Die Triumph Tiger Explorer sticht als Reisemobil so manchen Supertourer aus. Als souveräne Dreizylinder-Maschine mit Kardan begeistert sie Fern- und Vielfahrer.
Die Triumph Tiger Explorer sticht als Reisemobil so manchen Supertourer aus. Als souveräne Dreizylinder-Maschine mit Kardan begeistert sie Fern- und Vielfahrer.
Mit der Tiger 800 hatte Triumph im Jahr 2010 erfolgreich vorgelegt. So bestärkt, wagte man sich zwei Jahre später in die Königsklasse der Großenduros und stellte mit der Triumph Tiger Explorer eine 1200er vor. Mit starken 137 PS. Dort allerdings lag die Messlatte schon recht hoch, denn Dauerbestseller BMW R 1200 GS und Mitbewerber wie Ducati Multistrada, Honda Crosstourer, Moto Guzzi Stelvio oder Yamaha Super Ténéré tummelten sich bereits im äußerst populären Marktsegment mit unterschiedlichen Konzepten, aber ähnlich hubraumstarken Motoren.
Um dort Land zu sehen, musste man also gute Kaufargumente anbringen können. Das tat die Triumph Tiger Explorer. Sie gewann im MOTORRAD-Megatest auf Anhieb die Reisewertung. Der seidenweiche und recht verbrauchsarme, aber bärenstarke Dreizylinder, eine durchdachte und hochwertige Reiseausstattung und -ergonomie sowie der erstaunlich neutrale Kardanantrieb ohne lästige Reaktionen überzeugten auf langer Tour.
Sogar so sehr, dass manch Triumph-Händler bei Tourenfahrern in Erklärungsnot geriet, warum man überhaupt den Supertourer Trophy im Programm habe, wo doch die Triumph Tiger Explorer eigentlich alles besser könne. Voll soziustauglich und ultrabequem, trotz des recht hohen Gewichts von gut 270 Kilogramm in Fahrt aber sehr handlich und präzise bei Kurvenfahrt – somit braucht die Enduro kaum eine Vielseitigkeitsprüfung zu fürchten. Nur für Geländefahrten taugt sie nicht, zu kopflastig. Auch die seit 2013 mehr Abenteuer suggerierende XC-Variante mit Drahtspeichenrädern ist: ein Straßentourer.
Vier Jahre lang tat sich bei der Modellpflege nicht viel, und die Triumph Tiger Explorer verkaufte sich jährlich zwischen 600- und 800-mal recht gut. Für das Modelljahr 2016 überarbeitete man den Motor – mehr Drehmoment und Leistung –, bot hierzulande fünf verschiedene Varianten an, fast alle mit elektronischem Fahrwerk. So bleibt die große Tiger dran am Platzhirsch von BMW und dem Anspruch, einer der besten Reise-Allrounder zu sein.
Etwas über 3.000 Tiger Explorer wurden insgesamt seit der Erstauflage 2012 verkauft. Als Gebrauchte ist sie leicht zu finden, nicht billig, aber durchaus preiswert zu ergattern.
8.680 Euro
Beispiel: EZ 4/2012, 54.686 km
Angebot vom Vertragshändler: ein Jahr Gewährleistung, scheckheftgepflegt. Jahresinspektion neu, erste Hand. Hyperpro-Federelemente, Tempomat
Beispielanzeige: 66.000 km, EZ 7/2012, sehr gepflegter Zustand, unfallfrei, Vollausstattung, Sturzbügel, Reifen gut. Langstrecken-km aus 1. Hd. (letzter Service bei 64.000 km), Anlieferung/Inzahlungnahme/Finanzierung möglich, 7.995 Euro (Händler aus Schleswig-Holstein)
Niedriges Preisniveau. Unter 8.000 Euro ist die Angebotsdichte sehr gering. Außer sichtbar im Alltag benutzten Maschinen und extremen Langläufern mit mehr als 50.000 Kilometern auf der Uhr findet sich kaum etwas in den Inseraten.
Beispielanzeige: 22.000 km, EZ 10/2012, HU 9/2018, Männermotorrad – kpl. Kofferset, zusätzlich Original-Triumph-Topcase, Tankrucksacksystem mit allen Täschchen usw., Verhandlungsbasis 9.500 Euro (Privatanbieter aus Bayern)
Mittleres Preisniveau. Für viele Interessenten liegt eine psychologische Schmerzgrenze bei 10.000 Euro. Darunter herrscht sehr große Nachfrage, darüber mutiert die Explorer auch mal zum Ladenhüter. Tipp: sich solche „Problemfälle“ genau anschauen und hart verhandeln!
Beispielanzeige: 3.900 km, EZ 06/2015, Arrow-Sportauspuff mit ABE, SW Motech-Lenkererhöhung, Powerbronze-Komfortsitzbank, zwei Jahre Werksgarantie und danach zwei Jahre Triumph-Zusatzgarantie, Inspektion durchgeführt, deutschlandweiter Transport möglich, 11.990 Euro (Händler aus Niedersachsen)
Hohes Preisniveau. Hier lauern Schnäppchenjäger auf Jahresmaschinen oder Top-Neuwertbikes mit vielen Extras. Gegenüber Neukauf: Ersparnis von einigen Tausend Euro möglich. Spannend.
