Motorradtour Schottland Hebriden Motorradreise Jo Deleker
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Motorradtour Schottland Hebriden Motorradreise 15 Bilder

Motorradreise Schottland und Hebriden

Motorradreise Schottland und Hebriden „Heavy Rain Warning“

"Tief im Westen, wo die Sonne versinkt, ist es besser, viel besser, als du denkst." Dieser leicht geänderte Songtext von Herbert Grönemeyer passt perfekt auf die schottischen Hebriden, jener wilden und oft überraschenden Inselgruppe im äußersten Nordwesten von Great Britain.

Mit dem Motorrad nach Schottland? Wohlwissend, dass das Wetter dort bisweilen auch Träume solide ertränken kann? Ja. Ich möchte trotzdem dahin. Endlich mal die Hebriden erkunden, jene magischen Inseln im Atlantik. Über Nacht bringt mich die DFDS-Fähre nach Newcastle, und abends parke ich die Ténéré schon an der schottischen Westküste mit Blick auf Arran Island. Zelt aufbauen, den Reise-Relax-Modus hochfahren, ab jetzt gibt’s weder Termine, Fahrplan noch Büroalltag. Wetter, Lust und Laune bestimmen nun den Kurs.

Arran Island

Klingt nach maximaler Freiheit, oder? Dazu passt Arran Island bestens. Auf der 90 Kilometer langen Inselumrundung begegnen mir kaum 20 Autos und 200 Schafe, der Inselpuls schlägt spürbar langsamer als auf dem Festland. Hektik kommt auf Arran nie auf, außer wenn die Fähre fünf Minuten zu früh ablegt. Oder wenn die Midges kommen. Bei wenig Wind und Sonne greifen sie an, die schottischen Westküsten-Monster, winzig klein, unendlich nervig, furchtlos gegenüber jeglicher Chemie-Keule, fies juckende Bisse hinterlassend. Es gibt nur ein wirksames Abwehrmittel gegen die Biester, ein Hut mit Moskitonetz. Sieht scheiße aus, vernebelt die Sicht und verhindert Essen und Trinken. Aber er verschafft dir endlich Ruhe vor Culicoides impunctatus.

Kintyre und Mull

Weiter geht’s, die kleine, schwarzweiße Calmac-Fähre schippert mich rüber nach Kintyre, ein weiteres großes Schiff dann von Oban nach Mull, die südlichste Hebrideninsel und – das behaupte ich jetzt einfach – die schönste. Mull hat nicht den "Da-muss-ich-hin-Status" wie die Nachbarinsel Skye, die sommertags ganz schön überlaufen ist. Mull atmet sein entspanntes und konzentriertes Westküsten-Aroma auf jedem Meter seiner Single Tracks. Die abendliche Runde entlang der zerklüfteten und panoramareichen Westküste ist der Hammer. Wenn das Wetter mitspielt. Wie heute, windstill, wolkenlos, 22 Grad. Perfekt.

Im dritten Gang dümpelt die Yamaha durchs Glen More, ein quietschgrünes Hochlandtal, garniert mit Rhododendron und lila Glockenblumen, ein paar blauen Seen, rechts der fast 1000 Meter hohe Ben More, davor ein weißer Hof und eine Herde zotteliger Hochlandrinder. Voll das Schottland-Klischee, aber hier und jetzt sehr real. Der Single Track klettert hoch zu einem seichten Pass und das Panorama schaltet auf Weite um. Vor mir der stille Ozean, verziert mit ein paar Inselchen wie Ulva, Staffa und Lunga, Brutplatz für die lustigen Papageitaucher. Tief durchatmen, ist das schön hier, so ist Mull! Ich bleibe im Fahrmodus "Relax", pröttel weiter von Bucht zu Bucht, von Pass zu Pass, immer entlang der Küste, bis ich kurz vor Mitternacht, dunkel ist es noch immer nicht, Tobermory erreiche. Mit seinen bunten Häusern ist die "Hauptstadt" von Mull ein echter Lichtblick unter den sonst bisweilen tristen Hebriden-Orten.

Skye

Der nächste Tag, die nächste Fähre, die nächste Insel. Skye. Sehnsuchtsziel vieler Reisender, Schottland im Kleinen, von der rauen Westküste ins wilde Hochland und den sanften Osten. Aber trotz der vielen Touristen gibt es noch ruhige Ecken. Nirgendwo sonst ist der Blick auf die zerklüfteten Cuillins-Berge grandioser als vom Fischerort Elgol mit seiner Ende-der-Welt-Atmo. Oder Neist Point, der westlichste Punkt von Skye, eine riesige Steilklippe, garniert mit dem winzigen weißen Leuchtturm. Ein spektakuläres Fotomotiv. Auch wegen des grandiosen Sonnenuntergangs. Und weit draußen im Atlantik sind die Äußeren Hebriden zu erkennen. Da will ich hin.

