TÜV Plakette HU Hauptuntersuchung Katrin Sdun

Keine HU-Pflicht in Frankreich, Dänemark, Finnland

EU-Regelung zur technischen Prüfung für Motorräder Frankreich setzt Vorschrift nun doch um

Die EU beschloss eine einheitliche Regelungen zur technischen Prüfung von Motorrädern/Rollern. Dänemark und Finnland machen nicht mit. Frankreich wehrte sich lange, startet nun aber im Oktober 2022.

Ist ein Motorrad in Frankreich erst einmal zugelassen, brauchte es bisher keine weiteren technischen Untersuchungen – und zwar egal, wie viel Kubik Hubraum oder Leistung es hat. Zum 1. Januar 2022 hätte sich das ändern sollen – zumindest auf Wunsch der EU und für alle Motorräder und Roller ab 125 cm³ Hubraum. Wir berichteten im Frühjahr zu den EU-weit geplanten Maßnahmen für ausnahmslos alle motorisierten Zwei-, Drei- und Vierräder, auch für die bis 50 cm³ Hubraum.

HU in Frankreich für ältere Krafträder

Frankreichs Verkehrsminister Jean-Baptiste Djebbari und Frankreichs Präsident Emmanuel Macron bekannten sich im Sommer 2021 aber ganz klar gegen die von der EU gewollten periodischen Motorradinspektionen. Am 3. September 2021 gab der Verkehrsminister bekannt: "Es wird keine technische Kontrolle für Zweiräder geben, in der Form wie sie geplant war. Wir werden das System neu überdenken." Mit der Bestätigung der Aufhebung des Dekrets durch den Staatsrat im Frühjahr 2022 und der am 8. April 2022 folgenden Stellungnahme durch die beteiligten Ministerien und die anschließende Veröffentlichung im Amtsblatt, sollte die periodische technische Inspektion (PTI) in Frankreich dann endgültig vom Tisch sein. Stattdessen wolle man "konkretere und weniger restriktive alternative Maßnahmen zur Verbesserung der Sicherheit und der Umweltverträglichkeit von motorisierten Zweirädern umsetzen", so der Verkehrsminister. So ganz scheinen die Regierungspläne aber nicht aufgegangen zu sein, denn kürzlich beschloss der Staatsrat, dass die ursprünglich für Januar 2023 geplante Regelung auf Oktober 2022 vorgezogen werden soll. Demnach sollen zu diesem Zeitpunkt, Motorräder und Roller, die vor dem 1. Januar 2016 neu zugelassen wurden, ihre Hauptuntersuchung ablegen müssen.

In der Entscheidung argumentiert die Behörde, dass es "keine Rechtfertigung" für einen Aufschub bis 2023 gebe. Auch Sicherheits- und Umweltgründe werden aufgeführt: In Frankreich sei die Wahrscheinlichkeit, in einen tödlichen Unfall verwickelt zu werden, für den Fahrer eines Zweirads 22 Mal höher als für den Fahrer eines vierrädrigen Kraftfahrzeugs. In Deutschland läge der Faktor bei 16 und in Spanien bei 17 – beides Länder, in denen die HU bereits Pflicht ist. Auch die Verringerung von Lärm- und Luftverschmutzung erfhoffen sich die Entscheider von der neuen Regelung.

Dänemark setzt auf gezielte Kontrollen

Dänemark setzt die von der EU beschlossenen regelmäßigen technische Prüfungen von Motorrädern und Rollern nicht um. Stattdessen tritt zeitgleich mit der EU-Vorschrift ein neues Gesetz in Kraft, welches der dänischen Straßenverkehrsbehörde erlaubt, den technischen Zustand und die Lärmentwicklung von Motorrädern strichprobenhaft am Straßenrand zu kontrollieren. Dies soll, in Kombination mit den bereits durchgeführten Inspektionen, zu mehr Sicherheit im Straßenverkehr führen. Mehr Infos zu der Regelung in Dänemark inklusive die Bußgeldhöhen gibt es hier.

Finnland wird den EU-Beschluss nicht umsetzen

Neben Frankreich und Dänemark formulieren die Finnen ganz klar ihre Haltung zu den von der EU beschlossenen technischen Prüfungen. Kürzlich fragte der finnische Motorradverband SMOTO beim finnischen Ministerium für Verkehr und Kommunikation nach, ob Finnland am 1. Januar 2022 eine regelmäßige Inspektion von Motorrädern einführe, die am oder nach dem 1. Januar 2023 in Kraft trete, oder ob es beabsichtige, die derzeitige Praxis fortzusetzen. Der Verband bekam eine deutliche Antwort: "Finnland führt keine Straßentauglichkeitsprüfung für die fraglichen Fahrzeuge ein, d. h. Finnland wird die derzeitige Praxis fortsetzen." Das Ministerium teilte außerdem mit, dass ausreichend wirksame Maßnahmen bereits vorhanden seien und diese Einschätzung sowie eine Liste der Maßnahmen der EU-Kommission bereits im März 2019 vorgelegt wurde.

Haltung der FEMA

Sowohl der FFMC, der MCTC und der SMOTO sind Mitglieder des europäischen Motorradverbands FEMA. Und die Haltung zu den von der EU beschlossenen regelmäßigen technischen Prüfungen ist klar, wie FEMA-Generalsekretär Dolf Willigers sagt:
"Die Diskussion um die wiederkehrende technische Inspektion von Motorrädern ist eine sehr alte Diskussion, in der verschiedene Parteien argumentieren, dass sie der Verkehrssicherheit zugutekommen würden. Es gibt jedoch keine Hinweise darauf, dass der technische Zustand von Motorrädern bei Unfällen eine wesentliche Rolle spielt.
Die vorliegenden Berichte über Motorradunfälle weisen alle in die entgegengesetzte Richtung: Der technische Zustand von Motorrädern spielt bei Unfällen nur eine sehr marginale Rolle. Die Schulung von Verkehrsteilnehmern, Verhaltensaspekte, Infrastruktur und die Durchsetzung bestehender Verkehrsregeln spielen eine viel größere Rolle für die Verkehrssicherheit, als es regelmäßige technische Kontrollen."

Fazit

Nach Ansicht vieler Roller- und Motorradfahrer in Frankreich sind Unfälle häufiger auf Unaufmerksamkeit, verspätete Reaktionen oder überhöhte Geschwindigkeit zurückzuführen als auf technische Probleme. Das ist auch die Haltung der FEMA und vieler ihrer Mitgliedsverbände. Damit könnten sie recht haben. Trotzdem kann eine regelmäßige technische Überprüfung sinnvoll sein. Sinnvoll scheinen die Vereinheitlichungsregelungen der EU dennoch nicht immer. Vor allem wenn die Regelungen auf Studien basieren, die alles andere als unabhängig sind, sondern von Institutionen und Forschungszentren erstellt und vorangetrieben werden, deren wirtschaftliche Grundlage eben genau diese technischen Fahrzeugprüfungen sind (wir berichteten im April 2021).

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