Ducati 999 S und Ducati 1199 Panigale S im Vergleichstest

Kampf der Generationen

Foto: fact 14 Bilder

Sie war das erste Superbike, das Uwe Seitz nach seinem Antritt bei PS 2004 in die Finger bekam: die Ducati 999 S. Im Vergleichstest mit der Ducati 1199 Panigale S erklärt der leitende Redakteur, was sich in den letzten zehn Jahren bei der sportlichen Italinierin getan hat.

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Okay, genau genommen war es damals die scharfe R-Version, aber als ich mich nun nach zehn Jahren wieder in den Sattel der Ducati 1199 Panigale S schwinge, ist dieses Gefühl von damals sofort wieder wach. Die harte Sitzpfanne, die weit vorn und unten liegenden Stummel, dieser ultraschmale Tank mit dem mächtigen Twin darunter entlocken mir dasselbe „Boah“, das mich damals mit Ehrfurcht vom Hof rollen ließ.

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Auch das Rappeln durch die Stadt sitzt tief in der Erinnerung. Aber ganz ehrlich, da ist die aktuelle Ducati 1199 Pani­gale S mit dem hackenden kurzhubigen Twin und dieser irre heißen Abluft im Schritt exponential nerviger. In den ersten Kehren nötigt die zehn Jahre alte Diva einem dann Anerkennung ab, denn dieser Motor von damals war verglichen mit dem von heute ein wirklich prima Landstraßen-Antrieb. Ganz smooth zieht er ab 3500/min durch, die Laufruhe ist beachtlich. Entlang des kleinen Schwarzwald-Flüsschens auf der gut ausgebauten und schön geschwungenen Straße vermittelt die Ducati 999 S dieses schöne Superbike-Feeling, bei dem alles kann, aber nichts muss.

Der 999 geht die latente Aggressivität der Panigale völlig ab

Der Ducati 999 S geht die latente Aggressivität der Ducati 1199 Panigale S völlig ab. Man mag den 999-Motor deshalb vielleicht als etwas zäh empfinden und ihm im direkten Vergleich mangelnde Drehfreude und etwas Altbackenheit vorwerfen, aber damit lässt es sich auch mal bummeln, ein Gang höher oder tiefer ist dem 90-Grad-V völlig egal – die Panigale kann das überhaupt nicht. Dazu noch die sanfte Gasannahme und der lineare Leistungsverlauf – allererste Sahne! Die Panigale offenbart einen ganz anderen Charakter. Irgendwie ist das nicht mehr das Twin-Feeling, das die 999 damals fast ohne Weiteres an die 1090 weitergab.

Zwar wirkte der Testastretta nach der Ducati 999 S schon viel drehfreudiger und auch drehzahlorientierter, aber was das aktuelle Superbike da macht, ist schlicht der berühmte Paradigmenwechsel. Heute ist Drehzahl und Spitzenleistung alles, mehr Vierzylinder- als das typische Twin-Feeling. Wohl deshalb glaubt die Ducati 1199 Panigale S, sich dieses mächtige Leistungsloch zwischen 5000 und 7000/min leisten zu können. Auf der Rennstrecke bestimmt, aber auf der Landstraße bleibe ich dabei, ist der 999-Twin auch heute noch der genussvollere Motor.

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Deutliche Unterschiede auf der Handling-Testroute

Immer noch auf der Höhe der Zeit sind ihre Bremsen. Zwar fehlt den Brembo-Sätteln von damals dieser ultrabrutale Biss der aktuellen Monoblocks, aber feist in die Eisen geht auch die Ducati 999 S. Störend ist nur das sperrige Einlenken der älteren Diva. Schuldzuweisungen treffen die aufgezogenen Metzeler Sportec M5. Die Gabel wurde von HH-Racetec kurz vor unserem Test überarbeitet, weshalb das schöne Ansprechverhalten sicher auf Hubert Hoffmanns Kappe geht, doch auf unserer Handling-Testroute offenbarte die 999 dann doch, dass zehn heftige Entwicklungsjahre zwischen ihr und dem neuen Superbike liegen. Wie die Ducati 1199 Panigale S einlenkt, die Spur hält, mit leichten Impulsen noch engere Linien fährt und sich in Wechselkurven um­legen lässt, ist besonders im direkten Vergleich mit der Ahnin, die mehr Einsatz erfordert und es dennoch nie zu solcher Agilität bringt, unglaublich viel besser. Dazu schlingert die 999 vor ­jeder Kurve beim Runterschalten mit dem Hintern – na klar, eine Anti-Hopping-Kupplung war damals unüblich.

