Husqvarna Nuda 900 und KTM 790 Duke

Fun-Bikes im Vergleich

Foto: Tyson Jopson 18 Bilder

Spot an, Vorhang auf, Manege frei für zwei Funbike-Artisten: Die Husqvarna Nuda 900, die als deutsch-italienisches Spaßmobil für kurze und heftige Begeisterungsstürme sorgte, und die aktuelle KTM 790 Duke.

Soziuskomfort, Windschutz und Vernunft? Interessiert jetzt nicht. Auf dem Programm für heute prangt in großen Lettern das Wort Spaß. Der pure Fun. Für den scheint die aktuelle KTM 790 Duke wie gemacht. Kein Gramm Fett auf dem Stahlbrückenrahmen, freche 105 PS Leistung aus einem per Hubzapfenversatz von 75 Grad zur Unruhe gezwungenen Paralleltwin – klingt lecker. Und ein klein wenig vertraut, weil es ein ähnliches Motorradkonzept vor gar nicht allzu langer Zeit schon mal gab.

Husqvarna Nuda 900 vs KTM 790 Duke - von Generation zu Generation

Das Skalpell, die KTM 790 Duke

Die Altvorderen erinnern sich bestimmt. Falls nicht, hier ein paar Zeilen zur Gedächtnisauffrischung: Husqvarna gehörte vor ein paar Jahren für einen kurzen Zeitraum zu BMW. So spröde deren F-800er-Zweizylinder rüberkamen, so erregend geriet das auf ihm basierende Aggregat in der Husqvarna Nuda 900, als sie 2012 die Motorradlandschaft betrat. Warum? Weil die Münchener gleich große Nägel mit Köpfen machten, dem Ex-F-800-Motor in der Nuda eine Kurbelwelle mit 45 Grad Hubzapfenversatz einpflanzten, ihn auf 898 Kubik aufpumpten und die Leistung erst bei strammen 105 PS begrenzten. Dazu ein Drumherum, das als Zwitter zwischen Supermoto und Naked Bike durchgeht. Kein Netz und doppelter Boden, keine Fahrassistenzsysteme, anfangs nicht mal ein ABS. Geboren für den puren Spaß. 

Foto: Tyson Jopson
Flink, neutral und rätselfrei rennt die 790er-Duke durch Radien, ein Vergnügen mit Grinsgarantie.

An ein ähnliches Konzept hat KTM beim Grübeln über die 790er- Duke bestimmt auch gedacht, taufte den flinken Flitzer gleich „Das Skalpell“. Auch hier werkelt ein Paralleltwin, der mit einem Hubzapfenversatz von 75 Grad eine ungleichmäßige Zündfolge aufweist. Dazu erinnert die zackig scharfe Linienführung der Duke, erdacht vom KTM-Hofdesigner Kiska, in vielen Zügen an die Nuda. Richtig Pfeffer erhält die Geschichte noch dadurch, dass BMW und Husqvarna nie eine glückliche Ehe führten. Und KTM sofort zugriff, als sich die Wege der beiden trennten. Die Husqvarna Nuda 900 als ältere Stiefschwester der KTM 790 Duke hat die Scheidung nicht überstanden. Gebraucht lebt sie aber weiter. Daher danke ans Team Motocorner aus Wangen fürs Zurverfügungstellen der gebrauchten Nuda, und jetzt raus mit den beiden ins helle Scheinwerferlicht. Was stärkt den Spaß, was hemmt den Genuss? Die Kurven rufen, um genau das rauszufinden.

Voller Sound dröhnt aus der Husqvarna Nuda 900

Als Jüngere überlässt die Duke der Husqvarna Nuda 900 voller Freundlichkeit den Vortritt. Wenn das kein Fehler ist. Mit dem vollen Sound aus dem serienmäßig montierten Termignoni-Rohr setzt die Husqvarna eine tönende Duftmarke, welche die KTM 790 Duke mit ihrem leicht blechernen Klang aus dem hoch montierten Rohr beschämt zur Seite blicken lässt. Der Basshaken hat gesessen. Und es kommt noch besser, weil die vollmundige Soundperformance keine oberflächliche Wichtigtuerei ist, sondern quasi stellvertretend für den kompletten Antrieb steht. Ab Standgas marschiert die Nuda bestimmt voran, spannt die Muskeln und serviert ihre Power mit einer Geschmeidigkeit, die Lastwechsel und ein mürrisches Ansprechverhalten ins Reich der Fabeln verweist.

