Yamaha YZF-R1 Modelljahre 2004 und 2011 im Vergleichstest

Grundverschieden und doch gleich

Foto: fact 15 Bilder

Zehn Jahre sind eine lange Zeit, da werden Jungs zu Männern. Was hat sich in dieser Spanne bei der Yamaha YZF-R1 getan? PS untersuchte die Modelljahre 2004 und 2011 der R1 und nennt die Unterschiede.

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Du bis’ aber groß geworden!“, sagt die Oma zum Enkelkind, nachdem sie es mehrere ­Monate nicht mehr gesehen hat. Wenn PS-Tester vor zehn Jahre alten Motorrädern stehen, hauen sie ähnlich clevere Sprüche raus, packen olle Kamellen aus und frotzeln ein wenig rum. „Weißt du noch, damals 2004 in Valencia. Bei dem 1000er-Vergleich …“ „Was meinst du denn?“ „Na komm, du weißt schon!“ „Ach hör doch auf, ich hatte es schon verdrängt. Dieser dämliche Sturz gleich in der ­ersten Rechtskurve, noch bevor ein einziges Bild geschossen war.“ „Genau, du auf der neuen Yamaha YZF-R1 – und versenkst sie gleich im Kies …“

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Heute blicken wir auf ein Motor­rad des Jahrgangs 2004 zurück, die Yamaha YZF-R1. Zum Vergleich steht ihre heutige Nachfolgerin parat. Mangels Verfügbarkeit mussten wir dieses Mal auf ein 2011er-Modell ohne Traktionskontrolle zurückgreifen. An der Yamaha YZF-R1 wird deutlich, wie sehr die Japaner in der letzten Dekade an den Feinheiten der Superbikes gefeilt haben. Minimale Retuschen an der Geometrie gehören zu jeder Modellpflege, die Umstellung vom außergewöhnlichen Fünf- auf den herkömmlichen Vierventil-Zylinderkopf und die Einführung der Cross-Plane-Kurbelwelle allerdings nicht.

Entscheidende Änderungen an der Charakteristik

Noch nie in der jüngeren Geschichte änderte ein Hersteller die Charakteristik eines Modells so einschneidend, wie es Yamaha bei der R1 im Jahr 2009 getan hat. Mit dem Hubzapfenversatz der Kurbelwelle („Cross-Plane“-Technik) um 90 Grad imitiert der Reihenvierzylinder die Zündfolge und damit den Sound eines waschechten V4. Damit hört sich der Antrieb zwar sehr gesittet und kultiviert an. Doch im Vergleich mit dem bedrohlichen, dumpf-aggressiven Röcheln der Yamaha YZF-R1 aus dem Jahr 2004 (Modellcode: RN 12) klingt die aktuelle Variante so harmlos wie ein glucksendes Baby. Die unterschiedliche Klangkulisse wirkt sich auch auf den Fahrstil aus. Hier die Ahnin, die ihren Treiber permanent anspornt, mit weit geöffneter Brause und hohen Drehzahlen durch die Gegend zu brennen. Dort die Neue (Code: RN 22), deren Blubbern dagegen wie ein Antiaggressionstraining wirkt.

Doch wer daraus schlussfolgert, die RN 22 sei nur ein weichgespülter Sportler, irrt gewaltig! Denn mit ihrer fast über den kompletten Drehzahlbereich höheren Power marschiert sie wie Hölle und schießt ein ums andere Mal auf dem Hinterrad aus den Ecken. Der deutlichste Unterschied bei Leistung und Drehmoment herrscht bis zirka 5000/min. Dort puncht die Neue wesentlich kräftiger als ihre Ahnin, was ihr auch die besseren Durchzugswerte beschert. Außerdem powert sie wunderbar gleichmäßig durchs Drehzahlband, den berüchtigten Einbruch der „alten“ Yamaha YZF-R1 kennt sie nicht. Auch in Sachen Laufkultur hat die Neue ihre Nase leicht vorn, denn ihr charakteristisches Stampfen ist angenehmer als die feinnervigen Vibrationen des 2004er-Modells. Der „echte“ Reihenvierer kontert mit Angriffslust und Heißblütigkeit, ist eindeutig emotionaler. Dennoch entscheidet die Neue die Motorenwertung klar für sich.

