Statistik: Das ist der deutsche Durchschnitts-Biker

Die Statistik lügt nicht Das ist der deutsche Durchschnitts-Biker

Die Werbung der Motorradhersteller zeigt uns junge, hippe, diverse Menschen auf Bikes. Der Blick in die Statistik zeigt ein anderes Bild des deutschen Bikers.

Deutscher Durchschnitts-Biker Rossen Gargolov
Royal Enfield Continental GT 650 2021
Royal Enfield Interceptor 650 2021
Royal Enfield Himalayan 2021
Fahrbericht Royal Enfield 350 Meteor 50 Bilder

Motorradfahren ist ein heißes Thema – das zumindest zeigen die Zulassungszahlen aus den zurückliegenden Jahren. In der Bilanz 2022 steht zwar ein mittleres Minus, doch wenn Lieferschwierigkeiten eine Industrie heimsuchen, kann die Nachfrage eben nicht bedient werden und verschiebt sich. Ein Blick auf den Gebrauchtmarkt zeigt: wenig Angebot, hohe Preise.

Die Neuzulassungen 2022

107.027 Motorräder über 125 Kubik wurden 2022 in Deutschland neu zugelassen, was einem Minus von 7,3 Prozent entspricht. Die 125er nehmen mit 31.996 Einheiten ebenfalls ein kleines Minus von 0,2 Prozent hin. Es glänzten 2022 die Roller über 125 Kubik mit einem Plus von 15,7 Prozent auf 17.922 Einheiten und die 125er-Roller mit 30.251 Stück oder 8 Prozent mehr.

Die alten Männer dominieren

Die Zulassungsstatistik zeigt, wer hinter diesen Zahlen steht. Vorweg: Nicht immer ist der Halter der Fahrer, das ist uns bewusst. Diese Unschärfe nehmen wir hin. Und natürlich enthalten alle Gruppen jeweils Männer und Frauen. Der Gesamtmotorradmarkt 2022 – inklusive 125er, Roller und Trikes und Quads, teilte sich in 145.945 Männer (72,9 Prozent) und 28.351 Frauen (10,5 Prozent) – der Rest entfällt auf gewerbliche Neuzulassungen. Interessant: Nahm 2021 die Zahl der Neuzulassungen auf Frauen mit 7,7 Prozent deutlich ab, stieg die Zahl 2022 mit 3,9 Prozent wieder an.

BMW CE 04 Pendlertest
Elektro

Trotzdem: Das Gros der Motorrad-Neuzulassungen belief sich auf Männer. Die zulassungsstärkste Altersgruppe war erneut die zwischen 50 und 59 Jahren, auf die 59.807 oder 34,3 Prozent aller Neuzulassungen entfielen. Allerdings mit einem kleinen Minus von 1,2 Prozent zum Vorjahr. Die zweitstärkste Altersgruppe bilden mit 35.815 Neuzulassungen die 40- bis 49-Jährigen (20,5 %). Knapp dahinter liegt die am stärksten wachsende Altersgruppe, die um 14,1 Prozent wuchs: 60 Jahre und mehr. Sie stellten 33.542 Neuzulassungen oder 19,2 Prozent. Das starke Wachstum zeigt: Der deutsche Biker ist schon älter, und er wird immer älter, denn die anderen Altersgruppen schrumpfen im Bereich 1 bis 6 Prozent. Einzig die 30-39-Jährigen legen leicht zu: 2022 ließen sie 23.536 Zweiräder und 2,7 Prozent mehr neu zu. Die wenigsten Zulassungen entfielen auf die Gruppe unter 29 Jahren: 21.606 Neuzulassungen erfolgten auf Halter oder Halterinnen in diesem Alter, die mit 6,2 Prozent das größte Minus verzeichnen.

Zwischen-Fazit: Der deutsche Durchschnittsbiker ist demnach ein Mann, zwischen 50 und 59 Jahren alt und durch das starke Wachstum der Gruppe Ü60 wohl eher im Bereich 55 und älter. Leider: Neuzulassungen auf jüngere Altersgruppe schrumpfen, besonders die Gruppe unter 29 Jahren verzeichnet das größte Minus.

Enduros und Naked Bikes bevorzugt

Keine Überraschung: Auf die Motorrad-Modelle der Kategorie Enduro und Naked Bike entfielen 2022 die meisten Neuzulassungen an natürliche Personen: 67.572 oder 63 Prozent aller Motorräder über 125 Kubik entfielen auf diese Klassen. Wobei die Naked Bikes mit 40.539 Stück (-5,6 Prozent) die stärkste Gruppe sind. Enduros wurden demnach 27.033 (-8,8 Prozent) neu zugelassen. Chopper/Cruiser waren für 10.445 Biker (-22,2 Prozent) die erste Wahl. Das Segment Sportler/Supersportler konnte 5.116 Neuzulassungen (-5,3 Prozent) verbuchen und bildet das Schlusslicht. Die Tourer/Sporttourer-Fraktion glänzt mit 5.674 Neuzulassungen zwar nicht, ist allerdings das einzige Segment, das gegenüber dem Vorjahr zulegen konnte, und zwar um 11,2 Prozent.

