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Harley gegen EU: Zölle steigen vorerst nicht auf 56 %

Harley-Davidson im Zollstreit mit der EU EU und USA einigen sich

Die EU hat Harley-Davidson eine Sondergenehmigung im Zollrecht aberkannt. Der Zoll auf Harley-Motorräder sollte auf 56 Prozent steigen. Jetzt haben die EU und die USA sich auf eine Aussetzung der Zölle beim Kernthema Flugzeuge geeinigt. Eine Ausweitung auf alle Strafzölle steht im Raum.

Mit Wirkung zum 19. April 2021 hat die Europäische Union Harley-Davidson einen Sondergenehmigung im Zollrecht aberkannt, die es Harley ermöglichte Motorradmodelle, die nicht in den USA hergestellt wurden, ohne Strafzoll zum niedrigen Satz von sechs Prozent in die EU einzuführen. Bleibt diese Entscheidung rechtsgültig, erhebt die EU ab Juni 2021 durchgehend 56 Prozent Einfuhrzoll auf alle Produkte von Harley-Davidson ohne Ansehen der wahren Herkunft: Selbst Harleys aus Thailand sind für den Zoll dann "Made in USA". Diese zusätzlichen 25 Prozent Strafzoll wurden zwar kurz vor Inkrafttreten ausgesetzt, die Aberkennung der BOI für Harley sowie die ohnehin geltenden 25 Prozent Strafzoll belasten den Import amerikanischer Motorräder von Harley mit summiert derzeit 31 Prozent. Nach jüngsten Beschlüßen scheint auch diese Strafstufe zu wackeln.

EU und USA einigen sich

Es kommt weiter Bewegung in den Zollstreit. Nach 17 Jahren Streit um Subventionen für die Flugzeugbauer Airbus und Boeing, die mit der Auslöser der trumpschen Eskalation waren, haben sich die USA und die EU am 15. Juni 2021 auf die Aussetzung der Strafzölle als sogenannte Gegenmaßnahmen für fünf Jahre geeinigt. Das betrifft im Wortlaut zunächst nur das Kernthema Großflugzeuge. Da die aber der Auslöser waren, wären ausgesetzte Strafzölle auf alle anderen Waren, darunter Motorräder, logisch – und begrüßenswert. Auf die Reaktion der Hersteller und Verbände warten wir gespannt. Anfragen von MOTORRAD dazu laufen.

Herstellerverbände fordern Abschaffung aller Zölle

Der Verband der europäischen Motorradhersteller und das transatlantische Pendant USMMA forderten die EU und die USA kürzlich auf, die Verhandlungen über die Strafzölle für Motorräder und alle Waren, die nicht direkt mit dem Zollstreit über Stahl und Aluminium im Zusammenhang stehen bereits in der Verhandlungsrunde am 15. Juni 2021 auf die Tagesordnung zu setzen und komplett abzuschaffen. Bisher war das für Ende des Jahres 2021 angedacht und bis dahin müssten amerikanische Motorradhersteller – Harley-Davidson und Indian Motorcycles – bis zu 31 Prozent Zoll (6 + 25 Prozent) entrichten. Der ACEM fordert daher die Präsidentin der Europäischen Kommission, Ursula von der Leyen, und den Präsidenten der Vereinigten Staaten, Joe Biden, auf, das Gipfeltreffen zwischen der EU und den USA am 15. Juni in Brüssel zu nutzen, um auf höchster Ebene ihre Bereitschaft zu bekunden, den Stahl- und Aluminiumstreit so schnell wie möglich beizulegen.

"Die ACEM fordert die transatlantische Führung auf, dafür zu sorgen, dass die Verhandlungen über die Beseitigung der Stahlüberkapazitäten unverzüglich abgeschlossen werden und nicht sechs Monate zu warten, in denen Hunderte von Millionen Euro an Geldern von Branchenfremden für ungerechtfertigte Zölle ausgegeben werden, anstatt in Investitionen und wichtige Forschung und Entwicklung für den Wiederaufbau und die Ökologisierung sowohl der EU- als auch der US-Wirtschaft zu investieren", sagte Antonio Perlot, Generalsekretär der ACEM.

