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Norton für 16 Mio. Pfund an TVS verkauft

John Russell zu Interims-CEO ernannt

Norton ging nach Finanzproblemen in Insolvenz. Nun übernimmt der indische Zweiradhersteller TVS für 16 Mio. Pfund und setzt John Russell als Interims-CEO ein.

Die Übernahme von Norton durch TVS wurde vom Insolvenzverwalter BDO wie auch von TVS bestätigt. Der Kaufpreis wurde mit 16 Millionen Pfund (umgerechnet 18,4 Millionen Euro) angegeben. TVS will am Norton-Standort Donington festhalten und auch die Belegschaft übernehmen. Die Inder planen zudem die Produktion der aktuellen Baureihen fortzuführen. Zudem will man mit den neuen Modellen rund um den neuen 650er Zweizylinder endlich in Serienproduktion gehen. Mit dem internationalen Vertriebsnetzwerk von TVS soll Norton auch Zugang zu neuen Märkten erhalten. Die Norton-Schulden aus den Pensionskassen werden die Inder aber nicht begleichen. Sudarshan Venu, Geschäftsführer der TVS Motor Company, kommentierte den Kauf von Norton wie folgt: "Dies ist eine bedeutsame Zeit für uns bei der TVS Motor Company. Norton ist eine weltweit bekannte britische Marke und bietet uns eine immense Chance. Diese Transaktion steht im Einklang mit unseren Bemühungen, den Bestrebungen anspruchsvoller Motorradkunden gerecht zu werden. Wir werden Norton uneingeschränkt unterstützen, um seinen vollen Ruhm in der internationalen Motorradlandschaft wiederzugewinnen."

John Russell Interims-CEO bei Norton

Zum vorübergehenden Geschäftsführer ernannte TVS John Russell, der zuvor sowohl Vizepräsident als auch Geschäftsführer von Harley-Davidson Europa und davor bei Land Rover war. Russell kennt sich also aus in der Branche. An ihm soll es nun liegen, die Weichen für die Norton-Zukunft unter TVS zu stellen und dafür zu sorgen, das die Marke Norton wieder Vertrauen zurückerobern kann.

TVS Motor Company Logo
TVS Motor Company

Die TVS Motor Company ist Teil der TVS Gruppe, die einen Jahresumsatz von rund 8,5 Milliarden Dollar erzielt und rund 90 Firmen unter einem dach bündelt. Die Inder blicken auf eine 100-jährige Firmengeschichte zurück und sind weltweit auf 60 Märkten präsent. TVS fertigt auch für BMW die Modelle G 310 R und G 310 GS. Zudem gilt TVS als einer der größten indischen Automobilzulieferer.

Das Norton-Drama

Anfang Januar 2020 war Norton bereits wegen einer Steuerschuld in Höhe von 300.000 Pfund in die Schlagzeilen und in Schieflage geraten. Norton-Ex-Boss Stuart Garner musste vor einem britischen Insolvenzrichter Rede und Antwort stehen, wie sich der Motorradhersteller den Abbau der Steuerschulden vorstellt. Die ursprüngliche Steuerschuld soll sogar 600.000 Pfund betragen haben, die Hälfte wurde aber bereits kurzfristig beglichen. Der Motorradhersteller bat um einen Zahlungsaufschub um 63 Tage und verwies zudem auf erwartete Steuerrückzahlungen und Subventionen in Höhe von rund 135.000 Pfund. Der zuständige Insolvenzrichter hat die Sache zunächst auf den 12. Februar 2020 vertagt. Dann wollte man weiter verhandeln.

