Voge China Voge
BMW F 850 GS Modelljahr 2021
BMW F750 GS
BMW F 900 XR (2020)
BMW F 900 R Modelljahr 2020 26 Bilder

Chinas Motorradmarken

Chinas Motorradmarken Giganten, die kaum einer kennt

Sie heißen Grampus oder Jack Fox, Rebel oder Rex, Sky Team oder Vixen. Eines eint alle Marken aus dem Riesenreich der Mitte: Sie lassen die Muskeln spielen. Hier einige international wichtige Hersteller.

An die 200 verschiedene Hersteller von motorisierten Zweirädern in China bringen es zusammen auf rund 240 Marken und weit über 20 Millionen Einheiten pro Jahr, vom Mofa bis zum großen Motorrad. Darunter einzelne Firmen mit einer Produktion von mehr als einer Millionen Fahrzeuge pro Jahr. Tendenz: Qualität, Zylinderzahl, Hubräume und Leistung steigen. Wichtig auch für den Export nach Europa und Amerika.

CFMOTO China
CFMoto

Zu Chinas führenden Motorradherstellern gehören Grand River mit den Marken Haojue, Lifan, Loncin, Zongshen, Jialing, Jianshe, Qianjiang, Haojin, Shineray, Bashan, Jonway, Wuxi Futong und Cyclone. Zunehmend an Bedeutung gewinnen E-Scooter und andere rein elektrische Zweiräder.

Viele namhafte Kooperationspartner

MV Agusta QJ Motor
MV Agusta

Viele ausländische Motorradhersteller kooperieren mit chinesischen Motorradfirmen: BMW mit Loncin, Fantic und Piaggio mit Zongshen, Suzuki mit Haojue, Peugeot mit Qingqi, Yamaha mit Jianshe, Honda mit Jialing und MV Agusta mit Qianjiang, dem Eigentümer von Benelli. Diverse Joint Ventures reichen von Auftragsfertigung über abgestimmte Forschung und Entwicklung und gemeinsame Produktionsunternehmen bis hin zu Kooperationen bei Vertrieb, Verkauf und Marketing. An bilateralen Betrieben hält der chinesische Partner per Dekret mindestens 51 Prozent der Anteile.

Zongshen mit Fantic und Piaggio

Zongshen Cyclone RX6
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Zongshen Cyclone RX6

Selfmademan Zuo Zongshen gründete 1982 in Chongqing in einer Hütte mit Lehmboden eine Reparaturwerkstatt für Motorräder. 1992 folgte die erste eigene Fabrik, 1996 das erste eigene Motorrad. Heute hat der Zongshen-Konzern etwa 18.000 Mitarbeiter in rund 30 Tochtergesellschaften und Joint Ventures, baut rund vier Millionen motorisierte Zweiräder pro Jahr. Das ist mehr als Kawasaki. Die wichtigsten Geschäftsbereiche sind Motoren, Motorräder und Immobilien. Die beiden börsennotierten Tochtergesellschaften Zongshen Power und Zongshen PEM gründeten vereint im Jahr 2010 die eigene Motorradwerkstattkette Master Zuo, quasi das ATU für chinesische Motorradfahrer.

Aprilia Terra 150
Aprilia
Aprilia Terra 150

Seit 2004 produziert Zongshen im Auftrag einige Aprilia- und Piaggio-Modelle und übernimmt den Vertrieb aller Marken von Piaggio in China, ebenso von Harley-Davidson. Zongshen baut sämtliche Bikes von Malaguti und die Motoren für Fantic, der Konzern unterhält ein Motorradwerk im aufstrebenden Motorradland Vietnam.

Markennamen des Zongshen-Imperiums sind insgesamt in mehr als 160 Ländern registriert. Dazu zählen Lexmoto (Großbritannien), Motorhispania (Spanien), Minsk (Russland und Belarus), Zanella (Argentinien), AKT (Kolumbien), Ryuka (Thailand) sowie Kasinski (Brasilien) und auch Zündapp. Das Werksteam von Zongsheng nahm als erstes chinesisches Team ab 2002 an der Motorradweltmeisterschaft teil.

Shineray mit Mash und SWM

SWM im Modelljahr 2020.
SWM.

