IDM 2020 Assen Dino Eisele

IDM auf dem Sachsenring: am Montag und Dienstag (7. und 8. September)

IDM am Montag und Dienstag (7. und 8. September) Nach 7 Jahren zurück auf dem Sachsenring

Beim Kampf um die Titel in der Internationalen Deutschen Motorradmeisterschaft (IDM) ist ein kühler Kopf gefragt. Das gilt ganz besonders für das Comeback des Championats auf dem Sachsenring 2020.

Für die ungewöhnlicherweise an einem Montag und einem Dienstag ausgetragene Veranstaltung komprimiert sich das Geschehen auf zwei statt drei Tage. Dafür gilt: Vom freien Training bis zum zweiten Rennen darf man sich keinen Fehler erlauben. In allen Klassen treffen starke Lokalmatadoren und Sachsenring-Kenner auf die weitere IDM-Elite. Das verleiht den IDM-Rennen auf dem Sachsenring zusätzliche Schärfe.
Zuschauer sind auch am Sachsenring nicht zugelassen. Alle Rennen werden aber per Livestream unter idm.de/live übertragen.

IDM Superbike: Jonas Folgers Paradestrecke

Beim Rückblick auf den Saisonauftakt in Assen meint Superbike-Spitzenreiter Jonas Folger im Interview mit Motorsport Aktuell zur IDM: "Für eine nationale Meisterschaft war ich schon begeistert und weiß das Level auch zu schätzen." Der 156-malige WM-Pilot gewann beim IDM-Auftakt ungefährdet beide Rennen. Zwei weitere sollen nach Möglichkeit auf dem Sachsenring folgen. Damit würde sich der 27-Jährige die beste Ausgangsposition für die zweite Saisonhälfte schaffen. Auf der Rennstrecke in Sachsen feierte der Yamaha-Fahrer vor drei Jahren seinen größten MotoGP-Erfolg: Mit dem mehrfachen Weltmeister Marc Marquez kämpfte er um die Führung und wurde letztlich Zweiter. Auch beim IDM-Auftakt in Assen demonstrierte Folger seine Extraklasse, ganz besonders zu Beginn des zweiten Rennens: Mit einem Raketenstart schoss er aus der dritten Reihe des umgekehrten Grids nach vorn. Er gewann mit 3,621 Sekunden Vorsprung auf Titelverteidiger Ilya Mikhalchik und Florian Alt (beide BMW).

IDM 2020 Assen
Dino Eisele
Die Supersport 600 beim IDM Saisonstart 2020 in Assen: Steeman (#72) an der Spitze. Kroeze (#36), Noderer (#7), Hanika (#98) und Grünwald (#43) schieben sich ebenfalls vor die Kameralinse.

Verfolger Ilya Mikhalchik: Mit herber Enttäuschung im Gepäck

Mit angekratzter Moral reist der zweifache IDM-Superbike-Meister Ilya Mikhalchik zur zweiten IDM-Veranstaltung. Den Ausfall beim 24-Stunden-Rennen von Le Mans am vergangenen Wochenende nimmt der 24-jährige BMW-Pilot auf seine Kappe. Zwölf Minuten vor Rennende stürzte der Ukrainer beim Lauf zur Langstrecken-Weltmeisterschaft. Seine Verletzung, die direkt an der Strecke im Medical Center behandelt werden konnte, schmerzte den zweifachen IDM-Champion weit weniger als die Nullnummer für das BMW-Werksteam: "Mein Fehler", gesteht Mikhalchik. "Ich war in meinem Stint zu schnell unterwegs. Die anderen Jungs sind langsamer gefahren, aber ich habe meine Pace beibehalten."

Der Druck auf den Titelverteidiger wächst

Wie schnell kann der ehrgeizige Fahrer des EGS-alpha-Van Zon-BMW Teams den Ausfall von Le Mans vergessen? In den beiden IDM-Läufen auf dem Sachsenring muss Mikhalchik alles daransetzen, den Rückstand auf Folger so klein wie möglich zu halten. Zwei zweite Plätze hinter dem IDM-Führenden sind eigentlich Pflicht, um weiter Chancen auf die Meisterschaft zu haben. Der Sachsenring gilt wie auch schon Assen als Folger-Land. Dank seiner Streckenkenntnis aus zwei IDM-Saisons könnte Mikhalchik dann auf dem Lausitzring am direkt folgenden Wochenende und beim Finale auf dem Hockenheimring Vorteile haben. "Diese beiden Strecken kenne ich am wenigsten", sagte Folger im MSa-Interview. Dennoch schaut der Yamaha-Fahrer lässig auf die zweite Hälfte der Kurzsaison: "Aber ich kann mich recht schnell auf neue Strecken einschießen."

Florian Alt trotzt seinem Testrückstand

Zufrieden kann dagegen Florian Alt von Le Mans seine Reise zum Sachsenring antreten. Der 24 Jahre alte Gummersbacher erbte mit seinem Team durch den Ausfall der BMW-Werksmannschaft den fünften Platz beim Lauf zur Langstrecken-WM in Le Mans und kommt als IDM-Dritter zur deutschen MotoGP-Strecke. Trotz großen Testrückstands mit der BMW S 1000 RR des Wilbers-Teams folgt er nach dem Saisonauftakt in Assen direkt auf die beiden IDM-Spitzen Jonas Folger und Ilya Mikhalchik. Von seinem Markenkollegen Mikhalchik trennen ihn in der IDM Superbike nur acht Zähler. Gegenüber seinem Markenkollegen und Titelverteidiger hat Alt für die zweite IDM-Veranstaltung einen Vorteil: Er kennt den Sachsenring bereits.

