Mittelklasse-Reiseenduros im Vergleichstest, BMW F 850 GS Adventure, KTM 890 Adventure, Triumph Tiger 900 Rally Pro Marcus Jahn
Mittelklasse-Reiseenduros im Vergleichstest, BMW F 850 GS Adventure, KTM 890 Adventure, Triumph Tiger 900 Rally Pro
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F 850 GS Adv., 890 Adv. und Tiger 900 Rally Pro

F 850 GS Adventure, 890 Adventure, Tiger 900 Rally Pro Mittelklasse-Reiseenduros von BMW, KTM und Triumph

Mehr Power und Hubraum sollen aus der 790er-Adventure von KTM eine noch bessere 890er-Adventure machen – dies- und jenseits des Asphalts. Dort, wo manche Wege enden, wo aus Straßen auch mal Schotterpfade werden, trifft das Austria-Abenteuer-Bike auf BMW F 850 GS Adventure und Triumph Tiger 900 Rally Pro.

BMW F 850 GS Adventure, KTM 890er-Adventure, Triumph Tiger 900 Rally Pro – bei so viel Abenteuer im Namen der drei kann ja nichts schiefgehen, da ist ein hoher Erlebnisfaktor garantiert. Wirklich? Wir wollen das in diesem Vergleichstest herausfinden. Abenteuer, wir kommen!

Tiger lässt keine Komfort-Wünsche offen

Wobei Abenteuer nicht den Verzicht auf Annehmlichkeiten bedeutet. Das stellt Peter auf der Triumph Tiger 900 Rally Pro sofort fest. Obwohl der Namenzusatz Rally Pro eher Assoziationen an ein knallhartes Geländefahrzeug für materialmordende Trips unter heißer Wüstensonne weckt, bietet die Engländerin ein Komfort- und Ausstattungspaket, das keine Wünsche offenlässt. Und dazu zählen neben zahlreichen Konnektivitäts-Lösungen samt Bluetooth-Modul zur Steuerung von GoPros, Smartphones, Musik und Navigation eben auch Heizgriffe und eine Sitzheizung für Fahrer und Sozius. Kein Wunder, dass Peters Mundwinkel sich schnell nach oben schieben, während Karsten auf der KTM heute die Frostbeule gibt. Tempomat, Traktionskontrolle, Kurven-ABS, verschiedene Fahrmodi: Wie die anderen glänzt auch die KTM mit aktuellsten Fahrassistenzsystemen, Hände und Hintern bleiben bei frostigen Temperaturen aber kalt. Dem Autor auf der F 850 GS Adventure geht’s da etwas besser. Eine BMW ohne Heizgriffe? Laut Wahrscheinlichkeitsrechnung sind sechs Richtige im Lotto realistischer – selbst ohne abgegebenen Lottoschein. Zudem besitzt die BMW als einzige ein semiaktiv arbeitendes Federbein, dessen Dämpfung elektronisch verändert werden kann. An der Gabel muss sie wie die KTM ohne Verstellmöglichkeiten auskommen. Da bietet die Triumph mehr. Ihre Vorderradführung lässt sich in Zug- und Druckstufe sowie der Federvorspannung justieren, ihr Dämpfer in der Zugstufe und der Vorspannung. Damit sind die groben technischen Details und Ausstattungsfeatures der drei abgerissen, das Abenteuer wartet.

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Zur Ausstattung der Tiger zählen neben zahlreichen Konnektivitäts-Lösungen samt Bluetooth-Modul zur Steuerung von GoPros, Smartphones, Musik und Navigation auch Heizgriffe und eine Sitzheizung für Fahrer und Sozius.

Und nur ein paar Meter weiter, hier im fast menschenleeren Landstrich rund um die Jagst, rottet ein verlassener Schmalspurbahnhof vor sich hin. Wir folgen den Schienen parallel auf einem schmalen Trampelpfad. Entgegenkommend harmonisch hängen alle drei Motoren beim langsamen Endurowandern am Gas. Selbst die hoch verdichtende und hubraumstärkste KTM zuckelt mit ihren zwei Zylindern ab 2.500/min gemächlich vor sich hin – etwas mehr Schwungmasse als noch bei der 790er sei Dank. Der Twin der BMW und der Drilling der Triumph stehen bereits knapp über Standgas Gewehr bei Fuß. Zusammen mit den leichtgängigen Kupplungen – die 890er-Adventure sticht unter diesem Aspekt sogar etwas heraus – fördern alle drei den Wohlfühlfaktor bei gemächlicher Schleichfahrt.

