Stefan Wolf

Europas führender Sitzbank- und Kofferproduzent SHAD im Firmenportrait

Sitz und Platz!

Wir müssen es so deutlich sagen: Was diese beiden Herren und ihre Kollegen machen, ist komplett für den Arsch. Und dann gibt es dort noch Menschen, die regelmäßig erklären dürfen, dass sie keine Fischkisten produzieren. Ein Besuch bei Europas führendem Sitzbank- und Kofferproduzenten.

Die Sache mit der Namensfindung war eigentlich ganz clever gedacht. Anno 1973 sitzen Jaume Xicola Gascon (damals 27 Jahre alt) und seine sechs Mitarbeiter in der Nähe von Barcelona zusammen und machen sich Gedanken, wie sie ihr junges, Fahrrad- und Moped-Zubehör produzierendes Unternehmen nennen sollen. Ein spanischer Name geht gar nicht, denn „Made in Spain“ hat seinerzeit einen eher miesen Ruf. Also kurz, knapp, international: NAD – das ist es! Hat zwar keine eigentliche Bedeutung, ist auch nicht die Abkürzung für irgendetwas, klingt aber technisch, international und passt immer. Im Jahre 1992 stehen die mittlerweile auf die Produktion von Sitzbänken spezia-lisierten Katalanen vor einer ähnlichen Aufgabe und suchen einen Markennamen für ihre neu ins Programm genommenen Motorradkoffer. Gleicher Ansatz wie 19 Jahre zuvor, ähnliche Lösung: SHAD – kurz, knapp, international und eigentlich bedeutungslos. Nun ja, nicht ganz: „Shad“ ist die englische Bezeichnung für den Maifisch, eine zumindest rund um Barcelona eher sehr selten anzutreffende Heringsart. Aber egal, ist nun mal passiert, und dass englisch-sprachige Koffer-Interessenten es nicht mit einem Fischkistenhersteller zu tun haben, lässt sich meist sehr schnell klären.

Kompletten Artikel kaufen
Europas führender Sitzbank- und Kofferproduzent SHAD im Firmenportrait Sitz und Platz!
Sie erhalten den kompletten Artikel (inkl. PDF, 4 Seiten)
2,00 €
Jetzt kaufen

NAD mit seiner Handelsmarke SHAD ist nämlich längst eine ganz große Nummer im Motorrad-Zubehör-Business. Und die Wahrscheinlichkeit, dass Sie, lieber Leser, Ihren Allerwertesten schon mal auf ein Produkt des mittlerweile von Jaume Xicola Serrano (34) geführten und immer noch in Familienbesitz befindlichen Unternehmens gebettet haben, ist ziemlich hoch. Zu den NAD-Kunden gehören nämlich unter anderem Aprilia, BMW, Honda, KTM, Moto Guzzi, Piaggio, Suzuki, Triumph und Yamaha. Rund 75 Prozent der komplett in Spanien entwickelten und produzierten Sitzbänke landen als Erstausrüstung auf Motorrädern, die in Europa produziert werden. Der Rest wird in Thailand (Triumph) und Brasilien (BMW, Honda) verbaut. Die Koffer werden zu 80 Prozent in Spanien produziert, der Rest kommt aus China bzw. Indonesien. Hintergrund dieser Aufteilung: Die Transportkosten wären ansonsten einfach zu hoch, denn es liegt in der Natur der Sache, dass beim Koffertransport hauptsächlich Luft durch die Gegend befördert wird. NAD ist ein schönes Beispiel dafür, dass der so oft beschworene und bedauerte „Industrie-Ausverkauf nach Fernost“ kein Automatismus sein muss, und dass klassische Familienunternehmen durchaus eine Zukunft haben. Möglich macht das eine clevere Produktplanung in Verbindung mit eigenen Forschungs- und Entwicklungskapazitäten sowie einer extrem ausgeprägten Fertigungstiefe. Kurz gesagt: Die cleveren Katalanen machen inklusive Prototypen- und Werkzeugbau alles selbst. Fast alles, denn die Spritzgussmaschinen für die Koffergehäuse stehen bei externen Zulieferern. Die wiederum in der direkten Nachbarschaft angesiedelt sind und damit praktisch zur „Familie“ gehören.

Ausprobiert: SHAD-Topcase SH58X

Einerseits braucht man ab und an ganz viel Platz, andererseits will man nicht immer mit einem Riesencontainer durch die Gegend gondeln. Ein echter Interessenkonflikt – für den SHAD eine schlaue Lösung hat: das höhenverstellbare Topcase.

Zwei einfach zu bedienende Hebel im Koffer-Inneren machen den Unterschied: Hebel umlegen, Kofferoberteil anheben oder absenken, Hebel zurückklappen – fertig. Die ganze Sache lässt sich für drei Positionen erledigen. In der flachsten Stellung L fasst das Topcase 46 Liter, Raum für zwei Jethelme plus etwas Kleinkram. In der mittleren XL-Stellung passen 52 Liter rein, also genug Platz für zwei Integralhelme. In XXL darf es noch etwas mehr sein: 58 Liter, was zwei üppig beschirmten Crosshelmen plus Extras entspricht. Multifunktions-Produkte haben ja ab und an die unangenehme Eigenschaft, etwas klapprig und hingebastelt zu sein. Nicht so das mit einem Deckelcover im Carbonlook antretende SH58X. Das Teil wirkt sehr wertig und solide, auch die weitere Bedienung (Öffnen/Schließen, Montage auf mitgelieferter Trägerplatte) klappt prima – ein top Topcase. Für 295 Euro, zum Beispiel bei Polo (Tel. 02165/8440400, www.polo-motorrad.de).

MOTORRAD Urteil: sehr gut

Neben der ungeheuren Fertigungstiefe ist die top besetzte Entwicklungsabteilung ein besonderes Pfund, mit dem das Unternehmen wuchern kann: Von den 175 NAD-Mitarbeitern sind rund 40 damit beschäftigt, neue Produkte zu entwickeln und das bestehende Programm zu optimieren. Heraus kommen dann zum Beispiel ganz spezielle Heizsysteme für Motorradsitzbänke oder auch ausgefeilte Transportlösungen wie das höhenverstellbare Topcase. Diese Innovationsfreude lässt dann wiederum die Einkäufer der einschlägigen Motorradhersteller hellhörig werden, die bei der Beschaffung von OEM-Teilen („Original Equipment Manufacturer“, Erstausrüster) zwar immer erst mal auf den Preis schauen, denen aber natürlich auch an Top-Produkten gelegen ist. Man kann also relativ sicher sein, dass die NAD-Truppe auch weiterhin und unter anderem ziemlich viel „für den Arsch“ produzieren wird.

Zur Startseite
Motorräder Motorräder Neue Indian-Modelle Raven, Challenger und Renegade Erstes Bild zur neuen Indian Challenger gesichtet

Der amerikanische Motorradhersteller Indian hat sich die Namen „Raven“,...

Mehr zum Thema Sitzbank
Zubehör
Zubehör
Werkstatt
Zubehör