Arturo Rivas
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Norton Commando 961 Sport MK II (2018) im Test

British Open

Golfturniere oder Meisterschaften im Springreiten? Forget it! Das wirklich prickelnde Outdoor-Erlebnis des Vereinigten Königreichs bietet ein Naked Bike. Es stammt von Norton und heißt Commando 961 Sport MK II. Eine Begegnung mit einer exotischen Lady.

Wann genau die Retrowelle nach Deutschland schwappte, ist schwer zu sagen. Tests mit entsprechendem Wortlaut konnte man bei MOTORRAD schon vor rund zehn Jahren lesen. Doch Old-Style-Maschinen mit moderner Technik rollten noch viel früher über die Straßen, wie beispielsweise die Kawasaki W 650 oder auch die Yamaha XJR 1300 bereits im vergangenen Jahrtausend eindrücklich zeigten. Genau genommen war diese Spezies also nie ganz verschwunden. Einen echten Hype erfuhr dieses Segment jedoch erst 2014, als BMW die R nineT aufs Volk losließ. Schon zwei Jahre früher als die Bayern schuf Norton mit der Norton Commando 961 Sport MK II seine Version eines klassisch-modernen Nakeds.

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Seit 2012 als Euro3-Modell erhältlich

Die beinahe in Vergessenheit geratene britische Marke rollte die Norton Commando 961 Sport MK II als Euro 3-Ausführung hierzulande 2012 zu den wenigen Händlern. Einer von ihnen ist Oliver Thiel aus Heilbronn (www.thiel-motorsport.de), der die aktuelle (Euro 4-) Testmaschine stellte. Bereits die schwarze Lackierung im John Player Special-Design mit goldfarbener Schrift und gleichfarbigen Zierstreifen erinnert stark an die Siebzigerjahre. Hervorragend passen dazu die klassisch-runden Linien von Tank und Heck; auch die herrlichen Drahtspeichenräder, die runden Scheinwerfer, Instrumente und Spiegel fügen sich perfekt ins Bild. Optische wie technische Anleihen finden sich außerdem beim Motor, bei dem die Norton Commando 850 MK 2 von 1974 Pate stand: luft-/öl-gekühlter Reihen-Zweizylinder, zwei Ventile pro Zylinder, untenliegende Nockenwelle, Stoßstangen.

Arturo Rivas
Mehr Retro-Charme geht nicht: Das Norton-Styling trifft das Thema punktgenau.

Wesentlicher Unterschied zu damals ist der Hubzapfenversatz der Kurbelwelle um 270 Grad, der den Sound eines 90-Grad-V2 nachahmt. Außerdem dürfte der heutige Antrieb wesentlich kultivierter pötteln als die ruppigen Gleichläufer von damals. Eine weitere Abweichung betrifft das Getriebe. Mussten seinerzeit vier Fahrstufen genügen, greifen nun fünf Gangradpaare ineinander. Statt 828 Kubik anno dazumal protzt der aktuelle Twin darüber hinaus mit deren 961. Pflichtgemäß befindet sich ein ABS an Bord, weitere elektronische Fahrhilfen sind allerdings Fehlanzeige. Überwiegend Modernes bietet dagegen das Fahrwerk der Norton Commando 961 Sport MK II: fein ansprechende, aber recht straff abgestimmte Upside-down-Gabel von Öhlins, voll einstellbare Stereo-Federbeine derselben Marke und Brembo-Stopper markieren die Neuzeit. Klassik und Moderne in perfekter Harmonie? Kräftig zieht der Starter die Kolben durch ihre Laufbahnen. Nach wenigen Sekunden schickt der Zwilling sein charakteristisches Stampfen zum Piloten. Das ist deutlich fühl- aber kaum hörbar, denn aus dem Zwei-in zwei-Auspuff dringt nur unaufdringliches Bollern – britisch-vornehme Zurückhaltung.

Einen Hauch zu authentisch?

Feinste Manieren legt der Twin der Norton Commando 961 Sport MK II auch beim Gasanlegen an den Tag. Der Übergang vom Schiebe- in den Lastbetrieb absolviert er angenehm weich. Dazu packt der Zweizylinder ab zirka 3.000/min ambitioniert zu und entfaltet seine Leistung schön gleichmäßig. Unterhalb dieser Marke setzt der Antrieb Gas­befehle allerdings etwas unwillig um, und auf dem Weg zur Höchstleistung von gemessenen 78 PS bei 7.700/min wandelt sich das vormals angenehme Poltern zu immer ausgeprägteren Vibrationen. Auch das Getriebe mit seinen markigen Gangwechseln und langen Schaltwegen gehört eher zur schroffen Sorte. Unterm Strich verkörpert der Twin vergangene Zeiten sehr authentisch – für echte Modernisten und Speed-Junkies möglicherweise einen Hauch zu authentisch.

Arturo Rivas
Darf an Nostalgie-Bikes nicht fehlen: klassische Rundinstrumente.

Solchen Kostverächtern entgeht jedoch das top Fahrverhalten der Norton Commando 961 Sport MK II. Die Britin zieht nämlich einen sehr sauberen und verlässlichen Strich, hält exakt den vorgegebenen Kurs und benötigt fürs Einlenken nur einen geringen Impuls. Kurvenspaß at its best! Lediglich enge Wechselkurven durchreißt die Norton trotz handlingfreundlicher Geometrie nicht ganz so zackig. Egal, denn auch so besitzt sie einen hohen Unterhaltungswert. Dazu trägt auch die bequeme Fahrerhaltung mit dem hohen breiten Lenker bei. Etwas inaktiv wirkt allenfalls der vergleichsweise weit hinten montierte Sitz – der lange Tank fordert seinen Tribut.

Wie es um die Schräglagenfreiheit der Ur-Commando bestellt war, wissen wir nicht. Sehr wahrscheinlich verhinderten Holzreifen in Schleifscheiben-Dimension ein Aufsetzen. Anders die Nachfolgerin. Sehr engagiert bewegt, schrappen ihre Auspufftöpfe bisweilen über den Asphalt. Per Längeneinstellung an den Federbeinen lässt sich das Heck der Norton jedoch etwas anheben. Noch höher ragt dann nur noch der Preis. Satte 22.300 Euro rufen die Briten für ihr Retro-Naked auf. Wie viele Abnehmer die elegante Norton Commando 961 Sport MK II findet, bleibt daher wohl offen – British Open sozusagen.

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