F 850 GS ist ein Schiff auf 2 Rädern

Bis der schmale Pfad ein jähes Ende findet. Karsten stellt den Hinterreifen der KTM flugs auf ein glitschiges Bahngleis, schlägt den Lenker ein und gibt zart Gas. Schon ist die KTM gedreht. 216 Kilogramm vollgetankt haben viel Gutes. Die Triumph fordert etwas mehr Aufmerksamkeit für die gleiche Übung, auf der BMW ist das fast unmöglich. Das schiere Gewicht von 263 Kilogramm sowie die Abmessung der 850er-Adventure machen sie zu einem mächtigen Klotz. Dieses Schiff auf zwei Rädern auf unebenem Grund schiebend in der Balance zu halten fordert richtig. Irgendwann sind alle Bikes gedreht, die Straße hat uns wieder. Als Local weist Peter auf der Triumph Tiger 900 Rally Pro den Weg, will unsere Herzen mit ein paar tollen Kurven vor Freude springen lassen. Beherzt sticht er auf der Tiger in die weiten und engen Kehren des Asphaltbandes hinein. Handlich-verlässlich folgt die Triumph dem Kurvenradius, einzig die recht früh mit den langen Angstnippeln aufsetzenden Rasten bremsen den schrägen Spaß. Richtig gut tastet dabei das Fahrwerk den Straßenbelag ab. Mit feinem Ansprechverhalten gleitet die Tiger geschmeidig über die Fahrbahn, dennoch bauen ihre 240 und 230 Millimeter Federweg vorne und hinten genug Progression auf, um den flotten Kurventanz mit passender Stabilität zu begleiten.

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Die BMW kann vor allem Komfort. Selbst wenn ihr Dämpfer mit 215 Millimetern Federweg im sportlichen Dynamic-Modus agiert, arbeitet er softer als das Exemplar der KTM.

Daran mangelt es auch der KTM 890 Adventure nicht. An Schräglagenfreiheit sowieso nicht. Aber beim Ansprechverhalten, da ist noch Luft noch oben. Besonders die WP-Gabel mit 200 Millimetern Federweg lässt die Simmeringe nur mit hohem Losbrechmoment über die Gleitflächen huschen. Etwas besser arbeitet der direkt angelenkte Dämpfer der 890er, der ebenfalls 20 Zentimeter Federweg besitzt. Der ist jetzt, im Gegensatz zur 790 Adventure, in der Zugstufe weicher abgestimmt, seine Vorspannung per Handrad justierbar. Mit zehn Klicks geöffneter Zugstufe bietet das Federbein einen guten Kompromiss aus Stabilität und Komfort, wenngleich die KTM insgesamt in diesen Disziplinen nicht an den englischen Dreizylinder herankommt. Ihre Ready-to-race-Attitude schärft den Offroad-Charakter, erweist sich auf der Straße aber nicht als Gewinn.

Mehr Komfort kann auch die BMW F 850 GS Adventure. Oder anders gesagt: Sie kann vor allem Komfort. Selbst wenn ihr Dämpfer mit 215 Millimetern Federweg im sportlichen Dynamic-Modus agiert, arbeitet er softer als das Exemplar der KTM. Und der Gabel der BMW fehlt es vor allem beim flotten Strich über kurvige Landstraßen an Reserven, besonders, wenn der 23-Liter-Tank randvoll mit Benzin ist. Die 20 Liter fassenden Spritbunker der KTM und Triumph wirken sich prall gefüllt weniger aufs Fahrverhalten aus. So zehrt die BMW beim Reinbremsen in Kurven ihre 23 Zentimeter Federweg vorne schnell auf, nur um beim Lösen der Bremse ebenso schnell wieder auszufedern. Mehr Zugstufe würde helfen. Da Einstell­optionen fehlen, muss der eilige Pilot damit aber leben.

Triumph wiegt 30 kg weniger als BMW

Oder einfach Speed rausnehmen. Das kommt dem Wesen der BMW F 850 GS Adventure viel mehr entgegen. Auch wenn sie mit ihren dicken Sturzbügeln, den großflächigen Seitenverkleidungen und den zusätzlichen Windabweisern neben der Scheibe schwer nach Globetrotter für alle Wege aussieht, sagt ihr gemütliches Touren viel mehr zu. Was wie beim Wenden vor allem am Gewicht liegt. Die mehr als fünf Zentner fordern den Motor und seine 95 PS bei jedem Dreh am Gasgriff mächtig, machen aus dem Reihenzweier einen Asthmatiker, der gar nicht genug Luft durch die beiden 48er-Drosselklappen saugen kann. Übertrieben? Nein, wie der Blick zu den Fahrleistungen verrät. Und der Quervergleich zur normalen 850er-GS, die für den Durchzug von 60 bis 180 km/h 17,3 Sekunden benötigt. Die 850er-Adventure packt das erst nach 18,6 Sekunden. Die vielen Kilos hemmen das Temperament der BMW spür- und messbar.

