesichert werden. Kein Problem ist Durchmogeln in Staus, denn die Front baut breiter als das Heck.

Fazit

2019 kauften 170 Kunden in Deutschland eine Niken. Probefahrten bieten 45 Stützpunkt-Händler an. Einfach mal ausprobieren, Fahren macht an. 16.500 Euro kostet der komplett ausgestattete Sport-Tourer, den mancher Motorradfahrer nicht grüßt.

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