Foto: Tyson Jopson
Breiter Lenker, hoher Schwerpunkt, lange Federwege: Dieses Fahrwerkslayout raubt der tollen Nuda Neutralität.

Wow! Dieser Motor ist immer da. Immer auf Spannung, ohne durch hyperagiles Reagieren auf kleinste Gasbefehle zur nerven. Und weil er ab 5.000 Umdrehungen noch mal so richtig an Newtonmetern zulegt, bleibt der KTM 790 Duke auf den ersten Metern nur der Blick aufs kecke Heck der Husqvarna Nuda 900. Schon damals, als die Nuda neu war, gab es nicht wenige, die diesen Motor für den tollsten Landstraßenmotor unter den Zweizylindern hielten – wenn nicht gar unter allen Motorkonzepten. Und selbst heute schwingt da ein fetter Batzen Wahrheit mit. Dieser Antrieb vereint alles in sich, was einen klasse Motor auszeichnet. Klar wirft der Zweier gegenüber der KTM ein Hubraumplus von fast 100 Kubik ins Kräftemessen. Was er daraus zaubert, setzt aber die Manege in Flammen, hebt ihn auf einen unsichtbaren Thron, der völlig zu Recht im glänzenden Scheinwerferlicht steht.

Wahnsinnig viel Spaß auf der Landstraße

Nuda, warum musstest du gehen, warum verstaubt dein toller Antrieb in irgendwelchen Lagerhallen? Nun, darauf kennt selbst die KTM 790 Duke keine Antwort. Sie will die kleine Motorschmach aber nicht so einfach auf sich sitzen lassen. Schließlich, so viel Fairness ist angebracht, besitzt ihr Twin auch mustergültige Talente. Nicht im Modus Sport, da hängt er in vielen Fahrsituationen viel zu sensibel am Gasgriff, erfordert massive Aufmerksamkeit. Aber im zahmeren Modus Street überzeugt der Twin durch die Bank, reagiert verlässlich fein auf jeden Dreh am rechten Griff. Nur meistert die Nuda das alles eben noch ein wenig lässiger, geschmeidiger – und drückt noch stärker. Weshalb die Duke geschickt den Blick auf ihr umfangreiches Ausstattungspaket lenkt. Kurventaugliches ABS, Traktionskontrolle, Blipper, die Fahrmodi, ein tolles TFT-Display. Ein fetter Trumpf, das weiß auch die Husqvarna Nuda 900. Nur wozu das alles, wenn es dem Fahrspaß nicht förderlich ist?

Foto: Tyson Jopson
Kurvenräubern bereitet auf beiden Bikes jede Menge Spaß und Freude.

Genau in diesem Moment überschreitet die Husqvarna die zarte Linie zwischen Nonchalance und herablassender Aufmüpfigkeit, stolpert über die eigenen Schuhe. Was durchaus wörtlich zu nehmen ist, weil die folgenden Straßen als Arena für diesen Schlagabtausch zwar immer noch einer Achterbahn gleichen, diese aber mit Aufbrüchen, Bitumenstreifen und weiteren fiesen Hindernissen gespickt sind. Die KTM 790 Duke stört das nur wenig. Ein stellenweise etwas sensibleres Ansprechverhalten, vielleicht hier und da etwas mehr Dämpfung hinten – diese Wünsche stehen zwar auf dem Zettel, aber die 790er-Duke zeigt so schon, dass sie für Großes bestimmt ist. Sie wischt knackig flott ums Eck. Jeder Einlenkimpuls fließt direkt vom Hirn in den nicht zu breiten Lenker. Motorradfahren kann so einfach sein. Die KTM beweist mit jedem Meter, wie das geht. Mehr Motorrad benötigt niemand für wahnsinnig viel Spaß auf der Landstraße. Als Herausforderung die perfekte Linie, dabei aber nie überfordern: Die KTM ist dein Partner, nicht dein Gegner.

