Fahrbericht Harley-Davidson Sport Glide (2018)

Fahrspaß trifft Stil und Nutzwert

Der 317-Kilo-Cruiser ist sicherlich nur in Harley-Davidsons Selbstverständnis ein „Sport Bike“, doch die vielen Kurven auf Teneriffa, meistert die Sport Glide erstaunlich gut.Der breite Büffelhorn-Lenker liegt nicht nur wie maßgeschneidert zur Hand, sondern macht Einlenken auch zur leichten Übung. Derweil ruhen die Füße weit vorn auf den schlanken Fußrasten. Denn der 1745-Kubik-V2 schiebt durchaus kräftig an. Vor allem gilt dies jenseits der 3.000 Touren.
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Harley bringt mit der Sport Glide ein neues Softail-Modell. Verkleidung und Koffer können ruckzuck runter und auch wieder ran. Wir konnten sie bereits fahren.

Die Harley-Davidson Sport Glide ist ein neues Modell aus der Softail-Reihe. Traditionell zeigen die Amerikaner ihre neuen Modelle schon im Sommer, mit der Sport Glide haben sie aber in Mailand auf der EICMA 2017 eine Neuheit nachgeschoben. Ihre Macher charakterisieren sie als "Factory Custombike."

Tatsächlich ist die Harley-Davidson Sport Glide ein Chopper. Eine kleine Lenkerverkleidung, deren Form stark an die berühmte Batwing-(Fledermausflügel)-Verkleidung der schweren Tourer erinnert, sowie ein kleiner Windschild und Koffer machen sie tourentauglich. Der Clou: Mithilfe von Schnellverschlüssen können sowohl die Lenkerverkleidung wie auch die Koffer (Volumen je 25 Liter) im Handumdrehen und nach Bedarf montiert oder wieder abgenommen werden.

Der V-Twin mit ölgekühlten Auslassventilen ist der aktuelle Milwaukee-Eight 107 Vierventiler mit 1.745 Kubik (107 Cubic Inch). Er ist starr im Rahmen montiert, wird aber von zwei Ausgleichswellen in Zaum gehalten, so dass seine Good Vibrations laut Harley nur als sanftes Pulsieren beim Fahrer ankommen. Die Harley-Davidson Sport Glide hat 84 PS, was nicht nach wirklich viel klingt; sie ist aber mit richtig Druck von unten gesegnet: 140 Newtonmeter maximales Drehmoment liegen bei 3.000/min an.

Beim Fahrwerk stechen die Upside-down-Gabel vorn und die "drehrichtungsweisenden Mantis-Leichtmetallräder" ins Auge. Die vorn 18, hinten 16 Zoll messenden Gussräder mit den zackenartigen Speichen gab es bisher nur an einigen exklusiven CVO-Harleys.

Die Sitzhöhe der neuen Harley-Davidson Sport Glide beträgt 680 Millimeter. Vorn leuchten serienmäßig die ringförmigen LEDs des aktuellen "Daymaker"-Scheinwerfers. Am Heck kommen in die Blinker integrierte Rück- und Bremsleuchten zum Einsatz, auch in LED-Technik. USB-Ladeanschluss, das Keyless Ignition System und das Harley-Davidson Smart Security-Alarmanlage sind Serienausstattung.

Die neue Harley-Davidson Sport Glide gibt es ab Januar 2018 in den Farben Vivid Black, Twisted Cherry und Silver Fortune. Oder wahlweise auch in Schwarz, Silber und Rot. Ab 17.995 Euro.

Video: Harley-Davidson Sport Glide.
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Foto: Harley-Davidson
Die Fußrasten ziehen erst recht spät Furchen in den Teer.
Die Fußrasten ziehen erst recht spät Furchen in den Teer.