Zeitplan IDM Sachsenring 2020

IDM 2020 Zeitplan Sachsenring 2020
IDM
Insgesamt 10 Rennen finden am Dienstag, den 8. September statt.

IDM Supersport 600: Sander Kroeze muss sich beweisen

Der schnelle, erst 18 Jahre alte Holländer Sander Kroeze trifft auf dem Sachsenring auf den Lokalmatadoren Max Enderlein. Der zweifache Meister in der IDM Supersport 600 ist nahe der Strecke zuhause und kennt die 3,67 Kilometer lange Berg- und Talbahn bestens. Kroeze führt zwar in der Meisterschaft nach dem Auftakt auf seiner Heimstrecke. Doch neben Enderlein sitzt ihm ein weiterer Verfolger im Nacken: Kawasaki-Pilot Luca Grünwald kommt punktgleich mit dem Titelverteidiger Enderlein zum Sachsenring. Dahinter lauert bereits Glenn van Straalen. Der niederländische WM-Pilot in der Supersport 300 hat sich mit seiner Supersport-600-Kawasaki in Assen noch kurzfristig in die IDM eingeschrieben. Ein Sturz vermieste ihm in Assen allerdings die Punktausbeute. Ebenfalls durch einen Sturz büßte IDM-Rückkehrer Victor Steeman wertvolle Punkte ein. Aber der Holländer aus dem neuen Team Lentink Sports gewann das erste Rennen und zählt ebenfalls zum großen Favoritenkreis der IDM Supersport 600.

IDM Superstock 600: Ex-IDM-Meister Jan-Ole Jähnig kehrt zurück

2017 gewann Jan-Ole Jähnig die zum ersten Mal ausgetragene IDM Supersport 300 und stieg dann mit dem Freudenberg-Team in die Weltmeisterschaft auf. Im vergangenen Jahr wurde der KTM-Pilot aus Thüringen WM-Achter. Jetzt verbaut ihm die Corona-Pandemie weitere Starts: Die kommenden Läufe finden in Aragon und Katalonien (Barcelona) statt. Deshalb kehrt der 19 Jahre alte Altenburger in die IDM zurück, hat sich aber in die IDM Superstock 600 eingeschrieben. In der seriennahen Klasse startet Jähnig mit einer Yamaha und trifft dabei auf den Belgier Tom Kohnen, der in Assen beide Läufe gewinnen konnte, den 600er-Aufsteiger Tim Holtz und den 18 Jahre alten Lokalmatador Paul Fröde. Der Hohenstein-Ernstthaler hält die Honda-Fahne in dieser Klasse hoch.

IDM Supersport 300: Melvin van der Voort will Führung verteidigen

Man spricht niederländisch: In keiner anderen Klasse gilt das so sehr wie in der Nachwuchsklasse. Das liegt vor allem an der ausgezeichneten Nachwuchsarbeit im Nachbarland. Der 15 Jahre alte Melvin van der Voort kommt mit seiner Yamaha als IDM-Spitzenreiter zum Sachsenring. Mit Rick Dunnik, dem Vizemeister des Vorjahres, folgt ihm der nächste schnelle Landsmann. Luca de Vleeschauwer führte sich als Gesamtdritter in die IDM ein. Der Belgier fährt für das Team RT Motorsports by SKM-Kawasaki, das mit insgesamt fünf Ninja 400 in der IDM antritt. Für diese, parallel in der Supersport-300-WM aktive Mannschaft startet mit Marvin Siebdrath auch der schnellste deutsche Fahrer. Der 16 Jahre alte Lokalmatador aus Wildenfels bei Zwickau erhofft sich vom Start auf seiner Heimstrecke in der IDM-Wertung einen Sprung nach vorn. Derzeit ist der Kawasaki-Nachwuchsfahrer Sechster.

Lokalmatadoren gegen internationales Starterfeld

Doch auch der Australier Harry Khouri auf Kawasaki und der Holländer Ruben Bijman auf Yamaha wollen in Sachsen ihre Position in der Meisterschaft verbessern. In Assen ließ Khouri durch einen Sturz im ersten Lauf wertvolle Punkte liegen, gewann aber das Wimpernschlag-Finale im zweiten Rennen. Auf einen Vorteil durch ihre guten Streckenkenntnisse lauern Lennox Lehmann und der Meister Toni Erhard, beide auf KTM. Erhard, der IDM-Meister von 2018, gewann im gleichen Jahr auf dem Sachsenring ein 300er-Rahmenrennen beim deutschen Grand Prix. Dabei behielt er gegen den WM-Piloten Jan-Ole Jähnig die Oberhand. Der erst 14 Jahre alte Lehmann gewann im vergangenen Jahr den Lauf zum ADAC Junior Cup auf der Strecke, einer von insgesamt sechs Laufsiegen für den späteren Gesamtsieger.

IDM 2020 Termine:

  • 7. und 8. September: IDM Sachsenring
  • 11. bis 13. September: IDM Lausitzring
  • 25. bis 27. September: IDM Hockenheimring
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