Nuda-Motor bleibt im Gedächtnis

Gerne dürften hier die gleichen Zeilen über die Husqvarna Nuda 900 stehen, doch sie gibt den Kontrapunkt. Schon als sie herauskam, waren ihre Metzeler M5 nicht die beste Wahl. Aber das kann nicht alles sein. Irgendwie funktioniert das Gesamtsystem Motorradfahrwerk bei ihr nie so richtig. Die reinen Werte für Radstand und Co. liefern keinen Lösungsansatz. Hier liegen die beiden dicht beieinander, wenngleich die Nuda mit 210 mm vorne und 180 mm hinten die deutlich längeren Federwege aufweist. So bleibt ihr Fahrverhalten rätselhaft. Jeden Impuls von der Straße nimmt sie mit offenen Armen auf, um damit Unruhe ins Fahrzeug einzuleiten. Zusammen mit den fahrdynamischen Anregungen, also Bremsen und Gasgeben, geht die Neutralität flöten. Auf ebenem Belag kündigt sich das schon an, stört, verhagelt aber nicht die Linie.

Foto: Tyson Jopson
Die KTM bietet letztlich das bessere Gesamtpaket.

Auf zweitklassigen Landstraßen raubt’s den letzten Nerv. Immer fährt das Gefühl mit, dass mehr ginge, das Feedback hierfür aber einfach fehlt. Und ohne das richtige Gespür bleibt jede Kurvenlinie ein Wirrwarr aus hakig aneinandergefügten Radien. Ob sich das irgendwie ausmerzen lässt? Vielleicht. Die KTM 790 Duke demonstriert aber, dass ein Motorrad auch aus der Box heraus sehr gut sein kann, alles mitbringt, was es fürs fröhlich-launige Zweiradleben braucht.

Und die Husqvarna Nuda 900? Der Zauber ist dahin. Das Licht in der Manege taucht schon längst die KTM in einen hellen Schein, weil sie einfach das bessere, viel umgänglichere Gesamtpaket bietet. Dafür braucht es weder Punktetabellen noch Messwerte. Sie ist das ausgereiftere Motorrad – ohne Abstriche. Und doch hängen die Gedanken am Schluss an der Nuda. Das neuerliche Aufeinandertreffen mit der alten Heldin brachte zwar Ernüchterung, dennoch: Dieser Motor bleibt im Gedächtnis, daran kann die KTM nichts ändern. Allein um einmal den Gasgriff an ihrem breiten Lenker zu drehen, jeden Beschleunigungsvorgang mit einem fetten Grinsen in sich einzusaugen, hat sich dieser Vergleich gelohnt. Falls Sie den Nuda-Motor nicht kennen sollten, probieren Sie ihn besser nicht aus. Sie könnten süchtig werden. Aber sagen Sie nachher nicht, dass dieser Text Sie nicht gewarnt hätte! Alle anderen dürfen ohne Bedenken zur formidablen KTM 790 Duke greifen.

MOTORRAD-Fazit

Die Husqvarna Nuda 900 hat für einen kurzen Zeitraum gezeigt, was bei BMW möglich ist, wenn nicht BMW draufstehen muss. Ihr Motor war, ist und bleibt eine belebende Wucht, pures Glückshormon, verteilt auf zwei Zylinder. Das bessere, modernere und viel einfacher zu fahrende Motorrad ist aber die KTM 790 Duke. Das muss selbst die Nuda einsehen.

Zur Startseite
Bekleidung iXS Classic Schuh Vintage IXS Classic Schuh Vintage Schnürstiefel für Motorradfahrer Büse Damenstiefel D50 Büse Damenstiefel D50 Wasserdicht mit schlankem Schnitt
Fahrpraxis Kurven fahren mit dem Motorrad Technik, Linie, Lenkimpuls Richtige Blickführung Technik vor und in Kurven
1000PS
Anzeige
Reisen Motorrad-Tourentipp - Gardasee Geniesser Tour Monte Bondone – Die Tour für alle Sinne Motorrad-Tourentipp - Abseitige Tour Lessinische Alpen – Gardasee Hinterland