Fahrbericht Honda Gold Wing 2018

Durchaus sportlicher Komfort-Traum

Bank, Lenker und Fußrasten liefern ideale Tourensessel-Ergonomie.
MOTORRAD konnte die neue Honda Goldwing in Texas erstmals Probe fahren.Die 2018er GL gibt sich bereits im Stand um einiges weniger problematisch als die Vorgängerin.Bank, Lenker und Fußrasten liefern ideale Tourensessel-Ergonomie.Die Laufkultur des neuen Sechszylinders stellt das Nonplusultra dar. Auch in Fahrt behält er seinen seidenweichen Groove.
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Die letzte wirklich neue Honda Gold Wing gab es 2001. Nach 17 Jahren wurde jetzt die neue GL 1800 vorgestellt, an der nahezu jede Schraube neu ist. Wir konnten den Supertourer bereits fahren.

Sportlicher, aber auch unglaublich komfortabel

Die 2018er GL gibt sich bereits im Stand um einiges weniger problematisch als die Vorgängerin. Kompakter, merklich weniger massiv, nimmt sich das neue Modell neben der riesigen alten Maschine wirklich beinahe filigran aus. Durchweg Gold Wing dann aber beim Komfort. Bank, Lenker und Fußrasten liefern ideale Tourensessel-Ergonomie. Referenzklasse auch beim Soziuskomfort, und hinter der elektrisch verstellbaren großen Scheibe der Tour-Version herrscht in voll ausgefahrener Stellung praktisch verwirbelungsfreie Windstille.

Der neue Flat-Six im Maschinenraum macht  sich mit recht viel Standgas warm. Um davon etwas mitzubekommen muss man das Soundsystem abstellen - im Leerlauf säuselt der Boxer dezent und vollkommen vibrationsfrei vor sich hin. Seine Laufkultur stellt das Nonplusultra dar. Auch in Fahrt behält er seinen seidenweichen Groove, unter Last darf der Motor aber kerniger, lauter aus der Airbox schlürfen, ein Zugeständnis an die „sportlichere“ Zielgruppe.

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Video zum Fahrbericht

Honda hat in Texas die neue GL 1800 Gold Wing präsentiert. Rund 40 Kilo leichter, mikt neuem Sechszylindeer, DCT, elektronischem Fahrwerk und viel Connectivity spricht das Tourenfalggschiff nun eine etwas fahraktiviere Zielgruppe an.
Foto: Honda
Die neue Gold Wing dürfte gerade in Europa ein breiteres Publikum ansprechen.
Die neue Gold Wing dürfte gerade in Europa ein breiteres Publikum ansprechen.

Antriebseinheit ist ein Gedicht

Das manuelle Getriebe schaltet sich hervorragend, weich und präzise, die hydraulische Kupplung erfordert für einen derart drehmomentstarken Motor nicht allzu viel Kraft. Was ernsthafte Kaufinteressenten aber mehr interessieren dürfte: Das neueste DCT der dritten Generation flutscht prachtvoll geschmeidig und ohne spürbares Rucken durch seine sieben Gänge, harmoniert daher prächtig mit dem elastischen Sechszylinder.  Eine wirklich einzigartige Antriebseinheit.

GL-Fahrer kommen zudem in den Genuss der neuen, sehr viel kräftigeren Kombibremse, vor allem aber der neuen Vorderradführung. Während die konventionelle Telegabel der Vorgängerin eher dem Komfort als der Stabilität verpflichtet ist, gelingt der aufwändigeren, telelever-ähnlichen Doppelquerlenkerkonstruktion des 2018er Modells, beides perfekt zu vereinen. Auch die übelsten texanischen Hinterlandpisten bügelt das Fahrwerk glatt wie einen Spiegel. Auch nimmt die GL 1800 selbst forsch gefahrene Kurven - auch dank einer voll ausreichenden Schräglagenfreiheit - ohne jegliches Drama.  Insgesamt ist die neue GL 1800 mit ihrer neuen Ausrichtung - weniger Gold Wing ergibt mehr Motorrad - tatsächlich recht gelungen. Gerade in Europa dürfte sie damit für ein breiteres Publikum attraktiv werden.

Motor und Getriebe

Das Herzstück des Supertourers, der mit längs liegender Kurbelwelle eingebaute Sechszylinder-Boxermotor, bleibt in seiner Grundkonzeption erhalten. Seine leicht kurzhubige Auslegung mit 74 mm Bohrung und 71 mm Hub wich einer quadratischen; die Baulänge des Motors konnte so verringert und die Gewichtsverteilung im Fahrzeug optimiert werden.

Bohrung und Hub der Honda Gold Wing betragen nun 73 mm, der Hubraum blieb so nahzu gleich (1.832 zu 1.833 cm³), die Nennleistung stieg von 118 auf 126 PS, jeweils bei 5.500/min. Das maximale Drehmoment von 170 Nm liegt bei 4.500/min an (vorher: 167 Nm bei 4.000/min).

Künftig kümmern sich vier Ventile pro Zylinder und eine Nockenwelle pro Zylinderbank um den Gaswechsel. Ein elektronischer Gasgriff überträgt die Kommandos des Fahrers an die Bordelektronik der Honda Gold Wing. Dabei kann der Fahrer aus den vier Kennfeldern Tour, Sport Econ und Rain wählen. Diese wirken sich auch auf die Dämpfung des Fahrwerks, die Abstimmung der Traktionskontrolle sowie der CBS-Bremse auswirken.

