Yamaha MT-07: MY 2021 und Vorgängerin im Vergleich

Yamaha MT-07 alt gegen neu MY 2021 und Vorgängerin 2020 im Vergleich

Im Zuge der Modellpflege 2021 hat Yamaha merklich Hand angelegt an die MT-07. Wie sehr, das zeigt ein Vergleich der 2021er-MT-07 mit der Vorgängerin.

Yamaha MT-07 alt/neu Vergleichstest Jörg Künstle
Yamaha MT-07 alt/neu Vergleichstest
Yamaha MT-07 alt/neu Vergleichstest
Yamaha MT-07 alt/neu Vergleichstest
Yamaha MT-07 alt/neu Vergleichstest 25 Bilder

Jede fünfte 2020 in Europa verkaufte Yamaha war eine MT-07. Von allen seit 2013 verkauften MTs in Europa macht sie gar über 50 Prozent aus. Seit die Modellreihe 2013 relauncht wurde überzeugt sie mit unbestreitbaren inneren Qualitäten: Quirliges Handling, starker Motor, ungewohnt wertige Machart. Alles kombiniert mit Gewicht, Ausmaßen und Preisschild, das deutlich mehr Fahrer und Fahrerinnen ein- als ausschließt. Allzu viel Handlungsbedarf zur Modellpflege bestand also nicht, aber wie es bei Verkaufsschlagern so ist, werden diese selten umfassend, ­dafür aber regelmäßig aufgefrischt.

Zum Modelljahr 2021 haben die Japaner endlich das weitverbreitete Flehen nach einem Lenker erhört, der sich nicht nur auf einem Fahrrad, sondern auch auf einem ausgewachsenen Motorrad gut macht. Die Hände greifen nun 32 Millimeter weiter in die Breite und auch etwas höher, was sich auf Anhieb souveräner und erwachsener anfühlt. Klar, die schwindsüchtig leichte Yamaha war auch ohne diesen Extrahebel bereits äußerst beweglich, aber fürs Feeling sind die Extrazentimeter ein unschätzbarer Vorteil. Da kann der schmale und merkwürdig schubkarrenmäßig ­geformte Lenker der bisherigen MT-07 nicht mithalten.

Yamaha MT-07 ab 2021 mit neuer Ergonomie

Auch der neu konturierte Tank und der etwas weichere Sitz tragen zum Instant-Wohlfühlplus bei. Eine schöne Kombination aus Souverän und Komfortabel ergibt sich da im Vergleich zur ­bisherigen MT. Nur der gerade bei Einsteigern – ein sicher nicht kleiner Teil der Zielgruppe – unfreiwillig beliebte "Umfaller im Stand" empfiehlt sich nun noch etwas weniger als ohnehin schon. Die exponierten Lufthutzen sind neuerdings nämlich in die Tankverkleidung integriert, was den Ersatz wohl nicht günstiger machen wird. Immerhin sind sie kein heute so beliebter Fake, sondern tatsächlich funktional und führen der neu gestalteten Airbox Atemluft zu. Die nun motornäher positionierte "Kat-Bombe" – eine charmantere Formulierung fällt wahrlich schwer – in der neuen Krümmerführung und die überarbeitete Motorelektronik sind weitere der vielen kleinen Maßnahmen, um den Twin Euro-5-tauglich zu machen. In der weiteren stationären Annäherung an den Drehmomentmeister 2.0 lassen sich abseits von Kosmetik (invers belichtetes Cockpit, serienmäßige LED-Blinker oder auf MT-09-­Niveau angewachsene Bremsscheiben (von 282 auf 298 Millimeter)) auch mit Argusaugen kaum Unterschiede feststellen.

Kawasaki Z 650 Triumph Trident 660 Yamaha MT-07 Test
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Auch fahrend hat die neue Ergonomie für die obere Körperhälfte Vorteile. Während man sich mit knapp 1,80 Metern und stabilem Kreuz auf der bisherigen MT-07 immer … nun ja, einen Tick zu stabil vorkam, spürt man auf der aktuellen Generation keinen latenten Druck mehr, abzuspecken. Man muss sich sowohl nach vorne als auch in die Breite weniger zusammenfalten, was die ganze Angelegenheit spürbar komfortabler macht. Der breitere Lenker steigert das ­Kontrollgefühl und die Lenkpräzision, was sie gleichzeitig dynamischer macht. Gute Kombi.

