BMW-Patent: Kardan mit Parkbremse und Wegfahrsperre

Brems-Patent von BMW BMW-Kardan mit Parkbremse

Für Motorräder mit Kardan-Endantrieb entwickelt BMW eine zusätzliche Kardan-Bremse. Als Parkbremse und als Wegfahrsperre, auch automatisiert. Vielleicht wird auch die neue BMW R 1300 GS damit ausgerüstet.

Patent Bremseinrichtung Thomas Ringholz (Offenlegung 10/2022) BMW
Patent Bremseinrichtung Thomas Ringholz (Offenlegung 10/2022)
Patent Bremseinrichtung Thomas Ringholz (Offenlegung 10/2022)
Patent Bremseinrichtung Thomas Ringholz (Offenlegung 10/2022)
BMW R 18 (2022, Marsrot) Kardan 7 Bilder

Bei diesem Brems-Patent geht es ausnahmsweise nicht um die eigentlichen Bremsen am Motorrad, die Scheibenbremsen an den Rädern, die auf Ingenieur-Deutsch Betriebsbremsen genannt werden. In diesem Fall geht es um eine zusätzliche Bremsvorrichtung, die im Stillstand zum Einsatz kommen soll. Also beim Parken.

Parkbremse und Wegfahrsperre

Parkbremsen sind bei Pkw Standard, bei Motorrädern bisher nicht. Doch insbesondere bei schweren Motorrädern erscheint es durchaus sinnvoll, diese gegen Wegrollen zu sichern. Je nach Fahrzeuggewicht und Gefälle am Parkplatz kann das sogar mit eingelegtem Gang passieren. Und das ist dann doppelt ärgerlich: zuerst beim kraftaufwändigen wieder Aufrichten und dann bei der teuren Reparatur des umgefallenen Motorrads.

Bremsbacken oder Bremsband an der Antriebswelle

Schwere Maschinen von BMW haben traditionell einen Kardan-Endantrieb. Und genau da setzt die patentierte Erfindung von BMW-Mitarbeiter Thomas Ringholz an: Sie sieht eine zusätzliche Bremsvorrichtung vor, am Kardan, direkt hinter dem Getriebeausgang. Dabei wird die Antriebswelle von der Bremsvorrichtung komplett radial umfasst. "Reibschlüssig" kann die Antriebswelle dann mit Bremsbacken oder alternativ mit einem Bremsband gebremst werden. Oder eher: festgehalten. Für die Nutzung während der Fahrt ist diese Bremse nicht vorgesehen. Allenfalls als – schwach wirkende – Notbremse während der Fahrt ist sie denkbar, für den Notfall, wenn die sogenannten Betriebsbremsen ausfallen.

Mechanisch, elektromechanisch oder automatisch

Im Vordergrund steht hier die zusätzliche Funktion einer Parkbremse, auch Feststellbremse genannt. Deren Betätigung ist rein mechanisch möglich, also per Seilzug oder per Gestänge, jeweils mit "Park-Rastung". Für geringe Bedienkräfte und dennoch hohe Bremskraft werden die Bremsbacken – oder das Bremsband – hydraulisch angesteuert. Vorgesehen ist aber auch eine elektromechanische Betätigung, also per Knopfdruck – oder auch automatisch beim Abstellen des Motorrads. Ein weiterer Aspekt ist die inkludierte Funktion Wegfahrsperre gegen unbefugtes Bewegen des Fahrzeugs.

BMW R 18 mit offen laufender Antriebswelle

Prädestiniert für den Einsatz der neuen Kardan-Parkbremse sind die Cruiser-Modelle der R 18-Modellreihe von BMW. Die sind sehr schwer und haben jeweils nur einen Seitenständer, keinen Hauptständer. Und: Bei den R 18-Typen läuft die Antriebswelle offen, was die nachträgliche Adaption der patentierten Bremsvorrichtung erleichtern würde. So wie im ersten Bild aus der Patentanmeldung, auf dem eindeutig die von der R 18 bekannte Umgebung zu erkennen ist.

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Vielleicht auch bei der neuen BMW R 1300 GS

Grundsätzlich könnte die Kardan-Parkbremse jedoch künftig auch bei anderen Modellen mit voll gekapseltem, in der Hinterradschwinge laufendem Kardan dazu konstruiert und eingebaut werden. Also auch bei den ebenfalls sehr schweren K 1600-Modellen mit Sechszylindermotor, aber auch beim Topseller GS sowie bei den anderen Modellen mit Boxermotor und Kardan. Vielleicht schon ganz konkret bei der neuen BMW R 1300 GS, die 2023 erwartet wird. Nebenbei könnte die Kardan-Bremse auch als Fangvorrichtung bei Kardan-Defekten dienen – so bereits in der Patentanmeldung beschrieben.

BMW Service-Aktion 2022 Kardan-Check
Werkstatt

Automatikgetriebe und elektrische Antriebe

Erst recht relevant ist das Thema Parkbremse gegen Wegrollen bei Fahrzeugen mit Automatikgetriebe und generell bei Fahrzeugen mit elektrischen Antrieben. Deswegen sind die meisten Roller-Modelle von BMW, mit Ausnahme der C 400-Modelle, mit einer zusätzlichen kleinen Bremszange an der hinteren Bremsscheibe ausgerüstet. Diese separate Bremszange wird beim Ausklappen des Seitenständers aktiviert – eine clevere Lösung, die jedoch die ungefederte Masse am Hinterrad erhöht. Bei Modellen mit Kardan-Endantrieb könnte das anhand des neuen Brems-Patents umgangen werden.

Kardan-Bremsen gab's schon früher

Schon vor fast 100 Jahren, in den 1920er-Jahren, gab es Kardan-Bremsen an BMW Motorrädern. Beispielsweise an der BMW R 42 – allerdings nicht als Parkbremse, sondern als "Betriebsbremse", also zum Bremsen während der Fahrt. Auch im Rennsport wurden früher teils Kardan-Bremsen an BMW Motorrädern verwendet.

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Fazit

Die Kardan-Bremse von BMW – gab's zwar schon vor fast 100 Jahren, aber als Parkbremse ist das heute eine durchaus sinnvoll erscheinende Erfindung. Umso mehr bei schweren Modellen ohne Hauptständer sowie bei künftigen Modellen mit Automatikgetriebe oder mit elektrischem Antrieb. Ob und wann die Kardan-Parkbremse bei BMW in die Serienproduktion einfließt, ist noch nicht bekannt. Vielleicht auch bei der neuen BMW R 1300 GS, die 2023 erwartet wird.

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