Aprilia Tuono V4 1100 im Fahrbericht

V4-Upgrade – jetzt wird semiaktiv gedämpft

Aprilia Tuono V4 1100 Factory Fahrbericht Aprilia Tuono V4 1100 Factory Fahrbericht Aprilia Tuono V4 1100 Factory Fahrbericht Aprilia Tuono V4 1100 Factory Fahrbericht 12 Bilder

Die Aprilia Tuono V4 1100 des Jahrgangs 2019 steht schon längst bei den Händlern. Grade noch pünktlich zum Saisonbeginn ergibt sich die Möglichkeit, das neue Factory-Modell mit Fahrwerks-Upgrade in Südtirol zu testen. Ab geht’s!

Eine Tuono V4 1100 auf öffentlichen Straßen abzufeuern war schon immer ein heikles Unterfangen. Man neigt dazu, nach wenigen Kilometern mit einem Bein im Knast zu stehen. Wie könnte es auch anders sein, wenn Supersport und Power so fein miteinander harmonisierend, so kinderleicht nutzbar serviert werden? Allein schon aus taktischen Gründen ist es deshalb von Vorteil, man nutzt die kurze Pause zwischen Ski- und Wandersaison als Schlupfloch, um zwischen Monte Bondone und Gardasee relativ ungestört ein paar V4-Takte anzustimmen.

Neu ist nur das ASC

Um ehrlich zu sein: Wirklich Neues gibt’s kaum zu berichten. Denn die Factory-Variante der Tuono verfügt jetzt über das Ausstattungsdetail ASC – Aprilia Suspension Control. Ansonsten ist bis auf neue Farbakzente von technischer Seite alles gleich geblieben, lediglich die Gabel verfügt über 120 mm Federweg anstatt wie bisher 112 mm.

Aprilia Tuono V4 1100 Factory Fahrbericht Foto: Aprilia

Was also ist ASC? Dahinter verbirgt sich das semiaktive Öhlins-Fahrwerk Smart EC 2.0. Bedeutet: Das Fahrwerk (TTX-Federbein, NIX-Gabel und Öhlins-Lenkungdsdämpfer) arbeitet jetzt auf Wunsch semiaktiv und passt die Dämpfung automatisch situationsgerecht an. Gut Informierte kennen das Grundprinzip bereits von einigen Superbikes wie der Ducati Panigale V4 S, der Honda Fireblade SP oder der Yamaha YZF-R1M. Wer sich damit auskennt, der möge die folgenden trockenen Zeilen der Erklärung bitte einfach überspringen. Legen wir los: Zur Auswahl stehen die drei automatischen Modi A1, A2 und A3 sowie die drei manuellen Modi M1, M2 und M3. In den A-Modi arbeitet die Dämpfung in den Kennfeldern Track (A1), Sport (A2) oder Road (A3). Im Track-Modus ist die Grunddämpfung des Fahrwerks sehr straff abgestimmt, in Sport etwas weicher und in Road ziemlich soft. Zusätzlich gibt es im Track-Modus die Möglichkeit, die Dämpfung an Gabel und Federbein generell zwischen minus fünf und plus fünf härter oder weicher abzustimmen (diese Option ist mit dem Oberbegriff „Firmness“ für die Gabel und das Federbein getrennt hinterlegt). Desweitern sind im Track-Modus die Optionen „Brake support“, „Acceleration support“, „Mid-corner support“ sowie „Steering damper“ hinterlegt. Auch hier kann die Dämpfung jeweils zwischen minus fünf und plus fünf nach Vorliebe des Fahrers beeinflusst werden. Im Sport-Modus sowie im Road-Modus fallen die Optionen „Acceleration support“ und „Mid-corner support“ weg, die übrigen Optionen und Einstellungsmöglichkeiten sind dieselben.

Fahrwerk will fein abgestimmt werden

Aprilia Tuono V4 1100 Factory Fahrbericht Foto: Aprilia

In der Praxis ergibt sich dann beispielsweise eine Situation wie folgend. Während des Attacke-Ritts am Monte Bondone arbeiten Gabel und Federbein im Fahrwerks-Modus Road spürbar, aber die Maschine liegt insgesamt zu schwammig. Das Ansprechverhalten von Gabel und Federbein ist zwar fein, aber es mangelt an Dämpfung. Wir wählen deshalb gleich den Sport-Modus und stellen fest, dass die Aprilia schon deutlich straffer liegt. Allerdings sackt die Gabel der Tuono immer noch zu abrupt ab, wenn ein spontaner und kräftiger Bremsimpuls gesetzt wird. Das geht besser – plus zwei Stufen „Front firmness“ und plus zwei Stufen „Brake support“ (Ausgangsstufe jeweils null) bringen genau das Quäntchen mehr Dämpfung und Stabilität von der Front, das gewünscht ist. Bingo! So eingestellt liegt die Maschine bombig und vermittelt während allen Situationen auf der 150 km langen Testrunde das Gefühl eines sehr fein abgestimmten Fahrwerks. Probeweise wählen wir auch kurz den Track-Modus, der ebenfalls gefällt. Allerdings federt die Maschine dann extrem hart, den nötigen glatten Asphalt dafür gibt es auf der Landstraße doch eher selten. An diesem Punkt sind wir aber auch schon wieder komplett geflasht vom Tuono-Zauber, der jedes Sportfahrerherz in kürzester Zeit überkommt. Schwer vorstellbar, dass irgendein motorisiertes Gefährt der Tuono auf der Landstraße den Rang ablaufen könnte. Feiner V4-Sound, megamäßige Power aus der Drehzahlmitte, super schnelles und doch total ausgewogenes Handling – che macchina!

Aprilia Tuono V4 1100 Factory Fahrbericht

Starke Tuono, aber auch starker Preis

Aber schnell nochmal zum Fahrwerk. Übrig bleiben noch die drei manuellen Dämpfungsmodi M1, M2 und M3. Vergleichbar mit den semiaktiven Modi sind Einstellungen für „Track“, „Road“ und „Sport“ hinterlegt. Allerdings können Druck- und Zugstufe in jedem Modus wie bei einem konventionellen Fahrwerk über elektronische Klicks (eins bis 31) manuell eingestellt werden. Gut für alle, die auf ein komplett eigenes Setup schwören. Fahrwerks-Profis zählen sowieso nicht zu der Gruppe von Personen, die von der Tuono V4 1100 Factory des Jahrgangs 2019 überzeugt werden sollen. ASC bietet allerdings die Möglichkeit, die Straßenlage der Maschine relativ unkompliziert nach individuellen Bedürfnissen einzustellen und zu optimieren. Selbst Gewichts-Fetischisten können beruhigt sein, denn die neue Tuono Factory bringt durch das semiaktive Fahrwerk unter 0,5 kg mehr auf die Waage als das Vorgängermodell. Schwerer wiegt da schon der Preis. Mit 19.990 Euro ist Aprilias Naked Bike-Aushängeschild alles andere als ein Schnäppchen. Und unter uns gesprochen: So stark die Tuono Factory auch punktet – für knapp 20 Tausender sollten LED-Scheinwerfer, ein einstellbarer Kupplungshebel und Schmiederäder schon drin sein!

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