Hohe Investitionen in Produktion

Ende Januar 2020 wurde dann bei Norton Motorcycles wegen Zahlungsunfähigkeit ein Insolvenzverfahren eröffnet. Offensichtlich zwangen die hohen Investitionen für die anstehende Serienproduktion für die neuen Zweizylinder sowie die V4-Modelle den Kleinserienhersteller finanziell in die Knie. Erst Ende 2019 hatte Norton per Crowdfunding Geld für die anstehende Produktion der neuen Modelle gesammelt. Ein ungenannter Großinvestor stellte daraufhin Kapital in Höhe von einer Millionen Pfund bereit. Dieses Invest scheint aber nicht auszureichen um die Produktionspläne umzusetzen. Die Produktionsanlagen für die Zweizylinder sind noch eine Baustelle, wie auch die Lieferkette für eine mögliche Produktion.

Zahlreiche Kaufinteressenten

Seit Februar stand der Motorradhersteller unter Zwangsverwaltung durch die Wirtschaftprüfungsgesellschaft BDO. Bei Norton sind aktuell rund 100 Mitarbeiter beschäftigt. Nach Angaben des Insolvenzverwalters BDO gab es von verschiedenen Seiten insgesamt 331 Interessensbekundungen, den angeschlagenen Motorradhersteller übernehmen zu wollen. Nur wenige davon wollte man intensiver prüfen und gegebenenfalls Verhandlungen aufnehmen. Bis zum 25. März 2020 konnten sich Kaufinteressenten bei BDO melden. Unter denen, die an einer Übernahme von Norton interessiert sind, soll sich auch der Ex-Norton-Direktor Steve Murray befunden haben. Murray dürfte bei einer Abwicklung des Unternehmens rund 1,5 Millionen Euro verlieren, die er in den Motorradhersteller investiert hat. Auch der indische Zweiradhersteller TVS wurde schon im Vorfeld als Käufer gehandelt.

Bereits im Jahr 2012, vier Jahre nach der Norton-Übernahme durch Stuart Garner vom amerikanischen Geschäftsmann Kenny Dreer, stand Norton kurz vor der Insolvenz. Aktuell läuft noch bei zwei weiteren Unternehmen von Stuart Garner ein Insolvenzverfahren.

Betrügerische Pensions-Fonds

Zudem berichten britische Medien von einer Verwicklung in einen Pensions-Skandal. Norton-Ex-Boss Garner soll über eine Fremdfirma drei Pensions-Fonds aufgelegt und darüber Millionenbeträge eingesammelt haben, die alle in den Motorradhersteller flossen und nicht wie vereinbart langfristig und sicher angelegt wurden. Kolportiert wird eine Summe von 14 Millionen Pfund, die betrügerisch veruntreut wurden. Inzwischen hat ein Pensions-Fonds-Geschädigter eine Online-Petition angestoßen, die die britische Regierung auffordert Norton-Ex-Boss Stuart Garner zu den Vorfällen zu befragen und zudem die Pensionsausfälle aufzufangen.

Weiter sollen von britischer Regierungsseite über die Jahre Fördergelder in Höhe von rund sechs Millionen Euro für Norton Motorcycles und die British Motorcycle Manufacturing Academy, die ebenfalls von Garner kontrolliert wird, geflossen sein. Zudem berichtet der Insolvenzverwalter BDO von Gläubiger-Forderungen in Höhe von rund 950.000 Euro, die als Kunden-Anzahlungen für nie gelieferte Motorräder ins Unternehmen geflossen sind. Seit dem zweiten Februar-Woche wurde auch die Produktion bei Norton geschlossen. Die Mitarbeiter werden aber noch weiter bezahlt.

Gesamtschuld liegt bei über 30 Mio. Euro

Wie das britische Superbike-Magazin mit Einblick in die Unterlagen von Insolvenzverwalter BDO jetzt errechnet haben will, liegen die Verbindlichkeiten von allen Norton-Aktivitäten bei über 28 Millionen Pfund (umgerechnet rund 31,5 Millionen Euro). Auf dem Motorradhesteller lasten davon rund 6,3 Millionen Pfund. Dem gegenüber steht ein Kapital von 300.000 Pfund (336.000 Euro) zum Zeitpunkt der Insolvenz.

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