Härte verlangen beide Öhlins-Fahrwerke von ihren Fahrern, und besonders die Heckpartie wirkt bei beiden auf unebenem Landstraßen-Ritt furchtbar überdämpft. Der riesige Einstellbereich des elektronischen Systems der Ducati 1199 Panigale S mindert das etwas mehr als das herkömmliche Öhlins-Federbein der 999 (siehe Setup im Datenkasten), aber im Highspeed-Bereich muten beide fast gleich wie ein Starrrahmen an. Über die elektronischen Vorteile der Panigale brauchen wir keine großen Worte zu verlieren: Die eine hat alles, die andere nichts. Am Ende setzt sich die Panigale deutlich durch, weil in zehn Jahren viel passiert ist. Und nötigte mir damals allein die Sitzhaltung auf der Ducati 999 S schon Respekt ab, dann punktet die Panigale damit gewaltig: aktiv über dem Lenker auf dem Motorrad gegen tief drin und lang gestreckt – da ist die Entwicklung eben doch überall spürbar.

Daten Ducati 999 S/Ducati 1199 Panigale S

Foto: MOTORRAD
Lassen wir das Thema Spitzenleistung mal weg, das hat im Rennsport so viel mehr Wert. Schön ­linear dreht die 999 durchs Drehzahlband und liefert landstraßentaugliches, fein beherrschbares Drehmoment. Der Panigale sind untere Dreh­zahlen wurst, nur so erklärt sich der Hänger zwischen 5000 und 7000/min.

Ducati 999 S (2004)

Antrieb 



Zweizylinder-90-Grad-V-Motor, vier Ventile­/Zylinder, 100 kW (136 PS) bei 9750/min*,
106 Nm bei 8000/min*, 998 cm³, Bohrung/Hub: 100,0/63,5 mm,
Verdichtungsverhältnis: 11,4:1, Zünd-/Einspritzanlage, 54-mm-Drosselklappen, hydraulisch betätigte Mehrscheiben-Trockenkupplung, Sechsganggetriebe, U-Kat, ­Kette
Chassis & 
Bremsen





Stahl-Gitterrohrrahmen, Lenkkopfwinkel: 65,5/66,5 Grad, Nachlauf: 97/91 mm,
Radstand: 1420 mm, Upside-down-Gabel, Ø Gabelinnenrohr: 43 mm,
einstellbar in Feder­basis, Zug- und Druckstufe. Zentralfederbein mit Umlenkung,
einstellbar in Federbasis, Zug- und Druckstufe. Federweg vorn/hinten: 125/128 mm,
Leicht­metall-Gussräder, 3.50 x 17/5.50 x 17, ­Reifen vorn: 120/70 ZR 17,
hinten: 180/55 ZR 17, Testbereifung: Michelin Pilot Power 3, 320-mm-Doppelscheibenbremse
mit Vierkolben-Festsätteln vorn, 240-mm-­Einzelscheibe mit Zweikolben-Festsattel hinten
Performance 
Max. Hinterradleistung** 
92 kW (125 PS) bei 270 km/h
Beschleunigung**


0 –100 km/h: 3,1 s
0 –150 km/h: 5,3 s
0 –200 km/h: 9,1 s
Durchzug**

50 –100 km/h: 5,6 s
100 –150 km/h: 5,6 s
Höchstgeschwindigkeit*
271 km/h
Maße und Gewicht

Länge/Breite/Höhe: 2030/780/1080 mm, Sitz-/Lenkerhöhe: 810/830 mm,
Lenkerbreite: 660 mm, 213 kg vollgetankt, v./h.: 49,4/50,6 %
Verbrauch

Kraftstoffart: Super bleifrei. Durchschnitts­testverbrauch: 6,8 Liter/100 km,
Tankinhalt: 15,5 Liter, Reichweite: 227 km
Setup
Setup Gabel

stat. neg. Federweg:  36 mm, Druckstufe: 6 K offen,
Zugstufe: 16 K offen, ­Niveau: Standard
Setup Federbein

stat. neg. Federweg: 15 mm, Druckstufe: 14 K offen,
Zugstufe: 20 K offen, Niveau: Standard
Grundpreis (2004)
20.995 Euro (zzgl. Neben­kosten)
Alle Dämpfungseinstellungen von komplett geschlossen gezählt; statischer negativer Federweg senkrecht stehend
ohne Fahrer; U = Umdrehungen; K = Klicks; *Herstellerangabe; **PS-Messung

Ducati 1199 Panigale S (2014)