Shineray wurde erst 1997 gegründet und stieg rasch zum Großkonzern auf. Noch 2007 war die Qualität einer damals nur übers Internet in Deutschland erhältlichen 125er bei Tests in MOTORRAD sehr mau. Doch das ist für chinesische Verhältnisse verdammt lange her. Neben Autos und Maschinen baut Shineray vor allem Zweiräder: Pendler-Fahrzeuge im Stil der Honda Super Cub, aber auch Roller, kleine Enduros und Sportler, zumeist bis 250 Kubik für lokale Märkte. Shineray fertigt ebenfalls im Boomland Vietnam – und in Italien: 2014 ermöglichte erst eine Finanzspritze von Shineray die Wiederbelebung der Marke SWM. So ist SWM mit seiner Produktion in der EU für Shineray ein Sprungbrett nach Europa, Motoren liefert das chinesische Mutterhaus. Zudem fertigt Shineray als Produktionspartner sämtliche Mash-Modelle mit 400 und 650 cm³. Topmodell ist die neue Mash X-Ride 650 Classic. Mash entwickelt und designt in Beaune/Frankreich, vertreibt die Maschinen in 26 Ländern. Kleinere Maschinen (50er, 125er und 250er) baut Jinan Qingqi (4.300 Mitarbeiter) für Mash.

Qianjiang Group (QJ) mit Benelli, Geely, Keeway, Harley-Davidson

Benelli 1200 GT
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Benelli 1200 GT Luxustourer

Die Qianjiang Group Co. Ltd. (QJ) wurde vor 50 Jahren, 1971, gegründet. Aktuell produziert der Konzern mit rund 13.500 Mitarbeitern jährlich etwa 1,2 Millionen motorisierte Zweiräder und Quads. 2005 übernahm QJ Benelli, beließ die Entwicklung in Pesaro/Italien. Gebaut werden alle Benellis als Technologietransfer komplett in China. In Deutschland übernehmen 93 Benelli-Händler Verkauf und Service. Seit 1999 vertreibt QJ seine in China "Qianjiang" betitelten Fahrzeuge im Export unter der Marke Keeway. Ferner baut QJ die Roller von "Explorer" und "Generic".

Seit 2016 hält der Autohersteller Geely, dem bereits Volvo, Lotus und London-Taxi gehören, knapp 30 Prozent von QJ. Konzernbesitzer ist der 57-jährigen Milliardär Li Shufu, der die Firma 1986 gründete. Sie baute 1992 erste Motorräder. 2018 erwarb Li Shufu über eine Investmentgesellschaft für fast 7,5 Milliarden Euro rund zehn Prozent der Aktien der Daimler AG, wurde so größter Einzelaktionär der Stuttgarter. Für Harley-Davidson soll QJ ab 2021 eine 350er für den asiatischen Markt fertigen.

Loncin mit BMW und Voge

Voge 500 AC
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Voge 500 AC

Die 1993 in Chongqing gegründete Loncin Industrial Group Co. Ltd. baut seit 1996 Verbrennungsmotoren für verschiedenste Anwendungen, etwa Kettensägen und Rasenmäher. 1999 kam Loncins erstes Motorrad auf den Markt. Seither wuchs das Unternehmen stark: Bereits 2006 war Loncin größter chinesischer Motorrad-Exporteur. Von rund 5.000 Beschäftigten arbeiten etwa 200 im Forschungs- und Entwicklungszentrum. Die Produktpalette umfasst über hundert Modelle: Mofas, Mopeds, Motorroller, Motorräder und Quads.

BMW F 900 XR Eicma 2019
Jörg Künstle
BMW F 900 XR

Als Antrieb dienen luft- und wassergekühlte Zwei- und Viertaktmotoren mit Hubräumen zumeist bis 300 cm³. Daher fungieren die 500er-Typen von Loncins neuer Edelmarke Voge als Topmodell. In Deutschland gibt es bereits 70 Voge-Händler. BMW Motorrad nutzt Loncin als Motorenproduzent, zunächst für die späten 650er-Singles. Seit 2018 liefert Loncin die Reihen-Zweizylinder der F-Serie mit 850 und 900 cm³, die Vorgänger mit 800 cm³ kamen von Rotax in Österreich. Zudem fertigt Loncin komplett die 400er-Roller BMWs.

Lifan

Lifan KP350
Lifan
Lifan KP350

Mit Hauptsitz in Chongqing produziert Lifan Industry (zu Deutsch: "kraftvolles Segel") Pkw, Lkw, Nutzfahrzeuge und Motorräder. 1992 startete das Unternehmen mit nur neun Mitarbeitern als Zweiradhersteller, erstes Modell war die Lifan TMS 200. Bereits wenige Monate nach der Gründung folgten weitere Straßenmotorräder und Dirtbikes. Durch rasche Erfolge stieg Lifan zu einem der größten chinesischen Motorradhersteller auf, beschäftigt heute rund 15.000 Mitarbeiter, baut mehrere Millionen Bikes jährlich.

