SWM Six Days 440. Jacek Bilski

SWM Six Days 440 im Test

Stadt-Land-Fluss-Flitzer

Ihr sucht einen schicken und bezahlbaren Stadt-Land-Fluss-Flitzer? Prima, genau den offeriert die italienische Firma SWM mit der Six Days 440 als 2019er-Neuzugang. Scrambeln mit Stil!

Egal wo er auftaucht, dieser stilvolle Scrambler kommt an. Leute strömen herbei und bewundern diese rote Schönheit. Stimmig und stämmig steht sie da, die SWM Six Days 440. SWM? Drei-Buchstaben-Marken sind ja in, wie BMW und KTM beweisen. Nun, SWM steht für„Speedy Working Motors“. Die Firma produziert in den ehemaligen Husqvarna-Fabrikhallen im italienischen Varese – 2017 immerhin 7.000 Maschinen. Dabei wurde SWM erst 2014 wiederbelebt: Die historische Marke existierte von 1971 bis 1984 im Norden von Mailand. In diesem kurzen Leben gewannen die Italiener immerhin die Silver Vase bei den Six Days, dem berühmtesten und imageträchtigsten Enduro-Rennen der Welt.

Shineray liefert Vierventil-Single

Jene Vergangenheit zitiert das optisch adrette Retro-Bike. SWM ist eine 100-prozentige Tochter des chinesischen Herstellers Shineray. Er liefert den 445 Kubikzentimeter großen Vierventil-Single. Daher trägt dieser zwei Krümmer samt zwei Katalysatoren. Der Eintopf bollert herzhaft aus seinen zwei hochgelegten Edelstahl-Schalldämpfern – die Auspuffanlage mit ihren ansehnlichen Schweißnähten ist raffiniert gegabelt. Schade, kicken kann man nicht. Also Knöpfchen drücken. Klingt kernig, der China-Kracher. Unter 3.500 bis 4.000 Touren hackt der luftgekühlte Kurzhuber, speziell im finalen fünften Gang. Der Single braucht Drehzahl.

SWM Six Days 440.
Jacek Bilski
Besonders aus der Ferne betrachtet ist die Six Days ein schickes, adrettes Motorrad!

Immerhin dreht er ebenso spritzig wie tapfer bis über 8.000 Touren. Vibriert dabei aber heftig, es kribbelt wild. Der kleine, kräftige Geselle drückt echte 31 PS. Sie haben mit zarten 173 Kilogramm Maschinengewicht keine Mühe. In der Stadt fährt der Geländehüpfer spielerisch. Er schlägt auf schmalen Reifen im Stau und auf Landstraßen engste Haken. Auch zum Herumscrambeln wären gute Anlagen vorhanden: Dazu zählen der breite Lenker mit geländegemäßer Strebe, die metallene Motorschutz-Platte, recht grobstollige Pirelli MT 60 (vorne 19 Zoll!) und gezackte Enduro-Fußrasten mit Gummi-Auflage. Alles, wie es sich gehört. Doch zarte 130 Millimeter Federweg vorn und gar nur 109 der Stereo-Federbeine an der Rundrohr-Stahlschwinge sprechen klar gegen ernsthafte Offroad-Ambitionen.

Telegabel nur bedingt geländetauglich

Speziell die Telegabel von „Fastace Performance“ performt gar nicht geländetauglich: Sie spricht extrem stuckerig an und bleibt bei der mit 318 Kilometern noch fast jungfräulichen Maschine mechanisch stecken. Eher straff gedämpft dagegen die Federbeine. Nein, mit Faltenbälgen im klassischen Look, hübschen Metall-Schutzblechen und teils durchaus feinem Oberflächen-Finish gewinnt die Six Days 440 eher Schönheits- als Sportwettbewerbe. Plump regelt das ABS. Unkonventionell liegt dessen Hydroblock rechts hinterm Motor.

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Mittlerweile eine echte Alternative!
Ein absolutes No-Go!

Billige Bremszangen und einfache Bremspumpen erfüllen eher das Attribut „rustikal“. Trotzdem verwindet sich die Gabel beim heftigen Ankern. Egal, dem Fahrspaß tut’s keinen Abbruch. Den Hintern verwöhnt die fett gepolsterte Sitzbank. Der Knieschluss am rundlichen Stahlblechtank stimmt. Nur die Fußrasten liegen einen Tick weit vorne. Ganz ideal ist der Kontakt zur Maschine nicht. Offenherzig erscheint die Elektrik verlegt, mitsamt freiliegenden Steckern. Einmal versagte mitten in Fahrt die komplette Bordelektrik: kein Saft, kein Strom, kein Bremslicht mehr, gar nichts. Noch mal gut gegangen.

Fazit

Versöhnlich stimmt der Blick aufs Preisschild: zarte 5.240 Euro! Das ist ein fettes Pfund. Denn auch wenn nicht jedes Detail an der Six Days 440 zu überzeugen weiß: Das schicke Italo-Bike mit dem chinesischen Herzen trifft zielsicher einen Nerv.

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