Strafzölle auf Motorräder USA EU Fotolia

Vorerst keine US-Strafzölle auf EU-Motorräder

Thema bereits zum 3. Mal in der Diskussion

Engagierter Lobbyarbeit der Herstellerverbände ist es zu verdanken, dass europäische Motorradhersteller den US-Strafzöllen auf Motorräder, Motor- und Zubehör-Teilen entgehen. Vorerst.

Der amerikanische Motorradherstellerverband Motorcycle Industry Council (MIC) und das europäische Pendant – European Association of Motorcycle Manufacturers (ACEM) – haben sich dafür eingesetzt, dass europäische Hersteller keine hundertprozentige Erhöhung der US-Einfuhrzölle trifft. Erfolgreich. Aber in Anbetracht der "Airbus-Affäre" womöglich nicht abschließend.

Hintergrund: Die USA erhöhten kürzlich die Importsteuer auf deutsche Airbus-Flugzeuge von zehn auf 15 Prozent, weil die deutsche Bundesregierung den Hersteller Airbus nach Auffassung der USA wettbewerbsverzerrend und somit illegal unterstütze. 2018 gab die Welthandelsorganisation (WTO) den Amerikanern in dieser Sache Recht und erlaubte es der US-Regierung Europa Strafzölle in Höhe von 7,5 Milliarden Dollar aufzuerlegen.

Strafzölle zum 3. Mal in der Diskussion

Der Handelsbeauftragte der Vereinigten Staaten (Office of the United States Trade Representative, USTR) sah Motorräder zwischen 500 und 700 cm³ Hubraum lange Zeit als einen möglichen Sektor, der von den Strafzöllen betroffen sein könnte – inklusive aller Motor- und Zubehörteile aus Europa, auf die ebenfalls 100 Prozent der zusätzlichen Einfuhrzölle drauf gekommen wären. Nun wurde dieses Thema vom Tisch genommen. Allerdings schon zum dritten Mal, weshalb man hier nicht von einer endgültigen Entscheidung ausgehen kann. Europa und Großbritannien vertreten wegen der angeblichen Unterstützung des Flugzeugherstellers Airbus durch die europäische Regierung immer noch eine konträre Position zu den USA.

25 Prozent EU-Strafzölle

Umgekehrt erhebt die EU seit 2018 Ausgleichszölle auf US-amerikanische Produkte – auch auf Motorräder. "Die von den USA ergriffenen Schutzmaßnahmen stehen nach Ansicht der EU nicht im Einklang mit den Regeln der WTO (World Trade Organisation), weshalb angemessene Gegenmaßnahmen erlaubt seien.", so ein offizielles Statement der EU. Motorräder aus den USA werden mit 25 Prozent Aufschlag besteuert. So will die Europäische Union 2,8 Milliarden von den Amerikanern für "unfaire" staatliche Beihilfen für amerikanische Stahlhersteller zurückfordern.

Das sagen die Herstellerverbände

John Hinz, CEO von KTM North America Inc. und Vorstandsmitglied des amerikanischen Motorradherstellerverbands MIC: "Wir sind unglaublich erfreut, dass europäische Motorräder, Teile und Zubehör aus den jüngsten Diskussionen über EU-Tarife im Zusammenhang mit der Airbus-Situation herausgenommen wurden. Wir sind äußerst dankbar, dass der US-Handelsbeauftragte unsere Bedenken gehört und die unbeabsichtigten und potenziell verheerenden Auswirkungen anerkannt hat, die die Tarife auf unsere Branche haben könnten. Dies wäre ohne die Unterstützung des MIC und mehrerer Kongressabgeordneter, unserer Händler und Mitarbeiter sowie der Unterstützung all unserer Industriepartner nicht möglich gewesen. Vielen Dank an alle, die Briefe geschrieben, Anrufe getätigt und Washington D.C. über den Wert unserer Industrie und unserer Geschäfte hier in den Vereinigten Staaten informiert haben. "

Erik Pritchard, Präsident und CEO vom amerikanischen Motorradherstellerverband MIC: "Dies war das dritte Mal, dass der USTR [Anm. d. Red.: der Handelsbeauftragte der Vereinigten Staaten (Office of the United States Trade Representative)] diesen Vorschlag machte, und das dritte Mal, dass sich die Branche mit gemeinsamer Unterstützung durchsetzen konnte. Das Government Relations Office von MIC wird die Situation weiterhin beobachten, in der Hoffnung, dass die USTR diese Sätze nicht ein viertes Mal vorschlagen wird."

Fazit

Erst einmal ist Durchatmen angesagt. Allerdings entspannt sich die Situation nicht wirklich, denn die Erfahrung zeigt, dass der US-Handelsbeauftragte die Motorrad-Thematik erneut zur Diskussion stellen könnte. So lange sich EU und USA in der Grundfrage nicht einigen, bleibt es wohl leider spannend. Und das kann dauern – womöglich mindestens bis zum Amtsantritt des nächsten US-Präsidenten am 20. Januar 2021.

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