Für die Honda GL 1800 Gold Wing ist künftig außer dem konventionellen Sechsganggetriebe mit zusätzlichem Rückwärtsgang optional ein Doppelkupplungsgetriebe (DCT) mit sieben Gangstufen und Rangiermodus (vorwärts/rückwärts) erhältlich.

Foto: Honda
Das Cockpit der Honda Gold Wing
Das Cockpit der Honda Gold Wing

Fahrwerk und Ausstattung

Die bislang an der Honda Gold Wing verwendete konventionelle Gabel, die das Vorderrad führte, weicht zum Modelljahr 2018 einer Aufhängung mit Doppel-Längslenkern; gelegentlich auch als Hossack-Gabel bezeichnet. Eine Einarmschwinge führt das mit einem 200er-Reifen bespannte Hinterrad. Die Dämpferabstimmung ist elektronisch einstellbar, ebenso die Federvorspannung hinten (vierstufig).

Einstellbare Traktionskontrolle, CBS-Verbundbremse, Reifenfülldruckkontrolle und Berganfahrhilfe sind ebenfalls serienmäßig an Bord.

Zur Komfortausstattung der Honda Gold Wing gehören unter anderem ein elektrisch verstellbarer Windschild, ein Funkschlüssel für Zündung, Lenkerschloss und Gepäcksystem, Tempomat, selbstrückstellende Blinker sowie USB-Buchse, Bluetooth-Anbindung und Apple-Car-Play-Kompatibilität für Unterhaltungs- und Kommunikationselektronik.

Ein TFT-Farbdisplay mit einer Darstellungsdiagonalen von 7 Zoll (17,8 cm) organsiert die Informationen und Wahloptionen für den Fahrer. Seine Helligkeit in 8 Stufen justierbar und passt sich automatisch an das Umgebungslicht an.

Der Tank schrumpfte gegenüber dem Vorgängermodell um 4 auf 21 Liter. Dank gleichzeitig gesenktem Verbrauch soll die neue Honda Gold Wing jedoch ebenfalls Reichweiten über 350 km erzielen können.

Foto: Honda
Honda Gold Wing in der Variante
Honda Gold Wing in der Variante "Tour"

Varianten und Farben

Die Honda GL 1800 Gold Wing wird in Deutschland in drei Varianten erhältlich sein:

  • Basisversion in Matte Majestic Silver mit Seitenkoffern und konventionellem Sechsganggetriebe, Servokupplung sowie zusätzlichem Rückwärtsgang
  • Tour-Version in Candy Ardent Red und Pearl Glare White mit zusätzlichem Topcase und insgesamt 110 Litern Stauraum
  • Topvariante Candy Argent Ardent Red/Darkness Black und Darkness Black Metallic mit Topcase, Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe, Rangierfunktion und Airbag

Als Entwicklungsziele für die Neuauflage der Gold Wing nennt Honda einen kompakteren Aufbau, weniger Gewicht und gesteigerte Agilität. Honda will bei der neuen Gold Wing (je nach Ausstattung) bis zu 48 Kilogramm Gewicht gegenüber dem Vorgängermodell eingespart haben, ohne dabei Kompromisse mit den Ansprüchen an die "Luxus-Fahrmaschine erster Klasse" eingehen zu müssen.

Honda erhofft sich von dieser Neuausrichtung seines Touren-Flaggschiffs, auch "breiter gefasste Kundenkreise [...], also durchaus jüngere Fahrergenerationen, für die das Vorgängermodell nicht unbedingt in Frage kam", anzusprechen. Dazu gehört auch die Umgestaltung der vom Fahrer wahrgenommenen Aerodynamik von "windstill hinter Riesenscheibe" auf "spürbare Luftströmung für ein intensiveres Fahrerlebnis".

Foto: Honda
Zündknauf der Honda Gold Wing
Zündknauf der Honda Gold Wing

Technische Daten

Motor und Kraftübertragung: Flüssigkeitsgekühlter Sechszylinder-Boxermotor, 4 Ventile pro Zylinder, eine obenliegende Nockenwelle pro Zylinderbank, Bohrung/Hub 73/73 mm, Hubraum 1833 cm³, Verdichtung 10,5:1, 93 kW (126 PS) bei 5.550/min, 170 Nm bei 4.500/min, hydraulische betätigte Mehrscheiben-Ölbadkupplung mit Assist/Slipper-Funktion, Sechsganggetriebe mit Rückwärtsgang (optional: elektronisch-hydraulisch gesteuerte Mehrscheiben-Ölbadkupplung, Siebengang-DCT), Kardanantrieb

Fahrwerk, Räder, Bremsen: Doppel-Längslenker vorn, Pro-Link-Einarmschwinge hinten, 130/70 R 18-Reifen auf 18 x MT 3.5-Rad vorn, 200/55 R 16-Reifen auf 16 x MT 6.0-Rad hinten, 320-mm-Doppelscheibenbremse mit Sechskolben-Festsätteln vorn, 316-mm-Scheibenbremse mit Dreikolben-Schwimmsattel hinten

Maße und Gewicht (Basisversion): L/B/H: 2475/925/1340 mm, Randstand 1.695 mm, Lenkkopfwinkel 59,5°, Nachlauf 109 mm, Sitzhöhe 745 mm, Bodenfreiheit 130 mm, Gewicht (vollgetankt) 365 kg

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