Shoei X-Spirit III mit selbsttönendem Visier Tobias Beyl
Shoei X-Spirit III mit selbsttönendem Visier
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Shoei X-Spirit III mit selbsttönendem Visier 9 Bilder

Shoei X-Spirit III mit selbsttönendem Visier

Praxistest für Sportfahrer und Lichtempfindliche

Der Shoei X-Spirit III überzeugt schon seit Jahren mit verstellbaren Polstern, großem Sichtfeld und guter Belüftung. Das selbsttönende Visier ist nun die Krönung. Wir haben Helm und Scheibe im Praxistest ausprobiert.

Ein Sporthelm ist puristisch und leicht – ausschließlich mit Doppel-D-Verschluss am Kinnriemen, ohne Sonnenblende, dafür mit Visierverriegelung und Pinlock-Vorbereitung. Oft sind die besonders sportlichen Modelle im oberen Preissegment angesiedelt. Das alles trifft auch auf den aktuellen Shoei X-Spirit III zu, vor allem wenn sich der Träger noch für ein Wunschdekor entscheidet. Im Falle des Testhelms heißt das Dekor „Brink TC-1“ und knallt gut sichtbar in Orange-Rot, Blau, Weiß und Gelb. In der Ausführung kostet der Shoei derzeit ab 759 Euro. Dafür bekommt man einen extrem hochwertigen, hervorragend verarbeiteten und aerodynamisch ausgereiften Helm. Besonders interessant (und noch teurer) wird die Kombination aus X-Spirit III mit dem selbsttönenden Visier CWR-1 für rund 190 Euro.

Selbsttönendes Visier

Sonnenblende? An einem Sporthelm undenkbar! Ausschließlich mit getöntem Visier unterwegs sein? Nicht immer optimal – vor allem wenns doch mal später wird oder anfängt zu regnen. Sonnenbrille unterm Helm? Nervt. Immer ein klares Visier mitnehmen? Braucht zu viel Platz. Viele sportliche Fahrer wünschen sich deshalb eine flexible Lösung, fernab einer schweren Sonnenblende. Ein selbsttönendes Visier könnte die Lösung sein.

Shoei X-Spirit III mit selbsttönendem Visier
Tobias Beyl
Je nach Intensität der Sonneneinstrahlung (UV-Licht) verdunkelt das Visier oder wird klarer. Besonders für Lichtempfindliche ist das selbsttönende Visier zu empfehlen.

„Transitions Optical“ heißt der Hersteller, der dieses Visier für die drei Shoei-Modelle X-Spirit III, NXR und RYD entwickelt hat. Je nach Intensität der Sonneneinstrahlung (UV-Licht) verdunkelt das Visier oder wird klarer. Wie lange der Wechsel dauert, ist auch temperaturabhängig: Die Moleküle im Visier bewegen sich umso schneller, je wärmer es ist. Für den Wechsel von klar bis maximal getönt gibt Shoei bei „gutem Wetter“ maximal 40 Sekunden an. „Eine halbe Minute – da fahr ich ja aus manchem Tunnel schon wieder ins Helle raus“, mag da der ein oder andere denken. Stimmt. Die Tönungen dazwischen reichen aber absolut aus, um innerhalb weniger Sekunden auch in dunkleren Abschnitten gut zu sehen.

Das Visier ist nicht nach der ECE R22/05-Norm homologiert, was streng genommen bedeutet, dass es auf der Rennstrecke, nicht aber auf öffentlichen Straßen gefahren werden darf. Eine Pinlockvorbereitung ist vorhanden.

Testbedingungen: Wir haben das selbsttönende Visier unter verschärften Bedingungen getestet: Bei nur 12 bis maximal 18 Grad Außentemperatur, bei Sonnenschein und auch dichter Bewölkung, bei hoch- sowie tiefstehender Sonne und außerdem auf Landstraßenabschnitten mit schnellem Wechsel zwischen hell und dunkel (Wald) sowie von der Dämmerung bis zum Sonnenuntergang.

Schlechte Sicht gabs zu keinem Zeitpunkt und auch ein zu langsamer Wechsel von dunkel auf hell, und umgekehrt, war nicht festzustellen. Im Gegenteil: Die Fahrerin musste ab und zu einen kurzen Blick in den Rückspiegel werfen, um zu überprüfen, welchen Tönungsgrad das Visier zu unterschiedlichen Zeitpunkten hat. Aus der Innensicht lautete das Urteil nämlich ausnahmslos: Gute Sicht, kein Zusammenkneifen der Augen, kein Blenden, aber auch keine zu dunkle Tönung bei Tunneldurchfahrten, Waldpassagen oder in der Dämmerung.