Zwischen-Fazit: Der deutsche Durchschnittsbiker ist zwischen 50 und 59 Jahren alt und fährt statistisch ein Naked Bike oder eine Enduro. Von 40.539 Naked Bikes wurden 12.320 auf Halter zwischen 50 und 59 neu zugelassen und von 27.033 Enduros haben seit 2022 11.140 einen Halter in diesem Alter.

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Leistung ist beliebt

Abschließend blicken wir noch auf die Leistungsklassen und Größen der Motoren. Erneut hatten die meisten neu zugelassenen Motorräder in Deutschland eine Leistung von 73 Kilowatt und mehr, also 99 PS und stärker. Keine Überraschung: Die meisten Sportler und Supersportler sind stärker als 99 PS. Von 6.209 Neuzulassungen (inkl. gewerblicher) über 125 Kubik hatten 4.582 oder 73,8 Prozent mehr als 73 Kilowatt. Interessant: Bei den Enduros und Supermotos hatte jede zweite Neuzulassung oder 17.875 Stück mehr als 73 Kilowatt, wir sprechen also von den großen Reiseenduros. Ebenfalls bei den Tourern und Sporttourern lagen 4.266 Neuzulassungen oder 57,5 Prozent des Segments in der höchsten Leistungsklasse. Die Naked Bikes folgen mit 44,4 Prozent oder 20.703 Neuzulassungen mit 73 Kilowatt oder mehr. Einzig die Cruiser und Chopper leisten hauptsächlich 58 bis 72 Kilowatt oder zwischen 79 und 98 PS. 54,4 Prozent oder 6.468 Neuzulassungen dieser Fahrzeugkategorie hatte diese Leistung.

Motorrad-Neuzulassungen 1. Halbjahr 2022
Verkehr & Wirtschaft

Die hohen Motorleistungen, die vor allem in Deutschland neu zugelassen werden, lassen erahnen, wie die Verteilung der Hubräume dazu aussieht. Die meisten Neuzulassungen (27.856 oder 26 Prozent) hatten zwischen 750 und 999 Kubik Hubraum, knapp dahinter die Motoren zwischen 500 und 749 Kubik (26.739 oder 25 Prozent). Weiterhin stark, trotzdem mit deutlichem Minus (-14,3 Prozent) ist die Klasse der Motorräder über 1.250 Kubik. 24.015 Motorräder mit Motoren dieses Hubraums und größer wurden neu zugelassen und stellen mit 22,4 Prozent weiterhin die dritte stabile Säule des deutschen Motorradmarkts dar. Die Klasse zwischen 1.000 und 1.249 Kubik liegt mit 12.120 Einheiten und einem Anteil von 11,3 Prozent sogar noch hinter der Klasse der 250er bis 499er-Motoren (14.324, 13,4 Prozent). Bleiben die Motoren zwischen 126 und 249 Kubik. Zwar haben die mit 1.247 Stück nur einen Anteil von 1,2 Prozent, allerdings ist diese Klasse die einzige, die Zuwächse verzeichnet: 2022 wurden 10,8 Prozent mehr Motorräder zwischen 126 und 249 Kubik neu zugelassen.

Fazit: Der deutsche Durchschnittsbiker ist zwischen 50 und 59 Jahre alt, fährt ein Naked Bike oder eine Enduro, die mehr als 73 Kilowatt Leistung haben und statistisch zwischen 750 und 999 Kubik oder über 1.250 Kubik. Der Blick in die Top 50 der Neuzulassungen 2022 fällt dementsprechend auf die Kawasaki Z 900 oder die BMW R 1250 GS.

Fazit

Motorradfahren ist in Deutschland, zumindest wenn es um Neufahrzeuge geht, ein Ding von älteren Männern. Das hängt vermutlich mit den hohen Kosten für dieses Hobby zusammen. Gefahren werden leistungsstarke Enduros oder Naked Bikes, anhand der Top 50 entweder eine Kawasaki Z 900 oder eine BMW R 1250 GS. Und die Statistik zeigt: Motorradfahrer werden immer älter, denn der Anteil der Über-60-Jährigen ist die einzige Altersgruppe, die 2022 wuchs.

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