Antrieb 



Zweizylinder-90-Grad-V-Motor, vier Ventile­/Zylinder, 143 kW (192 PS) bei 10.750/min*,
132 Nm bei 9000/min*, 1198 cm³, Bohrung/Hub: 112,0/60,8 mm,
Verdichtungsverhältnis: 12,5:1, Zünd-/Einspritzanlage, 67,5-mm-Drossel­klappen,
hydraulisch betätigte Mehr­scheiben-Ölbad-Anti-Hopping-Kupplung, Sechsganggetriebe,
G-Kat, Kette, Traktionskontrolle
Chassis & 
Bremsen





Tragender Motor mit Leichtmetall-Hilfsrahmen, Lenkkopfwinkel: 65,5 Grad, Nachlauf: 100 mm, Radstand: 1437 mm, Upside-down-Gabel, Ø Gabelinnenrohr: 43 mm, elektr. einstellbare Zug- und Druckstufe. Einzelfederbein mit Umlenkung, einstellbar in Feder­basis, Zug- und Druckstufe (elektr.). Federweg vorn/hinten: 120/130 mm, Leichtmetall-Schmiederäder, 3.50 x 17/6.00 x 17, Reifen vorn: 120/70 ZR 17, hinten: 200/55 ZR 17, Erstbereifung: Pirelli Diablo Supercorsa SP, 330-mm-Doppelscheibenbremse mit radial angeschlagenen Vierkolben-Festsätteln vorn, 245-mm-Einzelscheibe mit Zweikolben-Schwimmsattel hinten, ABS
Performance 
Max. Hinterradleistung** 
131 kW (178 PS) bei 279 km/h

Beschleunigung**


0 –100 km/h: 3,2 s
0 –150 km/h: 5,0 s
0 –200 km/h: 7,6 s
Durchzug**

50 –100 km/h: 4,9 s
100 –150 km/h: 4,9 s
Höchstgeschwindigkeit*
296 km/h
Maße und Gewicht

Länge/Breite/Höhe: 2060/810/1110 mm, Sitz-/Lenkerhöhe: 820/850 mm,
Lenkerbreite: 670 mm, 195 kg vollgetankt, v./h.: 52,5/47,5 %
Verbrauch

Kraftstoffart: Super bleifrei. Durchschnitts­testverbrauch: 7,4 Liter/100 km,
Tankinhalt: 17 Liter, Reichweite: 230 km
Setup
Setup Gabel

stat. neg. Federweg:  30 mm, Druckstufe: Stufe 27 von 31,
Zugstufe: Stufe 25 von 31 (beide fast komplett offen), Niveau: Standard
Setup Federbein

stat. neg. Federweg: 14 mm, Druckstufe: ­komplett offen,
Zugstufe: Stufe 12, Niveau: Standard, Umlenkung: Standard (F)
Grundpreis (2004)
24.990 Euro (zzgl. Neben­kosten)
Alle Dämpfungseinstellungen von komplett geschlossen gezählt; statischer negativer Federweg senkrecht stehend
ohne Fahrer; U = Umdrehungen; K = Klicks; *Herstellerangabe; **PS-Messung

Bewertung Ducati 999 S/Ducati 1199 Panigale S

Foto: fact
Der riesige Einstellbereich des elektronischen Systems der Ducati 1199 Panigale S mindert das etwas mehr als das herkömmliche Öhlins-Federbein der 999, aber im Highspeed-Bereich muten beide fast gleich wie ein Starrrahmen an.


max.
Punkte
 
Ducati 
999 S

Ducati
1199
Panigale S
Antrieb
Beschleunigung
10
8 9
Durchzug
10
5 6
Leistungsentfaltung 
10
7 6
Ansprechverhalten
10
8 8
Lastwechselreaktion
10
8 8
Laufkultur
10
7 7
Getriebebetätigung
10
6 7
Getriebeabstufung
10
6 8
Kupplungsfunktion
10
6 6
Traktionskontrolle
10
- 9
Zwischensumme
100
61 74
Fahrwerk
Fahrstabilität
10
8 8
Handlichkeit
10
6 8
Kurvenstabilität
10
8 9
Rückmeldung
10
8 9
Fahrwerksabstimmung vorne 
10
8 8
Fahrwerksabstimmung hinten 
10
7 7
Bremswirkung
10
8 10
Bremsdosierung
10
8 10
Aufstellmoment
beim Bremsen
10

9
9
ABS-Funktion
10
- 10
Zwischensumme
100
70 88
Alltag und Fahrspaß
Sitzposition
10
6 7
Windschutz
10
6 6
Ausstattung
10
5 9
Verbrauch
10
6 5
Fahrspaß
10
8 8
Zwischensumme
50
31 35
Gesamtsumme
250
162 197
Platzierung

2. 1.

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