Neue Böhmerland 21: Revival nach fast 100 Jahren

Böhmerland 21 Böhmerland-Revival nach fast 100 Jahren

In den 1920er-Jahren war die Böhmerland das längste Serienmotorrad der Welt. In den 2020er-Jahren wird dieses Konzept als Böhmerland 21 wiederbelebt.

Böhmerland 21 Projekt von Peter Knobloch Böhmerland 21/Peter Knobloch
Böhmerland 21 Projekt von Peter Knobloch
Böhmerland 21 Projekt von Peter Knobloch
Böhmerland 21 Projekt von Peter Knobloch
Böhmerland 21 Projekt von Peter Knobloch 18 Bilder

Konstruiert von Albin Hugo Liebisch, wurde die Böhmerland ab 1925 in Schönlinde, im heutigen Krasna Lipa in Tschechien produziert. Mit mehreren Besonderheiten ging die Böhmerland in die Motorradgeschichte ein: Erstens mit ihrer im wahrsten Sinne des Wortes herausragenden Länge: über 3 Meter, Radstand über 2 Meter. Je nach Ausführung hatte eine Böhmerland zwei, drei oder sogar bis zu vier Sitzplätze. Zweitens mit ihren markant geformten Rädern aus Aluminiumguss, was damals längst noch nicht üblich war. Und drittens, ebenso exotisch zu jener Zeit, mit ihren bunten Lackfarben, typischerweise Rot und Gelb.

Die Böhmerland ab 1925

Am Heck blieb der Stahlrohrrahmen ungefedert, als Vorderradaufhängung für die Böhmerland kam eine geschobene Kurzschwinge zum Einsatz. Beide Räder wurden mit jeweils einer Trommelbremse versehen. Mit 600 Kubik Hubraum leistete der luftgekühlte Viertakt-Einzylindermotor anfangs circa 16 PS bei 4.000/min, später bis zu 24 PS bei 5.000/min. Davon abhängig wurden weniger oder mehr als 100 km/h Höchstgeschwindigkeit erreicht. Bis zum Zweiten Weltkrieg wurden circa 775 Exemplare der Böhmerland hergestellt, davon existieren noch geschätzt 10 Prozent.

Tourer

Böhmerland-Revival 2023

Im tschechischen Turnov, nahe der Landesgrenze östlich von Dresden, wird das legendäre Böhmerland-Konzept wiederbelebt. Bereits seit 2019, doch 2023 nimmt die lange geplante Kleinserie namens Böhmerland 21 konkrete Formen an. Peter Knobloch ist die treibende Kraft hinter dem Projekt Böhmerland 21, und er hat den idealen beruflichen Hintergrund dafür. Denn er ist nicht nur Techniker, er betreibt die Firma Tiskarna, spezialisiert auf 3D-Druck. Gerade für Kleinserienteile oder gar Einzelstücke bietet 3D-Druck enorme Kostenvorteile – oder macht ihre Erstellung überhaupt erst möglich. Designer Jan Hrbek wirkte bei der Neuinterpretation des Böhmerland-Konzepts mit.

21-Zoll-Räder und vorgetäuschter Starrrahmen

So lang wie die historischen Originale sind die Böhmerland 21-Modelle zwar nicht, doch sie rollen auf den wesentlichen Wiedererkennungsmerkmalen – auf entsprechend geformten Aluminiumrädern. Auffällig ist zudem deren großer Durchmesser: 21 Zoll (ca. 53 cm). Somit wirken die Reifen, der 120er vorn und der 130er hinten, noch schmaler. Vom betont schwungvollen Stahlrohrrahmen wird ein starres Heck vorgetäuscht, doch die Hinterachsaufnahme ist als Kurzschwinge mit Oberzug angeordnet, das nahezu senkrecht stehende Federbein gut versteckt. Ebenso originell und umso besser sichtbar sind die außen an der Vorderradgabel angebrachten roten Federn. Und mit dem augenscheinlich flachen Lenkkopfwinkel dürfte zumindest beim Fahren ein Gefühl von Überlänge aufkommen.

Luftgekühlter Reihenzweizylinder mit 760 Kubik

Als standesgemäßes Triebwerk für die Böhmerland 21 soll ein hausgemachter, luft-ölgekühlter Reihenzweizylindermotor verwendet werden. Nach ersten Prototypen mit einem Zylinder sind mit zwei Zylindern und 760 Kubik knapp 90 PS (65 kW) sowie knapp 80 Nm maximales Drehmoment angepeilt. Für die finale Abstimmung mitsamt Euro-5-Homologation muss der klassische Vergaser der Vorserienfahrzeuge wohl noch einer Benzineinspritzung weichen. Ob mit oder ohne Kompressoraufladung, hat Peter Knobloch noch nicht endgültig entschieden. Jedenfalls sollen im höchsten Gang, im fünften, 180 km/h Höchstgeschwindigkeit erreicht werden. Beschleunigung und Handling müssten ganz ordentlich ausfallen, denn die Böhmerland 21 soll 172 Kilogramm leicht werden.

Böhmerland 21 ab 58.000 Euro

2023 soll die Kleinserienfertigung der Böhmerland 21 endlich beginnen. Interessenten sollten jedoch frühzeitig vorbestellen, denn nur 10 Motorräder sollen aufgebaut und ausgeliefert werden. Aus dieser kleinen Kleinserie ergibt sich zudem ein sehr stolzer Preis: 58.000 Euro plus länderspezifische Steuern.

Böhmerland 21 mit alternativen Antrieben

Neben den Prototypen für die Böhmerland 21 mit Benzinmotor hat Peter Knobloch Prototypen mit elektrischem Antrieb aufgebaut. Hierfür lauten die vorläufigen Eckdaten: 51 kW (rund 70 PS), 110 Nm, 150 km/h Höchstgeschwindigkeit, bis zu 325 Kilometer Reichweite und 168 Kilogramm Gesamtgewicht. Ob und gegebenenfalls wann eine Kleinserie der elektrischen Böhmerland 21 folgt, ist noch unklar. Weiterhin schwebt Peter Knobloch sogar eine dritte Version vor: ohne Benzin, ohne Emissionen, ohne Batterie. Rätselhaft – Details dazu hat er noch keine verraten.

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Fazit

Seit 2019 ist Peter Knobloch dabei, die legendäre Motorradmarke Böhmerland wiederzubeleben. 2023 soll endlich die Kleinserienfertigung der Böhmerland 21 beginnen. Mit luftgekühltem 760er-Reihenzweizylindermotor sollen 10 Exemplare aufgebaut und ausgeliefert werden. Preis: 58.000 Euro plus Steuern. Version 2 und Version 3 der Böhmerland 21 mit alternativen Antrieben könnten folgen.

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