Nachhaltigkeit
Alternative Antriebe

eLaketric: Elektro-Motorräder von der HTWG Konstanz

eLaketric Racing Team Die Uni-Flitzer vom Bodensee

Seit 2015 werden vom eLaketric Racing Team der HTWG Konstanz Elektromotorräder gebaut. Sowohl der große Eigenbauanteil als auch die sportlichen Erfolge sind beachtlich.

eLaketric Racing Team HTWG Konstanz eLaketric Racing Team/Thilo König
eLaketric Racing Team HTWG Konstanz
eLaketric Racing Team HTWG Konstanz
eLaketric Racing Team HTWG Konstanz
eLaketric Racing Team HTWG Konstanz 10 Bilder

Zur Teilnahme am internationalen MotoStudent-Wettbewerb wurde 2015 an der Hochschule für Technik, Wirtschaft und Gestaltung (HTWG) in Konstanz das eLaketric Racing Team gegründet. Das kreative Wortspiel signalisiert in diesem Kontext: elektrisch angetriebene Motorräder, entwickelt und gebaut am Bodensee.

25 Mitglieder im eLaketric Racing Team

Aktuell besteht das eLaketric Racing Team aus circa 25 Mitgliedern aus verschiedenen Studiengängen der HTWG Konstanz: Maschinenbau, Konstruktion und Fertigung von Bauteilen, Elektrotechnik sowie Design und Organisation. Die Aufgaben erstrecken sich von mechanischen Arbeiten über den Bau der Batterie und deren Management bis hin zur Planung von Veranstaltungen, crossmediale Öffentlichkeitsarbeit, Teamkleidung, Sponsoring und Finanzierung. Zu jeweils circa 50 Prozent wird dieses Racing Team aus Mitteln der Hochschule und aus Sponsorengeldern finanziert. Professor Dr. Florian Lang aus der Fakultät Elektrotechnik begleitet und berät das Team. Auf dem Uni-Campus steht dem Team ein eigenes Büro und – noch wichtiger – eine eigene Werkstatt zur Verfügung.

MotoStudent-Reglement

Alle zwei Jahre wird vom MotoStudent-Wettbewerb ein Reglement mitsamt mehr oder weniger genau definierten Komponenten vorgegeben. Beispielsweise Moto3-Rennslick-Bereifung von Dunlop oder Bremszangen und Bremspumpen von J. Juan. Vorgaben gibt es auch zum Elektromotor: Dabei muss es sich um eine Synchronmaschine handeln, bisher immer luftgekühlt. Ab 2023 darf erstmals Wasserkühlung zum Einsatz kommen. Alle übrigen Teile dürfen zugekauft werden, sollen aber so weit wie möglich selbst entwickelt, konstruiert und angefertigt werden. Einerseits der Lerneffekte wegen, andererseits mit Blick auf das begrenzte Budget.

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Eigenbau-Chassis für den eLaketric-Racer

Bei Hauptrahmen und Hinterradschwinge ist Eigenbau Bedingung. Das eLaketric Racing Team kombiniert einen Stahl-Gitterrohrrahmen mit Heckrahmen und Zweiarmschwinge aus Aluminiumprofilen samt versteifenden Unterzügen. An progressiven Umlenkhebeln ist ein voll einstellbares Federbein von Öhlins eingesetzt, die Upside-down-Telegabel vorn ist ebenfalls voll einstellbar und von Öhlins. Von OZ stammen die relativ schmalen und umso leichteren Aluminiumräder, jeweils eine Scheibenbremse pro Rad genügt. Und die formal bekannt erscheinende Kunststoffverkleidung wurde von einer KTM RC 8 übernommen.

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50 PS am Hinterrad gemessen

Weitere Eigenbauteile sind die Radachsen, die Gabelbrücke, die Zwischenwelle für variable Gesamtuntersetzung und der Akku-Pack mitsamt Steuerelektronik und Kühlkonzept. Hierfür wurden Lithium-Ionen-Rundzellen mit circa 9 kWh Gesamtkapazität zugekauft. Maximal 126 Volt beträgt die Betriebsspannung, entsprechend dem Reglement, somit fließen Stromstärken bis zu 500 Ampere. Einer der Sponsoren stellt dem eLaketric Racing Team seine Prüfstände zur Verfügung, gemessen wurden 37 kW (circa 50 PS) sowie bis zu 600 Nm am Hinterrad. Das maximale Drehmoment an der Motor-Ausgangswelle wurde mit circa 100 Nm gemessen. Bis zu 8.000/min dreht der Elektromotor, und bis zu 180 km/h werden dabei erreicht. In circa 3,5 Sekunden beschleunigt der eLaketric-Racer aus dem Stand auf 100 km/h.

135 Kilogramm leichter eLaketric-Racer

Wie bei der Dimensionierung der Bremsanlage ist natürlich auch beim Beschleunigen das geringe Fahrzeuggewicht von Vorteil: circa 135 Kilogramm – davon entfallen rund zwei Drittel auf Batterie und Motor. Im Rennbetrieb, also mit hohem Volllastanteil, stehen rund 50 Kilometer Reichweite zur Verfügung. Die Rennen, die im Rahmen des MotoStudent-Wettbewerbs unter anderem in Aragon und Imola ausgetragen werden, sind jeweils auf sechs Runden angelegt, was nicht mehr als 30 Kilometer entspricht. Da der Motor bisher ohne Wasserkühlung auskommen muss, wird er vor jedem Rennen mit Trockeneis vorgekühlt.

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eLaketric Racing Team in Imola auf dem Podium

Besonders stolz ist das eLaketric Racing Team auf die Erfassung und Auswertung der Daten per GPS und Kamera sowie von Motor, Batterie, Bremsen und Radaufhängungen. Und natürlich auf die respektablen Ergebnisse bei den bisher vier Renneinsätzen: immer in den Top 10 und im Oktober 2022 in Imola auf Rang 3. Auf den Rängen 1 und 2 landeten in Imola übrigens die Uni-Teams aus Modena und Bologna – mit Unterstützung von Ducati.

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2023 erstmals mit wassergekühltem Elektromotor

Inzwischen entwickelt das eLaketric Racing Team in Konstanz das nächste Elektro-Motorrad für 2023, erstmals mit wassergekühltem Motor und deutlich höherer Leistung. Denn eines der gemeinsamen Motive des Teams ist es, die "oft nur als langweiliges, emotionsloses Effizienzthema abgehandelte Elektromobilität" mit Racing-Spirit aufzuladen und somit mehr Interesse zu wecken, sowohl an der Uni als auch in der Öffentlichkeit.

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Kann Rennsport überhaupt nachhaltig im Sinne der Umwelt sein?
Ja, es kommt wie bei aller Nachhaltigkeit auf das Verhalten des Einzelnen an.
Nein, das Ziel der schnellste zu sein kann die Umwelt nicht schonen.

Fazit

Ein Hochschulprojekt, bei dem die beteiligten Studenten und Studentinnen sehr viele praktische, nicht nur technische Erfahrungen sammeln und obendrein sehr viel Spaß haben. Positive Nebeneffekte hat das eLaketric Racing Team auf die Themen Motorrad und Elektromobilität, auch außerhalb der Uni in Konstanz am Bodensee.

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