Ferner etablierte Lifan unter anderem in Thailand und Vietnam eigene Produktionsstätten. Autos produziert Lifan seit 2002, Lastwagen seit 2003. Lkw der Marke laufen in vielen Ländern Südostasiens und Lateinamerikas, in Afrika und dem Nahen Osten. Bislang hat Lifan noch nicht in die Europäische Union exportiert. Innerhalb der EU bieten vereinzelte Händler die Modelle Lifan LF 125 und Lifan LF 150 aus bulgarischer Produktion an.

CFMoto mit KTM

CFMoto 700 CL-X Heritage
CF Moto
CFMoto 700 CL-X

1989 gründeten die Gebrüder Lai Zhejiang CFMoto Power Co. Ltd. als Teilezulieferer. Ab 1996 fertigte die Firma eigene Motoren, 2000 lief das erste eigene Motorrad, 2004 das erste ATV vom Band. In der top-modernen Fabrik auf einem 200.000 m2 großen Areal entstanden bereits weit über 100 verschiedene Modelle, mit Dutzenden eigenkonstruierten Motoren. Mehr als 100 Patente hält CFMoto, exportiert in über 70 Länder. Zudem kooperiert der Konzern seit 2009 mit KTM und dem österreichischen Design-Team Kiska bei der Entwicklung neuer Motorräder. Die chinesische Firma übernimmt seither auch Import und Vertrieb sämtlicher KTMs in China.

CF Moto 1250 TR-G 2021 China
CF Moto
CFMoto 1250 TR-G

Ab 2021 baut CFMoto zudem alle 790er-Modelle von (also für) KTM in einer eigens dafür errichteten KTM-Fabrik gegenüber dem CFMoto-Stammsitz in Hangzhou. In diesem Produktions-Joint-Venture wird in Österreich entwickelt, in China gefertigt. Erstes Projekt wird ein Naked Bike mit dem bei CFMoto produzierten Motor der 790er-Duke sein. KTM-Boss Pierer nennt es "einen Einstiegs-Zweizylinder als Weltmodell". CFMoto selbst produziert die schicke Reiseenduro MT 800 mit KTMs 95-PS-Twin. Den Vertrieb von CFMoto in Europa übernehmen dabei die Importprofis KSR.

Die chinesische Zweirad-Industrie

  • Die chinesische Motorradindustrie ist die größte der Welt, sie verteilt sich auf drei Hauptregionen: die Provinzen Guangdong und Zhejiang sowie als Zentrum der Motorradproduktion die Megametropole Chongqing, mit 34 Millionen Einwohnern größter Ballungsraum der Welt.
  • In China existieren bis zu 200 verschiedene Hersteller motorisierter Zweiräder (Motorräder, Roller und 50er/125er).
  • Allein im Jahr 2013 fertigte man fast 22,9 Millionen Einheiten, Tendenz stark steigend.
  • Rund 40 Prozent der Produktion gehen in den Export.
  • Hinzu kommen exportierte Motoren, auch nach Europa. Allein 2013 waren dies rund 26,2 Millionen Aggregate.
  • China produziert ferner Autorikschas und offene Geländefahrzeuge mit drei und vier Rädern (Quads und ATVs) in großer Zahl.
  • China ist zudem ein führender Hersteller von Motorradteilen und -zubehör, von A wie Auspuff bis Z wie Zylinderkopfdichtung.
  • Ferner findet in China ein großer Teil der weltweiten Produktion an Motorradbekleidung statt, beispielsweise Textilanzüge von Rukka.
  • Auch als Herkunftsland von Helmen holt China rasant auf. Hierzulande bekannte Marken sind etwa LS2 und Scorpion.

    Umfrage

    Werden die Chinesen zu ernsthaften Konkurrenten für die etablierten Motorradhersteller?
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    Nein, die erreichen nie deren Niveau.

Fazit

Noch werden hierzulande chinesische Motorräder vielfach immer noch belächelt, aber die Zweiradgroßmacht rüstet sich für neue Märkte. Die chinesische Motorradindustrie ist die größte der Welt. An die 200 verschiedene Hersteller von motorisierten Zweirädern in China bringen es zusammen auf rund 240 Marken und weit über 20 Millionen Einheiten pro Jahr, vom Mofa bis zum großen Motorrad.