Mit ihren ebenfalls im Datenblatt verankerten 95 PS reißt die Triumph Tiger 900 Rally Pro zwar keine Bäume aus, ihre fast 30 Kilogramm Mindergewicht im Vergleich zur BMW verhelfen ihr im alltags- und landstraßenrelevanten Geschwindigkeitsbereich aber zu ebenjenem Plus an Antritt und Verve, das der BMW fehlt. Damit erweist sich der Dreizylinder als gediegen-ausgeglichener Begleiter für alle Lebenslagen.

KTM-Schaltautomat zickte rum

Gänzlich anders aufgestellt wuselt die KTM 890 Adventure durchs Feld der Adventure-Bikes. 889 Kubik erheben sie in diesem Vergleich zum Hubraumprimus, dazu drückt ihr Zweizylinder 105 PS. Auf den ersten Blick mag das nicht die Welt sein, in Kombination mit dem geringsten Gewicht des Test-Trios schlägt sie aber im Buch der Fahrleistungen ein Kapitel auf, das den anderen verborgen bleibt. Sie zieht besser durch, sie prescht besser voran, und zwar immer und überall. Und weil der KTM-Zweier diese Performance ohne Anflug von Nervosität oder mit Einschränkungen bei der Beherrschbarkeit meistert, degradiert die KTM die Triumph und vor allem die BMW unter dem Aspekt Fahr­dynamik zu Zuschauern.

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Der aufpreispflichtige Schaltautomat samt Blipper der KTM zickte am Ende der Testdistanz merklich rum.

Wo so viel Lob ist, findet sich aber auch Kritik: Der aufpreispflichtige Schaltautomat samt Blipper der KTM zickte am Ende der Testdistanz merklich rum. Die Gänge wollten nicht mehr so geschmeidig zueinanderfinden wie auf den ersten Kilometern. Die BMW und die Triumph, beide ebenso mit Schaltassistenten samt Blipper ausgerüstet, gaben sich da untadeliger.

Auf dem Rückweg wartet noch ein Waldweg. Kein Schild versperrt die Durchfahrt durchs feuchte Blättermeer auf dem Pfad. Kaum schiebt sich zu viel Nässe zwischen Boden und Reifen, rutschen diese haltlos zur Seite. Adventure und nur optisch auf Offroad getrimmte Pneus – da kommen die Grenzen manchmal schneller als gewünscht. Zum Glück bringen die Stopper aller Bikes sie auch unter diesen Umständen zuverlässig zum Stehen. Wobei die BMW wieder mit ihrem Gewicht kämpft, KTM und vor allem Triumph halten vehementer.

400 km am Stück sind immer drin

In der Dämmerung unterm herbstlich braunen Laubdach, weisen die Scheinwerfer den Weg in Richtung der nächsten Lichtung. Aufgerüstet mit zusätzlichen Strahlern schieben BMW und Triumph einen erhellenden Lichtkegel vor sich her. Fast genauso gut packt das die KTM, vor allem deren Abblendlicht, das mit klarem Weiß und breiter Fächerung durch die Finsternis dringt.

Flammen prägen das Ende des Tages. Eine Tankfüllung hat bei allen für diesen Trip genügt. Kein Wunder bei den Spritvorräten, die sie transportieren können, und Verbräuchen, die zwischen 4,2 und 4,6 Litern auf 100 Kilometern liegen. 400 Kilometer am Stück sind immer drin. Die KTM mit ihrer harten Bank zwingt automatisch eher zu Stopps. BMW und Triumph betten Pos kommoder, wobei bei der GS der dicke Tank stört, während die Tiger mit ihrer weit am Tank hochgezogenen Sitzbank für ordentlich Distanz zum Lenker sorgt. Hinterm Fahrer sitzt es sich dagegen überall gut.

Fazit

1. Platz: Triumph Tiger 900 Rally Pro. Viel Ausstattung, gutes Fahrwerk und keine echten Schwächen: Mit diesen Zutaten etabliert sich die Tiger an der Spitze dieses Vergleichs. Die Raubkatze macht ihre Sache richtig gut, auch wenn der Vorsprung auf die KTM gering ausfällt.

2. Platz: KTM 890 Adventure. Der neue, größere Motor bringt’s. Er ist Garant für die vielen Mehrpunkte der 890er gegenüber der Vorgängerin. Wenn die Sitzbank nur ein wenig bequemer wäre, die Gabel besser ansprechen würde, dann, ja dann wäre die KTM die erste Wahl.

3. PLatz: BMW F 850 GS Adventure. Unter dem Aspekt Fahrassistenzsysteme war BMW lange Vorreiter, doch die Mitbewerber haben aufgeholt. Und die vielen Adventure-Features wie großer Tank, Sturzbügel, Kofferträger etc. machen aus der BMW ein schweres, aber kein besseres Bike.

BMW F 850 GS
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