Motorradlärm
Debatte um Lautstärke von Motorrädern
Reinhard Schmid

Gegen laute Motorräder

Erste Motorradlärm-Initiative auch in der Schweiz

Mit Blick auf die alpenländischen Nachbarn in Österreich wurde jetzt auch im Schweizerischen Nationalrat eine Initiative gegen laute Motorräder eingebracht.

Die Schweizer Nationalrätin Gabriela Suter (Sozialdemokratische Partei der Schweiz) fordert ein generelles Fahrverbot für sogenannte "laute Motorräder" in der Schweiz. Suter hat dazu eine parlamentarische Initiative gestartet, die vorsieht, die gesetzlichen Änderungen für ein Fahrverbot von Motorrädern mit einem Standgeräusch von über 95 Dezibel zu schaffen.

Österreich als Vorbild

Ihren Vorstoß begründet die Aargauer SP-Nationalrätin Suter wie folgt:

"Tirol macht es vor: Auf beliebten Ausflugsstrecken sind ab 10. Juni 2020 Motorräder verboten, deren Standgeräusch 95 Dezibel überschreitet. Damit reagiert Tirol auf die Lärmbelästigung durch lärmende Motorräder. Vor allem an den Sommerwochenenden stört dröhnender Motorradverkehr mit hochtourigem Fahren bei Beschleunigungs- und Bremsvorgängen die Ruhe in den Alpen. Dieses in Österreich erstmals auf Lärm basierende Fahrverbot soll zu einer spürbaren Entlastung für Mensch und Natur führen.
Auch in der Schweiz sind die überlauten Motorräder insbesondere auf beliebten Passstrassen in den Voralpen und Alpen, aber auch im Mittelland ein grosses Ärgernis. Der Lärm beeinträchtigt Mensch und Natur übermässig. Verschiedene Vorstösse im Parlament scheiterten bisher an der Argumentation, die Lärmpegel müssten sich an die EU-Richtlinien halten, um das Landverkehrsabkommen mit der EU nicht zu gefährden. Da das Fahrverbot im Tirol offensichtlich EU-konform möglich ist, sollen Motorräder mit einem Standpegel von über 95 dB/A in der Schweiz ebenfalls nicht mehr fahren dürfen."

Gegenwind bekommt Suter von Nationalrat Walter Wobmann (SVP), der zugleich Zentralpräsident der FMS (Föderation der Motorradfahrer der Schweiz) ist. In einem offenen Brief wendet sich Wobmann an alle Schweizer Motorradfahrer und alle Politiker über alle Parteischranken hinweg:

"Wir alle müssen uns wehren. Über alle Parteigrenzen hinweg müssen jetzt alle, denen das Motorrradhobby am Herzen liegt zusammenstehen. Ich werde jedenfalls mit voller Kraft kämpfen. Wenn alle zusammenstehen, können wir gewinnen. Die nächste Zeit wird entscheidend sein! Wirklich verlieren tut man nur, wenn man nicht kämpft. Das ist ein Grundsatz von mir."

Nicht der erste Lärm-Vorstoß

Bislang ist diese parlamentarische Initiative im Schweizer Nationalrat nicht behandelt worden. Zudem gehen Beobachter davon aus, dass es für diesen Vorstoß so keine Mehrheit geben wird. Alledings gab es in der Schweiz bereits 2016 eine Initiative zum Thema "laute Motorräder". Die verlangte bereits zugelassene Motorräder, die "störende Emissionen" produzieren, verpflichtend Um- bzw. Nachzurüsten. Die Aushebelung des Bestandsschutzes wurde seinerzeit nur mit einer dünnen Mehrheit von 97 zu 79 Stimmen verhindert.

Fazit

Die Wolken am Motorradfahrerhimmel werden immer dunkler. Dass die Motorradindustrie selbst aktiv wird und leisere Fahrzeuge baut ist derzeit nicht absehbar. Hier hilft offensichtlich nur gesetzlicher Zwang. Bis dahin haben wir es als Motorradfahrer weitestgehend in der Hand mit unserem Verhalten im Straßenverkehr den Lärmgegnern den Wind aus den Segeln zu nehmen.

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