Honda Rev 840 von Roland Eckert

Zu schade zum Fahren?

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Der Ex-Grand Prix-Star und Superbiker Jochen Schmid hatte Sehnsucht nach der Piste. Aber so ein ganz normales Seriengerät kam dem schwäbischen Per­fektionisten nicht in den Transporter. Es musste etwas ganz Besonderes sein. Die wohl aufwendigste Honda-V4-Maschine außer Marc Márquez' RC 213 V.

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Jochen Schmid fährt Bus. Sieben ­lange Jahre nach dem Ende seiner Rennkarriere 1999 kümmerte er sich ausschließlich um den Familienbetrieb. Dann trieb ihn die Langeweile zum Honda-Guru Roland Eckert, den Älteren unter uns seit den 70er-Jahren als der deutsche Honda-Veredler von Weltniveau bekannt. Seine Langstrecken-Renner auf CB 750 Four-Basis sind legendär. 

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Irgendetwas Ähnliches spukte Schmid im Kopf herum, als er von einer Eckert-Bol d´Or träumte. Doch der Meister sprach zu ihm: „Das ist nichts für dich, du brauchst eine RC 30!“ Schmid sah das ein, kaufte eine zerlegte RC 30 und baute sie für die Renne auf. Nach ein paar Runden war klar: „Das ist es immer noch, die RC 30 ist unschlagbar in ihrer Ausgewogenheit.“ Aber nun mussten Nägel mit Köpfen gemacht werden, und Schmid beauftragte Meister Eckert mit einer zweiten Maschine. Und zwar einer ohne Kompromisse und konkurrenzfähig zu den aktuellen 1000ern. „Dann musst du 840 Kubik fahren.“ Eckert, Schmid und der inzwischen dazugestoßene frühere Chefmechaniker Kurt Stückle waren sich einig. Das Projekt REV 840 war geboren.

2 Honda REV 840 mit 171 PS bei 12.800/min

Fünf Jahre sollte es dauern, bis die Hyper-RC 30 fertig war. Fünf Jahre lang testete Jochen Schmid jedes einzelne Teil auf Tauglichkeit unter Rennbedingungen. Am Ende fand sich außer ­Motorgehäuse und Rahmen kaum noch etwas im Originalzustand aus der Serienmaschine. Dafür glänzt die REV 840 mit Eckdaten, die so manchen Super­biker etwas ehrfürchtiger werden lassen. Aus exakt 836 cm³ zaubert Eckert 171 PS bei 12.800/min. Beachtliche 101 Nm Drehmoment bei 10.500/min sagen dem Fachmann, wie gut die 39er-Flachschiebervergaser auf die Steuerzeiten des Motors abgestimmt wurden. Ohne Benzin wiegt die V4-Honda nur noch 158 Kilogramm.

3 Unnützes Zeug ganz weggelassen

Herzstück des Ganzen: Eckert entwickelte Dreiring-Kolben mit 74 Millimeter Durchmesser. Zusammen mit größeren Ventilen und bearbeiteten Kanälen und den HRC-Nockenwellen war das Kraftpaket schon einmal definiert. In die Zylinder kamen unempfindliche Gusslaufbuchsen, von HRC stammen der obere Kühler sowie eine tiefere Ölwanne mit mehr Volumen und niedrigerem Ölniveau.

Um frei atmen zu können, spendierte das Team dem V4 eine neu entwickelte, dreiteilige ­Airbox mit Luftführung von vorn. Ausatmen darf der Motor durch eine teure Titananlage in HRC-Kit-Optik. Selbstverständlich wurden alle Teile penibel feinbearbeitet, wo es ging teures Titan verwendet und unnützes Zeug, wie die verspannten Zahnräder für den ­Nockenwellenantrieb oder den ­Kupplungskorb, ganz weggelassen.

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4 "Jetzt übertreibt er aber"

„Manchmal dachte ich, jetzt übertreibt er aber.“ Ein Airboxgehäuse auf das Zehntel genau zu bauen, sei ja wohl doch ein wenig zu pedantisch, so Schmid über Eckert. Aber Roland Eckert, inzwischen 73 Lenze alt, bohrte sich schon immer tief ins Detailproblem. Was man auch schön am Fahrwerk festmachen kann. Auch hier blieb kaum ein Teil unangetastet. Ein Blick auf die aus dem Vollen gefrästen Gabel­schützer genügt. Das macht nur Eckert. Natürlich wurden auch hier alle Stahlteile durch solche aus Alu und ­Titan ersetzt, die Lenkkopflager sogar durch solche mit Wälzkörpern aus Keramik, ein Ersatzteil der MotoGP-Honda. Um die Federelemente kümmerte sich HH-Racetech. Neue Cartridge-Einsätze für die Gabel und eine spezielle Umlenkung für das Öhlins TTX 36-Federbein stammen aus Pfäffingen.

5 Ultraleichte Schmiederäder von Eckert

Um weiter Gewicht zu sparen und an Optik zu gewinnen, wurden alle Verkleidungsteile in Sichtkarbon bei CFP im Autoklaven gebacken. Auch die Halter entstanden aus edlem Kohlenstoff. Bestes Bremswerk von ISR, ultraleichte Schmiederäder von Eckert und noch unzählige Goodies und Spezialitäten mehr zeigen eine unglaubliche Per­fektion. Mehr geht eigentlich nicht. 

Zu schade zum Fahren? Mal sehen, ob Jochen Schmid die Honda REV 840 bald über die Rennstrecken der Welt treibt. Zuzutrauen ist es ihm jedenfalls. Bus fahren tut er übrigens immer noch. Aber langweilig war es ihm die letzten fünf Jahre keine Minute.

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