Cake Kalk OR. Beyl
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Cake Kalk OR im Test

Elektromotorrad aus Schweden

Nicht mehr ganz so heimlich, dafür still und leise scheint sich im Offroad-Bereich einiges zu elektrisieren. Insidern längst bekannt: das schwedische E-Start-up Cake. Gespannt, was das E-Bike kann?

Ein Motorrad namens Kuchen & Kalk? Zunächst einmal schwer, keine Witze über diese Kombination zu machen. Und doch ist das Konzept des mehrfach ausgezeichneten schwedischen Start-ups Cake durchaus ernst zu nehmen: ein elektrisches Sport-Motorrad, steigende Medienprominenz, ein weltweites Vertriebskonzept. Kalk OR heißt das erste Serienmodell, nur Kalk der Stromer mit Straßenzulassung. Beide kennzeichnet ein minimalistisches, grau-weißes Design-Kleid, der Status Superleichtgewicht, ein edles Öhlins-Fahrwerk sowie – keine Kupplung.

Kraft der Motorbremse wählbar

Sieht chic aus oder sagen wir: Sie sieht aus wie der Kleidungsstil eines sehr hippen, sportlichen Design-Studenten, der einlädt, mit ihm einen kalt gebrühten Espresso zu trinken. Wirkt aber neben vergleichbaren Marken, die noch immer nicht von Neon-Akzenten und flashigen Details ab können, erstaunlich erwachsen und einen gehörigen Schritt voraus. Schritt, da war was: Statthafte 910 mm Sitzhöhe müssen erklommen werden, womit die Kalk im Bereich der Einstiegsenduros KTM Freeride oder Beta X-Trainer liegt. Dann, noch vor dem Losfahren, steht eine wichtige Entscheidung an: 45 km/h Explore-Modus, ein bis zwei Stunden Trials touren im Excite-Modus oder Vollgas in Schalterstellung drei: Excel.

Cake Kalk OR.
Beyl
Die Sitzbank ist ungewöhnlich breit für das Fahren im Stehen und ungewöhnlich weiß für das Spielen im Dreck...

Auch zu wählen ist die Kraft der Motorbremse: gar keine, zweitakt- oder viertaktähnlich. Eine erste Runde über Wiesen und geschotterte Feldwege zeigt schnell, dass alles unter dem Vollgas-Modus für normale Motorradfahrer ungewohnt lahm aus dem Quark kommt. Da keine Kupplung bei der Dosierung hilft, sind gerade enge Kurven im Einsteiger-Mapping eine ziemliche Umfallgefahr. In der Spitze rund 20 PS warten im Excel-Modus, warum diese nicht nutzen? Wider Erwarten bleibt sie nämlich auch hier sanft und gut zu beherrschen, kommt auf der schnellen Geraden dann aber mit rund 75 km/h aus dem Nichts wie eine stumme Rakete. Glaubt mir, über eine holprige Wiese mit sehr dünnen, harten 24-Zoll-Rädern erscheint das viel schneller, als es klingt. Und wir erinnern uns – keine Kupplung. Das bedeutet in diesem Fall, dass vorne links die Hinterradbremse bedient wird. Der rechte Fuß läuft also ins Leere, der linke Zeigefinger löst ungeplante Driftshows aus. Da bekommt der Spruch „… ist wie Fahrradfahren, verlernt man nicht“ eine ganz neue Bedeutung.

Schwerpunkt merkbar tief

Versuchen wir uns in langsamen Gefilden: Ohne Auspuff und Tank, dafür mit 16 Kilogramm-Batterie, bleibt der Schwerpunkt merkbar tief, gibt Stabilität und Balance. Gerade in engen Passagen macht sich das geringe Gesamtgewicht zusammen mit steilem Lenkkopfwinkel bemerkbar: Stehend lässt sich die Kalk fast wie ein Trialmotorrad zwischen Wurzeln und Steinen bugsieren. Dabei ist lediglich die ungewöhnlich breite Sitzbank im Weg, die sich beim Aufstehen regelrecht an der Hose festhält. Der weiße Topper wurde scheinbar doch zum Daraufsitzen angebaut, was die Cake Kalk insbesondere in der neuen Straßenvariante zum umweltfreundlichen und extravaganten Pendlerfahrzeug macht. Dieses soll leicht modifiziert auf bis zu 90 km/h kommen, bleibt dem Grundmodell jedoch weitgehend treu und kostet 1.000 Euro mehr. Da bleibt jungen Fahrern schnell mal der halb gekaute Kuchenkrümel im Hals stecken. Wie wäre es also mit einer günstigeren Einsteigerversion, vielleicht ohne Öhlins, ohne superleicht, dafür mit richtigen Straßenreifen? Cake ist noch am Anfang und sich spätestens jetzt dieser Idee wohl bewusst.

Fazit

Von welchem Kuchen will die Cake Kalk nun eigentlich Teil sein? Von der Enduro-Tarte, vom Trial-Törtchen, von der Commuter-Kirsch oder ganz einfach vom Innovations-Allerlei? Wohl fühlt sie sich sichtlich auf leichten Waldstrecken, zum Trialen bräuchten wir eine Kupplung und zum Pendeln etwas mehr Komfort. Was sich Stefan Ytterborn, ehemaliger Gründer der aus dem Radbereich bekannten Marke POC, da ausgedacht hat, macht Laune, einen erwachsenen Eindruck und vor allem eines nicht: den viel diskutierten „Lärm“. Lecker!

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