KTM 990 Adventure in der Gebrauchtberatung

Beinahe rallyetauglich

Foto: KTM 15 Bilder

Hardcore-Reiseenduristen bekommen mit der KTM 990 Adventure – insbesondere mit der S- und R-Version – ein beinahe rallyetaugliches Gefährt an die Hand. Stangenware für Individualisten? Die Gebrauchtberatung zeigt: Mit diesem Raubein kann das funktionieren.

Der V2 der KTM 990 Adventure rappelt und giert nach Drehzahlen. Auf langen Autobahnetappen schmerzt auf der schmal konturierten und harten Sitzbank der Bobbes, bei Top-Speed mit Koffern neigt die Fuhre zudem zum Pendeln. Alltägliches Rangieren ist für Menschen unter 1,75 Meter mit der 990er ein Albtraum. Oberlehrerhafte BMW-GS-Besitzer erklären mit erhobenem Zeigefinger: „Meine bietet mehr Komfort und besseren Schutz.“

Kompletten Artikel kaufen
KTM 990 Adventure in der Gebrauchtberatung Beinahe rallyetauglich
Sie erhalten den kompletten Artikel (inkl. PDF, 3 Seiten)
2,00 €
Jetzt kaufen

Der Fahrer der KTM 990 Adventure indes bleibt gelassen und wartet, bis der Asphalt in Schotter oder Erdreich übergeht. Dann heißt es: „Ätsch, friss meinen Dreck!“ Denn keine andere Reiseenduro läuft schneller im Gelände. Wer sich traut (und grobe Profile montiert hat), peitscht mit über 180 Sachen, natürlich stehend, die Sportsitzbank zwischen die Schenkel geklemmt, über die Piste – Dakar lässt grüßen.

KTM 990 Adventure: heißer Tipp für reisende Hardenduristen

Schließlich wurde das Vorgängermodell, die 950er, tatsächlich bei der legendären Rallye entwickelt und dauererprobt und kam so fast eins zu eins als Serienmaschine in die Läden. Von 2006 bis 2012 führte die KTM 990 Adventure den konsequenten Offroad-Kurs fort. Ist mit kultivierterem, potenterem und zuverlässigerem Motor in Summe die bessere Maschine. 

Bei der Standardversion freuen sich gemäßigtere Piloten über ABS – sinnvoll auf europäischen Landstraßen. Bei den kompromisslosen „S“ und „R“ geht es auch ohne, denn mit wettbewerbstauglichen Federwegen darf es gerne auch durch Wüstensand gehen. Bremsen? Dort lieber nicht! Merke: Die KTM 990 Adventure ist gewiss kein Alleskönner, aber der wohl heißeste Tipp für reisende Hardenduristen.

Technische Daten KTM 990 Adventure

Foto: KTM
Der V2 hat gut Druck, damit sind durchaus auch mal 180 Sachen auf unwegsamem Gelände möglich.

Messungen

(aus MOTORRAD 18/2009)

Höchstgeschwindigkeit
210 km/h

Beschleunigung 0–100 km/h
3,6 sek 

Durchzug 60–100 km/h
5,0 sek

Verbrauch
6,1 l/100 km (Landstraße) 

Modellpflege

Foto: KTM
Kurzbeinige brauchen bei der stattlichen Sitz­höhe etwas Mut, um sich mit der hochbeinigen Groß­enduro 990 Adventure anzufreunden.

2006 Modell KTM 990 Adventure mit aus der 120 PS starken 990 Superduke übernommenem und auf 98 PS gedrosseltem Einspritzer-Motor löst die 950er ab. Neu designte Verkleidung, ABS beim Standardmodell Serie. Bei Adventure S mehr Federweg (245 mm), aber ohne ABS. Preis: jeweils 12.598 Euro.

2009 Neues Cockpit, modifizierter Zylinderkopf, nun 106 PS. Modell KTM 990 Adventure R (200 Euro Aufpreis) ersetzt S-Modell mit 115 PS und 265 mm Federweg. Preis: 13.295 Euro.

2011 Dakar-Variante auf Basis von Standardmodell mit ABS, 115 PS, Speziallackierung, orangefarbenem Rahmen, Rallye-Sitzbank und Schutzbügeln. Preis: 13.695 Euro.

2012 Adventure/R (beide 115 PS) letztmalig in Deutschland. Preise: 13.795/13.995 Euro. 

Marktsituation

Foto: MOTORRAD
Verfügbarkeit am Markt: gering.