Sport Glide setzt erst weich auf

Und wie fährt nun das wandelbare US-Eisen? Sehr manierlich! Zwar ist ein 317-Kilo-Cruiser sicherlich nur in Harley-Davidsons Selbstverständnis ein „Sport Bike“. Doch die vielen Kurven auf Teneriffa, dem Ort der Präsentation, meistert die Harley-Davidson Sport Glide erstaunlich gut und gelassen. Die neunte der aktuellen Softails umrundet die vielen engen Radien hier – immerhin schraubt man sich in kürzester Zeit vom Meer bis auf 2.100 Meter Höhe – absolut verlässlich. Der breite Büffelhorn-Lenker liegt nicht nur wie maßgeschneidert zur Hand, sondern macht Einlenken auch zur leichten Übung. Derweil ruhen die Füße weit vorn auf den schlanken Fußrasten. Selbige ziehen erst recht spät Furchen in den Teer von Teneriffa. Weich setzen sie auf, harte Teile, etwa ihre Ausleger, haben dann immer noch etwas Luft unterm Kiel.

Foto: Harley-Davidson
Der 317-Kilo-Cruiser ist sicherlich nur in Harley-Davidsons Selbstverständnis ein „Sport Bike“, doch die vielen Kurven auf Teneriffa, meistert die Sport Glide erstaunlich gut.
Der 317-Kilo-Cruiser ist sicherlich nur in Harley-Davidsons Selbstverständnis ein „Sport Bike“, doch die vielen Kurven auf Teneriffa, meistert die Sport Glide erstaunlich gut.

Richtig Druck ab 3.000 /min.

Die stabile Upside-down-Gabel steht geradeauslauffördernd flach: Der Lenkkopf-Winkel beträgt heftige 60 Grad. Demgegenüber sorgt der 150 Millimeter lange Nachlauf für Stabilität vom ersten losrollen an. Hat man den Bogen raus, kann man einen erstaunlich flotten Stiefel fahren. Selbst bergauf. Denn der 1.745-Kubik-V2 schiebt durchaus kräftig an. Vor allem gilt dies jenseits der 3.000 Touren – die Drehzahl vermeldet der Bordcomputer zusammen mit dem eingelegten Gang im Tacho-Gehäuse auf dem Tank. Angesichts der ellenlangen Gesamtübersetzung (Tempo 100 sind im sechsten Gang gerade mal 2.250 Umdrehungen), muss man hin und wieder mal zurück schalten. Dabei lässt sich die per Seilzug betätigte Kupplung leicht genug ziehen, ohne deswegen gleich eine Pussy-Clutch zu sein. Exakt (und recht leise) rasten die einzelnen Gangstufen. Nur der Tempomat, der hat im Kurven-Paradies Teneriffa meistens Pause.

Foto: Harley-Davidson
Auf welligen Passagen arbeitet das versteckte Zentral-Federbein in Cantilever-Bauweise (daher die Starrahmen-Optik) schön komfortabel, fischt viel raus.
Auf welligen Passagen arbeitet das versteckte Zentral-Federbein in Cantilever-Bauweise (daher die Starrahmen-Optik) schön komfortabel, fischt viel raus.

Komfortabler Augenschmaus

Auf den wenigen Passagen des Atlantik-Eilands, auf den auch der Asphalt mal Wellen schlägt, arbeitet das versteckte Zentral-Federbein in Cantilever-Bauweise (daher die Starrahmen-Optik) schön komfortabel, fischt viel raus. Per Drehknauf lässt sich die Federbasis und damit das Fahrzeugniveau rucki-zucki an die Straßenverhältnisse oder einen potentiellen Passagier anpassen. Etwas gröber spricht die nicht einstellbare „Invert-Forke“ an der Front an: Federn und Druckstufen-Dämpfung sind eher auf der weichen Seite des Lebens zuhause. So taucht die Front beim Griff zum einzelnen Vierkolben-Stopper weit ab. Nur dank der Einzelscheibe kommt das chic ausgefräste Vorderrad voll zur Geltung. Denn so ist das bei einer Harley: Das Erlebnis geht auch nach dem Abstellen weiter: Die feiste, nach hinten abfallende Linie der Harley-Davidson Sport Glide ist ein wahrer Augen-Magnet, das Knistern der Kühlrippen (der Ölkühler versteckt sich dezent zwischen den Rahmenunterzügen) unnachahmlich. Vermutlich betreibt die Company dafür eigenes Sound-Engineering. Fazit: Fahrspaß trifft Stil, Nutzwert durch Wandelbarkeit auf reichlich Besitzer-Stolz. Auch wenn wir das Testbike wieder zurück geben mussten.

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