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Harley-Davidson Low Rider 117 Fahrbericht Harley-Davidson
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Harley-Davidson Low Rider 117 Fahrbericht 23 Bilder

Harley-Davidson Low Rider 117 (2022) Fahrbericht

Harley-Davidson Low Rider ST im Fahrbericht Stylisch, reisetauglich, schräglagenfreundlich

Der fette 1.923 Kubik-V2, ehemals den teuren CVO-Modellen vorbehalten, feiert nun auch Einzug ins normale Harley-Programm. Wir sind ihn in der neuen Harley-Davidson Low Rider ST bereits in Spanien gefahren. Und wurden sehr überrascht.

Die gute Nachricht zuerst: In Kombination von Power, Tourentauglichkeit, Performance und Style ist die Harley-Davidson Low Rider ST fraglos das beste Bike, das Harley je gebaut hat. Aber der Reihe nach. Bereits die normale Low Rider S gilt in Insiderkreisen als Geheimtipp. Die Maschine ist cool, man sitzt lässig drauf und der Milwaukee-Eight-V2 mit 114 Kubikinch war bislang eine echte Bank. Jetzt setzen die Harleyaner noch einen obendrauf. Mit dem Hubraum-Update auf 117 Kubikinch (1.923 cm³) spendieren die Amis einigen Modellen den größten Motor, den sie jemals in ihren Serienbikes verbaut haben. Im Fall der Harley-Davidson Low Rider ST reden wir über einen Output von 106 PS bei 5.020/min und 168 Nm bei 3.500/min. Bringt man diese Werte ins Verhältnis zum Gewicht der Maschine – 347 Kilo – ist das im Vergleich zu modernen Superbikes natürlich eine Lachnummer. Doch Zahlen sind eins. Das Popometer-Gefühl etwas ganz anderes ...

Der Arbeitsplatz des Harley-Davidson Low Rider ST-Piloten ist gemütlich. Man sitzt lässig, der breite Lenker wird von zehn Zentimeter hohen Risern entgegengestreckt und er liegt gut in der Hand. Der Solositz ist komfortabel und im hinteren Teil hochgezogen. Hier kann sich der Fahrer beim Beschleunigen etwas abstützen. Alle Infos, egal ob Speed, Drehzahl, Temperatur, Uhrzeit oder ähnliches werden über ein winziges Display angezeigt, das in der Lenkerklemmung integriert ist und schon seit Jahren bei der Street Bob zum Einsatz kommt. Dadurch wirkt die mächtige, rahmenfeste Verkleidung noch opulenter, denn außer Plastik sieht man nichts. Dies könnte für manch einen ein optischer Kritikpunkt am Bike sein, denn der Fahrer wird sekündlich mit dem Interieur-Charme billig gemachter Autos konfrontiert. Wer es etwas hübscher und rockiger möchte, kann sich hier die werkseigene Audio-Anlage (1.290 Euro) oder ein Navi seiner Wahl einbauen. Platz ist genug vorhanden.

Harley-Davidson Low Rider ST hervorragend abgestimmt

Knopfdruck! Es ist immer ein mächtiges Erlebnis, wenn die Kurbelwelle beim Erwecken solch eines Hubraumriesens seine beiden Liter-Humpen durch die Kühltürme scheucht. Im Falle der neuen Harley-Davidson Low Rider ST reden wir über Kolben mit einem Durchmesser von 103,5 Millimeter. Das Hubraumplus von 55 cm³ mehr gegenüber dem 114er V2 wird durch eine 1,5 Millimeter größere Bohrung generiert. Die seilzugbetätigte Kupplung lässt sich gut dosieren. Hierzu sind auch keine schwarzenegger‘schen Unterarme nötig. Das typische "Klong" beim ersten Gang einlegen ist immer noch vorhanden. Und es gehört dazu.