Ausgesetzt ist nicht aufgehoben

Mit Einführung der Strafzölle von 25 Prozent im Jahr 2018 konnte Harley mittels der Binding Origin Information (BOI) seit 2019 die Zollabgaben für bestimmte Modelle und Produkte aus Nicht-US-Herkunft auf sechs Prozent belassen. Darunter alle Motorräder über 500 Kubik, die bisher in Thailand für den europäischen Markt gebaut wurden. Das BOI wurde Harley auf Beschluss der EU am 31. März 2021 mit Wirkung zum 19. April entzogen. Damit steigen die Zölle zum Juni 2021 um eine weitere Stufe mit 50 Prozent Strafzoll auf insgesamt 56 Prozent Einfuhrabgaben. Wo das Produkt wirklich hergestellt wurde, ist nicht relevant. Hintergrund sind die langwierigen Streitigkeiten und Urteile zu illegalen staatlichen Subventionen an Airbus aus der EU und Boeing in den USA.

Jetzt hat die EU die nächste Stufe der Strafzölle bis Ende 2021 ausgesetzt, die Sonderregelung der Herkunft der Waren ist für Harley damit derzeit ungültig. Die EU erhebt weiter auf alle Waren von Harley 31 Prozent Zoll. Die Situation für Harley hat sich damit nicht wirklich verbessert, sie ist nur weniger schlimm.

Dazu Jochen Zeitz, Vorsitzender, Präsident und CEO von Harley-Davidson: "Wir sind ermutigt durch die heutige Ankündigung, dass die Zölle, die unsere Produkte betreffen, nicht von 31 auf 56 Prozent ansteigen werden. Dies ist der erste Schritt in die richtige Richtung in einem Streit, der nicht von uns verursacht wurde. Harley-Davidson-Mitarbeiter, Händler, Interessengruppen und Motorräder haben in diesem Handelskrieg nichts zu suchen. Diese Zölle verschaffen anderen Motorradherstellern einen unfairen Wettbewerbsvorteil in der EU. Europäische Hersteller zahlen nur bis zu 2,4 Prozent Zoll, um ihre Modelle in die USA zu importieren. Wir wollen einen freien und fairen Handel."

Skurril: Am 5. März haben sich die EU und die USA geeinigt, die bisherigen Strafzölle im Zuge der Boeing/Airbus-Beschlüsse gegenseitig für vier Monate bis Juni zu erlassen, um in dieser Zeit die Vereinbarungen neu zu verhandeln. Woher der Impuls der EU kam, Harley die BOI abzuerkennen, ist unklar. Nach der offensiven Reaktion von Jochen Zeitz, CEO von Harley-Davidson und der Vorankündigung guter Quartalszahlen Ende April 2021, blies der Aktie an der Wall Street ein heftiger Rückenwind.

Kolja Rebstock VP EMEA Harley-Davidson 2021
Verkehr & Wirtschaft

Deutschland Kernmarkt

Besonders bitter dürfte die Zollpolitik der EU für Harleys neue Strategie Hardwire sein, in der Deutschland als einer der Kernmärkte gilt und auch die jüngst vorgestellte, sehr europäische Harley-Davidson Pan America würde so viel ihrer Wettbewerbsfähigkeit verlieren. Auch den personellen Verstärkungen von Harley in Europa mit Kolja Rebstock von Mitsubishi und Nils Buntrock, vormals Audi und Bugatti, dürfte mit dem Joch des Zolls im Nacken viel Schlagkraft genommen werden.

Fazit

Selbst Harleys aus Thailand für die EU ab Juni aus den USA. Der Schritt, Harleys Produktionen nicht in den Staaten aufzubauen, wird zum Boomerang. Vielleicht erneuert die Wirtschaftsförderung Berlin nun die Einladung eines Harley-Werks in Deutschland. Bei Tesla hat es ja recht gut geklappt.

Doch die befürchteten 56 Prozent Zoll sind erstmal vom Tisch, das BOI ist aber weiterhin ungültig was für Harley "nur" 31 Prozent bedeutet.

Die Herstellerverbände der EU und der USa fordern die Regierungen nun auf die Zölle für Motorräder gänzlich fallen zu lassen

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