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Fahrbericht Ducati Multistrada V2 2022 Ducati
Fahrbericht Ducati Multistrada V2 2022
Fahrbericht Ducati Multistrada V2 2022
Fahrbericht Ducati Multistrada V2 2022
Fahrbericht Ducati Multistrada V2 2022 22 Bilder

Multistrada V2 S (2022) im Fahrbericht

Multistrada V2 S im Fahrbericht Kleine Multi, große Reise

Aus der Multistrada 950 S wird die Multistrada V2 S. MOTORRAD hat die neue kleine Multi in der Touring-Variante schon ausgiebig getestet.

Ducati überarbeitet die "kleine" Multistrada und verpasst ihr dazu auch gleich einen neuen Namen. Was bei den supersportlichen Panigale-Schwestern längst geschehen ist, wird nun auch bei den Reiseenduros vollstreckt – an die Seite der V4 tritt die Ducati Multistrada V2. Die Änderung der Modellbezeichnung (bisher schmückte der Zusatz "950" die V2-Multistrada) ist auch gleichzeitig die auffälligste Änderung zum Modelljahr 2022. Technisch und optisch standen gezielte Detailverbesserungen im Lastenheft der Bologneser Ingenieure und keine grundlegende Neukonstruktion der Multistrada. Wie diese Verbesserungen sich in der Praxis auswirken, konnte MOTORRAD auf einer zweitägigen Reise durch die Toskana mit der edlen "S"-Version der neuen Multistrada V2 testen.

Technische Neuerungen an der V2-Multi

Die Multistrada 950 war bis zuletzt in ihrer Klasse eine Macht und auch bei der Ausstattung fehlte es an nichts. Semiaktives Fahrwerk, Quickshifter mit Blipperfunktion, 6-Achsen-IMU von Bosch für das Kurven-ABS, Berganfahrhilfe und LED-Kurvenlicht gehörten beispielsweise längst zur Ausstattung der Ducati Multistrada 950 mit dem Zusatz "S". Man könnte sagen: Es war längst alles an Bord, was eine Reiseenduro in dieser Klasse bieten sollte. Natürlich ist das auch bei der Nachfolgerin, der Multistrada V2, nicht anders. Statt der Basisversion steht eine Ducati Multistrada V2 S zur Testreise durch die Toskana bereit, serienmäßig bestückt mit eben jenen Features plus dem Touring-Paket, das Seitenkoffer, Heizgriffe und einen Hauptständer beinhaltet.

Das Gewicht wurde um ganze fünf Kilogramm reduziert, sodass die Multistrada V2 S nun trocken gerade mal 202 Kilogramm (Die Basisversion gar nur 199 Kilogramm) auf die Waage bringen soll. Wo gespart wurde? Zuallererst am und im Motor und dessen Peripherie. Der nach wie vor aus 937 Kubikzentimetern 113 PS leistende 90-Grad-V-Twin wurde nicht nur über die Euro-5-Hürde bugsiert, sondern bekam dazu auch eine überarbeitete Schaltbox samt Kupplung. Damit soll der Leerlauf leichter reinflutschen und laut Ducati inklusive des neuen Kupplungsdeckels 1,87 Kilogramm Gewicht eingespart werden. Im Motor selbst erleichterte man in Bologna zudem die Pleuel und 170 Gramm. Weitere 1,7 Kilo Ersparnis gehen auf das Konto der aus der Multistrada V4 übernommenen Felgen (nach wie vor vorne 19 Zoll und hinten 17 Zoll), 700 Gramm sparen die ebenfalls der großen Schwester entnommenen Spiegel und 500 Gramm die vorderen Bremsscheiben.

Neue, aber bekannte Ergonomie

Besonderen Wert legte Ducati ebenfalls auf die Zugänglichkeit der Multistrada V2 für Fahrerinnen und Fahrer mit geringerer Körpergröße als der Durchschnitts-1,80-Meter-Biker. So wurde die Standardsitzhöhe um 10 auf 830 Millimeter reduziert und die Sitzbank zudem schmaler ausgeführt (optional ist ein nochmals 20 Millimeter niedrigerer Sitz erhältlich und auch das Fahrwerk lässt sich um weitere 20 Millimeter absenken). Auch die neuen Fußrasten mit dünnerem Gummipuffer liegen 10 Millimeter tiefer und der Lenker ist gewohnt breit – insgesamt fühlt sich die Sitzposition kaum anders an als auf der bekannten Multistrada 950.

Ducati Multistrada V2 2022
Die Standardsitzhöhe wurde um 10 auf 830 mm reduziert und die Sitzbank schmaler ausgeführt. Optional ist ein nochmals 20 mm niedrigerer Sitz erhältlich.