Dämpfung arbeitet nun progressiver

Passend zum etwas weicheren Polster der 2021er-Yamaha MT-07 arbeiten auch die Federelemente nun mit neuer Eleganz. Die Kayaba-Hardware blieb die gleiche, die Dämpfung wurde aber neu ab­gestimmt. Nicht in weltbewegendem Ausmaß, aber im direkten Vergleich gut spürbar. Nun litt die letzte MT-07 nicht wirklich an einem zu soften Fahrwerk, eher wurde es im Laufe der Evolution zu einer knapp ausreichenden Verbindlichkeit hingestrafft. Doch wo MT 1.0 vor allem am Heck recht ungeniert über kurze Verwerfungen holzt, geht es auf MT 2.0 etwas sanfter vonstatten. Der allgemeine Härtelevel fühlt sich gleich an, die Dämpfung scheint aber nun progressiver zu arbeiten, ergo auf den ersten Millimetern sensibler anzusprechen.

Einen Tick sensibler reagiert seit der 2021er-Yamaha MT-07 auch der nach wie vor famose Reihentwin auf Gasbefehle, was den Umgang mit diesem an sich schon pflegeleichten Motor noch ein wenig angenehmer macht. Als wäre der viel zitierte, genau richtig dosierte Tropfen Öl auf die Seilzugmechanik zwischen Gasgriff und Drosselklappe ­gestreichelt worden. Damit ist die einzige echte Schwäche des Antriebs zwar nach wie vor nicht beseitigt, aber zumindest spürbar abgemildert. Ganz ruckfrei lässt der Motor sich aber immer noch nicht an die Kandare nehmen. Die zwei PS weniger auf dem Papier? Bleiben genau dort, denn auf dem Prüfstand drückt die Neue zu keiner Zeit schwächer als die Alte, überflügelt sie gar minimal. Heißt: Auf ­beiden Yamaha MT-07 spielt der kleine Zweizylinder in dieser Klasse konkurrenzlos schwerelos mit der Physik. Beispiel gefällig? Mir ist kein anderes Motorrad in dieser Leistungsklasse ­bekannt, das im zweiten Gang durch bloßes Gasaufreißen willig die Front gen Himmel streckt, auf Wunsch bis hin zum Beinahe-Überschlag. So bärig drückt es in der Mitte. Und davor. Und danach. Der kernig tönende Twin ist ein Lehrstück in Sachen Band und Linearität und läuft dabei mechanisch sehr kultiviert. Einfacher lässt sich so viel Kraft nicht einsetzen, zumindest im Reigen der kleinen Naked Bikes, und genau das war und ist ein ganz großer Trumpf der Yamaha MT-07. Dass der Motor im Euro-5-Trimm sogar noch ein My sparsamer ist als bisher, ist dabei sicherlich nicht kriegsentscheidend, soll aber eine ­lobende Erwähnung finden.

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Getriebe weiterhin rustikal

Loblose Erwähnung bekommt das Getriebe, dessen man sich in Japan zwar angenommen haben will, das aber nach wie vor etwas rustikal zu Werke geht. Zumindest bei unserer Test-Yamaha MT-07. Die Exemplare auf der Fahrpräsentation taten sich hier etwas positiver hervor. Wie dem auch sei, für den gediegenen Drehmomentwellen-Surfer, zu dem dieser Antrieb gerne erzieht, gut verkraftbar.

