Triumph Tiger 900 Rally Pro Dauertest Thomas Schmieder

Triumph Tiger 900 Rally Pro im 50.000-km-Dauertest

Triumph Tiger 900 Rally Pro im 50.000-km-Dauertest Optisch adrette, opulent ausgestattete Reiseenduro

Die schicke Triumph Tiger 900 Rally Pro Modelljahr 2021 wird im Dauertest 50.000 Kilometer unter die Räder nehmen. Hier erfahrt ihr immer aktuell, was es zu ihr aus dem Dauertest zu vermelden gibt.

Die optisch adrette und opulent ausgestattete Reise-Enduro Triumph Tiger 900 Rally Pro bereichert ab Juni 2021 den MOTORRAD-Dauertest-Fuhrpark als toller Tourer.

Bevor der Dreizylinder aber endgültig in den Redaktionsalltag entlassen wird, muss er sich noch auf dem Prüfstand messen lassen. Danach folgen noch die Eingangsmessung sowie die Verplombung des Motors und eine Kompressionsmessung. Ungefähr bei 25.000 km veröffentlicht MOTORRAD dann eine Dauertest-Zwischenbilanz; nach 50.000 Kilometern folgen Abschlussmessungen, bevor der Motor der Triumph zerlegt und begutachtet wird.

Triumph Tiger 900 Rally Pro Dauertest
Thomas Schmieder
Die Katze sorgte bereits für ordentlich Thrill in der Redaktion.

Kilometer 5.788 und 6.729, 6/2021

Mehr als lästig, fast schon gefährlich: Bereits zweimal ging der Triple unvermittelt auf der Autobahn aus. Einmal machte Rainer Froberg vom MOTORRAD action team diese unliebsame Erfahrung. Nach einer Baustelle ging der Motor beim Gas-wieder-aufreißen unvermittelt aus: "mit einem lauten mechanischen Schlag und Klackgeräusch ging mitten auf der linken Spur plötzlich nichts mehr." Immerhin ging die Bord-Elektrik noch, Rainer konnte sich blinkenderweise auf den Standstreifen vorkämpfen. Nachdem es kein "Lichteinfall im Motorgehäuse", also keinen von außen sichtbaren Motorschaden gab, schaltete Rainer die Zündung einmal aus und wieder an, worauf der Triple sofort ansprang. Auch Chefredakteur Uwe Seitz machte eine ähnliche Erfahrung.

Doch im Fehlerspeicher war nichts hinterlegt. Auch alle Sensoren arbeiten so, wie sie sollen. Wir schauen also genau hin, wie es weiter geht. Und freuen uns auf tolle Touren mit dem oder der Tiger. Denn dort kann er/sie die Stärken Komfort, Ausstattung und große Reichweite am besten ausspielen.

Die ersten Kilometer, die erste Reise

Höchstes Ausstattungsniveau kennzeichnet die Reise-Enduro mit 888-Kubik-Triple. Was alles serienmäßig an Bord ist? Viel, verdammt viel: beheizte Sitze und Heizgriffe, 7-Zoll-TFT-Display, Schaltassistent, beleuchtete Schalter, elektrisch verstellbares Fahrwerk, sechs verschiedene Fahrmodi, Motorschutzbügel, Aluminium-Ölwannenschutz, Hauptständer, Reifendruck-Überwachungssystem, Zusatzscheinwerfer, Kurven-ABS und, und, und. Damit, und mit ihrer schicken Aura (grüner Lack im Kontrast mit weiß lackiertem Haupt-Rahmen), konnte die Tiger 900 bereits auf einer Tour nach Sardinien punkten. Claudia Werel und Markus Biebricher waren auf der Suche nach guten Reportagen für unser Reise-Magazin "Ride".

Was sie dabei auf der Triumph vorfanden? Bequeme Sitze und ein komfortables Fahrwerk: "stabil, aber nicht sehr handlich." Dazu "ein weich zu schaltendes Getriebe und schön dosierbare Kupplung wie Bremsen." Doch es gibt auch Kritikpunkte, etwa an der passiven Sitzposition: "Der Lenker liegt für dynamischen, vorderradorientierten Kurvenswing zu weit weg." Außerdem baut der Rohrrahmen eher breit, spreizt die Beine ziemlich. Und an der Kupplungsglocke ist der hippe Kunststoff-Protektor dem rechten Unterschenkel im Weg. Vor allem aber fühlt sich die Tiger schwerer an, als sie es tatsächlich ist. Das sind real 234 Kilogramm, plus elf Kilogramm für die beiden Alu-Koffer. Das ist alles nicht übermäßig viel. Trotzdem wirkt die Triumph Tiger 900 Rally Pro fahrerisch immer ein wenig behäbig.

Unbedingt andere Reifen ausprobieren

Nur mal zum Vergleich: Unsere Dauertest-Yamaha 700 Ténéré wiegt mit Motorschutz, Hauptständer, 221 Kilogramm, fährt jedoch um Welten leichtfüßiger als die Tiger 900. Inwiefern die Reifen ihren Anteil am trägen Handling haben, müsen wir mit anderen Reifen-Fabrikaten noch ausfahren. Derzeit rollt die 900er noch auf den serienmäßigen Straßen-Enduro-Reifen Bridgestone Battlax A41. Wir sind gespannt, ob Contis oder Metzeler, Michelins oder Pirellis die Triumph handlicher machen werden. Immerhin bleibt die Tiger mit den Bridgestones auch auf der Autobahn bockstabil, bis hin zur Vmax 195 km/h, ganz sanft eingebremst vom Ride-by-wire, dass bei Topspeed einfach nicht volle 90 Grad Öffnungswinkel der Drosselklappen freigibt.

Der Triple zieht zwar tapfer aus bei tieferen Drehzahlen. Doch "er vibriert ab 5.000 Touren spürbar, aber kickt und rockt nicht" steht im Fahrtenbuch. Nanu? Generell gelten die Dreizylinder von Triumph und Yamaha plus die von MV Agusta, doch als hochemotionale Antriebe. Nun, den knurrig klingenden 900er-Drilling hat Triumph anders konstruiert als sämtliche Triple-Schwestern: Der Hubzapfenversatz beträgt bei der Tiger 90-90-180 Grad statt der sonst üblichen dreimal 120 Grad. Das erklärt derbere Vibrationen und zäheres, nicht ganz so turbinenhaft-lockeres Ausdrehen.

Kühler-Splitting à la R 1250 GS

Neu ist gegenüber dem 800er-Vorgänger auch die Einbaulage des Motors. Er rutschte etwas nach vorne. Dies ermöglicht eine neue Kühler-Konstruktion: Statt eines großen einteiligen Radiators verwendet die Tiger 900 zwei kleinere, zu den Seiten versetzte Kühler. Dieses "Kühler-Splitting" à la BMW R 1250 GS soll Gewicht sparen und die Hitzeabstrahlung für den Fahrer reduzieren. Aber, mit Verlaub, letzteres gelingt nicht wirklich: "Der Windschutz ist zwar toll," schrieb MOTORRAD-Chefredakteur Uwe Seitz der Triumph Tiger 900 Rally Pro ins Fahrtenbuch. "Doch heiße Abluft vom Motor wird auch bei höheren Geschwindigkeiten so gut wie keine abgeführt". Uwe fühlte sich im subtropischen Sommer "wie auf einem Grill."

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