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Tobias Beyl
Die Regler am Kinn sind einfach zu bedienen, aber nach den ersten Kilometern noch nicht so einfach auseinanderzuhalten. Die Taste für die Wangenpolster-Belüftung ist etwas klein.

Da das Visier – bei diesen eher niedrigen Temperaturen – aber selten zu 100 Prozent klar geworden ist, eignet es sich weniger für Piloten, die enorme Sichtprobleme haben, sobald die Sonne mal nicht mehr ganz so hell scheint. Aber das werden eh nicht die Fahrer sein, die sich für ein getöntes oder selbsttönendes Visier interessieren. Für alle Lichtempfindlichen gilt: Wer sich den Luxus des selbsttönenden Visiers leisten möchte, wird mit einer flexiblen Lösung belohnt, die kein zusätzliches Gewicht bedeutet oder Platz im Tankrucksack benötigt.

Das wichtigste am Motorradhelm – die Passform

Der Shoei X-Spirit III bringt alle Voraussetzungen mit, um möglichst vielen Köpfen richtig gut zu passen: Für die Größen XS und S gibt es eine eigene Helmaußenschale, Größe M und L haben jeweils eine eigene Außenschale, XL und XXL teilen sich wieder eine Schale. Sollte der Helm auf einem Kopf dann doch nicht ganz optimal sitzen, lassen sich einzelne Polster auswechseln. Wem beispielsweise Größe M gut passt, an den Wangen aber doch zu viel Luft ist, der kann S oder XS-Polster einsetzen.

Je nach Geschmack und Sitzposition ist die komplette Innenpolsterung auch um vier Grad nach vorne bzw. nach hinten verschiebbar. Wer also seinen Helm gerne besonders tief in die Stirn zieht oder das Kinnteil lieber etwas höher platziert (kann hilfreich sein bei sehr sportlicher Sitzposition), kann die Polster beim X-Spirit III optimal dafür platzieren. Alle Polster sind außerdem herausnehm- und waschbar.

Kinnriemen: Der im Rennsport vorgeschriebene Doppel-D-Kinnriemen ist gut positioniert. Vor allem für Fahrer, die bei anderen Marken oder Modellen schon die Erfahrung gemacht haben, dass der Riemen weit hinten liegt und deshalb unangenehm auf den Kehlkopf drückt, dürften sich mit dem X-Spirit III schnell anfreunden.

Auf dem Kopf der Testerin sitzt der Helm einwandfrei. „Endlich ein Helm, der wie angegossen auf meinen Schädel passt.“ Die Tester-Kopfform ist an den Seiten schmal, das Gesicht oval und der Hinterkopf einigermaßen ausgeprägt. „Viele Helmpolster drücken mir besonders im Kieferbereich an einigen Stellen zu punktuell. Das wird spätestens nach 100 Kilometern unangenehm. Der X-Spirit III sitzt ziemlich stramm – soll er ja auch – drückt aber nicht an einzelnen Stellen, sondern liegt schön flächig auf.

Aerodynamik

Auf einer Yamaha MT-07 mit etwas höherer Tourenscheibe und bei Geschwindigkeiten über 120 km/h vernimmt die Testerin mit unterschiedlichsten Helmmodellen ein tiefes Brummen. Ohrstöpsel helfen da nur bedingt: Hohe und mittlere Frequenzen werden zwar wirksam gedämpft, bei tiefen Tönen jedoch bringen Stöpsel weniger, weil die Basswellen direkt am Kopf spürbar sind, ohne den Weg über den Gehörgang nehmen zu müssen. Der Shoei X-Spirit III bringt in diesem Fall Erleichterung, denn es gibt kein Dröhnen mehr unterm Helm. Auch Verwirbelungen sind kaum bis gar nicht zu spüren, weshalb der Helm – trotz Naked Bike und Kopf im Wind – federleicht wirkt. Dabei gehört er nicht zu den leichtesten Sporthelmen. 1.344 Gramm haben wir in Größe XS, mit Polster und Visier, gewogen.

Shoei X-Spirit III mit selbsttönendem Visier
Dina Dervisevic
Die verarbeiteten Materialien sind edel, wie beispielsweise die Alcantara-ähnliche Oberfläche am Sichtfeldausschnitt.

