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Staatsförderung für Verbrenner in Italien

Industrieverband ANCMA fordert Zuschüsse

Der italienische Zweirad-Industrieverband ANCMA fordert, dass staatliche Förderungen nicht ausschließlich für emissionsfreie Zweiräder gelten sollen, sondern auch für Verbrennermotorräder. Könnte dies auch in Deutschland ein Thema werden?

Vor allem elektrisch angetriebene Fahrzeuge – seien es Autos, Roller oder Motorräder – werden auch hierzulande, meist Bundesland-abhängig, finanziell bezuschusst. In anderen europäischen Ländern sieht die Situation ähnlich aus. Doch warum werden eigentlich lediglich elektrisch angetriebene Fahrzeuge gefördert? Diese Frage stellt sich auch Paolo Magri, Präsident des italienischen Zweirad-Industrieverbands ANCMA. Magri geht sogar noch einen Schritt weiter und fordert in einer offiziellen Pressemitteilung, dass in Zukunft auch konventionell angetriebene Motorräder und Roller vom Staat gefördert werden sollen.

255 Millionen Euro in Italiens Klima-Fond

Nach Aussagen von Paolo Magri lägen rund 255 Millionen Euro im Klima-Fond Italiens, die derzeit völlig ungenutzt blieben und die eigentlich dafür gedacht seien, den privaten Kauf eines Fahrrads oder E-Bikes mit bis zu 1.500 Euro zu unterstützen. Der Pressemitteilung zufolge hielte man es allerdings für dringend notwendig, sämtliche Maßnahmen zu unterstützen, die die Verbesserung der Mobilität auf zwei Rädern fördern. Dazu zählen laut Magri auch Kaufanreize für konventionell angetriebene Motorräder und Roller.

Der ANCMA-Präsident begründet seine Aussagen damit, dass alle Zweiräder unabhängig vom Antrieb jede Menge Vorteile im Vergleich zum Auto und den öffentlichen Verkehrsmitteln bieten. So könne beispielsweise die in Corona-Zeiten verordnete soziale Distanz besser mit einem Zweirad eingehalten werden. Zweiräder seien in vielen Fällen außerdem umweltfreundlicher als diverse andere Verkehrsmittel – der Parkraum werde beispielsweise geschont, es gäbe weniger Staus und generell weniger negative Auswirkungen auf den Stadtverkehr und die Umwelt. Abgesehen davon käme dem Zweirad beim Wiedereingliedern des Individualverkehrs in Italien eine große Rolle zuteil. Aus diesem Grund fordert die ANCMA, wirtschaftliche und steuerliche Kaufanreize für Privatkäufer von Motorrädern und Rollern in Italien zu schaffen.

Warum nicht auch in Deutschland?

Manch Leser dürfte sich nun fragen, warum nicht auch in Deutschland über Zuschüsse und Förderungen für mit Verbrennermotoren angetriebene Bikes zumindest diskutiert wird? Wer schon einmal in der Primetime in größeren und sehr verkehrsreichen Städten wie Hamburg, München oder Stuttgart unterwegs war, dürfte die von Magri beschriebenen Probleme durchaus kennen. Dass auch der Staat dieses Problem erkannt zu haben scheint, zeigt nicht zuletzt die vor kurzem eingeführte neue 125er-Regelung für Besitzer des Autoführerscheins (Führerscheinklasse B, Schlüsselzahl 196).

Fazit

Dass elektrisch angetriebene Fahrzeuge weniger Schadstoffe als Verbrenner ausstoßen, ist freilich auch uns bekannt – trotzdem finden wir den Vorschlag aus Italien zumindest diskussionsfähig und nicht komplett verkehrt.