Debatte um Simson-Mopeds: Nachfahren kritisieren Nutzung als politisches Symbol

Nachfahren kritisieren Nutzung als politisches Symbol
Debatte um Simson-Mopeds

ArtikeldatumVeröffentlicht am 19.02.2026
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Simson Schwalbe
Foto: Thomas Schmieder

Die Zweitakt-Mopeds aus Suhl genießen Kultstatus: Die Simson Schwalbe ist das meistgebaute motorisierte Zweirad aus Deutschland. Der VEB Fahrzeug- und Jagdwaffenwerk Simson Suhl produzierte von 1964 bis 1988 insgesamt 1.176.640 Exemplare davon. Die Baureihen waren KR 51 (1964–1968), KR 51/1 (1968–1980) und KR 51/2 (1980–1986).

Simson im Wahlkampf und als immaterielles Kulturerbe

Doch in der aktuellen Debatte geht es weniger um Technik oder Szene, sondern darum, ob die Marke politisch als Symbol dient. Mehrere Medien berichten, dass AfD-Politiker die Simson-Mopeds als politisches Zeichen nutzen. So setzt der thüringische AfD-Landeschef Björn Höcke Simson-Fahrzeuge bei Wahlkampftouren ein.

Laut Mitteldeutschem Rundfunk (MDR) hatte die AfD in mehreren ostdeutschen Landtagen vorgeschlagen, Simson als immaterielles Kulturerbe zu schützen. Ein AfD-Antrag in Brandenburg beschreibt die Marke als Symbol für "Freiheit, Unabhängigkeit und Individualität".

Simson-Nachfahren distanzieren sich

Die Nachfahren der Gründerfamilie distanzieren sich deutlich davon. Der MDR berichtet, die heute in den USA lebenden Nachkommen der jüdischen Familie Simson lehnen die Vereinnahmung der Moped-Marke durch die AfD ab.

Dennis Baum, Sprecher der Familie, erklärte gegenüber der Deutschen Presse-Agentur (dpa): "Wir empfinden jede Verbindung mit der AfD als abstoßend und als Beleidigung unseres Namens." AfD-Landeschef Björn Höcke weist die Kritik zurück. Er spricht von "Symbolhysterie" und nennt die Sichtweise der Familie "befremdlich".

MDR-Beitrag erinnert an Geschichte der Familie

Der MDR erinnert an die Geschichte der Familie: Die jüdischen Simsons wurden 1936 von den Nationalsozialisten vertrieben und flohen in die USA. Baum betont, die Familie habe eine Tragödie erlebt, geprägt von Intoleranz gegenüber Juden. Vor diesem Hintergrund empfindet die Familie die Nutzung ihres Namens durch die AfD als "Verhöhnung unserer Geschichte".

Das Werk in Thüringen gründeten die Brüder Moses und Loeb Simson, zunächst als Waffenhersteller. Parallel bauten sie Fahrzeuge und entwickelten den Rennwagen Simson Supra. In der NS-Zeit zwang man die Familie zum Verkauf, berichtet der MDR.

In der DDR führte man die Fabrik als volkseigenen Betrieb. Die Mopedproduktion begann im Auftrag der sowjetischen Militäradministration. Nach 1990 versuchten die Nachfahren, das Unternehmen zurückzugewinnen und legten ein Konzept vor, das über die Produktion von Jagdwaffen den Standort sichern sollte. Die Treuhand lehnte ab und entschädigte die Familie mit 18,5 Millionen Mark, berichtet der MDR.

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