Zero Motorcycles
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Zero SR/F im Fahrbericht

Verbrenner, zieht euch warm an!

In den USA bei Zero entstehen Motorräder, die sich nicht nur sehen lassen können, sondern auch bestens funktionieren. Die brandneue SR/F macht einen riesigen Schritt nach vorn.

Ausnahmsweise möchte ich diese Geschichte in der Ich-Form schreiben. Man möge mir verzeihen, aber was ich bei Zero in Santa Cruz erleben und erfahren durfte, hat mich – ja, elektrisiert. „Du bist der erste Mensch außerhalb von Zero, der unsere SR/F fahren darf!“, sagt mir Brian Wismann, Produktentwickler von Zero. Eine große Ehre für MOTORRAD. Zuvor erzählte Brian zusammen mit Cheftechniker Abe Askenazi, wie ausgefeilt und technologisch führend dieses Motorrad sei. Denn zum ersten Mal würde in einem Elektromotorrad die Bosch-Fahrdynamik-Regelung verwendet, man habe nun wie in der Automobiltechnik ein zusätzliches Zwölf-Volt-Bordnetz integriert, und man könne über eine ebenfalls integrierte App alle möglichen Programmierungen vornehmen und auch auslesen, wo man wie schräg oder wie schnell gefahren sei. Cypher III nennt sich das Netzwerk, in dem alle Funktionen integriert würden. Damit sei man ganz vorne.

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Verarbeitung auf sehr hohem Niveau

Ich bin immer noch hin und weg von dem Design der Zero SR/F. Sahen bisherige Elektromotorräder auch von Zero eher technisch orientiert aus, begeistert die Neue mit einer außerordentlich harmonischen Formgebung. Die nun in einer kunstvoll verrippten Aluminiumhülle versteckte Batterie wurde perfekt in den Gitterrohrrahmen integriert, der golden eloxierte Motor mit seinen Kühlrippen wirkt koaxial in der Schwingenlagerung. Der Körper mutet dynamisch geduckt an, das Heck extrem sexy und die Sitzbank gut gepolstert. Alles wirkt sehr wertig ausgeführt, auf Weltklassestandard sozusagen. „Das ist das Motorrad, das wir seit 13 Jahren bauen wollten.“ Abe Askenazi ist sichtlich gerührt. Ich auch.

Zero
Statt eines Tanks für Kohlenwasserstoffe gibt es ein Fach für Wasser oder andere Stoffe. Die Premium-Version versteckt hier ein weiteres Ladegerät. Dahinter die Buchse Typ 2.

Man hat das im Gefühl. Heute geschieht etwas Großartiges in der Motorradszene. Das war beispielsweise beim Anblick der ersten Ducati 916 so. Oder als ich die erste KTM Super Duke 1290 fahren durfte. Oder vor 20 Jahren die erste Suzuki Hayabusa. Epochale Motorräder, die Einfluss nahmen auf eine ganze Generation. Der Zero SR/F traue ich das auch zu. Und schon jetzt, bevor ich auch nur einen Meter gefahren bin. Kein Schlauch oder Kabel stört die Ästhetik der Maschine. Die Verarbeitung scheint makellos, teilweise liebevoll. Der Motor ist perfekt integriert, der Akku ebenfalls, ein hübsches Dashboard informiert, ein LED-Scheinwerfer leuchtet, das Heck mit den integrierten Alugriffen für den Sozius. Respekt.

„Wir arbeiten komplett mit Luftkühlung. Das erspart uns viele Bauteile und Gewicht. Und durch den in der Schwingenachse arbeitenden Motor brauchen wir nicht einmal einen Längenausgleich für den Zahnriemen.“ Abe, der 15 Jahre bei Buell gearbeitet hat, freut sich darüber, wie einfach ein Elektromotorrad aufgebaut sein kann. „Wir haben kein Motoröl, kein Kühlwasser, insgesamt nur zehn Lager im gesamten Motorrad. Alle mit Fettfüllung. Getriebe und Kupplung gibt es natürlich auch nicht. Der neu entwickelte Motor dreht jetzt über 7.000/min und liefert aus dem Stand satte 190 Nm.“ Okay, das sind 50 mehr als bei einer Super Duke und sollte genügen, die 226 Kilogramm Zero SR/F bestialisch nach vorne zu katapultieren.

Zero SR/F bügelt sämtliche Bodenwellen weg

Wir fahren los, geräuschlos und absolut beherrschbar setzt sich die Zero SR/F in Bewegung. Alles wirkt viel erwachsener als bisher. Lenker, Fußrasten und Sitzbank passen perfekt. SR/F bedeutet Streetfighter, also passen der etwas breitere Lenker und die versammelte Sitzposition bestens. Sofort fällt auf: Alles läuft sämig. Der seidenweiche Motor mit seiner perfekten „Gas“-Annahme, die bestens ansprechenden Federelemente von Showa, die nun standesgemäßen Reifen von Pirelli, die gut gepolsterte und geformte Sitzbank. Hier waren Profis am Werk.

Zero
Das Dashboard ist klar gezeichnet und wechselt seine Farbe je nach Modus. Dominant: der Akku-Ladezustand. Motor- und Akku-Temperatur werden auch überwacht.

Profi ist auch der Tourguide. Trevor lässt es laufen, sucht und findet eine richtig verzwickte Bergstraße mit mächtigen Bodenwellen und kaum Verkehr, man merkt, der Mann kennt sich aus. Deftig zieht er am Kabel, die Zero SR/F marschieren wie Schmitts Katzen, bügeln sämtliche Gemeinheiten weg und schnüren zielgenau durch die Kurven. Im Sportmodus wird die volle Power freigegeben, da geht die Post richtig ab. Ich prognostiziere: Da wird sie wenige Gegner haben.

Topspeed liegt bei 200 km/h, sinnvoll wird so der Akku geschont. Gemütlicher geht es im Eco-Mode voran, mit viel Bremsmoment, um wieder zu laden.

150 Kilometer Reichweite

Die Frage aller Fragen: Wie weit fährt die denn? „Sie fährt gut 150 Kilometer oder mehr. Aber wichtiger ist, wie schnell du sie wieder laden kannst.“ In der Premiumversion mit 6-kW-Lader und Zusatzgerät sei der Akku in einer Stunde wieder voll. Zu Hause an der Steckdose braucht es vier Stunden. Praktisch ist der Typ-2-Steckeranschluss. Damit kann die Zero in Europa überall wieder aufgetankt werden.

Habe ich etwas zu kritisieren? Die Zero-Leute schauen mich fragend an. Mir fällt nichts ein. „Nein, ehrlich, eure Maschine ist ziemlich geil!“

Diesen Fahrbericht, das Zero-Firmenportrait, sechs weitere Tests, News aus dem Dauertest-Fuhrpark, Ideen zur Saisonplanung sowie das umfangreiche Sonderheft „Motorrad fahren gut und sicher“ bekommt ihr in der aktuellen MOTORRAD Ausgabe 6/2019 geboten. Als PDF zum Download hier.

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