Shoei selbst gibt an, die Pendelneigung gegenüber dem Vorgängermodell, Dank neuen Luftleitflügeln im Heckspoiler, um 50 Prozent reduziert zu haben.

Verarbeitung

Wer sich schon mal in einem Motorrad-Zubehörshop die Frisur bei der Helmanprobe so richtig zerstört hat, dem ist womöglich aufgefallen, dass manche Helme – über sämtliche Preisklassen hinweg – einen unangenehmen Geruch verbreiten. Der Shoei X-Spirit III findet da das richtige Maß: Riecht so schön, wie ein Oberklasse-Neuwagen, aber eben nicht aufdringlich. Die verarbeiteten Materialien sind edel, wie beispielsweise die Alcantara-ähnliche Oberfläche am Sichtausschnitt, und an den Spaltmaßen hat jeder Pedant seine wahre Freude.

Funktionalität

Visier und Verriegelung: Rauf und runter klappen lässt sich das Visier mit Schmackes, dafür hält es dann stabil in sämtlichen Positionen. Verriegelt wird über einen kleinen Schieberegler vorne links. Auch hier ist etwas Kraft gefragt.

Bedienung: Die Regler am Kinn sind einfach zu bedienen, aber nach den ersten Kilometern noch nicht so einfach auseinanderzuhalten. Die beiden Schieber an Stirn und Oberkopf könnten etwas griffiger sein, da aber keine anderen Schalter in der Nähe sind, lassen sie sich trotzdem ordentlich bedienen.

Belüftung: Um individuell die optimale Belüftung einzustellen, gibt es zwei mögliche Öffnungen im Kinnbereich, eine an der Stirn und eine am Oberkopf. Insgesamt hat der Helm sechs Luftein- sowie sechs Luftauslässe. Die Belüftung selbst überzeugt: Die Testkilometer wurden ohne Pinlock gefahren. Hier reicht während der Fahrt die Öffnung der Wangenpolsterlüftung, um Visierbeschlagen zu verhindern. Besonders angenehm: Durch diese Art der Belüftung zieht kein Lüftchen direkt ins Gesicht, was besonders Kontaktlinsenträger und Fahrern mit trockenen Augen entgegenkommt. Die Belüftung läuft eher indirekt darüber, dass die Polster gekühlt werden.

Wer beim Ampelhalt dann den zweiten Schacht am Kinn öffnet, hat auch im Stand freie Sicht durchs Visier und bekommt die Luft direkt über das Kinnteil in den Helm. Die Kühlung über die Belüftungsöffnungen im oberen Bereich funktioniert tadellos – wie auch im unteren Bereich ohne, dass es punktuell an einer Stelle nervig zieht.

Sicherheits-Feature

Shoei X-Spirit III mit selbsttönendem Visier
Dina Dervisevic
Sicherheits-Feature: Nothelfer können an den beiden roten Riemen im unteren Bereich der Wangenpolster ziehen und die Polster so herauslösen. Danach lässt sich der Helm einfacher abziehen.

Für die einfachere Helmabnahme im Notfall, ist der X-Spirit II mit Shoeis Emergency Quick Release System (E.Q.R.S.) ausgestattet. Konkret bedeutet das: Nothelfer können an den beiden roten Riemen im unteren Bereich der Wangenpolster ziehen und die Polster so herauslösen. Danach lässt sich der Helm einfacher abziehen. Ein Hinweis darauf ist im unteren Bereich des Helms aufgedruckt.

Fazit

Der Shoei X-Spirit III überzeugt in der Praxis durch stabilen Sitz, großes Sichtfeld und tolle Belüftung. Vor allem die Wangenpolsterbelüftung ist wirksam, ohne dass es zugig wird unterm Helm. Die Schieber, um die einzelnen Belüftungsöffnungen zu steuern, könnten gerne etwas größer sein. Dafür sind Verarbeitung und verwendete Materialien spitzenmäßig und die herausnehmbaren Polster liegen schön flächig auf.

Das selbsttönende Visier ist besonders für lichtempfindliche Sportfahrer zu empfehlen, die keine Lust auf Visierwechseln oder einen Helm mit Sonnenblende haben. Auf unseren Testfahrten hat der Wechsel von getöntem Visier zu klarer Scheibe, und umgekehrt, anstandslos funktioniert.

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