MV Agusta Rush 1000 Fahrbericht MV Agusta
MV Agusta Rush 1000 Fahrbericht
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MV Agusta Rush 1000 Fahrbericht 18 Bilder

MV Agusta Rush 1000 Fahrbericht

MV Agusta Rush 1000 Fahrbericht Zwischen Café Racer, Superbike und Top- Fuel-Dragster

In Varese durften wir die limitierte und in der 2020er-Marge bereits ausverkaufte Rush 1000 fahren. 2021 brachte die Motorradmanufaktur aber weitere 300 Exemplare der speziellen Maschine. Hält die Performance, was die krasse Optik verspricht?

Es braucht einige Momente der konzentrierten Betrachtung, um eine Idee davon zu erhalten, was dieses Motorrad sein möchte. Schließen Sie die Augen und lassen Sie sich folgende Informationsfetzen auf der Zunge zergehen: "208 PS", "über 300 km/h schnell", "unverkleidet", "Rundscheinwerfer" und "Alu-Speichenrad". Die meisten Gehirne basteln daraus garantiert das Bild eines ungewöhnlichen, retro-futuristischen Motorrads zusammen. So ist es tatsächlich: Wenn man vor der Rush 1000 steht, entfährt einem unweigerlich ein leise gemurmeltes "crazy!".

MV Agusta Rush für 34.000 Euro

Stilistisch irgendwo zwischen Café Racer, Superbike und amerikanischem Top- Fuel-Dragster angesiedelt, gibt es einfach nichts Vergleichbares. Sicherlich spricht diese Maschine weder den Durchschnittsfahrer noch den Durchschnittsverdiener an – die Rush kostet 34.000 Euro. Die Rush entspricht auch nicht unbedingt der Kategorie Fahrzeug, mit der man jeden Tag zur Arbeit pendelt, mit der hier installierten Racing-Auspuffanlage schon gar nicht. Sie ist ein avantgardistischer Brenner für die besonderen Momente im Leben auf zwei Rädern, und gerade deshalb stellt sich die Frage nach den fahrerischen Qualitäten der MV mit vorherrschender Dringlichkeit: Hält die Performance, was die krasse Optik verspricht?

MV Agusta Rush 1000 Fahrbericht
MV Agusta
MV Agusta spricht über die eigenen Motorräder gerne von Motorcycle Art. Das dürfen sie auch – wer sonst beschert solche Heckansichten?

Vom MV-Agusta-Werksgelände kämpfen wir uns zunächst gemeinsam mit MV-Cheftechniker Brian Gillen quer durch die Rushhour im norditalienischen Varese. Wenige Minuten darauf folgt schon kurviges Gefilde. Nahe Brinzio im Naturpark Campo dei Fiori erlauben die griffigen und leeren Straßen einen flotten Strich und tiefe Schräglagen. Der erste Eindruck hinterlässt im positiven Sinne Erstaunen, denn die Rush 1000 fährt unerwartet neutral, macht durch ihre Spritzigkeit tierisch Laune und stimuliert nicht zuletzt durch ihren kribbelig-aufregenden Sound im Stil klassischer Ferrari-Motoren die Sinne.

Rush Euro-garnichts-Konfiguration

So ein bisschen F40 steckt nach wie vor in den MV-Vierzylindern. Vor allem das vergleichsweise geschmeidige Kurvenfahrverhalten der Rush beschert uns aber Stirnrunzeln. Denn streng genommen handelt es sich bei der Rush 1000 "nur" um eine Brutale 1000 RR mit veränderter Optik. Motor, Elektronik, das Fahrwerk und Chassis inklusive Radstand, Nachlauf und Sitzhöhe sind laut Hersteller identisch. Auch dass die Rush 1000 im dichten Verkehr erstaunlich folgsam am elektronischen Gas hängt, kennen wir so von der im technischen Kern baugleichen Brutale 1000 RR nicht.

Hand aufs Herz: Das Ansprechverhalten der Rush spielt immer noch nicht in der Topliga, aber es ist gut genug! Sogar aus den ganz engen Ecken heraus lässt sich der handliche Dragster-Café-Racer ziemlich sauber ans Gas nehmen und hebt beim Durchbeschleunigen sachte das Vorderrad. Zwar zeigt sich der Radial-Vierventiler nicht besonders durchzugsstark und spurtet erst spät, rund um 8.000/min, richtig los. Doch zündet der Antrieb ab dieser Marke erfrischend spontan und stürmt wie entfesselt bis in den Bereich weit über 13.000 Touren. Die Rush schwungvoll über ebenen Asphalt zu scheuchen ist ein intensives Erlebnis – Motorrad fahren ohne Filter, Fahrspaß pur: Kurve anvisiert, Maschine abgeklappt, Scheitel getroffenund ab dafür! Kommen dann aber größere Wellen oder gar Asphaltaufbrüche ins Spiel, offenbart das elektronische Öhlins-Fahrwerk (kein semiaktives System, aber elektronisch einstellbar) seinen beinharten Grundcharakter. In der bestens asphaltierten Fotokurve liegt die Rush dafür sagenhaft und lädt dazu ein, dicke schwarze Striche am Kurvenausgang zu malen. Auch Schaltautomat und Blipper arbeiten übrigens klasse – ohne elektronische Unterstützung schaltet das Getriebe dafür etwas harsch.

Selbst Brian Gillen kann sich keinen Reim darauf machen, warum unsere Test-Brutale 1000 RR viel sperriger fuhr. Klar ist aber, dass Drehfreude und sauberes Ansprechverhalten der Komplettanlage zuzuschreiben sind: Käufer einer Rush 1000 erhalten zum Motorrad ein Racing-Kit mit SC-Project-Auspuff plus speziellem Steuergerät. Mit dieser Euro-garnichts-Konfiguration funktioniert die Maschine natürlich. Viel schöner ist es aber, wenn auch die Abgas- und Geräuschvorschriften eingehalten werden so wie bei der 2021er-Rush.

Fazit

Die Nummer mit der Racing-Anlage plus Steuergerät war ein Taschenspielertrick. Sicherlich hätte die exzentrische Rush in Serienkonfiguration nicht so toll funktioniert! MV Agusta stellt mit den kommenden Euro-5-Bikes aber generell große technische Verbesserungen in Aussicht. Sogar voll straßenzugelassen und mit Originalauspuff.

MV Agusta Brutale 1000 RR
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