Yamaha Ténéré Dauertest

Schiffbruch

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Nicht nur die Langstreckenmaschine von MOTORRAD bereitet Kummer, Yamaha scheint mit der XT 600 Ténéré auch Ärger zu haben.

Gleich zwei Symptome mahnten bei Kilometerstand 18 500 zum sofortigen Vollzug der dritten Inspektion an der Test-Ténéré: mahlende Geräusche beim Fahren im fünften Gang und verräterischer Ölnebel vorn zwischen Zylinder und Zylinderkopf. Die Demontage des Triebwerks ergab anschließend, daß ein Zahnrad der fünften Gangstufe tatsächlich einen Zahn eingebüßt hatte, beide Räder wiesen erhebliche Verschleißspuren auf. Obwohl der Redaktion bekannt ist, daß auch einigen anderen Ténéré- und SRX-Fahrern dieses Malheur passierte, darf wohl nicht von einem typischen Schaden gesprochen werden. Anders stellt sich dagegen bei der Zylinderkopfdichtung die Situation dar: Hier treten Schäden in einem erschreckenden Ausmaß auf. Das bewog Yamaha auch, den Händlern für die XT 600 Ténéré weitgehende Abhilfemaßnahmen zu empfehlen. Weil die Gewinde für die Kopfbefestigungsschrauben im Zylinder nachgeben, kann es - so Yamaha - zu Undichtigkeiten der Kopfdichtung kommen. Deshalb sollen Kundenmaschinen bei entsprechenden Schäden mit längeren und im Durchmesser vergrößerten Schrauben versehen werden. Die Kopfschraubengewinde im Zylinder müssen natürlich verlängert werden. Zu diesem Zweck sollen Heli-Coil-Einsätze die Gewinde ersetzen. Ziel der ganzen Übung: Die dickeren Schrauben dehnen sich unter Wärmeeinwirkung nicht so stark aus und arbeiten deshalb weniger heftig in den Gewinden.

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Kapitaler Schaden: die Zahnräder der fünften Gangstufe hatten nach 18500 km einiges Material eingebüßt.

Die Dauertest-XT kam zwar nicht in den Genuß des gesamten Fitneßprogramms, aber nachdem ihr Kopf wieder plangefräst war, schien sie trotzdem recht ordentlich zu laufen. Genau 2000 Kilometer weit, dann machten ausgerechnet Heli-Coil-Einsätze, die bei Kilometerstand 8500 eingesetzt worden waren, der Fahrt ein Ende. Sie hatten sich gelokkert, eine Gewindereparatur war unmöglich, und die Ténéré bekam in Norditalien einen neuen Zylinder samt Kolben. Überhaupt scheint die ganze Kuriererei an der Dichtungsmisere am Kern vorbeizugehen: Schließlich erwarben sich die ersten Ténéré einen geradezu legendären Ruf als anspruchslose Langstreckenmotorräder, und defekte Kopfdichtungen waren ihnen so fremd wie den meisten anderen Motorrädern auch. Erst seit Yamaha das Modell renovierte und mit in den Flanken weit heruntergezogenem Tank ausrüstete, begann der Ärger. Seither herrscht um den Ténéré-Kopf herum offensichtlich Hitzestau. Aus diesem Grund fährt die MOTORRAD Testmaschine seit geraumer Zeit mit abgesägtem Vorderradschutzblech herum, und aus ebendiesem Grunde rüsten viele Fahrer, vor allem, wenn sie heiße Regionen ansteuern, die Ténéré mit geschlitzten oder tiefergelegten Schutzblechen aus dem Zubehörhandel aus. MOTORRAD wird die Auswirkungen solcher Modifikationen noch systematisch untersuchen und spätestens im Langstreckentest veröffentlichen. Zumal Yamaha selbst ähnlichen Spuren zu folgen scheint: Wie es heißt, kommt die neue Ténéré vom Jahrgang 1988 mit einem Schutzblech, das direkt über dem Vorderrad angebracht ist.

Zylinderkopfschrauben nachziehen

An dieser Stelle sei schon darauf hingewiesen, daß zumindest ein weiterer Schwachpunkt für Zylinderkopf-Dichtungsschäden in Frage kommt: Der vordere Stehbolzen des Zylinderkopfs verbirgt sich genau hinter dem Rohr des Rahmenunterzugs. Weil der Rahmenunterzug demontiert werden muß, wenn die Mutter des Bolzens nachgezogen werden soll, gerät diese oft genug in Vergessenheit. XT-Fahrer sollten also unbedingt darauf achten, daß die Werkstatt beim Nachziehen der Zylinderkopfschrauben auch tatsächlich alle berücksichtigt. Ansonsten riskieren sie, daß sich der Kopf leicht verzieht und dann in einer kostspieligen Behandlung abgefräst werden muß. Auf jeden Fall empfiehlt sich, bei einem Dichtungsschaden genau zu prüfen, ob der Kopf noch plan ist. Sonst kann einem dasselbe Missgeschick zustoßen wie MOTORRAD-Mitarbeiter Kai-Uwe Widdeke. Der musste nach erfolgter Dichtungsmontage und 40 Kilometern Fahrt umdrehen, um den Kopf planen und eine neue Dichtung einbauen zu lassen. Nummer fünf.

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