ABS bei MT-07 2021 deutlich feiner

Und wo wir noch beim Thema Längsdynamik sind: Dazu ­gehört ja bekanntlich auch Negativbeschleunigung, ebenfalls ­bekannt als Verzögerung. Ja, auch hier ist Yamaha bei der Überarbeitung der Yamaha MT-07 aktiv geworden. Die Bremsscheiben sind mit dem Modelljahr 2021 ein wenig größer geworden. Nein, spüren tut man das nicht wirklich. Zumindest, was die reine Bremspower angeht. Beide MT-07 stoppen in gleicher Weise manierlich, aber für hartes Ankern muss auch entsprechend hart reingelangt werden. Angst vorm Überschlag muss keiner haben. Kommt man jedoch in den Regelbereich des ABS, zeigen sich Unterschiede. Wo die alte Yamaha MT-07 teilweise sehr grob regelt und die Bremse mitunter bedenklich lange aufmacht, moduliert die neue Yamaha MT-07 deutlich feiner und fixer. Da scheinen die Weißkittel im Verborgenen getüftelt zu haben. (Zugegebenermaßen) wilde Theorie dazu: Vielleicht hat auch die neue, viel haftfreudigere ­Bereifung ihren Anteil daran, denn mehr Grip überträgt auch mehr Bremskraft und lässt das ABS folglich weniger einschreiten.

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Zeitgemäße Michelin Road 5

Den brandaktuellen Michelin Road 5 und den – wohlwollend gesagt – "dienstalten" und bislang verbauten Bridgestone BT 023 gegeneinander antreten zu lassen, ist etwa so, als würde man seinen 70-jährigen Vater zum Sprintduell herausfordern: tendenziell unfair. Das zeigt sich vor allem, wenn man die beiden Yamaha MT-07 ins Kurven­dickicht schmeißt. 185 Kilogramm, 1.400 Millimeter Radstand, 90 Millimeter Nachlauf: Diese Daten gelten für beide Modellgenerationen gleichermaßen und unterstreichen wirksam, was man eh schon wusste. Eine MT-07 ist immer ein Handlingwunder, es gibt wenige Motorräder mit solcher Schlagkraft, die sich ähnlich leicht und intuitiv ums Eck biegen lassen. Dafür aber einige, die das stabi­ler tun. Und dazu zählt seit dem Modelljahr 2021 auch die Yamaha MT-07. Die Kombination aus der etwas sensibleren Dämpfung, dem spürbar souveräneren Hebel und der viel vertrauensvolleren und neu­traleren Bereifung bringt deutlich mehr Sattheit und Ruhe in die Schräglagen. Schlaglöcher und andere Unwägbarkeiten des Untergrunds, Lenkkorrekturen oder auch der Griff zur Bremse bringen die MT-07 nun weniger aus der Fassung. Ganz im Geiste der übrigen Updates nicht in weltbewegender, aber dafür in angenehm spürbarer Form. Und natürlich zahlt auch das noch mehr auf das ohnehin schon recht prall gefüllte Breitentauglichkeitskonto der kleinen Yamaha ein.

Apropos Zahlen und Breitentauglichkeit: 204 Euro Aufpreis zur bisherigen MT-07 gehen angesichts der vielen kleinen Tweaks schwer in Ordnung und sprechen für eine klare Kaufempfehlung. Wer sich trotz allem nicht mit der neuen Optik anfreunden kann, schnallt einen anständigen Lenker und zeitgemäße Reifen auf die bisherige Yamaha MT-07 und ist nahezu auf selbem Level unterwegs. Allerdings nicht wirklich viel günstiger, wenn man sich die beeindruckende Wertstabilität der MT-07 anschaut.

Fazit

Yamaha MT-07, das heißt unkomplizierter Motorradspaß auf hohem Niveau, mit dem Anfänger, Wiedereinsteiger, Routiniers und so ziemlich alle dazwischen ihr Glück finden können. Daran ändert auch die neueste Ausbaustufe nichts. Wie bei stetiger Evolution üblich, ist der Feinschliff aber wieder ein Stück gewachsen. Schlechter ist die Neue nirgendwo, aber dafür an einigen Stellen besser. Welche nun nehmen? Angesichts von Güte und Wertstabilität des bisherigen Modells ist die entscheidende Frage wohl eher: Wie tief mag man in die neuen Augen, Korrektur, das neue Auge blicken?

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