"heavy rain warning"

Aber BBC sendet eine "heavy rain warning" für den Westen. Soll zwei Tage dauern. Was nun? Eine solche Warnung an der ohnehin regenreichen Küste zu ignorieren wäre keine gute Idee, besser ich suche mir einen sicheren Unterschlupf. Über Nacht geht’s los. Es gießt waagerecht. Tage im Café mit Scottish Breakfast inklusive des mysteriösen Black Pudding und allerlei Törtchen. Puh. Wenigstens gibt es Internet und ich buche die Fähre zu den Äußeren Hebriden. Klappt prima. Blöd nur, dass mich die SMS mit der zur Bezahlung nötigen TAN nicht erreicht. Kein Netz. Die schnöde Realität fällt der digitalen Revolution in den Rücken. Schließlich fahre ich einfach zur Fähre nach Uig, werde dort vom Einweiser mit Namen begrüßt. Häh? Nun, offenbar hat die Buchung auch ohne Onlinezahlung geklappt, und ich bin ohnehin der einzige Biker auf der Liste. 90 Minuten reitet das Schiff über die sanfte Dünung nach Tarbert.

Äußere Hebriden

Die Äußeren Hebriden sind harsche Inseln, dem garstigen Klima des Nordatlantiks direkt ausgesetzt, es ist eine Herausforderung, hier draußen zu leben. Land- und Forstwirtschaft wie im reicheren Osten sind kaum möglich, idyllische Ecken selten, und die wenigen Orte sind keine Kandidaten für "Unser Dorf soll schöner werden". Raues Westcoast-Flair.

Aber dann entdecke ich paradiesische Orte, die das Bild verändern. Wie die Traumstrände von South Harris, gelber Sand, menschenleer, karibikgrünes Meer und sanfte, dunkle Berge. Oder die Single-Track-Achterbahn durch die einsamen Gneis-Buckel an der Südostküste. Oder die baumlosen Clisham-Mountains, fast 800 Meter hoch und mächtig präsent. Oder die Magie der Standing Stones of Callanish, das schottische Stonehenge, aber fast ohne Touristen und älter als die Pyramiden von Gizeh. Es sind diese einzelnen Spots, die für Staunen in dieser derben Landschaft sorgen.

Abends finde ich einen winzigen Zeltplatz am Cliff Beach an der Nordküste. Drei Womos stehen hier, fünf Pfund werden in einen Briefkasten gesteckt, Wasser und Klo gibt es nicht. Dafür aber die endlose Sicht über den Ozean bis, nun ja, fast nach Kanada, einen spurenlosen Sandstrand und bestes Outdoor-Feeling. Über mir kreist ein Seeadler in der steifen Brise. Es fühlt sich so weit draußen an, so gut!

Nördlichste Hebrideninsel

Bis zum Frühstück. Dann droht die BBC schon wieder mit einer "heavy rain warning", diesmal sogar für drei Tage. Also Jo, carpe diem! Schnell ist die XT gepackt für die Kreuzfahrt über Lewis, die nördlichste Hebrideninsel. Ein weites, kaum besiedeltes Land, rolling hills unter schwermütigen Wolken, Moor und Tümpel; schnurgerade Straßen versuchen, den Horizont zu erreichen. Nach Norden wird’s immer flacher, außer Torf gibt es nichts zu holen. Hier und da ein paar Schafe und Häuser, die vor allem Armut ausstrahlen. Wie anders da die Hauptstadt Stornoway aussieht. Schöne viktorianische Bauten aus der reichen Zeit des Heringsbooms, dicke Bäume, sogar ein paar Cafés. Einladend, nicht abweisend.

Assynt-Halbinsel

Am Kai wartet schon die Loch Seaforth, das Flaggschiff von Calmac. Mit 19 Knoten rauscht die Fähre übers Meer, lädt mich in Ullapool wieder aus. Hier beginnt eine der spektakulärsten Strecken der Westküste um die Assynt-Halbinsel. Hochland-Atmo vom Allerfeinsten. Der Single Track mäandert um hohe und prägnante Berge wie Suilven und Stac Pollaidh, kommt durch nette Orte wie Lochinver oder Drumbeg und wirft sich dann als B 869 in aberwitzige Steigungen und Kurven. Dauergrinsen garantiert! Am Loch Assynt wachsen mächtige kaledonische Kiefern, auf einer Halbinsel reckt sich die Ruine des Ardvreck-Castle fotogen aus dem See.

Von hier sind es nur noch 60 Kilometer bis zur Nordküste bei Durness, aber die Regenwarnung sitzt mir im Nacken, lieber gebe ich der XT die Sporen und ziehe südwärts durch bis Applecross. Dort kann ich’s zwei Tage aushalten. Café, Frühstück und Törtchen, ihr wisst schon. Das einzige Regengebiet Europas wirft Anker über Schottland und kippt 80 Millimeter Wasser über Bord. So viel wie zu Hause in zwei Monaten. Biker, die über den 626-Meter-Pass Bealach-na-Bo nach Applecross kommen, erzählen von Sturm, waagerechtem Regen und null Sicht dort oben.

