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25 Jahre motorradonline.de: Wie es dazu kommen konnte

25 Jahre motorradonline.de Wie es dazu kommen konnte

Dieses Internet – für uns heute selbstverständlich, für die Geburtshelfer von motorradonline.de in den 1990er-Jahren aber Neuland. Im Verlag wurde damals skeptisch diskutiert. Aber die progressiven Print-Kollegen von damals setzten sich durch und im April 1997 ging MOTORRAD online.

Bereits in den 1990ern-Jahren dürstete es MOTORRAD nach Digitalisierung. Und zwar, weil die Texte und Datentabellen, die die Redakteure und Techniker auf Schreibmaschinen tippten, danach von einer Person in einem Unix-basierten Satzsystem erneut erfasst und aufwändig zu Seiten umbrochen werden mussten. Ein riesiger Produktionsaufwand also. Damals diskutierten die Computer-interessierten Kollegen der Redaktion bei jeder Gelegenheit die Möglichkeiten eines richtig organisierten Computereinsatzes zur Heftproduktion – das waren der Grafiker Reinhard Clemen, der Ressortleiter SPORT Andreas Schulz, Text- und Schlussredakteur Dr. Gerhard Wiese und ich, der Autor dieses Textes (Harald Humke), damals noch Produktionsleiter und Chef vom Dienst.

Um 1992 lernte Dr. Gerhard Wiese dann bei einer Windows Access-Datenbank-Schulung den Trainer und Programmierer Andreas Häusler kennen, der schon immer mal zeigen wollte, was mit Access alles möglich ist. In der Folge schauten wir uns in Hamburg das Redaktionssystem PinkPress an, besuchten Software-Ingenieure und System-Integrationsfirmen mit Redaktionserfahrung. Mit den daraus gewonnenen Erkenntnissen und unseren Visionen konzipierten wir das spätere MPS-Redaktionssystem, bestehend aus fünf Datenbanken für Produktion mit Rechte- und Benutzerverwaltung, Text- und Layoutherstellung, Literaturarchiv und Technische Daten.

"Machen Sie doch keinen solchen Wirbel um das Internet"

Dieses System kam von 1995 bis 2007 für MOTORRAD zum Einsatz und sammelte in kurzer Zeit so viele Daten, dass der freischaffende Programmierer Andreas Häusler aus eigenem Antrieb im Herbst 1996 kostenlos eine Online-Präsentation für die Verlagsleitung der Motor Presse Stuttgart programmierte. Es war damals nicht einfach, die Geschäftsleitung zu überzeugen, da ein Leitender Entscheidungsträger mir wörtlich bedeutete: "Herr Humke, machen Sie doch keinen solchen Wirbel um das Internet, das ist doch auch wieder nur so ein kurzzeitiger Trend".

motorradonline.de 1997 Goldenen Server
Markus Jahn
Der"Goldene Server": ein von Harald Humke golden lackierter Commodore CBM8032. Der Rechner steht noch heute in einem Kellerarchivraum von MOTORRAD.

Da wir den Kostenaufwand durch persönlichen Einsatz recht niedrig halten konnten, bekamen wir den Auftrag MOTORRADonline [aktuelle Schreibweise: motorradonline.de; Anm. d. Red.] aufzusetzen. Der damalige Chefredakteur Friedhelm Fiedler war von der Präsentation und dem Produktionsauftrag derart begeistert, dass er Andreas Häusler, Dr. Gerhard Wiese und mich zum Zwiebelrostbraten mit flüssiger Begleitung einlud – mehr gab es übrigens nicht dafür.

Nachtschichten für motorradonline.de

Nach der Produktion des MOTORRAD Katalogs 1997 im November und Dezember 1996 begannen wir den Content aufzubereiten. Immer abends und nachts nach der MOTORRAD-Heftproduktion haben Dr. Gerhard Wiese und ich Bilder gescannt und mit Erklärungen beschriftet, damit wir auch andere Rubriken wie zum Beispiel ein Lexikon für technische Begriffe zeigen konnten. Die Texte und Bilder aus den Heftartikeln hatten wir ja schon in strukturierter, digitaler Form in unseren Datenbanken vorliegen, die Bilder mussten "nur noch" runtergerechnet werden, weil die Übertragungsgeschwindigkeiten seinerzeit mit Modems noch keine Datenmengen zugelassen haben.

motorradonline.de 2001
motorradonline.de
2001 verabschiedete sich motorradonline.de vom Lochblechmuster.

Als Gestaltung hatte ich mir eine doppelreihige Klingelleiste aus Messing vorgestellt, in deren Namensfeldern unsere Online-Rubriken stehen sollten. Dazu zog ich in der Mittagspause mit der Kamera los und fand im Stuttgarter Lehenviertel an einem Altbau passende Klingeln. Unser Grafiker Horst Läpple sollte damit dann unsere Homepage gestalten, "Screen Designer" kannten wir ja noch nicht. Und heraus kam das weithin bekannte Lochblechmuster, das den Wiedererkennungswert unserer Webseiten für einige Zeit bestimmte.

Programmierer fuhr Server eigenhändig zum Provider

Durch die Datenbank-gestützte Heftproduktion konnten wir am 6. April 1997 circa 60.000 Seiten mit MOTORRADonline im WWW anbieten. Übrigens habe ich in Ermangelung einer qualifizierten IT-Abteilung den Server damals noch selbst gekauft und von unserem Programmierer Andreas Häusler einrichten lassen, der ihn dann persönlich zu dem Provider mit dem besten Angebot fuhr. Denn wir waren mal wieder sehr spät dran.

Unser Online-Angebot war in kürzester Zeit sehr erfolgreich und konnte bereits Mitte 1997 den millionsten Besucher begrüßen. Deshalb mussten wir im ersten Jahr auch zweimal leistungsfähigere Server nachrüsten.

motorradonline.de 2001 Heftvorschau
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Eine Heftvorschau auf motorradonline.de im Jahr 2002.

Ein Grund für den Erfolg war sicherlich auch das Forum, das wir in MOTORRADonline integriert hatten. Nur kam ich in der Anfangszeit zu nichts Anderem mehr, als zur Kontrolle der Beiträge und Beantwortung der Fragen. Fragen an Redakteure habe ich damals noch ausgedruckt und mir die Antworten von den Redakteuren auf Papier zurück liefern lassen. "Wir hatten ja nichts…", und der Umgang mit E-Mails war noch wenig bekannt. So entstand in meinem Büro ein meterhoher Papierstapel mit den Online-Antworten der Redakteure. Es konnte sich der damalige Chefredakteur Walter Gottschick nicht vorstellen, dass ich mit den Forumsbeiträgen den ganzen Tag zu tun habe.

"Forumisten" zu Gast in der Redaktion

Mitte 1997 wollten die begeisterten "Forumisten" den MOTORRADonline-Server anbeten. Was als Spaß in den Forumsbeiträgen begann, wurde dann an einem Samstag im Herbst 1997 zu einem Treffen in der Redaktion MOTORRAD. Immerhin rund 15 Forumisten wurden von uns durch die Redaktionsräume geführt und anschließend von weiteren Redakteuren im Gasthaus eingeladen, den "Goldenen Server" anzubeten. Dazu hatte ich den ersten Computer der Redaktion MOTORRAD, einen Commodore CBM8032, in der Tiefgarage golden lackiert und im Gasthaus dazu einen Altar aufgebaut. Der Rechner steht noch heute in einem Kellerarchivraum von MOTORRAD.

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