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Fahrwerk der aktuellen Yamaha YZF-R1 etwas besser

Auch beim Fahrwerk liegt die aktuelle Yamaha YZF-R1 in jedem Kriterium zumindest gleichauf und überflügelt die 2004er-Yam bei einigen Merkmalen. Doch die Unterschiede sind so gering, dass man sie nur im direkten Vergleich spürt. Die Neue pfeilt minimal stabiler durch die Ecken, und das Federbein filtert kurze, harte Kanten etwas besser. Außerdem rührt sie beim Ballern über mieses Geläuf nur kurz mit dem Lenker, während die Ausschläge bei der älteren Version markiger ausfallen. Dazu stellt sich die jüngere Variante beim Bremsen in Schräglage weniger auf, und die Sechskolbenzangen ihrer Stopper lassen sich minimal besser dosieren. Gleichstand herrscht dagegen beim Handling und der Zielgenauigkeit.

Beide winkeln punktgenau und extrem leichtfüßig ab und zirkeln haarfein auf der vorgegebenen Linie – Weltklasse! Fans von Fahrassistenzen freut, dass die Neue eine Traktionskontrolle bietet. Mangels Verfügbarkeit dieses Modells scheuchten wir aber eine 2011er-Yam durch die Gegend, die dieses Feature noch nicht besitzt. Die klotzigen Auspuff-Endtöpfe hatte aber auch diese schon. Sie sind zweifellos mit ein Grund, warum sich die RN 22 vergleichsweise mäßig verkauft hat. Wer sich bisher nur des­wegen nicht für eine aktuelle Yamaha YZF-R1 erwärmen konnte, darf sich freuen. Denn Yamaha rüstet sein Superbike seit Neuestem ohne Aufpreis mit scharfen Akrapovic-Endtüten aus. Damit rückt sie optisch ein Stück näher an ihre packende Vorvorgängerin, die erstaunlich gut mithält und noch längst nicht zum alten Eisen gehört!

Daten Yamaha YZF-R1 (2004 / 2011)

Foto: MOTORRAD
Die Leistungsdaten der Yamaha YZF-R1.

Yamaha YZF-R1 (2004)

Antrieb 



Vierzylinder-Reihenmotor, fünf Ventile/ Zylinder, 126 kW (172 PS) bei 12.500/min*,
104 Nm bei 10.500/min*, 998 cm³, Bohrung/Hub: 77,0/53,6 mm, Verdichtungs-
verhältnis: 12,3:1, Zünd-/Einspritzanlage, 45-mm-Drosselklappen, mechanisch
betätigte Mehrscheiben-Ölbadkupplung, Sechsganggetriebe, G-Kat, Kette
Chassis & 
Bremsen






Leichtmetall-Brückenrahmen, Lenkkopfwinkel: 66,0 Grad, Nachlauf: 97 mm,
Radstand: 1395 mm, Upside-down-Gabel, Ø Gabel­innenrohr: 43 mm,
einstellbar in Federbasis, Zug- und Druckstufe. Zentralfederbein mit
Umlenkung, einstellbar in Federbasis, Zug- und Druckstufe. Federweg
vorn/hinten: 120/130 mm, Leichtmetall-Gussräder, 3.50 x 17/6.00 x 17,
Reifen vorn: 120/70 ZR 17, hinten: 190/50 ZR 17, Testbereifung: Michelin
Pilot Power 2CT, 320-mm-Doppelscheibenbremse mit radial angeschlagenen
Vierkolben-Festsätteln vorn, 220-mm-Einzelscheibe mit Einkolben-Schwimmsattel
hinten
Performance 
Max. Hinterradleistung**  116,2 kW (158 PS) bei 268 km/h
Beschleunigung**

0 –100 km/h: 3,2 s
0 –150 km/h: 5,1 s
0 –200 km/h: 7,6 s   
Durchzug**
50 –100 km/h: 5,1 s
100 –150 km/h: 3,8 s
Höchstgeschwindigkeit* 285 km/h
Maße und Gewicht
Länge/Breite/Höhe: 2060/800/1140 mm, Sitz-/Lenkerhöhe: 820/850 mm,
Lenkerbreite: 655 mm, 203 kg vollgetankt, v./h.: 52,4/47,5 %
Verbrauch
Kraftstoffart: Super bleifrei. Durchschnitts­testverbrauch:
8,5 Liter/100 km, Tankinhalt: 18 Liter, Reichweite: 211 km
Setup
Setup Gabel
stat. neg. Federweg:  28 mm,
Druckstufe: 8 K offen, Zugstufe: 9 K offen, Niveau: Standard
Setup Federbein
stat. neg. Federweg: 18 mm, Druckstufe:
3 K offen, Zugstufe: 8 K offen, Niveau: Standard
Grundpreis (2004) 13.295 Euro (inkl. Neben­kosten)
Alle Dämpfungseinstellungen von komplett geschlossen gezählt; statischer negativer Federweg senkrecht stehend
ohne Fahrer; U = Umdrehungen; K = Klicks; *Herstellerangabe; **PS-Messung

