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Motorrad-Festival in Sturgis 2020

460.000 Biker trafen auf Null Corona-Auflagen

Die jährliche Sturgis Motorcycle Rally gilt als eine der größten Motorradveranstaltungen der Welt. 2020 kamen über 460.000 Biker – trotz Corona-Pandemie.

Sturgis ist eine Kleinstadt in South Dakota, USA mit gerade einmal knapp 7.000 Einwohnern. Ein Mal im Jahr bricht über Sturgis aber regelmäßig die Hölle los. Genau dann, wenn die Sturgis Motorcycle Rally steigt. Ein Event, das in den vergangenen Jahren immer rund eine halbe Millionen Zweiradfahrer in die Stadt gespült hat.

Keine Corona-Auflagen

In 2020, dem Jahr in dem die Corona-Pandemie weltweit Großveranstaltungen verhindert, fand Sturgis dennoch statt. Ok, statt der 700 bis 800 Aussteller aus den Vorjahren hatten für 2020 nur etwa 300 zugesagt. Harley-Davidson hatte alle seine Aktivitäten abgesagt und auch seinen Mitarbeitern verboten nach Sturgis zu reisen. Wettbewerber Indian bot vor Ort Probefahrten an, betonte aber ein Sicherheitskonzept zu haben. Der US-Bundesstaat South Dakota selbst hatte keinerlei Corona-Auflagen verhängt. Es gibt also auch keine Maskenpflicht und es gab auch keinen Lockdown. Beschränkungen gibt es lediglich beim Durchfahren der Indianer-Reservate in South Dakota.

Keine Absage gewollt

Die Stadtverwaltung von Sturgis hatte sich mehrheitlich für eine Absage der Sturgis Motorcycle Rally ausgesprochen, wurde aber von diversen Ausstellern mit Klageandrohungen überzogen. Immerhin wird durch das Festival ein Gesamtumsatz von rund 800 Millionen Dollar erwartet. Zudem findet ein großer Teil der Rally auf staatlichem Grund und Boden statt, so dass der Gemeinde die Handhabe für ein Verbot fehlte.

Die Veranstalter erwarteten zur 80ten Ausgabe der Rally rund 250.000 Besucher. Gekommen sind dann aber 462.182 registrierte Besucher. Damit dürfte Sturgis die weltweit größte Menschenansammlung seit dem Beginn der Corona-Pandemie gewesen sein.

Studie schätzt 260.000 Corona-Fälle

Beobachter sehen in dem Festival einen neuen Corona-Hotspot und ein Superspreader-Event, wenn sich die Teilnehmer nach dem Wochenende wieder über die ganze USA verteilen. Andere sehen zudem einen großen Image-Schaden auf Motorradfahrer zukommen. Und nach dem Festival kam, was kommen musste. Behörden meldeten erste Corona-Fälle von Teilnehmern. Eine Studie des Center for Health Economics & Policy Studies (CHEPS) der Universität San Diego erklärte Sturgis gar zum "Superspreader-Event". Die Studienautoren bringen das Bikertreffen mit über 260.000 Corona-Fällen – rund 19 Prozent aller zwischen 2. August und 2. September in den USA gemeldeten Fälle – in Verbindung. Die Gouverneurin von South Dakota, Kristi Noem, erkennt die auf anonymisierten Mobilfunkdaten der Teilnehmer aufbauende Studie nicht an. Der Gouverneurin zufolge habe es bisher nur ein Corona-Todesopfer gegeben, das eindeutig in Verbindung mit dem Sturgis-Treffen stehe. Unterdessen melden zahlreiche andere US-Bundesstaaten Corona-Fälle, die ihren Ursprung im Sturgis-Treffen haben sollen.

Auf die USA entfallen mittlerweile rund ein Viertel aller registrierten Corona-Fälle weltweit. John Hopkins spricht von 5,2 Milionen für die Vereinigten Statten bei weltweit 20,5 Millionen. Die Zahl der Todesfälle liegt in den USA bei rund 170.000, was etwa 20 Prozent der weltweiten Corona-Todesfälle entspricht.

Fazit

Die USA leidet unter Corona wie kaum ein anderes Land, dennoch treffen sich in South Dakota rund 460.000 Biker ohne irgendein Hygienekonzept. Über manche Dinge kann man sich einfach nur wundern.