Die bei Ihnen angebotene Triumph Tiger Explorer hat einen Vorbesitzer und mehr als 50.000 Kilometer auf der Uhr. Warum steht sie zum Verkauf?
Ach, das ist eigentlich ganz witzig. Der Vorbesitzer war im April 2012 einer der ersten Käufer, als die Triumph Tiger Explorer rauskam. Er war zufrieden und glücklich mit dem Motorrad. Nun, da Anfang des Jahres die neue Explorer präsentiert wurde, wollte er wieder eine Maschine mit null Kilometern haben. Aber eben nicht das überarbeitete Modell – wie wir erst dachten –, sondern unbedingt die gleiche Explorer aus erster Serie, die er ja schon hatte. Nun ja, dann haben wir seine alte eben in Zahlung genommen und er hat nun eine neue „alte“.
Sind solche Laufleistungen bei einem so jungen Modell nicht eher die Ausnahme?
Bei uns nicht. Wir haben traditionell schon immer viele Tourenfahrer als Kunden. Daher gab es auch schon Besitzer etwa einer Yamaha FJR 1300 mit sechsstelligen Laufleistungen. Die Triumph Tiger Explorer läuft bei uns sehr gut, ich möchte mal behaupten, kaum ein anderer Händler in Deutschland verkauft so viele davon wie wir. Die Vielfahrer in unserer Klientel spulen locker 20.000 Kilometer pro Jahr ab. Daher haben wir vergleichsweise viele Maschinen zum Kundendienst in unserer Werkstatt und verfügen über gute Erfahrungswerte zu diesem Modell. Und ich kann nur sagen: Schwachstellen unbekannt. Wenn der Service alle 16.000 Kilometer regelmäßig gemacht wird, gibt es keine Probleme.
Unverhoffte Kosten ausgeschlossen?
Man sollte als Gebrauchtkäufer beachten, dass die 32.000er-Inspektion relativ teuer ist. Da wird das Ventilspiel kontrolliert, Flüssigkeiten, Öl, Kerzen, Luftfilter und andere Sachen sind dran. Fast sechs Arbeitsstunden plus Teile darf man einplanen. Das kann mal schnell 700 bis 800 Euro kosten. Also aufpassen, wenn jemand eine Triumph Tiger Explorer mit knapp unter 30.000 Kilometern anbietet.
Wer interessiert sich denn üblicherweise für die Tiger Explorer?
Tiger 800-Aufsteiger sowie ältere Umsteiger von Straßenmaschinen, deren große Kinder aus dem Haus sind und deren Frau als Sozia nun am Hobby Motorrad teilnimmt. Die finden mit der Triumph Tiger Explorer eine bequeme Tourenmaschine für zwei. Überwiegend sind es aber Interessenten an einer großen Reiseenduro, die zunächst eine BMW GS ins Auge gefasst hatten, aber vom Fahrverhalten mit Teleleversystem irritiert waren. Nach Probefahrt mit der Explorer und ihrer herkömmlichen Gabel lassen sie sich oft umstimmen.
Tests in MOTORRAD
FB = Fahrbericht, TT = Top-Test, VT = Vergleichstest; Artikel-Download unter www.motorradonline.de/ekiosk
Internet
BMW R 1200 GS LC: Den „Wasserboxer“ gibt’s seit 2013, nun ist er hundertfach im Gebrauchtangebot. Oft überteuert und mit vielen Kilometern. Zweizylinder-Boxermotor, 125 PS, Gewicht 251 kg, 0–100 km/h in 3,6 sek, Vmax 219 km/h, Verbrauch 4,8 Liter, ABS, ab 10.000 Euro*
KTM 1190 Adventure: Der rassig-sportliche Dampfhammer (Bauzeit 2013/2014) wird secondhand vergleichsweise häufig angeboten. Zweizylinder-75-Grad-V-Motor, 150 PS, Gewicht 238 kg, 0–100 km/h in 3,7 sek, Vmax 250 km/h, Verbrauch 5,6 Liter, ABS, ab 8.500 Euro*
Moto Guzzi Stelvio: Genau das Richtige für Individualisten. Die Guzzi ist bei den wenigsten Reiseenduro-Touristen auf dem Schirm. Zweizylinder-90-Grad-V-Motor, 105 PS, Gewicht 267 kg, 0–100 km/h in 3,9 sek, Vmax 220 km/h, Verbrauch 5,3 Liter, ABS, ab 6.500 Euro*
Yamaha XT 1200 Z Super Ténéré: Oft als zu dröge verunglimpft, aber so langsam spricht sich rum, dass sie als Gebrauchte ein cleverer Günstig-Deal ist. Zweizylinder-Reihenmotor, 110 PS, Gewicht 267 kg, 0–100 km/h in 3,7 sek, Vmax 210 km/h, Verbrauch 5,2 Liter, ABS, ab 6.500 Euro*
*von der Redaktion ermittelte Gebrauchtpreise