Motor der Multistrada V2 S

Im Stand brummt die Multistrada V2 S ruhig vor sich hin. Mit im Vergleich zum Vorgängermodell merklich weniger mechanischen Nebengeräuschen setzt sie sich in Bewegung. Die nun mit acht Reibscheiben ausgestattete Kupplung rückt mit etwas Handkraft präzise ein, beim ersten Kaltstart sogar ohne Rupfen. Der überarbeitete Motor läuft dazu schon ab Standgas ruhig, schüttelt sich auch beim Beschleunigen nur unterhalb von 3.000/min spürbar. Darüber verwöhnt die Ducati Multistrada V2 mit guter Laufkultur. Zwar büßte der Twin zwei Newtonmeter Drehmoment im Vergleich zum Euro-4-Modell ein, dafür sollen die maximalen 94 Newtonmeter jetzt schon bei 6.750/min statt bei vormals 7.750/min anliegen. Ob das tatsächlich stimmt, wird der MOTORRAD-Prüfstand bald aufdecken, bis dahin bleibt der erste Eindruck: Ganz unten scheint die Multi V2 etwas Bulligkeit eingebüßt zu haben, dafür fühlt sie sich in mittleren Drehzahlen noch mindestens genauso wohl. Und sie will drehen. Wer den Schieber festhält, entdeckt oberhalb von 7.000/min einen Bereich, in dem der Motor supersportlichen Ehrgeiz zeigt und sich bis 9.000/min zu steigern vermag. Die V2-Multi hat beides: Druck und Drehfreude – und von beidem genug.

In den vier individuell einstellbaren Fahrmodi (Urban, Touring, Sport und Enduro) wird der Twin dabei mehr oder weniger von der Elektronik eingebremst. Ohne weitere Justage geht die Ducati Multistrada V2 im "Urban"-Modus moderat zu Werke, während bei gewählter Konfiguration "Sport" schon ein kleiner Dreh am Gasgriff viel Power freigibt. Gasannahme und Lastwechselverhalten liegen in allen Modi auf sehr hohem Niveau, nur ein minimaler Ruck ist ab mittleren Drehzahlen spürbar.

Stabil und agil

Das Handling der Multistrada V2 S dürfte auch in künftigen Vergleichstests sehr viele Punkte sammeln. Handlich klappt die kleine Multi in Schräglage und folgt der Linie treu. Enge Radien mag sie besonders gerne und gibt sich Befehlen zur Kurskorrektur über den breiten Lenker hier wie auch bei weiteren Bögen und höheren Geschwindigkeiten willig hin. Ob die leichteren Räder einen erfahrbaren Vorteil beim Handling bieten, muss der Multistrada-Alt-Neu-Vergleich erst noch beweisen.

Fahrbericht Ducati Multistrada V2 2022
Ducati

Das unveränderte semiaktive Fahrwerk (von Ducati "Skyhook" genannt) macht sowohl im Attacke- als auch im Cruise-Modus eine gute Figur. Es lässt sich an die Fahrmodi gekoppelt feinjustieren und deckt einen breiten Bereich ab. So schwingt die Ducati Multistrada V2 im Urban-Setting beispielsweise auf der Landstraße über Bodenwellen merklich nach, bietet dafür viel Komfort. Im Touring-Setting wird’s schon stabiler, aber kaum weniger komfortabel und das Sport-Setting bietet für die schnelle Hausstreckenrunde standardmäßig eine straffe Dämpfungsabstimmung. Dank gutem Ansprechverhalten nehmen sowohl Federbein als auch Gabel harte Schläge in jedem Setting zuverlässig auf.

Bremse und Reifen

Selbst über grobe Unebenheiten verzögert die Ducati Multistrada V2 S sicher. Das schräglagensensible ABS (in 3 Stufen einstellbar) regelt in feinen Intervallen, was bei der Präsentation vor allem auf den morgens noch nassen Straßen positiv auffiel. Wie auch der Grip der Pirelli Scorpion Trail 2 Reifen, die der Elektronik nur beim beherzten Griff in den Hebel Anlass zum Eingreifen geben. Auf trockener Piste geben sie in Schräglage ein sehr vertrauenerweckendes Anlehngefühl, beim Beschleunigen viel Traktion und beim Verzögern viel Haftung. Über die initial ordentlich zupackende Brembo-Bremsanlage lässt sich die Multistrada V2 S – wenn auch mit etwas Handkraft – auf den Punkt stoppen.

Reisetauglichkeit: Plus- und Minuspunkte

Während kürzerer Schnellstraßenetappen fiel besonders die Höhenverstellung der recht üppigen Scheibe positiv auf. Mit einer Hand lässt sie sich in wenigen Sekunden stufenlos verschieben. Ein weiterer Pluspunkt: Der Soziusplatz fällt üppig und komfortabel aus, was die Multistrada V2 S auch zur Reisemaschine für zwei Personen qualifiziert. Das 5-Zoll-TFT-Display lässt sich bei allen Lichtverhältnissen wunderbar ablesen.

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Ducati

Die Koffer des Touring-Pakets hinterlassen einen positiven und einen negativen Eindruck: Mit viel Stauraum (Reisegepäck samt 17-Zoll-Notebook finden locker Platz), aber einem hakeligen Schloss. Ähnlich hakelig wie die Blipperfunktion des Quickshifters. Nach wie vor wechselt der die Gänge nicht unabhängig vom Lastzustand und kupplungsfreies Herunterschalten fordert hin und wieder immer mehr Kraft bis zum beherzten Tritt auf den Schalthebel.

Fazit

Die Multistrada V2 S ist eine würdige Nachfolgerin der hochgelobten Multistrada 950 S. Mit nahezu identischer Ausstattung, dafür jetzt mit Euro-5-Homologation, leichter und in vielen Details verbessert, wird die Multi in den Vergleichstests wieder ganz vorne mitmischen. Wir freuen uns drauf.

Ducati Multistrada V2
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