Dampfzug "The Jacobite"

Als ich anderntags über den Pass klettere, ist die Welt wieder eine andere. Windstill, ein paar Schäfchenwolken wandern ostwärts, die Aussicht in der glasklaren Luft reicht bis zu den Hebriden. So schnell geht das. Vorbei am wohl berühmtesten Castle des Landes, Eilean Donan, bollert die Ténéré nach Fort William. Zu Füßen des Ben Nevis, mit 1.344 Metern höchster Gipfel von Great Britain, mit fünf Meter Regen pro Jahr auch der nasseste. In Fort William beginnt die 75 Kilometer lange West Highland Railway nach Mallaig. "Na und?", fragen sich nun Nicht-Harry-Potter-Fans. Im Sommer fährt hier täglich der Dampfzug "The Jacobite", gezogen von einer mächtigen Zweizylinder-Schnellzuglok, heute ist es die 45.407. Vor allem in der Steigung bei Glenfinnan ist das ein optisches und akustisches Erlebnis. Dampfbetrieb wie vor 60 Jahren. Die Briten lieben ihre Traditionen.

So prächtig, wie sich die Dampfwolke im neuerlichen Sprühregen entwickelt, so nervig ist das Motorradfahren unter diesen Bedingungen. Und der Wetterbericht lässt wenig Interpretationen für Hoffnung. Der schottische Sommer ist diesmal kein guter. Irgendwann bist du so weich gespült, dass nur noch eine Option zieht: Abbruch der Reise. Manchmal passt das Timing dann eben doch nicht.

Infos zur Motorradreise auf Schottlands Hebriden

Schottlands Westen vom Hochland bis zu den Äußeren Hebriden verspricht ganz großes Landschaftskino. Eine gesunde Portion Resistenz gegen schlechtes Wetter sollte man aber mitbringen.

Anreise: Die beste Anreise bietet DFDS Seaways mit der geschickten Nachtfähre von Amsterdam nach New-castle, www.dfds.com. Von dort sind es kaum zwei Stunden bis Schottland. Die Ticketpreise variieren je nach Reisetag. Von Rotterdam nach Hull schippert auch eine Nachtfähre, nämlich die von P&O, www.poferries.com. Wer lieber den langen Weg durch England fahren möchte, kann eine der Kanalfähren nehmen, z. B. Dünkirchen–Dover mit DFDS, oder per Zug durch den Eurotunnel anreisen.

Reisezeit: Am besten zwischen Mai und September. Die Midges (blutsaugende Beißfliegen) tauchen zumeist ab Mitte Juni auf, die Sommertouristen ab Anfang Juli. Die schottische Westküste zählt zu den regenreichsten Regionen Europas. Im Jahresmittel fallen hier etwa 2000 Millimeter, an der Ostküste hingegen nur 750. Trotzdem sind längere Schlechtwetterperioden selten, viel häufiger ist das typische Küstenwetter mit einem Mix von Schauern und Wolken. Der Sommer 2018 war auch in Schottland extrem trocken, der Sommer 2019 hingegen ungewöhnlich nass.

Übernachten: Es gibt über 300 Campingplätze zwischen "very basic" und Fünf-Sterne-Caravan-Parks ("no tents please"). Preisspanne von 10 bis 20 Pfund. Beliebt und weitverbreitet sind Bed & Breakfast (B&B), manchmal sogar mit Familienanschluss. Die Preise liegen zumeist zwischen 30 und 50 Pfund pro Person und Übernachtung. Selbst in abgelegenen Gebieten weisen Schilder auf B&B hin. Daneben bieten noch zahlreiche Gasthöfe und Hotels Unterschlupf für die Nacht.

Literatur & Karten: Reiseführer für Individualreisende kommen aus diesen Verlagen: Stefan Loose Verlag, 668 Seiten für 24,95 Euro; Michael Müller Verlag, 804 Seiten, 26,90 Euro; Reise Know-How, 564 Seiten, 23,90 Euro; DuMont, 448 Seiten, 24,99 Euro; Lonely Planet, 556 Seiten, 25 Euro. Gute Landkarten gibt es beispielsweise von: Michelin, Blatt 501, 1:400000, 9 Euro; Marco Polo, 1:300000, 10 Euro; Kümmerly & Frey, 1:275000, 12 Euro.

Fakten zu Schottland:

  • Hauptstadt: Edinburgh
  • Fläche: ca. 78.000 km²
  • Einwohner: ca. 5,5 Millionen
  • Währung: britisches Pfund (GBP)
  • Sprachen: Englisch, Lowlands-Scots und Gälisch
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