Yamaha YZF-R1 (2011)

Antrieb 




Vierzylinder-Reihenmotor, vier Ventile/Zylinder, 134 kW (182 PS)
bei 12.500/min*, 116 Nm bei 10.000/min*, 998 cm³,
Bohrung/Hub: 78,0/52,2 mm, Verdichtungsverhältnis: 12,7:1,
Zünd-/Einspritzanlage, 45-mm-Drosselklappen, mechanisch betätigte
Mehrscheiben-Ölbad­-Anti-Hopping-Kupplung, Sechsganggetriebe, G-Kat, Kette
Chassis & 
Bremsen







Leichtmetall-Brückenrahmen, Lenkkopfwinkel: 66,0 Grad, Nachlauf: 102 mm,
Radstand: 1415 mm, Upside-down-Gabel, Ø Gabel­innenrohr: 43 mm, einstellbar
in Federbasis, Zug- und Druckstufe. Zentralfederbein mit Umlenkung, einstellbar
in Federbasis, Zug- und Druckstufe (high/low). Federweg vorn/hinten: 120/120 mm,
Leichtmetall-Gussräder, 3.50 x 17/6.00 x 17, Reifen vorn: 120/70 ZR 17,
hinten: 190/55 ZR 17, Testbereifung: Michelin Pilot Power, 310-mm-Doppelscheibenbremse
mit radial angeschlagenen Vierkolben-Festsätteln vorn, 220-mm-Einzelscheibe mit Einkolben-Schwimmsattel hinten
Performance 
Max. Hinterradleistung** 
120,5 kW (164 PS) bei 262 km/h

Beschleunigung**


0 –100 km/h: 3,2 s
0 –150 km/h: 5,1 s
0 –200 km/h: 7,5 s   
Durchzug**

50 –100 km/h: 4,0 s
100 –150 km/h: 3,9 s
Höchstgeschwindigkeit*
285 km/h
Maße und Gewicht

Länge/Breite/Höhe: 2090/775/1120 mm, Sitz-/Lenkerhöhe: 815/850 mm,
Lenkerbreite: 655 mm, 215 kg vollgetankt, v./h.: 52,0/48,0 %
Verbrauch

Kraftstoffart: Super bleifrei. Durchschnitts­testverbrauch:
8,9 Liter/100 km, Tankinhalt: 18 Liter, Reichweite: 202 km
Setup
Setup Gabel

stat. neg. Federweg:  36 mm, Druckstufe: 14 K offen,
Zugstufe: 12 K offen, Niveau: Standard
Setup Federbein

stat. neg. Federweg: 15 mm, Druckstufe high/low: komplett/18 K offen,
Zugstufe: 5 K offen, Niveau: Standard
Grundpreis (2004)
15.790 Euro (inkl. Neben­kosten)
Alle Dämpfungseinstellungen von komplett geschlossen gezählt; statischer negativer Federweg senkrecht stehend
ohne Fahrer; U = Umdrehungen; K = Klicks; *Herstellerangabe; **PS-Messung

Bewertung Yamaha YZF-R1 (2004 / 2011)

Foto: fact
Noch nie in der jüngeren Geschichte änderte ein Hersteller die Charakteristik eines Modells so endscheidend, wie es Yamaha bei der R1 im Jahr 2009 getan hat.

  max.
Punkte 
 
Yamaha 
YZF-R1
2004
Yamaha
YZF-R1
2011
Antrieb
Beschleunigung 10 9 9
Durchzug 10 7 8
Leistungsentfaltung  10 7 10
Ansprechverhalten 10 9 9
Lastwechselreaktion 10 9 9
Laufkultur 10 8 9
Getriebebetätigung 10 8 8
Getriebeabstufung 10 9 9
Kupplungsfunktion 10 5 8
Traktionskontrolle 10 - -
Zwischensumme 100 71 79
Fahrwerk   
Fahrstabilität 10 8 9
Handlichkeit 10 8 8
Kurvenstabilität 10 8 9
Rückmeldung 10 9 9
Fahrwerksabstimmung vorne  10 9 9
Fahrwerksabstimmung hinten  10 8 9
Bremswirkung 10 9 9
Bremsdosierung 10 8 9
Aufstellmoment
beim Bremsen
10
7
8
ABS-Funktion 10 - -
Zwischensumme 100 74 79
Alltag und Fahrspaß
Sitzposition 10 8 9
Windschutz 10 7 7
Ausstattung 10 5 6
Verbrauch 10 4 3
Fahrspaß 10 8 9
Zwischensumme 50 32 34
Gesamtsumme 250 177 192
Platzierung   2. 1.

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