Die beiden geländesportlich orientierten S- und R-Modelle finden sich nur selten im Angebot. Relativ wenigen Käufern war wohl viel Federweg wichtiger als ABS, und nicht wenige von denen fahren mit ihrem Gelände-Muli nach wie vor über Stock und Stein und haben als Erstbesitzer keine Verkaufsabsichten. Bietet so ein Offroad-Fan schließlich doch seine Maschine privat an, dann kaum unter 4500 Euro. Auffällig sind auch bei Standardmodellen die hohen Laufleistungen, es werden kaum Maschinen unter 20.000 Kilometer angeboten. Offenbar wird die KTM 990 Adventure gefahren und steht nur selten tatenlos herum – ein gutes Zeichen.

Aber auch trotz hoher Lauf­leis­tungen sind Schnäppchen rar: Sauber gepflegte, aber viel gereiste Erstbaujahre mit ABS sollen selbst mit mehr als 50.000 Kilometern auf der Uhr oft noch über 5000 Euro kosten. Ab 6000 Euro finden sich indes einige ordentliche Gebrauchte. Aus erster Hand, mit gut 30.000 Kilometern, Koffern und weiterer sinnvoller Zusatzausstattung. Solche empfehlenswerten Offerten bieten auch Händler. Die Schmerzgrenze – selbst für Schmuckstücke des letzten Baujahrs – liegt bei knapp über 9000 Euro.

Besichtigung

Foto: Markus Jahn
Koffer gelten als Bonus. Achten Sie vor allem auf Spuren eines Geländeeinsatzes wie lose Speichen oder undichte Federelemente.

Die erste Frage, die sich stellt, ist die nach Geländeeinsätzen, besonders bei den S- und R-Modellen. Während andere Großenduros fast ausschließlich recht harmlos auf Asphalt bewegt werden, nutzen Besitzer der KTM 990 Adventure ihren Untersatz des Öfteren für Reisen in Gegenden ohne befestigte Straßen oder gar für Hobby-Rallyes. Das strapaziert das Material ungleich stärker, und bei Offroad-Vorgeschichten sollte man sorgfältig auf Sturzspuren, lose Speichen, undichte Federelemente und eingedellte Kühler schauen.

Wer sich selbst mit der Maschine später in Geländeabenteuer begeben möchte, kann allerdings auch mit ein paar Kratzern dann gut leben, wenn der Preis entsprechend niedrig und der Wartungszustand nachvollziehbar gut ist. Leicht wertsteigernd wirken Teile wie Schutzbügel und -platten, Scheiben oder stabile Navihalterungen aus dem KTM-Originalzubehör und von Nachrüster Touratech. Koffer werden grundsätzlich als Bonus aufgefasst.

Wettbewerber

Foto: KTM
Die KTM 990 Adventure ist natürlich nicht die Einzige, die Straße und Gelände kann. Wer kann sich mit ihr messen?

BMW R 1200 GS

Foto: fact/Joachim Schahl www.factstudio.de
BMW R 1200 GS.

Die BMW R 1200 GS  kann immerhin etwas Gelände und ist für Landstraßen-Touren wohl die bessere Wahl. Gebraucht gut 1000 Euro teurer als die KTM 990 Adventure.

BMW F 800 GS

Foto: Gargolov
BMW F 800 GS.

Mit 21-Zoll-Vorderrad kann die schlanke BMW F 800 GS auch Gelände. Richtig gut sogar. Etwas weicher gespült als die KTM 990 Adventure, macht aber jedes Abenteuer mit.

Honda Africa Twin

Foto: jkuenstle.de
Honda Africa Twin.

Die Honda Africa Twin ist die Low-Budget-Alternative: nur 60 PS, aber voll offroad- und reisetauglich, ab 2500 Euro. Die zuverlässige XRV 750 war bis 2003 im Programm.

Yamaha Super Ténéré

Foto: Yamaha
Yamaha Super Ténéré

Den ­sanften Riesen mit gediegenen ­Tourerqualitäten gibt es seit 2010. Die Yamaha Super Ténéré ist für Schotterpisten geeignet und ab 7000 Euro zu haben.

Zur Startseite
Bekleidung Held In&Motion Airbag-Weste Held In&Motion Airbag-Weste Sicherheit zum Einklipsen und per Abo Held Online-Konfigurator Held Online-Konfigurator Individuelle Kombi, personalisierte Handschuhe
Zubehör Kawasaki H2 SX SE Tourerpaket Kawasaki Ninja H2 SX SE Kostenloses Tourer-Paket SW-Motech-Zubehör für die KTM 790 Adventure/R. SW-Motech-Zubehör für die KTM 790 Adventure/R Neue Ausstattung für die Reiseenduro
Reisen Motorrad-Tourentipp - Gardasee Geniesser Tour Monte Bondone – Die Tour für alle Sinne Motorrad-Tourentipp - Abseitige Tour Lessinische Alpen – Gardasee Hinterland
Anzeige