Harley-Davidson Low Rider ST
Chopper/Cruiser

Bereits auf den ersten Kilometern verwöhnt die neue Harley-Davidson Low Rider ST fahrwerksseitig mit einem Komfort, den man bei Harley sonst nicht kennt. Hierfür sind zwei Faktoren verantwortlich. Zum einen ist die Abstimmung von Gabel und Federbein hervorragend gelungen. Beide Federelemente sprechen sensibel an und dämpfen ausgesprochen gut. Selbst beim harten Bremsen geht die Gabel nicht auf Block. Zum anderen hat sich die Company endlich dazu durchgerungen, den Federweg zu vergrößern. Bei der ST stehen vorn 130 und hinten jetzt sogar 137 Millimeter zur Verfügung. Dadurch wächst die Sitzhöhe der Harley-Davidson Low Rider ST von ehemals 690 mm (Low Rider S) auf 720 mm. Keine Bange, die Maschine darf sich dennoch LOW Rider nennen. Nach kurzer Fahrt über kleine Straßen, die mit ihren Winternarben und Schlaglöchern optimal als Teststrecke fürs Fahrwerk herhalten, gelangt man auf guten Asphalt Richtung spanische Küste, es sind weite Radien, gut einsehbare Kehren, optimales Revier fürs Kurvenräubern.

Keine Traktionskontrolle und Nässe-taugliche Reifen

Und das kann die neue Harley-Davidson Low Rider ST hervorragend. Das längere Federbein sorgt ebenfalls für größere Schräglagenfreiheit. An dieser Stelle ist Zeit für ein Marketing-Gag der Company: Angeblich sind die Koffer – übrigens baugleich mit denen der Sport Glide – recht hoch am Fahrzeug montiert, um die Schräglagenfreiheit zu erhöhen. Aha! Selbst wenn sie zehn Zentimeter tiefer säßen, müsste man schon sehr, sehr schräg fahren, damit die Plastikschalen vom Asphalt weggeraspelt würden. Wurscht! Die Position der Koffer erinnert stark an die der Performance-Bagger, mit denen die Amis gerade eine Rennserie bestreiten. Sie sehen lässig aus, der Stauraum beträgt 54 Liter. Einmal in Fahrt ist das Gewicht der Harley-Davidson Low Rider ST kaum spürbar. Trotz ihrer 327 Kilo lässt sich die Maschine lässig von einer in die andere Schräglage swingen. Sie wirkt ungemein gut ausbalanciert. Die vergleichsweise schmalen Reifen (100/90-19 vorn und 180/70-16 hinten) lenken fast widerstandslos ein und funktionieren im Trockenen ohne Makel. Allerdings mag der werksseitig montierte Michelin Scorcher 31 keine Nässe. Und hier sind wir beim einzigen, echten Kritikpunkt des Bikes. Hier trifft absolut miese Nasshaftung auf ein gigantisches Drehmoment. Und zwar ohne Traktionskontrolle. Das ist eine sträfliche Vernachlässigung seitens der Company. Die Technologie ist längst vorhanden. Harley gönnt sie seinen Tourern und sogar dem Einsteigerbike Nightster, das mit seinen 975 Kubik fast nur die Hälfte des Drehmomentberges einer Low Rider ST generiert. Leute, wacht auf! Hier muss eine Traktionskontrolle her!

Vor allem, weil der 117er echt Druck hat. Und zwar in allen Lebenslagen. Obwohl sein Wohlfühlbereich irgendwo zwischen 2.000 und 3.000 Touren liegt. Selbst wenn man es richtig kranchen lässt, und sich von Kurve zu Kurve katapultiert, sind nie Drehzahlen oberhalb von 4.500/min nötig. So muss Harleyfahren sein. Darüber hinaus produziert der 117er tatsächliche Good Vibrations und erfüllt damit fast alle Klischees ohne große Abstriche zu machen. Auch die Bremsen, zumindest die beiden 300er vorn, arbeiten sehr zufriedenstellend, lassen sich gut dosieren und sind standfest. Bei der hinteren ist noch Luft nach oben, sie könnte mehr Biss gebrauchen.

Fazit

Mit der Harley-Davidson Low Rider ST hat Harley fast alles richtig gemacht. Sie ist stylisch, wandelbar, reisetauglich, schräglagenfreundlich, kraftvoll, dynamisch, sportlich und sogar komfortabel. In der Harley-Range könnte man sie sogar als das Bike mit dem besten Preis-Leistungsverhältnis betiteln. Natürlich sind 21.595 Euro kein Pappenstil. Aber der Gegenwert ist grandios. Nun zur schlechten Nachricht: Das Bike ist dieses Jahr bis Oktober leider schon ausverkauft!

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