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Lärmblitzer gegen Lautstärkesünder

Großbritannien und Frankreich testen bereits

In den kommenden sieben Monaten testet das britische Verkehrsministerium neu entwickelte Messgeräte, mit denen der Verkehrslärm überwacht und eingedämmt werden soll. In Frankreich wird ebenfalls bereits getestet. Deutschland setzt noch auf mildere Systeme.

Ziel der Initiative sind nicht ausschließlich Motorräder, sondern alle Fahrzeuge mit manipulierten Abgasanlagen und Fahrer, die ihre Motoren absichtlich besonders hochdrehen lassen. Verkehrsminister Chris Grayling begründet die Maßnahme damit, dass von der Lärmbelästigung eine ernsthafte Gefahr für die Gesundheit ausgehe. Die neue Technologie sei ein erster Schritt auf dem Weg zu leiseren Städten.

Überschreitung des Geräuschlimits löst Blitzer aus

Grayling bezeichnet die Lärmblitzer zudem als interessante Technologie und er sei sehr gespannt auf den ersten Einsatz. Die Geräte erfassen zunächst Lautstärke und Geschwindigkeit des vorbeifahrenden Fahrzeugs, wobei sie auch verschiedene Fahrzeugklassen identifizieren können sollen. Bei einer Überschreitung der für die Klasse zugelassenen Werte wird der Blitzer ausgelöst, Beweisaufnahmen des Fahrzeugs anfertigt und mittels automatischer Nummernschilderkennung (ANPR) das Kennzeichen erfasst.

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Die Messungen zur Homologation erfolgen in einem exakt definierten Abstand zur Fahrbahn.

Tony Campbell, CEO der britischen Motorcycle Industry Association, sieht in den Lärmblitzern keine Gefahr. Die Hersteller hielten sich bei der Entwicklung schließlich strikt an die geltenden Regularien. Eine Überwachung der Einhaltung sei deshalb absolut willkommen.

Großbritannien ist Vorreiter

Bei Erfolg will das britische Verkehrsministerium den Einsatz der neuen Blitzer kontinuierlich ausweiten. Das könnte auch den Umgang anderer Länder mit dem Thema Lärmbelästigung maßgeblich beeinflussen, zumal es bereits europaweit diskutiert wird. In der Schweiz berät beispielsweise das Genfer Lokalparlament über die Einführung von Lärmblitzern. Diese seien nach aktuellen Schätzungen aber erst in zwei bis vier Jahren einsatzbereit. In Zürich wurde ein solcher Antrag im März 2019 abgelehnt, da „ohne entsprechende Rechtsgrundlagen bei der polizeilichen Kontrolltätigkeit rechtlich verwertbare Vorbeifahrtmessungen mit Sanktionsmöglichkeiten nicht möglich“ seien, so ein Regierungsrat gegenüber Telebasel.

Strafen von bis zu 1.500 Euro in Frankreich

In Frankreich hingegen haben die Behörden bereits einen auf 18 Monate angesetzten Testbertrieb mit Lärmblitzern aufgenommen. Die rechtliche Grundlage dazu hatte die Nationalversammlung im Juni 2019 verabschiedet. An einer von Motorradfahrern viel frequentierten, kurvenreichen Strecke südwestlich von Paris wurde in diesem Sommer eine Anlage installiert, die die Lautstärke vorbeifahrender Fahrzeuge misst. Die Technik kann dabei zwischen verschiedenen Fahrzeuggattungen unterscheiden. Vorerst wird nur gemessen. Im nächsten Schritt sollen die Fahrer der zu lauten Fahrzeuge visuell verwarnt werden. Später ist dann auch eine Erfassung samt Bestrafung per Bußgeld eingeplant. Vorgesehen sind Strafen von bis zu 1.500 Euro sowie die Beschlagnahmung des Motorrads. Im Testbertrieb wurden als Spitzenwert 450 Lärmüberschreitungen an einem einzigen Sonntag gemessen. Ergänzed hat Frankreich im Pariser Umfeld mittlerweile eine zweiten Lärmblitzer in Betrieb genommen, zwei weitere sollen im September in Paris selbst folgen.

Lärmblitzer auch in Deutschland denkbar

Schon seit mehreren Jahren werden in Deutschland stellenweise Lärmmessgeräte eingesetzt, die Fahrer auf ein zu lautes Fahrzeug hinweisen – allerdings ohne Kennzeichenerfassung und Bußgeld. Der Nationalpark Eifel hat als jüngstes Beispiel im Juni 2019 an der Landesstraße 15 ein System eingeführt, das beim Vorbeifahren je nach Lärmemission des Fahrzeugs entweder „Leiser“ oder „Danke“ zeigt. Da an hochfrequentierten Straßen, oft vor allem an beliebten Motorradstrecken, immer wieder Beschwerden über Lärmbelästigungen eingehen, ist eine Ausweitung der Kontrollen nach britischem Vorbild denkbar. Konkrete Pläne liegen hierzu aber noch nicht vor.

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